Brentano

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Biografie

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                 Annonciatens Bild

Am Hügel sitzt sie, wo von kühlen Reben
Ein Dach sich wölbt durchrankt von bunter Wicke,
Im Abendhimmel ruhen ihre Blicke,
Wo goldne Pfeile durch die Dämmrung schweben.

Orangen sind ihr in den Schoß gegeben
Zu zeigen, wie die Glut sie nur entzücke,
Und länger weilt die Sonne, sieht zurücke
Zum stillen Kinde in das dunkle Leben.

Der freien Stirne schwarze Locken kränzet
Ihr goldner Pomeranzen süße Blüte,
Zur Seite sitzt ein Pfau, der in den Strahlen

Der Sonne, der er sehnend ruft, erglänzet.
Mit solchen Farben wollte das Gemüte
Von Annonciata fromm ein Künstler malen.



               Ans Vaterland

Was wäre der Dichter wunderbar Spiel,
Zög's nicht wie Sonne durch innere Nacht;
Was wohl der Zauber in Ton und Lied,
Der wie der Frühling über Gräber hinzieht,
Wenn er die Lebendigtoten nicht weckte,
Und nicht die feigen Schlummernden schreckte.
Stehet auf! stehet auf! so rufet die Zeit,
Es ist der Richttag,der Herr ist nicht weit.



Armes Kind, es fleht dies Lied …

Armes Kind, es fleht dies Lied,
Denke nicht, wer es gesungen,
Wie der Herr, der auch nur sieht
Auf die Herzen und nicht auf die Zungen.

Da ihm heut die Gnade ward,
Die kein Heiliger verdienet,
Sei dem Bruder auch nicht hart,
Sei mit dem Getrennten ausgesühnet.

O vergib mir, so ich dich
Je mit Wort und Tat verletzet,
Recht von Herzen schmerzt es mich,
Sei dir reichlich mit Gebet ersetzet.



Auf Dornen oder Rosen hingesunken ...

Auf Dornen oder Rosen hingesunken? –
– Ob leiser Atem von den Lippen fließt –
– Ob ihr der Krampf den kleinen Mund verschließt –
– Kein Öl der Lampe? – oder keinen Funken? –

Der Jüngling – betend – tot – im Schlafe trunken?
– Ob er der Jungfrau höchste Gunst genießt –
Was ist's? das der gefallne Becher gießt –
– Hat Gift, hat Wein, hat Balsam sie getrunken –

Und sieh! des Knaben Arme Flügel werden –
– Nein Mantelsfalten, – Leichentuches Falten
Um sie strahlt Heilgenschein – zerraufte Haare –

O deute die undeutlichen Geberden,
O laß des Zweifels schmerzliche Gewalten –
Enthüll, verhüll das Freudenbett – die Bahre.



Aus Köllen war ein Edelknecht …

Aus Köllen war ein Edelknecht
Um Botschaft ausgegangen,
Den Vater hielt ihm Engelbrecht
Der Bischof hart gefangen.

Er ging gen Arle manchen Tag
Er ging in schweren Sorgen,
Sein Liebchen ihm im Sinne lag,
Der hätt er es verborgen,

Ganz traurig er am Brunnen lag,
In Busch und grünen Hecken,
Da hört er schallen Hufesschlag,
Und ging sich zu verstecken.

Er sah da einen frohen Mann
Sein Roß zur Quelle lenken,
Ein andrer ritt betrübt heran,
Sein Pferd am Born zu tränken.

Betrübter Mann! der frohe sprach
Gott woll dir Trost verleihen!
O froher Mann! der andre sprach
Was mag dich so erfreuen!

Herr Gottschalk sprach der frohe Mann
Geht frei aus seinen Banden,
Durch ein Mirakel er entrann
Mit allen den Verbannten.

Er hatte eine kleine Maus
Im Kerker zahm erzogen,
Die ging da freundlich ein und aus,
Und war ihm gar gewogen.

Doch einst sein kleiner Freund entlief,
Und wollte nicht mehr kehren,
Herr Gottschalk ihr gar traurig rief
Das Mäuslein wollt nicht hören.

Das schmerzte den getreuen Mann,
Sein Mäuslein wollt er haben,
Mit seinen Freunden er begann,
Nach ihrem Freund zu graben.

Und in der Erde eingescharrt
Fand Meißel er und Feilen,
Womit er ihre Bande hart,
Gar leichtlich konnt zerteilen.

Der andre sprach, mein Schwesterlein
Es liegt gar schwer gefangen,
Und selbst das treue Mäuslein dein
Könnt nicht zu ihr gelangen.

Des Schlosses Dach ist Himmelblau,
Die Mauren grüne Wellen,
Die Graben rings sind Flur und Au,
Die Fenster Fluß und Quellen.

Der süße Knecht die Liebe brach
In ihres Herzens Kammer,
Ihm stürzten die Gesellen nach,
Der Schmerz und böser Jammer.

Die Liebe blies das Lämpchen aus
Die Schmerzen sie bezwungen,
Und legten sie ins kühle Haus
Wohl auf den Tod gefangen.

Am Fels wo wild der Rhein zerschellt,
Wo bös die Schiffe stranden,
Dort ewig Sie gefangen hält,
Der Schlund in kühlen Banden.

Ein Freund des Bischofs sie belog,
Herr Hermann sei erschlagen,
Der insgeheim aus Köllen zog
Den Vater zu erfragen.

Dann zäumten sie die Rosse auf
Und rüst'ten sich zu scheiden
Und gaben sich den Handschlag drauf
Den Bischof zu bestreiten.

Und da sie aus dem Walde schon,
Trat wieder zu der Quelle
Hermann des treuen Gottschalks Sohn
Der traurige Geselle.

Er schrie hinab zum Wasserschloß,
Wo bös die Schiffe stranden,
Wer macht mein Lieb von Feßlen los,
Wer löset ihr die Banden,

Lebwohl lebwohl, Herr Vater mein,
Leb frei in großen Ehren,
Ich hab verlorn das Mäuslein klein,
Das tut mich gar beschweren,

Lebwohl lebwohl, o Kerker mein
Das Mäuslein ist verloren,
Mein Schwert muß meine Feile sein,
Da tät er sich durchbohren.

Und stürzt hinab ins kühle Haus,
Wo Liebchen liegt gefangen,
O Liebchen breit die Arme aus
Ihn treulich zu umfangen.

Und läg gefangen im kühlen Haus
Die mich so hart betrogen,
Sie hätte, eh dies Liedchen aus
Mich auch hinab gezogen –



   Bestellte Poesie

Bleib nur stille,
Gottes Wille
Hat auch dich ja ausersehn,
Alle Armut, alle Fülle
Wird auch dir vorübergehn.

Bleib nur innig
Treu und sinnig,
Wie dich auch der Engel grüßt,
Spreche: Deine Magd, Herr! bin ich,
Die dir nie ihr Herz verschließt.

Bleib nur heiter,
Blick nicht weiter
Als zum Hirten, der dich führt.
Sorge bricht die Himmelsleiter,
Weil sie aus der Erde rührt.

Bleib vertrauend
Aufwärts schauend,
Nimm nur fremde Not ans Herz,
Und auf die Verheißung bauend
Trag die Erde himmelwärts.

Bleib nur selig,
Ach allmählich
Wird die Nacht vorüber gehn,
Denk, nur wenge Stunden zähl ich,
Schlafengehn wird Auferstehn.

Bleib nur liebend,
Wenn betrübend
Alles Leben treulos scheint,
Stirb du, allen Liebe übend,
Dann stirbst du dem Herrn vereint.

Bleib in Frieden,
Ungeschieden,
Eng getraut dem einzgen Gut,
Der die Arm' ausstreckt hienieden,
Bis Süßlieb am Herz ihm ruht.

Bleib nur betend,
Wenig redend,
Sorge für dein Gartenbeet,
Säend, pflanzend, stützend, jätend,
Bis es reif zur Ernte steht.

Bleib nur kindlich,
Unverbindlich
Dieser lügenvollen Welt,
Einem nur unüberwindlich
Wirk dein Herz ins Siegsgezelt.

Bleib nur leise,
In dem Gleise,
Wird zum Ernste einst das Spiel
Und die wirre, bunte Reise
Tritt zum lichtgeschmückten Ziel.

Bleib nicht, allen
Zu gefallen,
Wählend auf dem Scheideweg,
Ob links?, rechts? zum Traum zu wallen?
Segnend dich zur Seite leg.

Bleib nur hüpfend
Und entschlüpfend,
Allen ab- und zugewandt,
Alle Schleifen hier verknüpfend
Führen nicht ins Vaterland.

Bleib lebendig,
Ganz abwendig
Werd mir nie, o sei mir fromm,
Mit dir leb ich, mit dir end ich –
Fleh! daß uns sein Reich zukomm!

Bleib demütig!
Einstens blüht ich,
War doch nie so froh wie du,
Arm war ich und übermütig,
Gott und du ihr sah't mir zu!

Bleib geduldig,
Denn ich huldig'
Aller Huld allein in dir,
Strafe, lohn'? was all verschuld ich?
Gib stumm Kind, ach gib es mir!

Bleib, wie üblich,
Fein und lieblich,
Zäh und kraus, das arme Kind,
Dessen Fesseln, nie verschieblich,
Nimmer ich mein Herz entwind.

Bleib nicht länger
Aus, denn enger,
Immer enger, wird die Brust
Deinem armen kranken Sänger –
Dessen Herz du stimmen mußt.

Bleib nur bleibend,
Blüten treibend,
Bis der Herr zur Ernte geht,
Für mich Ärmsten dieses schreibend,
Opfre Früchte im Gebet!

Bleib das süße
Ziel der Grüße,
Grüß dich Gott viel tausendmal,
Auf dem Baum im Paradiese
Liebste Frau von Nachtigall!



                    Brautgesang

Komm heraus, komm heraus, o du schöne, schöne Braut,
Deine guten Tage sind nun alle, alle aus.
Dein Schleierlein weht so feucht und tränenschwer,
Oh, wie weinet die schöne Braut so sehr!
Mußt die Mägdlein lassen stehn,
Mußt nun zu den Frauen gehn.

Lege an, lege an heut auf kurze, kurze Zeit
Dein Seidenröslein, dein reiches Brautgeschmeid.
Dein Schleierlein weht so feucht und tränenschwer,
Oh, wie weinet die schöne Braut so sehr!
Mußt die Zöpflein schließen ein
Unterm goldnen Häubelein.

Lache nicht, lache nicht, deine Gold- und Perlenschuh
Werden dich schön drücken, sind eng genug dazu.
Dein Schleierlein weht so feucht und tränenschwer,
Oh, wie weinet die schöne Braut so sehr!
Wenn die andern tanzen gehn,
Mußt du bei der Wiege stehn.

Winke nur, winke nur, sind gar leichte, leichte Wink'
Bis den Finger drücket der goldne Treuering.
Dein Schleierlein weht so feucht und tränenschwer,
Oh, wie weinet die schöne Braut so sehr!
Ringlein sehn heute lieblich aus,
Morgen werden Fesseln draus.

Springe heut, springe heut deinen letzten, letzten Tanz.
Welken erst die Rosen, stechen Dornen in dem Kranz.
Dein Schleierlein weht so feucht und tränenschwer,
Oh, wie weinet die schöne Braut so sehr!
Mußt die Blümlein lassen stehn,
Mußt nun auf den Acker gehn.



Das Elend soll ich einsam bauen …

Das Elend soll ich einsam bauen,
O schweige nur, ich kenn das Leid,
Den heißen Schmerz des kranken Pfauen
Der nach der Sonne klimmend schreit,
Ich fühle in dem Abendgrauen
Der Nächte finstre Bitterkeit
Ich war im seligsten Vertrauen
Von je dem grimmen Schmerz geweiht
Und soll das Elend einsam bauen.

Das Elend soll ich einsam bauen,
Die Brunnen die ein Zauberschlag
Hervorrief auf den dürren Auen
Sie wenden sich, der junge Tag
Will nicht mehr auf mich niedertauen
Das Leben bricht mir den Vertrag
Ich soll nun in die Wüste schauen,
Ich, der der Einsamkeit erlag
Soll einsam nun das Elend bauen

Das Elend soll ich einsam bauen
Mir wie dem ersten Mann geschah
Als in des Paradieses Auen
Der Herr ihn einsam trauern sah
Schuf er aus seiner Brust die Frauen,
Der Himmel war der Erde nah
Doch mit dem menschlichen Vertrauen
War Schlange Frucht und Tod auch da.
Drum muß ich einsam Elend bauen

Das Elend soll ich einsam bauen
Verdorben war ich durch das Weib
Wollt in der Jungfrau neu mich schauen,
Die Gott verhießen, daß sie's bleib.
Maria, Zuflucht der Jungfrauen,
Erhalt dem Herren ihren Leib,
Laß sie nicht blinder Not vertrauen
Ob Erde sie vom Himmel treib.
Ich muß mein Elend einsam bauen.

Das Elend soll ich einsam bauen
O Jesus höre mein Geschrei
Brich meiner Seele tiefes Grauen
O Jesus, führ den Kelch vorbei
Mach von der Hölle giftgen Klauen
O Jesus meine Seele frei
Ein armes kindliches Vertrauen
O Jesus meinem Geist verleih
Hilf mir mein Elend einsam bauen.

Das Elend soll ich einsam bauen –,
Wohl auf mein Stab nach Jericho!
Und will dir's vor der Wüste grauen,
Gedenk der Kreuzweg führet so,
Und fällst du in die Mörderklauen,
So kommt die Liebe irgendwo
Dir aus der Ferne zuzuschauen,
Und läßt dich einsam Elend bauen.

Das Elend soll ich einsam bauen,
Weil selbst die Liebe einsam ist,
Ein reines Tier muß wiederkäuen,
Einsam, was es gesellig frißt,
Die Liebe ist jetzt am Verdauen
Und fühlt nicht, daß du hungrig bist
Das aber grad muß dich erbauen
Das Elend auszubauen.



 Des toten Bräutigams Lied

Ich ging auf grünen Wegen
Und trug den Hochzeitskranz,
Treu Lieb ging mir entgegen
Geschmückt mit gleichem Glanz.
O wie blinkte ihr Krönlein schön,
Eh die Sonne wollt untergehn!

Und als die lichte Wonne
Sich unter Wolken barg,
Da spielt die letzte Sonne
Im Kranz auf meinen Sarg.
O wie blinkte etc.

Es ging im Witwenschleier
Treu Lieb mit mir zu Grab,
Und schwur, mein einzger Freier
Sinkt mir mit dir hinab.
O wie blinkte etc.

Sie steckt die Myrtenkrone
Auf meinen Totenkranz,
Die Weiber sprachen: Schone
Ihn für den neuen Hans.
O wie blinkte etc.

Sie wollt ihn mir nur geben,
Wollt keines andern sein,
Da lacht das volle Leben
Mir in das Grab hinein.
O wie blinkte etc.

Wer meine Kron erblickte
Und ihre Myrte drauf,
Zu seinem Nachbar nickte:
Der wacht einst selig auf.
O wie blinkte etc.

Doch als neun Monde gingen
Stets müder durch den Sand,
Den Strohkranz sie ihr hingen
Ans Haus ob ihrer Schand.
O wie blinkte etc.

Und die ihr Häcksel streuen
Zur Nacht vor ihre Tür,
Die hören's Kindlein schreien,
Ich kann ja nichts dafür.
O wie blinkte etc.

Auf meiner Krone wehen
Noch ihre Myrten stets,
Doch die sie schimmern sehen,
Die sprechen: ja so geht's!
O wie blinkte etc.

Dem Tode hingegeben
Hat sie ihr Kränzlein leicht,
Da hat das schlechte Leben
Den Strohkranz ihr gereicht,
O wie blinkte etc.

Ihr Kind am Kirchhof spielet,
Und mit dem Abendlicht
Hin nach dem Kränzlein schielet,
Und recht unschuldig spricht,
O wie blinkte etc.

Da hatt ich keine Ruhe
Und mußte auferstehn,
Und ging aus meiner Truhe
Das Kränzlein einzusehn,
O wie blinkte etc.

Ich wollt den Kranz mir holen,
Ins Grab mir auf das Herz,
Das Kind hat ihn gestohlen,
Da fühlt ich wieder Schmerz,
O wie blinkte etc.

Konnt nicht die Stimm erheben,
Nicht schreien: Den Kranz gib her,
Das Totsein wie das Leben
War mir unendlich schwer.
O wie blinkte etc.

Da half mir das Gewissen,
Es nahm dem Kind den Kranz,
Ich hab ihn unzerrissen,
Ich hab ihn rein und ganz.
O wie blinkte etc.

Um einen guten Namen
Freit sie den ärmsten Mann,
Da sie zur Kirche kamen,
Sah sie die Kron nicht an,
O wie blinkte etc.

Da sprach ich aus der Truhe:
Hab Dank für Lust und Schmerz,
Dein Kranz mit ewger Ruhe
Kühlt mir das treue Herz,
O wie blinkte etc.

Wohl mir, daß ich gestorben,
Als er im vollen Glanz,
Mir bist du nicht verdorben,
Ich habe deinen Kranz.
O wie blinkte etc.

Treu will ich ihn aufheben,
Wenn wir uns wiedersehn,
Sollst du im bessern Leben
Mit ihm gezieret gehn.
O wie blinkte etc.

Denn eine einzge Treue
Ist aller Liebe wert,
Und eine einzge Reue
Zerbricht das Richterschwert,
O wie blinkte etc.

Dies hört sie, ist gegangen
Still mit dem armen Mann,
Und sah nun ohne Bangen
Mein einsam Krönlein an!
O wie blinkte etc.

Und wenn die Abendwinde
Leis durch die Kronen ziehn,
Spricht sie zu ihrem Kinde,
Gottlob, die Zeit geht hin.
O wie blinkte mein Krönlein schön,
Eh die Sonne wollt untergehn!



Die Klage, sie wecket …

Die Klage, sie wecket
Den Toten nicht auf,
Die Liebe nur decket
Den Vorhang dir auf.

Man liebt und was immer
Das Leben belebt,
Mit fassenden Sinnen
Die Augen erhebt.

Das zarte Umfassen,
Es löst sich so bald,
Die Augen erblassen
Es stirbt die Gestalt.

Die Liebe, sie schicket
Die Klage ihr nach
Die Liebe, sie blicket
Den Toten bald wach.

Die Klage, sie wecket
Die Toten nicht auf,
Die Liebe nur decket
Das Leben dir auf.



Die Liebe fing mich ein mit ihren Netzen …

Die Liebe fing mich ein mit ihren Netzen,
Und Hoffnung bietet mir die Freiheit an;
Ich binde mich den heiligen Gesetzen,
Und alle Pflicht erscheint ein leerer Wahn.
Es stürzen bald des alten Glaubens Götzen,
Zieht die Natur mich so mit Liebe an.
O süßer Tod, in Liebe neu geboren,
Bin ich der Welt, doch sie mir nicht verloren.



Die Liebe lehrt …

Die Liebe lehrt
Mich lieblich reden,
Da Lieblichkeit
Mich lieben lehrte.

Arm bin ich nicht
In Deinen Armen,
Umarmst du mich
Du süße Armut.

Wie reich bin ich
In Deinem Reiche,
Der Liebe Reichtum
Reichst du mir.

O Lieblichkeit!
O reiche Armut!
Umarme mich
In Liebesarmen.



Die Lilie blüht, ich bin die fromme Biene …

Die Lilie blüht, ich bin die fromme Biene,
Die in der Blätter keuschen Busen sinkt,
Und süßen Tau und milden Honig trinkt,
Doch lebt ihr Glanz, und bleibet ewig grüne
So [ist] dann selig mein Gemüt
Weil meine Lilie blüht!
Die Lilie blüht, Gott, laß den Schein verziehn,
Damit die Zeit des Sommers langsam geht,
Und weder Frost noch andre Not entsteht,
So wird mein Glück in dieser Lilie blühn,
So klingt mein süßes Freudenlied:
Ach, meine Lilie blüht!



Draus bei Schleswig vor der Pforte …

Draus bei Schleswig vor der Pforte
Wohnen armer Leute viel,
Ach des Feindes wilder Horde
Werden sie das erste Ziel.
Waffenstillstand ist gekündet
Dänen ziehen ab zur Nacht,
Russen, Schweden stark verbündet,
Brechen her mit wilder Macht.
Draus bei Schleswig steht vor allen
Weit ein Häuslein ausgesetzt.

Draus bei Schleswig in der Hütte
Singt ein frommes Mütterlein,
Herr, in deinen Schoß ich schütte
Alle meine Angst und Pein.
Doch ihr Enkel ohn Vertrauen,
Zwanzigjährig neuster Zeit,
Hat den Bräutigam zu schauen
Seine Lampe nicht bereit.
Draus bei Schleswig in der Hütte
Singt ein frommes Mütterlein.

Eine Mauer um uns baue
Singt das fromme Mütterlein,
Daß dem Feinde vor uns graue
Hüll in deine Burg uns ein.
Mutter, spricht der Weltgesinnte,
Eine Mauer uns ums Haus
Kriegt unmöglich so geschwinde
Euer lieber Gott heraus.
Eine Mauer um uns baue:
Singt das fromme Mütterlein.

Enkel fest ist mein Vertrauen,
Wenn's dem lieben Gott gefällt,
Kann er uns die Mauer bauen,
Was er will ist wohl bestellt.
Trommeln rommdidomm rings prasseln
Die Trompeten schmettern drein,
Rosse wiehern, Wagen rasseln,
Ach nun bricht der Feind herein,
Eine Mauer um uns baue
Singt das fromme Mütterlein.

Rings in alle Hütten brechen
Schwed und Russe mit Geschrei,
Lärmen, fluchen, drängen, zechen.
Doch dies Haus ziehn sie vorbei.
Und der Enkel spricht in Sorgen
Mutter, uns verrät das Lied.
Aber sieh, das Heer vom Morgen
Bis zur Nacht vorüberzieht.
Eine Mauer um uns baue
Singt das fromme Mütterlein.

Und am Abend tobt der Winter
An das Fenster schlägt der Nord
Schließt den Laden, liebe Kinder,
Spricht die Alte und singt fort
Aber mit den Flocken fliegen
Vier Kosakenpulke an.
Rings in allen Hütten liegen
Sechzig, auch wohl achtzig Mann.
Eine Mauer um uns baue
Singt das fromme Mütterlein.

Bange Nacht voll Kriegsgetöse,
Wie es wiehert, brüllet, schwirrt,
Kantschuhhiebe, Kolbenstöße.
Weh, des Nachbars Fenster klirrt
Hurrah, Stupai, Boschkai, Kurba,
Vinu, Gleba, Biba, Rack
Schreit und flucht und plackt die Turba.
Erst am Morgen zieht der Pack.
Eine Mauer um uns baue
Singt das fromme Mütterlein.

Eine Mauer um uns baue
Singt sie fort die ganze Nacht.
Morgens ward es still, o schaue
Enkel, was der Nachbar macht!
Auf nach innen geht die Türe,
Nimmer käm er sonst hinaus.
Daß er Gottes Allmacht spüre,
Lag der Schnee wohl mannshoch draus.
Eine Mauer um uns baue,
Sang das fromme Mütterlein!

Ja der Herr kann Mauern bauen.
Liebe fromme Mutter komm,
Gottes Mauer anzuschauen,
Sprach der Enkel und ward fromm.
Achtzehnhundertvierzehn war es,
Als der Herr die Mauer baut,
In der fünften Nacht des Jahres
Hat's dem Feind vor ihr gegraut.
Eine Mauer um uns baue,
Sing ich mit dem Mütterlein.



Dürstest du nach ewger Liebe …

Dürstest du nach ewger Liebe,
Oh, so flehe nicht zum Herrn,
Denn in deines Herzens Kern
Steht die Quelle,
Und darüber steht ein Stern,
Er wird dich mit seiner Helle
Immer tief zum Guten rühren
Und zur Quelle würdig führen.
Da magst du den Durst erquicken,
Und wirst du im Niederblicken
Gottes Bild im Wasserspiegel
Mit dir, in dir spiegeln sehn,
Grüß ihn stille.
Ewig wirst du dann am Spiegel
Ewig, ewig blühend stehn.
Also ist des Herren Wille.

Wenn du fromme Sitte übest,
Dich mit Zucht und Tugend kränzest
Und den Spiegel nimmer trübest,
Sieh dann! wie du selig glänzest,
Und wird er dich wieder grüßen,
Wirst du ganz von Wonne schwer
Dich wie keusche Blumen bücken,
Alles Liebe in dich schließen,
Und es wird der Herr dich pflücken
Und des Brunnens irdsches Siegel
Brechen, daß ein weites Meer
Wird die Quelle, himmelsspiegel.
Sonne, Mond und alle Sterne
Stehn dann über dir so klar,
Und das Nahe und das Ferne
Wird dir eigen, wird dir wahr.



Ein Becher voll von süßer Huld …

Ein Becher voll von süßer Huld
Und eine glühnde Ungeduld
Und eine arme trunkne Schuld
Sie lehren mich zu flehen!

Du Becher voll von süßer Huld
Vergib der glühnden Ungeduld
Vergib die arme trunkne Schuld,
Die ins Gericht will gehen.

Den Becher voll von süßer Huld
Darf heut die glühnde Ungeduld
Zur Buße armer trunkner Schuld
Nicht sehn, und möcht vergehen!

Das freut den Becher süßer Huld
Das schmerzt die glühnde Ungeduld
Das straft die arme trunkne Schuld
Mit bittern, bittern Wehen.

O Becher voll von süßer Huld,
Woll' nicht die glühnde Ungeduld,
Ob ihrer armen trunknen Schuld,
Die heute büßt, verschmähen.

Fließ über Becher süßer Huld,
Werd Asche glühnde Ungeduld,
Die mag die arme trunkne Schuld
Gemischt mit Tränen säen.

Auf daß du Becher süßer Huld
Um dich in Schmerzen der Geduld,
Still auf dem Grab der armen Schuld
Die Lilie kann erstehen.

Die Lilie, die voll süßer Huld,
Du sahst im Garten der Geduld
Mit Stern und Engel ohne Schuld
Du leuchten hast gesehen.



Ein Ritter an dem Rheine ritt ...

Ein Ritter an dem Rheine ritt
In dunkler Nacht dahin,
Ein Ritterlein, das reitet mit
Und fragt: wohin dein Sinn?

Mein Sinn, der steht nach Minnen,
Ich hab mich rumgeschlagen,
Und konnt doch nichts gewinnen,
Und mußt das Leben wagen.

Ei hast du nicht die Ehr davon?
Die Ehr ist hohes Gut –
Ich hätt die liebe Zeit davon,
Die Ehr ist mir kein Gut. –

Mein Blut ist hingeflossen
Rot zu der Erde nieder,
So warm ich es vergossen,
Gibt mir's die Ehr nicht wieder.

Da sprach das kleine Ritterlein:
Daß Gott sich dein erbarm!
Du mußt ein schlechter Ritter sein,
Weil deine Ehr so arm. –

Ich will nun mit dir rechten,
Weil du nicht ehrst die Ehre;
Mein Ehr will ich verfechten,
Setz deine nur zur Wehre.

Des Ritters Unwill war sehr groß,
Drum er vom Rosse sprang,
Auch machet sich der kleine los
Und sich zur Erde schwang. –

Da fühlt sich der Geselle
Von hinten fest umwinden,
Es ist die Nacht nicht helle,
Sie streiten wie die Blinden.

Und sinken beide in den Klee –
Ei sprich! wer hat gesiegt!
Der Ritter ohne Ach und Weh
Bei einer Jungfrau liegt.

Ei hast du nicht die Ehr davon?
Die Ehr ist hohes Gut –
Ich hätt die liebe Zeit davon,
Die Ehr ist mir kein Gut. –



Einsam will ich untergehn …

Einsam will ich untergehn,
Keiner soll mein Leiden wissen!
Wird der Stern, den ich gesehn,
Von dem Himmel mir gerissen,
Will ich einsam untergehn
Wie ein Pilger in der Wüste.

Einsam will ich untergehn
Wie ein Pilger in der Wüste!
Wenn der Stern, den ich gesehn,
Mich zum letzten Male grüßte,
Will ich einsam untergehn
Wie ein Bettler auf der Heide.

Einsam will ich untergehn
Wie ein Bettler auf der Heide!
Gibt der Stern, den ich gesehn,
Mir nicht weiter das Geleite,
Will ich einsam untergehn
Wie der Tag im Abendgrauen.

Einsam will ich untergehn
Wie der Tag im Abendgrauen!
Will der Stern, den ich gesehn,
Nicht mehr auf mich niederschauen,
Will ich einsam untergehn
Wie ein Sklave an der Kette.

Einsam will ich untergehn
Wie der Sklave an der Kette!
Scheint der Stern, den ich gesehn,
Nicht mehr auf mein Dornenbette,
Will ich einsam untergehn
Wie ein Schwanenlied im Tode.

Einsam will ich untergehn
Wie ein Schwanenlied im Tode!
Ist der Stern, den ich gesehn,
Mir nicht mehr ein Friedensbote,
Will ich einsam untergehn
Wie ein Schiff in wüsten Meeren.

Einsam will ich untergehn
Wie ein Schiff in wüsten Meeren!
Wird der Stern, den ich gesehn,
Jemals weg von mir sich kehren,
Will ich einsam untergehn
Wie der Trost in stummen Schmerzen.

Einsam will ich untergehn
Wie der Trost in stummen Schmerzen!
Soll den Stern, den ich gesehn,
Jemals meine Schuld verscherzen,
Will ich einsam untergehn
Wie mein Herz in deinem Herzen.



  Engel, die Gott zugesehn …

Engel, die Gott zugesehn
Sonn und Mond und Sterne bauen,
Sprachen: Herr, es ist auch schön,
Mit dem Kind ins Nest zu schauen.



  Es ist keiner je allein …

Es ist keiner je allein,
Wär auch Erd und Himmel Stein,
Schien kein Mond, kein Sternenschein,
Grüßte auch kein Lüftelein,
Sänge auch kein Vögelein:
Kehrt in jedem Herzen rein
Doch der liebe Gott stets ein.



Es sang vor langen Jahren …

                  1.
Es sang vor langen Jahren
Wohl auch die Nachtigall,
Das war wohl süßer Schall
Da wir zusammen waren
 
                  2.
Ich sing und kann nicht weinen
Und spinne so allein,
Den Faden klar und rein
So lang der Mond wird scheinen
 
                  3.
Da wir zusammen waren
Sang süß die Nachtigall
Nun mahnet mich ihr Schall
Daß du von mir gefahren
 
                  4.
So oft der Mond mag scheinen,
Gedenk ich dein allein,
Mein Herz ist klar und rein,
Gott wolle uns vereinen
 
                  5.
Seit du von mir gefahren
Singt stets die Nachtigall
Ich denk bei ihrem Schall
Wie wir zusammen waren
 
                  6.
Gott wolle uns vereinen,
Hier spinn ich so allein,
Der Mond scheint klar und rein,
Ich sing und möchte weinen.



Es senke sich ein leiser Traum hernieder …

Es senke sich ein leiser Traum hernieder
Der ihr der eignen Schönheit Gürtel löst
Und sanften Blicks mit schmeichelndem Gefieder
Des eignen Herzens Fülle ihr entblößt.
Im leichten Spiel küss' sie der eignen Lieder
Gestalten, und der leise Kuß erlöst
Die Blume von der Träne die sie drücket
Daß sie zum Grabe müd sich bücket.



Es setzten zwei Vertraute …

Es setzten zwei Vertraute
Zum Rhein den Wanderstab,
Der braune trug die Laute,
Das Lied der blonde gab.



Es stehet im Abendglanze …

Es stehet im Abendglanze
Ein freies heiliges Haus
Da sehen mit schimmernden Augen
Viel Knaben und Jungfraun heraus,
Dort hab ich mein Liebchen gesehen
Ein freundliches zierliches Kind,
Sie konnte wohl schweben und drehen,
Wie fallende Blüten im Wind

Und die in dem Hause wohnen
Sind heilig und wissen es nicht
Sie leben mit Kränzen und Kronen
Alltäglich ein neues Gedicht
Sie sind gleich den Göttern und handlen
Wohl täglich in andrer Gestalt,
Mein Liebchen wird auch sich verwandlen

O Liebchen, wo bist du geblieben,
Ich steh vor dem schimmernden Haus,
Und will dich bescheiden nur lieben
O Liebchen o sehe heraus
Ich will dein pflegen und warten,
Im Herzen so treu, als ich kann,
Da seh ich dich sitzen im Garten
Wohl bei einem reichen Mann.

So kauf ich mir Rechen und Spaten
Bind mir ein grün Schürzelein vor
Und poche wohl als ein Gärtner
An des reichen Mannes Tor
Tu auf, tu auf den Garten,
Ich will dir wohl ohne Sold
Die Blumen all pflegen und warten
Sie sind ja mein Silber und Gold.

So sei mir o Gärtner willkommen
Zieh hoch die Blumen mir
Zieh lang sie zu blühenden Ketten
Ich habe ein Vögelchen hier,
Zieh hoch und dicht eine Laube
Zieh mir ein Gitterhaus
Daß keiner mein Vogelchen raube,
Und es nicht fliege aus,

Da klingt wohl sanft und süße
Im Garten ein heilig Lied
Die Bäume senden Grüße,
Die Blume lauschend blüht,
Da seh ich mein Liebchen so weinen,
So blicken zu mir herauf,
Die Sonne will nicht mehr scheinen,
Die Blumen sie gehen nicht auf.

So hast du dann verlassen
Der Götter freies Haus
Der Locken Gold muß blassen,
Der Augen Licht geht aus
O Liebchen o sei nicht so munter,
Du hast vergeudet dein Los,
Dein Sternlein, es ging ja unter
Tief in des Meeres Schoß

Ans Meer will ich mich stellen
Betrübt im Abendschein,
Und sehen, wie in die Wellen
Versinkt dein Sternelein,
Und niedersehn und weinen,
Die Tränen all hinab,
Sie wollen sich ja vereinen
Mit deines Sternes Grab.

Dies Lied hab ich ersonnen
Wohl vor dem Zauberhaus,
Das glänzt in der Abendsonnen,
Du blickst nicht mehr heraus
Als Jugend um Liebe mußt brennen
In irrem Liebeswahn,
Da konnte sie ihn nicht erkennen,
Und blickte so hell ihn doch an.



Es war einmal die Liebe …

Es war einmal die Liebe,
Die himmelsklare Liebe,
Wohl in gerechtem Zorn,
Und sprach zum blinden Triebe:
Verzeih! heut kriegst du Hiebe
Ganz recht mit einem Dorn.

Da zagt der Trieb betroffen,
Doch kaum hat ihn getroffen
Der Liebe Dornenstreich,
Sind alle Knospen offen,
Der Dorn ganz ohn Verhoffen
Schlug aus voll Rosen gleich.

Es war einmal die Liebe,
Die himmelsklare Liebe,
Sie war vom Trieb betrübt,
Und sprach zum blinden Triebe:
An dir, du Friedensdiebe,
Wird Rache heut geübt.

Doch, als sie sich will rächen,
Entstürzt in Tränenbächen
Das Mitleid ihrer Brust,
Sie kann den Stab nicht brechen,
Die Lieb wird aller Schwächen
Des Triebes sich bewußt.

Es war einmal die Liebe,
Die himmelsklare Liebe,
Sie war vom Trieb gekränkt,
Und sprach zum blinden Triebe:
Wenn dir kein Trost auch bliebe,
Heut wird dir's nicht geschenkt.

Und, um ihm zu gedenken,
Will sie ein Füllhorn senken
Voll von Gerechtigkeit,
Und hat mit Fahnenschwenken
Den Richtplatz mit Geschenken
Der Gnade überstreut.

Ei sag einmal du Liebe,
Du himmelsklare Liebe,
Wer hat dich das gelehrt,
Daß man dem blinden Triebe
Für strenge Dornenhiebe
Nur Rosen mild beschert,

Und daß man für die Rute
Dem blinden Übermute
Nur süßen Honig gibt.
Das lehrte dich der Gute,
Der dich mit seinem Blute
In deiner Schuld geliebt.

Da sang einmal der Liebe,
Der himmelsklaren Liebe,
Der Trieb dies Liebeslied,
Daß Lieb dem blinden Triebe
Das Licht ins Herz einübe,
Das ihr im Auge blüht.

Da sah der Trieb verkläret,
Was Liebe ihm gewähret,
Und beide sprachen fromm:
Du hast mich Trost gelehret,
Du hast mir Licht bescheret,
Trieb sei der Lieb willkomm!

Da faßt einmal die Liebe,
Die himmelsklare Liebe
Sich einen frischen Mut
Und ward dem blinden Triebe,
Daß er nicht irrend bliebe,
Ein Blindenführer gut.

Da lernt der Trieb das Lieben,
Da ward die Lieb getrieben,
Bis sehend er, sie blind,
Und beide sind's geblieben,
Und ich hab es geschrieben,
Lies du und bleib ein Kind!



       Faselei
Aus den heidnischen Studentenjahren in Jena

Vieles gaben die Götter mir,
Und ich bete die sieben
Bitten ohne Entbehren,
Aber eines blieb mir versagt,
Eines nur zähmt mir
Mächtig den Übermut,
Bannt mich zur Erde
Nieder, den armen
Sterblichen Sohn.

Wenn ich die hellen,
Emsigen Tage,
Suchend durchirrte
Wenn ich die dunklen
Einsamen Nächte
Sinnend durchwachte,
Bleibe ich suchend,
Bleibe ich sinnend,
Nimmer ach finde ich
Nimmer ersinne ich
Wie ich erlangen mag
Die achte Bitte.

Bilden wohl kann ich manches,
Lieder dichten und singen,
Gerne auch leiht mir
Und meinem Werke
Die empfänglichen Sinne
Mein Liebchen.

Aber Ruhe, Ruhe
Wo wohnt sie
Ach Ruhe, die nimmer
Sich mir gesellet,
Ewiges Wühlen
Niederdringen mit Schwerkraft
Zur tiefen göttlichen Mitte,
Die alles festhält
An des Herzens
Pochender Werkstatt,
Ewiges Ringen,
Aufstreben mit Lichtes Leichte
Zur hohen göttlichen Oberfläche,
Die alles anschaut
Mit des Auges
Widerstrahlendem Spiegel.
Nach euch beiden unzertrennliche
Tiefe und Höhe
Nach dir Natur
Ringt zur Vollendung
Das arme Erdenkind.

Sechs sind Tage
Die Gott gebildet hat,
An seinem Wohnhaus,
Der verewigenden, ewigen
Wunderbaren Natur
Und an dem siebenten
Tage da ruhte er
Sieben sind Bitten
Die ich geflehet habe
In sieben Tagen,
An seines Hauses
Herrlicher Schwelle
Und alle sieben
Sind mir gewähret.
Aber die achte
Kann er nicht hören
Denn er ruhet

Herr so zürne nicht,
Daß ich Dir gleichen will
Daß ich mir bilden will
Wie du ein Wohnhaus
Der verewigenden, ewigen
Wunderbaren Kunst,
Und an dem achten
Tage dann ruhen.



            Frühes Lied

Fahre fort mit Dornenschlägen,
Weiße Rose, meinem Herzen,
Dem verbrannten, quillt ein Segen,
Aus den Tränen aus den Schmerzen,

Breche ganz mein altes Leben,
Ich muß dir, die so erschienen
Einen bessern Bruder geben
Gott und dir in ihm zu dienen

Alles muß von dir ich nehmen
Kann dir nichts, ach gar nichts geben,
Denn du mußt den Drachen zähmen,
Um dem Herrn den Schatz zu heben,

Sieh, ich beug mich dir zu Füßen
Du Erbarmen, weine nieder,
Lehre mich, wie du zu büßen
Tränenquell der frommen Lieder

All mein Letzen und Verletzen,
All mein Lügen, Trachten, Scheinen,
Darauf sollst den Fuß du setzen
Und so im Triumph erscheinen.

Alles, was du still gelitten,
Deine Not, dein fromm Entsagen,
Hat auch mir das Herz durchschnitten,
Doch du, du hast es getragen

Alles was du je getragen,
Sieh, das hab ich all verschuldet,
Meine Schuld hat dich geschlagen,
Und du hast so fromm geduldet.

Und nun trägst du dies versunkne,
Das dich marterte, dies Herz,
O du Gottesmitleidtrunkne
An dem deinen, himmelwärts!



             Frühling

Frühling soll mit süßen Blicken
Mich entzücken und berücken,
Sommer mich mit Frucht und Myrthen
Reich bewirten, froh umgürten.

Herbst, du sollst mich Haushalt lehren,
Zu entbehren, zu begehren,
Und du Winter lehr mich sterben,
Mich verderben, Frühling erben.



Frühmorgenlied vom Kirschblütenstrauß, schweren
Stein und des lieben Herzens Güte und Segen

                22. Mai 1817

Geschämig tritt die falbe
Aurora vor das Himmelshaus,
Da legt die graue Schwalbe
Fromm plaudernd ihr die Träume aus.

Da sinken in das Blaue
Der Sterne Geisteraugen ein,
Da wäscht sich in dem Taue
Das Licht den Sonnenschleier rein.

Mich weckend summt die Mücke
Am Fenster, möcht zum Licht hinaus,
Da lenk ich meine Blicke
Auf einen Kirschenblütenstrauß.

Der Strauß, von dir gepflücket,
Er hielt die Blüten fest bis heut,
Doch hat sich heut gebücket
Und seinen Schmuck umher gestreut.

Die Blätter aber strecket
Er frisch noch zu dem Lichte aus,
Zum Licht, das mich erwecket,
Und dich und deinen treuen Strauß.

Vergib, geliebtes Leben,
Daß ich zuerst an dich gedacht,
Kann ich zum Licht noch streben,
So ist's, weil mir's in dir erwacht.

Was wär mir dann die Sonne,
Schien sie nicht in die Augen dein,
In ihnen wird sie Wonne,
In meinen wird sie Feuerpein.

Wohin ich in der Kammer
Die irren Blicke schweifen laß,
Schlägt mahnend mir ein Hammer
Ans schwere Herz, ohn Unterlaß.

Die Bücher und die Bilder,
Die geizig ich zusammentrug,
Sie schreien immer wilder,
O stein'ger Acker, stumpfer Pflug!

Die Steine wollt ich wälzen
Zu einer freien Aussicht Lust,
Es wuchs daraus ein Felsen,
Der fiel zurück auf meine Brust.

Zerschmettert, unbegraben
Lag ich in Wind und Wettersnot,
Es fraßen mich die Raben,
Ich starb und starb doch nie zu Tod.

Es wollt kein Vogel singen,
Als wäre dieser Stein verflucht,
Es wollt kein Quell entspringen,
Der meine heiße Kehle sucht.

Nur Kröten, Ottern, Schlangen
Umkrochen kalt mir meine Brust,
Daß Kühlung ich empfangen
Selbst von dem grimmen Ekel mußt.

Und wenn ich glühend weinte,
Verzweiflung mich zu singen zwang,
Da lobten mich die Freunde
Hohnlächelnd im Vorübergang.

Heran wollt keiner treten,
Den Stein zu wälzen von der Brust,
Mit mir wollt keiner beten,
Und ich hab kein Gebet gewußt.

Da rang ich endlich blutig
Die rechte Hand mir los und frei,
Und schlug ein Kreuz gar mutig,
Daß Jesus mir barmherzig sei.

O wundertätig Zeichen!
Du trugst die Sünde aller Welt,
Ich fühlt die Last auch weichen,
Du warst als Stütze aufgestellt.

Ein Vöglein kam gereiset,
Baut mir ein Dornennest ins Herz,
Das Vöglein Buße heißet,
Und sein Gesang heißt: bittrer Schmerz.

Ein Gärtlein ich ihm baute
Von herbem Kraut, heißt Reu und Leid,
Da fraß es von dem Kraute,
Trank meine Tränen allezeit.

Und heißer ward sein Brüten;
Das Dornennest in meiner Brust
Fühlt ich wie Feuer wüten,
Das dürstend still ich tragen mußt.

So lag ich da alleine
Und hört den Vogel, sah das Kraut,
Als plötzlich von dem Steine
Ein kühler Quell hernieder taut.

Da sah ich auf der Spitzen
Des Steines in dem Sonnenschein
Gar still, mitleidig sitzen
Dich, liebes, frommes Jungfräulein.

Dem Quell, der mich erquicket,
Erschlossest du das Felsentor,
Aus deinen Augen blicket
Die Gnade all, die ich verlor.

Du siehst mit frommen Sinnen
Dem Tanz der kleinen Fliege zu
Und gönnst den goldnen Spinnen
Ihr schwebend Haus in Sonnenruh.

Den Käfer auf den Rücken
Gefallen, richtest mild du auf,
Schlägst sichere Blätterbrücken
Der Ameise in ihrem Lauf.

Du räumest auf den Stegen
Die Steine aus des Wandrers Schritt
Und tiefst auf irren Wegen
Die Spur mit deiner Füße Tritt.

Du richtest längs dem Pfade
Die sturmgebeugte Ähre auf
Und wirfst das zum Gestade
Geführte Fischlein in den Lauf.

Du wärmst mit deinem Hauche
Das nestentfallne Vögelein
Und sammelst von dem Strauche
Zum Bett ihm zarte Wolle ein.

Und seinen Eltern streuest
Du deines Brotes Krümlein aus,
Weinst mit dem Leid und freuest
Dich mit der Lust in Gottes Haus.

Deckst selbst das Nest der Schlangen,
Flehst selbst der Kröte um ein Schild,
Siehst du die Spinne hangen
Feindselig überm Ekelbild.

Mein Weh hast du gespüret
Und riefst den Sünder gern zu Gast;
Den Stein hast du gerühret,
Er weichet schon, ich atme fast.

Mein Durst hat dich gezogen,
Und deine Tränen flossen mir;
Die ersten Gnadenwogen
Entsprangen mir von dir, von dir.

Ich las aus deinen Blicken,
Daß Gottes Lieb unendlich ist,
Dein Mund konnt mich erquicken,
Er sprach und sang von Jesu Christ.

Du sprachst: »Wie einst auf Erden
Der Feind den lieben Herrn versucht,
Daß Stein zu Brot soll werden,
Hast du bei Jesu auch gesucht;

Du lebst nicht nur vom Brote,
Nein, auch vom Wort aus Gottes Mund,
Dich macht vom innern Tode
Die Liebe Jesu nur gesund.

Der Stein, der dich erdrücket,
Ist greulich vor der Seele mein,
Doch hab ich ihn gerücket,
O glaub! und Gott wird gnädig sein.«

Da glaubt ich, und den Riegel
Schobst du hinweg vom Himmelstor,
Und gabst dem Felsen Flügel
Und trugst ihn über mir empor.

Doch lieg ich noch zerschlagen,
Und treu noch pflegst du mich, lieb Kind,
Bis auf Elias Wagen
Ich endlich deinen Himmel find!

So Herz! mußt ich heut morgen,
Als ich zum Lichte aufgewacht,
Die Liebe von dir borgen,
Die ich dem Schöpfer zugedacht.

So hab ich Gott gedanket,
Daß er dich auch erwachen läßt,
Wer schwer gefallen, wanket
Und hält den Stab mit Ängsten fest.



Gärtnerlied im Liedergarten der Liebe

Du dauerst mich Seele!
Der so hat gesungen
Die lieblichste Kehle,
Die süß'ste der Zungen.
Wie kannst du noch leben,
Noch andere Lippen
Mit Küssen umschweben?
Ich ging in den Klippen
Berauschet zu Grund,
Hätt je mich so innig,
So innig und sinnig
Der blühende Mund
Der Lieder-Sirene
Begrüßet im Bund.
Ein Liebender bin ich
Und weih eine Träne
Dir, nüchterne Seele,
Dir hat Philomele
In Liedern gerungen,
Mich hat sie bezwungen,
Den Garten der Wonne
Der andern zu bauen,
O süßes Vertrauen!
Ich lenke die Bronnen,
Die trunken verronnen,
Daß frisch sie betauen
Die Blumen, die Lichter,
Die Sterne, die Strahlen,
Die Farben der Dichter,
Um Liebe zu malen,
O seliges Dienen!
Dem Herzen, dem armen
Ist's süß, zu erwarmen
So sonnenbeschienen
Vom Himmel der Augen
Ist's süß, um die schwülen
Gefühle zu kühlen,
Die tötenden Gluten
In hüpfende Fluten
Der Lieder zu tauchen,
Worin sie die Schmerzen,
Die Feuer aushauchen
Vom liebenden Herzen
Ergoß und erkühlte,
Bis Friede sie fühlte.
O Gluten durchwühlt mich,
In denen sie wühlte,
O Fluten umkühlt mich,
In denen sie kühlte,
O Wellen umspielt mich,
In denen sie spielte,
O Blüten umblüht mich,
In denen sie blühte,
O Lieder durchglüht mich,
In denen sie glühte,
O stammelnde Lieder
Voll Wahrheit und Güte,
Mit feurigem Hauche,
Mit Tränen im Auge,
Klingt wieder, klingt wieder,
Mein sind eure Leiden,
Das Ringen, das Zagen,
Das Scheiden, das Meiden,
Das bittre Entsagen.
Weint nieder, weint nieder,
Ihr stammelnden Lieder.
Euch liebt sie, euch schrieb sie,
Ich lieb euch, ich lieb sie,
Doch sie liebt nicht wieder,
Ihr sehnenden Lieder!
Süß ist, eure schlanken
Verlangenden Ranken
Mit Zier auf und nieder
Zu schlingen, zu winden,
In Lauben zu binden;
Und muß hin und wieder
Ein Reblein ich schneiden,
Muß gleich ich mit leiden,
Die Wunden, sie weinen,
Da muß ich mich sehnen,
O liebliche Lieder!
Es sind eure Tränen
Auch immer die meinen,
So such ich und finde
Die süßen Gedanken
Und binde und winde
Sie träumend in Schranken.
Und irre die Pfade
Der Luftlabyrinthe
Bis hin zum Gestade,
Wo unter der Linde
Die dichtende Gnade
Dem liebenden Kinde
Im geistigen Bade
So leuchtend, so linde
Erkühlet die Glut,
O selige Flut,
O trunkener Spiegel
Der schimmernden Glieder,
Du küßtest das Siegel
Der lieblichen Lieder,
Wie war dir zu Mut?
Und wie ich so sehne,
Da lockt die Sirene;
Komm nieder, komm nieder,
Hier hat sie geruht,
Hier duftet der Flieder,
Hier ist es so gut,
Hier löst sie das Mieder
Und taucht in die Flut
Das Wonnegefieder
Der Phönix; ihr Blut
Hat hier in den Wogen
Gebadet die Triebe
Und ist dann geflogen
Durch Feuer und Glut,
Und hat seine Liebe,
Die rot war, verglühet,
Bis weiß sie erblühet
In heiligem Licht,
So sang ein Gedicht.

Mich aber, mich haben
Die Wogen begraben,
In Flammen so rot
Ergriff mich der Tod!
Ach! wüßt es die Linder
Sie riefe die Kinder,
Und käme mit Segen
Ans Ufer gekniet
Und sänge ein Lied,
Das Gott könnt bewegen,
Weil gern sie vergibt,
Sich mein zu erbarmen,
Des Ärmsten der Armen,
Der heiß sie geliebt,
Der alles ihr Lieben
Auch selber muß üben
Und der in den Trieben,
Die sie überlebt,
Zu sterben nicht bebt.



Gesang der Liebe als sie geboren war

O Mutter halte dein Kindlein warm
Die Welt ist kalt und helle,
Und leg es sanft in deinen Arm
An deines Herzens Schwelle.

Leg still es wo dein Busen bebt
Und hold herabgebücket,
Harr liebvoll, bis es die Äuglein hebt,
Zum Himmel selig blicket.

Du strahlender Augenhimmel du,
Du taust aus Mutteraugen
Ach Herzenspochen, ach Lust, ach Ruh!
An deinen Brüsten saugen.

Ich schau zu dir, so Tag als Nacht
Muß ewig zu dir schauen
Du mußt mir, die mich zur Welt gebracht,
Auch eine Wiege bauen.

Um diese Wiege laß Seide nicht,
Laß deinen Arm sich schlingen
Und nur deiner milden Augen Licht
Laß zu mir nieder dringen.

Und in deines keuschen Schoßes Hut
Sollst du dein Kindlein schaukeln,
Daß deine Worte so mild so gut
Wie Träume es umgaukeln.

Da träumt mir, wie ich so ganz allein,
Gewohnt dir unterm Herzen
Wie nur die Freuden und Leiden dein
Mich freuten und mich schmerzten.

Oft rief ich dir, komm! o Mutter komm!
Kühl dich in Liebeswogen,
Da fühltest du dich so sanft, so fromm
Zu dir hinabgezogen,

Mit meiner Seele hielt treu und warm
Ich dich in dir umschlungen,
Und hab dir kindisch Sorg und Harm
In Liedern weggesungen.

Was heilig in dir zu aller Stund,
Das bin ich all gewesen
O küß mich süßer Mund gesund,
Weil du an mir genesen.

So lallt zu dir mein frommes Herz,
Und nimmer lernt es sprechen,
Blickt ewig zu dir, blickt himmelwärts
Und möcht in Freude brechen,

Bricht's nicht in Freud', bricht's doch in Leid,
Bricht es uns alle beiden
Denn Wiedersehn geht fern und weit,
Und nahe geht das Scheiden.

O Mutter halte dein Kindlein warm
Die Welt ist kalt und helle
Und leg es leis, bist du zu arm,
Hin an des Grabes Schwelle.

Leg es in Linnen, die du gewebt,
Zu Blumen, die du gepflücket,
Stirb mit, daß wenn's die Äuglein hebt,
Bei Gott es dich erblicket.



Gleich der Lilie, die erhöhet …

Gleich der Lilie, die erhöhet
Unter Dornen leuchtend steht,
So die Freundin rein erhöhet
Unter andern Töchtern steht.

Wie die Lilie leuchtend strahlet
Klar und rein und ohne Schuld,
Steht Maria lichtdurchstrahlet
Von des Himmels Gnad und Huld.

Dornen viel aus ihrem Stamme
Trafen sie in ihrem Sohn,
Doch des Herzens reine Flamme
Gab für Bittres süßen Lohn;

Denn wenn sie die Dornen spornen,
Duftet sie nochmal so süß,
Drum als Lilie unter Dornen
Sie das hohe Lied auch pries.

In der Lilie sieben Speere
Tragen goldne Körnlein lind,
Weil des heilgen Geistes Ehre
Siebenfach in Strahlen rinnt.

Nieder sind sie reich getauet
Zu des ewgen Königs Sohn,
Als er liebend hat gebauet
In der Lilie seinen Thron.

Einst auch strahlt zur letzten Stunde,
Wenn er uns zu richten kehrt,
Aus des ewgen Wortes Munde
Rechts die Lilie, links das Schwert.

Rechts die Lilie, die Gnade,
Links das Schwert, gerecht und streng,
Links hin führen breite Pfade,
Rechts hin Pfädlein, schmal und eng.

O du Lilie unter Dornen!
O du Mutter gnadenvoll!
Lasse mich durch Leiden spornen,
Wie ich rechts hin wandeln soll.

Gut wohl ist es mit den Frommen
Fromm zu sein, mit Reinen rein,
Aber es ist hoch vollkommen,
Unter Dornen Lilie sein.

Drum in Dornen hoch erhöhet
Die geliebte Lilie blüht,
Die da für die Sünder flehet,
Bis das Heil sie niederzieht.

Bis aus ihr, dem Kelch der Gnade,
Stieg des heilgen Geistes Frucht,
Jesus, der auf dorngem Pfade
Das verlorne Schäflein sucht,

Der da durch die Dornen dringet
Nach der Lilie, nach der Braut,
Bis er sie zu Tage ringet
In der Kirche Blut betaut,

Die mit Rosen hoch verzieret,
Die mit Lilien rein geschmückt,
In den Martyr'n triumphieret,
In den Jungfraun still entzückt.

Die als Brautleib auserwählet
Mit des höchsten Königs Sohn
Ewig jubelnd wird vermählet
Vor des Vaters heilgem Thron.

Siehst die Lilie du, Adele!
Und das Kindlein auch dabei,
Sorge treu, daß deine Seele
Für das Kindlein Lilie sei!

Dieses Lied sang von der Lilie,
Der in Dornen weidend geht,
Weil sie reimet auf Emilie,
Die sub rosa sich versteht.



Herr, dir sei Lob und Dank …

Herr, dir sei Lob und Dank,
Um immer mich zu finden,
Willst du mich müd und krank
Hier an mein liebes Schmerzensbettlein binden,
Ach, Herr! viel tausend Lob und Dank!

Dein Will geschah' an mir,
Gib nur Geduld, dann strafe,
Ich bin verschuldet dir,
Sei ich dein freies Kind, sei ich dein Sklave,
Ach, nur dein Will gescheh' an mir!

Herr! wie es dir gefällt
Willst du aufs Kreuz mich legen,
Sei ich ans Kreuz gestellt,
Geh kreuzbeladen, Herr, ich dir entgegen,
Ach alles, wie es dir gefällt.

Treu hast du mich geliebt,
Denn, könnt ich dir entfliehen,
Ich hätt dich oft betrübt,
So konntest du mich besser dir erziehen,
Wie treu, Herr, hast du mich geliebt.

Wie ständ es wohl mit mir?
Könnt ich wie andre Kinder
Mich tummeln voll Begier.
Sind andre blind, ach Herr, ich wär noch blinder,
Ach Herr, wie ständ es dann mit mir.

O Herr, wie lieb und gut,
Um viele Liebe zu erwecken,
Wollt'st du mich junges Blut
Als Quell des Mitleids auf das Lager strecken,
O Herr, wie bist du lieb und gut.

Du hast mich heimgesucht,
Gott Dank, daß ich hier liege,
Herr, meiner Leiden Frucht
Lehrt mich mein Engel an der Schmerzenswiege.
Willkomm, Herr, der mich heimgesucht.

Herr! du bedienst dich mein;
Gar manche Trostesworte,
Worin der Name dein
Das Süßste mir, erklingen hier am Orte,
O Freude, du bedienst dich mein!

Wie's ist, so ist es recht,
So schwach, mühselig, schwankend
Von Epheu ein Geflecht
Vom Kreuz gestützt, zum Licht sehnsüchtig rankend.
Herr, wie es ist, ist's recht!

Herr, wär ich fromm und reich
An Demut und an Schmerzen,
Ich wucherte sogleich,
Gäb allen Trost dir hin und litt von Herzen,
Und litt mich fromm und reich.

O himmlische Geduld,
Du kannst mit Schmerzen zahlen,
Nimm auf mein Leid mit Huld,
Ich opfre es vereint mit deinen Qualen.
Sei bei mir, himmlische Geduld.

Die lieben Röschen all
Und große süße Rosen,
Des Freundes Seufzerschall
Schneid ich für Dornen mir aus deinen Rosen,
Nimm dir dein Röschen ganz und all!

Wie wär ich doch so arm
Und könnte nichts verdienen,
Wär mir an deinem Arm
Nicht Lieb und Schmerz und die Geduld erschienen.
Ach, Herr! wie wär ich dann so arm!

Das Röschen, Herr, ist dein;
Könnt laufen ich und hüpfen,
Manch Rosenblättchen fein
Könnt in den Wind hinwehend dir entschlüpfen.
Allein jetzt ist das Röschen dein.

Berührt von Gottes Hand
Treibt mich ein still Entzücken
Am Kreuz empor; zum Pfand
Der Liebe will vielleicht mein Herr mich pflücken.
Dann blüh ich neu in Jesu Hand.

Dir will das Röschen blühn,
Du Haupt voll Blut und Wunden,
Wie seh ich dich erglühn,
Du Bräutigam, von Dornen ganz umwunden,
Dir will das Dornenröschen blühn.

Du hast dein Röschen scharf
Mit Dornen rings versehen,
Daß keiner nahen darf
Als du, der weiß mit Dornen umzugehen,
Du hütest, Herr, dein Röschen scharf.

So ließ ein Pilger einst
Dich Dornenröschen reden,
Wenn du so leiden lernst,
Dann kannst du zu den Wunden Jesu beten
Für alle und den Pilger ernst!



Ich hab das Lämplein angesteckt …

Ich hab das Lämplein angesteckt
Zum langen Angedenken,
Und wenn mich kühle Erde deckt,
Mag Kind und Enkel denken:
Der Vater ruht im Tale aus,
Und kömmt nicht mehr ins stille Haus.
Lischst du o Herr mein stilles Licht,
Das tief herab schon brennet,
Und werd vor deinem Angesicht
Ich nur ganz rein erkennet,
So geht mit Freude angetan
Erst recht mein schönstes Leuchten an.