Fischer

Inhalt

Biografie

               Abend

Endet schon des Tages Leben
und sein ganzes Glück?
Töne und Gestalten schweben
in sich selbst zurück.

Zwischen Wachen, zwischen Träumen
trinkt die Seele schon,
zugeweht aus andern Räumen,
leisen Harfenton.

Breite nun, du sternenschöne,
atemstille Nacht,
deine Schleier und versöhne
wo ein Leiden wacht.



              Ein Prophet

Ihr könnt mir glauben, er hat's gesehn
ganz wie es kommt und ist und wird.

Im Hornungspätrot ist's geschehn,
Vom Zweig ein Fink ist abgeschwirrt,
der spürte ein Saften zuerst im Baum,
spürte, spürte und nickte kaum,
schwirrt ab und sagt: Auf Ehrenwort,
schon rieselt's innen im Ast und kriecht
wie Füße herauf an einer Wand,
mir war's, wie wenn man Tauwind riecht,
daß mir das Haar zu Berge stand;
ich hab's gespürt, es rückt so fort
und muß noch stärker und muß uns bald
herüberläuten vom hohen Wald:
Es treibt und steigt und ist im Lauf,
und unser keiner hält es auf;
es kommt!
Es kommt!

So sagt er, und wie Lebensduft
ging heimliches Schüttern durch die Luft.



              Elysium

Und ist's mit dieser Welt herum,
und komm' ich ins Elysium,
meiner Ahne Haus muß mit hinein,
sonst mag ich nicht darinnen sein.
Hinter dem Hause muß am Hag
die Sonne lagern den ganzen Tag,
daß golden durch der Blätter Lucken
wie Engelsbacken die Kürbiss' gucken,
daß die Nachbarn wieder herüberschaun,
die Arme aufgestemmt am Zaun,
wie sie am Sonntag aus den Pfeifen
lassen die blauen Wolken schweifen;
lustige Mägde ziehn am Haus
in weißer Schürze den Weg hinaus;
doch draußen schütteln am Gartensaum
wir Buben den frühsten Birnenbaum.

So sei es im Elysium,
sonst scher' ich mich den Teufel drum.



     Sommermorgen

Leise träumt die Sommernacht;
bei den kühlen Bronnen
hab' ich dich herangewacht,
erster Hauch der Sonnen.

Gestern in der Abendluft,
als sie untergangen,
blieb von ihrem Gold ein Duft
fern im Westen hangen,

Und er schwebte durch die Nacht
über bis zum Norden,
hat den Osten rot gemacht,
daß es Morgen worden.

Perl' an Perle hängt der Tau
um des Grases Blüten,
und man sieht den Dampf der Au
warme Stunden brüten.

Tiefer schon an Turm und Dach
rückt die Helle nieder,
in den Wipfeln allgemach
wachen auf die Lieder.

Sieh - ein Blitz am Himmel hin!
Durch der Blätter Beben
zittert mir um Wang' und Kinn,
Tag, dein Sonnenweben;

Und ich seh' dein Lichtgespinst
alle Welt umfließen,
wie du mir das Herz durchrinnst,
sonniges Ergießen.

Flutend schlägt mir überm Haupt
Duft und Klang zusammen;
was die Seele hofft und glaubt,
alles steht in Flammen.

Und so viel sie trinken mag,
rauscht vom Himmel nieder;
denn des Lebens voller Tag
strömt allmächtig wieder.



     Um Mitternacht

Ein Tag stirbt auch,
wie ein Mensch verscheidet.

In letzter Nacht
um die Zwölfuhrglocke
sah ich es zittern
beim blauen Mondschein
in meinem Glase,
wie ein sterbender Mensch
in des andern Hände
sein letztes Leben
hinüberzittert.

Also geschieht es,
wenn dem kommenden Tage
der scheidende Tag sich
überantworten muß,
und der kommende ruft noch
dem scheidenden nach:
Grüß' mir die Mutter,
die ewige Zeit,
wenn du hinüberkommst,
bald sehen wir alle
uns drüben wieder. -

Und kein so schönes
Zittern des Todes
und Zittern des Lebens
vermocht' ich zu denken.

Doch eines kam noch,
als die Lüfte bebten
beim Sonnenaufgang,
und ich betete tief
in die Seele hinein:
Gelobt sei das ewige
heilige Licht!
Und die verbleichenden
Sterne sprachen:
In Ewigkeit!