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Im Hochland fiel der erste Schuß

Im Hochland fiel der erste Schuß -
Im Hochland wider die Pfaffen!
Da kam, die fallen wird und muß,
Ja, die Lawine kam in Schuß -
Drei Länder in den Waffen!
Schon kann die Schweiz vom Siegen ruhn:
Das Urgebirg' und die Nagelfluhn
Zittern vor Lust bis zum Kerne!

Drauf ging der Tanz in Welschland los -
Die Szyllen und Charybden,
Vesuv und Ätna brachen los:
Ausbruch auf Ausbruch, Stoß auf Stoß!
- "Sehr bedenklich, Euer Liebden!"
Also schallt's von Berlin nach Wien,
Und von Wien zurück wieder nach Berlin -
Sogar den Nickel graut es!

Und nun ist denn auch abermals
Das Pflaster aufgerissen,
Auf dem die Freiheit, nackten Stahls,
Aus der lumpigen Pracht des Königsaals
Zwei Könige schon geschmissen;
Einen von ihnen gar geköpft -
Und drauf du lang genug geschröpft
Dein Volk, o Julikönig!

Anrückt die Linie: Schuß auf Schuß!
Und immer frisch geladen!
Doch dies ist ein Volk wie aus Eisenguß,
Stülpen Karren um und Omnibus -
Das sind Barrikaden!
Stolze, opferfrohe Reihn,
Singen sie, in der Hand den Stein:
"Mourir pour la patrie!"

Die Kugel pfeift, der Kiesel fliegt,
In Lüften wallt die Fahne!
Ein General am Boden liegt -
Ça ira, ça ira, die Bluse siegt,
O Vorstadt St. Antoine!
Massen auf Massen! Keiner wankt -
Schon hat der Guizot abgedankt,
Bleich, zitternd mit den Lippen.

"Vive la Réforme! Le Système à bas!"
O treffliche Gesellen!
Der Birne Schütteltag ist da!
Die halbe Linie, ça ira!
Und Amiens sind Rebellen!
Keine neue Kriegsmacht naht:
Das Volk zerstörte Schien' und Draht -
Bahnzug und Telegraphen!

Was weiter wird: - noch harren wir!
Doch wird's die Freiheit werden!
Die Freiheit dort, die Freiheit hier,
Die Freiheit jetzt und für und für,
Die Freiheit rings auf Erden!
Im Hochland fiel der erste Schuß,
Und die da niederdonnern muß,
Die Lawine kam ins Rollen!

Sie rollt - sie springt - o Lombardei,
Bald fühlst auch du ihr Wälzen!
Ungarn und Polen macht sie frei,
Durch Deutschland dröhnen wird ihr Schrei,
Und kein Bannstrahl kann sie schmelzen!
Einzig in der Freiheit Wehn
Mild und leis wird sie zergehn,
Des alten Zorns Lawine!

Ja, fest am Zorne halten wir,
Fest bis zu jener Frühe!
Die Träne springt ins Auge mir,
In meinem Herzen singt's: "Mourir,
Mourir pour la patrie!"
Glück auf das ist ein glorreich Jahr,
Das ist ein stolzer Februar -
"Allons enfants!" - "Mourir, mourir,
Mourir pour la patrie!"
         London, 25. Februar 1848.


         Die Republik

Die Republik, die Republik!
Herr Gott, das war ein Schlagen!
Das war ein Sieg aus einem Stück!
Das war ein Wurf! die Republik!
Und alles in drei Tagen!
Die Republik, die Republik!
Vive la République!

Die Republik, die Republik!
Ankeuchten die Berichte:
Ein Atmezug, ein Wink, ein Blick,
Ein Handumdrehn - die Republik!
So dichtet die Geschichte!
Die Republik, die Republik!
Vive la République!

Die Republik, die Republik!
Nun ist der Wall erstiegen!
Nun ist gerannt die Mauerlück' -
Die Republik, die Republik! -
Und unsre Farben fliegen!
Die Republik, die Republik!
Vive la République!

Die Republik, die Republik!
Noch stehn wir müßig unten!
Vom Wall doch ruft's: Bleibt nicht zurück!
Nach durch den Riß - die Republik! -
Beim Aufblitz unsrer Lunten!
Die Republik, die Republik!
Vive la République!

Die Republik, die Republik!
Ja doch, ihr Vorhutstreiter -
Wir folgen euch! die Republik!
Schon dröhnt von unserm Fuß die Brück',
Schon fassen wir die Leiter!
Die Republik, die Republik!
Vive la République!

Die Republik, die Republik!
Wer redet von Entzweien?
Was Völkerhaß! Die Republik!
Als Freie, jochlos das Genick,
So treten wir zu Freien!
Die Republik, die Republik!
Vive la République!

Von heute an - die Republik! -
Zwei Lager nur auf Erden:
Die Freien nur auf Erden:
Die Freien mit dem kühnen Blick,
Die Sklaven, um den Hals den Strick!
Sei's! mag's entschieden werden!
Die Republik, die Republik!
Vive la République!

Sonst aber - hoch die Republik! -
Kein Kriegen mehr und Spalten!
Nur fester Bund zu Lieb' und Glück!
Nur Bruderschaft - die Republik!
Und menschlich schön Entfalten!
Die Republik, die Republik!
Vive la République!

Die Republik, die Republik!
Wohlan denn, Rhein und Elbe!
Donau, wohlan - die Republik!
Die Stirnen hoch, hoch das Genick!
Eur Feldgeschrei dasselbe:
Die Republik, die Republik!
Vive la République!
      London, 26. Februar 1848.


      Schwarz-Rot-Gold

In Kümmernis und Dunkelheit,
Da mußten wir sie bergen!
Nun haben wir sie doch befreit,
Befreit aus ihren Särgen!
Ha, wie das blitzt und rauscht und rollt!
Hurra, du Schwarz, du Rot, du Gold!
Pulver ist schwarz,
Blut ist rot,
Golden flackert die Flamme!

Das ist das alte Reichspanier,
Das sind die alten Farben!
Darunter haun und holen wir
Uns bald wohl junge Narben!
Denn erst der Anfang ist gemacht,
Noch steht bevor die letzte Schlacht!
Pulver ist schwarz,
Blut ist rot,
Golden flackert die Flamme!

Ja, die das Banner ihr gestickt,
Ihr Jungfern unverdrossen,
Derweil am Feuer wir gebückt
Uns Flintenkugeln gossen:
Nicht, wo man singt nur oder tanzt,
Geschwungen sei's und aufgepflanzt! -
Pulver ist schwarz,
Blut ist rot,
Golden flackert die Flamme!

Denn das ist noch die Freiheit nicht,
Die Deutschland muß begnaden,
Wenn eine Stadt in Waffen spricht
Und hinter Barrikaden:
"Kurfürst, verleih! Sonst - hüte dich! -
Sonst werden wir - - großherzoglich!"
Pulver ist schwarz,
Blut ist rot,
Golden flackert die Flamme!

Das ist noch lang die Freiheit nciht,
Die ungeteilte, ganze,
Wenn man ein Zeughaustor erbricht,
Und Schwert sich nimmt und Lanze;
Sodann ein weniges sie schwingt,
Und - folgsamlich zurück sie bringt!
Pulver ist schwarz,
Blut ist rot,
Golden flackert die Flamme!

Das ist noch lang die Freiheit nicht,
Wenn ihr an Brockhaus' Glase
Ausübt ein klirrend Strafgericht
Ob einer Dresdner Nase!
Was liegt euch an dem Sosius?
Drauf: - in die Hofburg Stein und Schuß!
Pulver ist schwarz,
Blut ist rot,
Golden flackert die Flamme!

Das ist noch lang die Freiheit nicht,
Wenn man, statt Patronen,
Mit keiner andern Waffe ficht,
Als mit Petitionen!
Du lieber Gott: - Petitioniert!
Parlamentiert, illuminiert!
Pulver ist schwarz,
Blut ist rot,
Golden flackert die Flamme!

Das ist noch lang die Freiheit nicht,
Sein Recht als Gnade nehmen
Von Buben, die zu Recht und Pflicht
Aus Furcht nur sich bequemen!
Auch nicht: daß, die ihr gründlich haßt,
Ihr dennoch auf den Thronen laßt!
Pulver ist schwarz,
Blut ist rot,
Golden flackert die Flamme!

Die Freiheit ist die Nation,
Ist aller gleich Gebieten!
Die Freiheit ist die Auktion
Von dreißig Fürstenhüten!
Die Freiheit ist die Republik!
Und abermals: die Republik!
Pulver ist schwarz,
Blut ist rot,
Golden flackert die Flamme!

Die eine deutsche Republik,
Die mußt du noch erfliegen!
Mußt jeden Strick und Galgenstrick
Dreifarbig noch besiegen!
Das ist der große letzte Strauß -
Flieg aus, du deutsch Panier, flieg aus!
Pulver ist schwarz,
Blut ist rot,
Golden flackert die Flamme!

Zum Kampfe denn, zum Kampfe jetzt!
Der Kampf nur gibt dir Weihe!
Und kehrst du rauchig und zerfetzt,
So stickt man dich aufs neue!
Nicht wahr, ihr deutschen Jungfräulein?
Hurra, das wird ein Sticken sein!
Pulver ist schwarz,
Blut ist rot,
Golden flackert die Flamme!

Und der das Lied für euch erfand
In einer dieser Nächte,
Der wollte, daß ein Musikant
Es bald in Noten brächte!
Heißt das: ein rechter Musikant!
Dann kläng' es hell durchs deutsche Land:
Pulver ist schwarz,
Blut ist rot,
Golden flackert die Flamme!
                  London, 17. März 1848.


                     Berlin

Lied der "Amnestierten" im Auslande

Zum Völkerfest, auf das wir ziehn,
Zu dem die Freiheit ladet,
Wie wandelst herrlich du, Berlin!
Berlin, in Blut gebadet!
Du wandelst rußig und bestaubt
Einher in deinen Wunden!
Du wandelst hin, das bleiche Haupt
Mit Bannertuch verbunden!

Mit Tuch, von dem du jene Nacht
Geheiligt jeden Faden!
O, erste deutsche Fahnenwacht
Auf deutschen Barrikaden!
Du rissest es aus langer Schmach
Empor zu neuer Schöne!
In einer Nacht, auf einen Schlag
Rein wuschen's deine Söhne!

So helfe dir nun Gott, Tyrann!
Erstochen und erschossen!
Und abwärts durch die Straßen rann
Ihr Blut in allen Gossen!
Arbeiterblut, Studentenblut -
Wir knirschen mit den Zähnen,
Und in die Augen treibt die Wut
Uns seltne Männertränen!

Sie fochten dreizehn Stunden lang,
Die Erde hat gezittert!
Sie fochten ohne Sang und Klang,
Sie fochten stumm erbittert!
Da war kein Lied wie Ça ira! -
Nur Schrei und Ruf und Röcheln!
Sie standen ernst und schweigend da,
Im Blut bis zu den Knöcheln!

So schlaft denn wohl im kühlen Grund,
Schlaft ewig unvergessen!
Wir können euch den bleichen Mund,
Die starre Hand nicht pressen!
Wir können euch zu Ehr' und Zier
Mit Blumen nicht bewerfen -
Doch können wir und wollen wir
Die Schwerter für euch schärfen!

Denn einen Kampf, der so begann,
Soll kein Ermatten schänden!
Ihr strittet vor, ihr finget an:
So laßt denn uns vollenden!
Wir sind bereit, wir sind geschwind,
Wir treten in die Lücken!
Mit allen, die noch übrig sind,
Die Klinge woll'n wir zücken!

Denn heißen soll es nimmermehr:
Für nichts sind sie gestorben!
Für nichts, als was sie tags vorher
Ertrotzt schon und erworben!
Denn keiner sage je und je:
Sie waren brav im Schießen!
Doch fehlt' auch ihnen die Idee,
Da sie sich metzeln ließen!

Drumm sollen eure Leichen nicht
Den Strom der Freiheit stauen;
Den Strom, der seine Fesseln bricht
In diesem Märzestauen!
Drum sollen sie die Stufen sein,
Die Stufen grün von Zweigen,
Auf denen wir zum Dach hinein
Der freien Zukunft steigen!

Was Manifest noch, was Bescheid!
Was Bitten noch und Geben!
Was Amnestie und Preßfreiheit -
Tod gilt es oder Leben!
Wir rücken an in kalter Ruh',
Wir beißen die Patrone,
Wir sagen kurz: Wir oder du!
Volk heißt es oder Krone!

Daß Deutschland stark und einig sei,
Das ist auch unser Dürsten!
Doch einig wird es nur, wenn frei,
Und frei nur ohne Fürsten!
O Volk, ein einz'ger Tag verstrich -
Und schon von Vivats heiser?
Erst gestern ließ Er schlachten dich - -
Und heute deutscher Kaiser?!

Schmach! mit dem Blute wild verspritzt
Bei jenem freud'gen Sterben,
Mit dem jetzt möcht' Er sich verschmitzt
Den Kaiserpurpur färben!
Allein, daß das unmöglich sei,
Dafür noch stehn wir Wache,
Dafür bleibt unser Feldgeschrei:
Hie Republik und Rache!

Wir treten in die Reiseschuh',
Wir brechen auf schon heute!
Nun, heil'ge Freiheit, tröste du
Die Mütter und die Bräute!
Nun tröste Weib, nun tröste Kind,
Die Witwen und die Waisen -
Wie derer, die gefallen sind,
So unsre, will's das Eisen!
        London, 25. März 1848.


            Ein Lied vom Tode

Auf den Hügeln steht er im Morgenrot,
Das gezückte Schwert in der sehn'gen Hand.
"Wer ich bin? Ich bin der Befreiertod!
Bin der Tod für die Menschheit, das Vaterland!
Nicht der Leisetreter am Krankenpfühl,
Der den Greis und das Kind auf die Bahre legt -
Nein, der eiserne Stürmer im Kampfgewühl,
Der den Mann und den trotzigen Jüngling erschlägt!

Unterm blauen lustigen Himmelszelt,
Da durchflieg' ich, da licht' ich die jauchzenden Reihn;
Da werf' ich sie hin auf das Ackerfeld,
Auf die Blumenflur, auf den Pflasterstein!
O, wie stirbt es sich schön in der Kraft, im Zorn:
Sie liegen, emporgewandt den Blick;
Sie liegen, die Todeswunde vorn
Und das bleiche, blutige Haupt im Genick!

So lagen die Tapfern an Wien und Spree;
So lagen die Turner am Eiderfluß;
So lagen auf jener Schwarzwaldhöh'
Die Freistaatmänner, gefällt vom Schuß.
So liegen und lagen sie hundertweis,
Die der März gefordert und der April;
So findet sie liegen die Rose des Mais,
Daß ihr Grab sie bekränze freundlich und still!

Die Rose des Mais! - Ja, was bringt der Mai?
Ich will es euch sagen: Hieb und Stich!
Ich will es euch sagen: Trompetenschrei,
Knatternde Salven und abermals mich!
Denn ihr sollt euch gründlich und ganz befrein,
Und das leuchtende Gold, daß die Fahn' euch schmückt,
Sei die Treffe nicht bloß, die des Lakain,
Die des Kammerdieners Livree bestickt!

Ja, ihr habt, was ihr tatet, nur halb getan! -
Wer ist, der die Kugel hemmen darf?
Sie roll' und sie donnre auf ihrer Bahn,
Bis sie viermal alle Neune warf!
Euch heißt 'Rebell' der entschiedne Mann,
Der die volle Freiheit zu fordern wagt? -
Ei, wie man so bald vergessen kann,
Daß von Aufruhrs Gnaden zu Frankfurt man tagt!

'Demokratische Basis', die 'breiteste' gar!
'Parlament' und 'Verfassung', 'Kaiser und Reich'!
Von dem allen ist nur das eine klar:
Einer 'Basis' bedürft ihr - ja wohl, für euch!
Eines Stuhles, auf dem ihr behaglich sitzt;
Eines 'breitesten', drauf ihr breit euch macht!
Ihr wollt nur ein Jahr, das wie Dreißig blitzt -
Ihr wollt kein Gewitter von Vierzig und acht!

Doch wir schreiben jetzt Achtundvierzig, ihr Herrn!
Und das Wetter ist da, und ihr haltet's nicht auf!
Und wie ihr euch stellen mögt und sperrn:
Es nivelliert bis zu euch herauf!
Wolken auf Wolken und Strahl auf Strahl,
Und der Donner kracht, und das Echo gellt:
Der Odem Gottes wieder einmal
Reinigt die faul gewordene Welt!

Und der sendet auch mich! Ja, ich kam mit dem März,
Schreite streng und ernst von Gefild zu Gefild,
Reiße die Besten, die Kühnsten ans Herz,
Lasse sie fallen feurig und wild!
Und so werd' ich schreiten und töten zumal,
Bis die Sonne folgt auf das Morgenrot!
O, du Weihelenz in Lust und in Qual -
Vorwärts! ich bin der Befreiertod!"
                  London, 30. April 1848.


           Trotz alledem!

                 Variiert

Das war 'ne heiße Märzenzeit,
Trotz Regen, Schnee und alledem!
Nun aber, da es Blüten schneit,
Nun ist es kalt, trotz alledem!
Trotz alledem und alledem -
Trotz Wien, Berlin und alledem -
Ein schnöder scharfer Winterwind
Durchfröstelt uns trotz alledem!

Das ist der Wind der Reaktion
Mit Meltau, Reif und alledem!
Das ist die Bourgeoisie am Thron -
Der annoch steht, trotz alledem!
Trotz alledem und alledem -
Trotz Blutschuld, Trug und alledem -
Er steht noch, und er hudelt uns
Wie früher fast, trotz alledem!

Die Waffen, die der Sieg uns gab,
Der Sieg des Rechts trotz alledem,
Die nimmt man sacht uns wieder ab,
Samt Kraut und Lot und alledem,
Trotz alledem und alledem,
Trotz Parlament und alledem -
Wir werden unsre Büchsen los,
Soldatenwild trotz alledem!

Doch sind wir frisch und wohlgemut
Und zagen nicht trotz alledem!
In tiefer Brust des Zornes Glut,
Die hält uns warm trotz alledem!
Trotz alledem und alledem,
Es gilt uns gleich trotz alledem!
Wir schütteln uns: Ein garst'ger Wind,
Doch weiter nichts trotz alledem!

Denn ob der Reichstag sich blamiert
Professorhaft, trotz alledem!
Und ob der Teufel regiert
Mit Huf und Horn und alledem -
Trotz alledem und alledem,
Trotz Dummheit, List und alledem,
Wir wissen doch: die Menschlichkeit
Behält den Sieg trotz alledem!

So füllt denn nur der Mörser Schlund
Mit Eisen, Blei und alledem:
Wir halten aus auf unserm Grund,
Wir wanken nicht trotz alledem!
Trotz alledem und alledem!
Und macht ihr's gar, trotz alledem,
Wie zu Neapel jener Schuft:
Das hilft erst recht, trotz alledem!

Nur, was zerfällt, vertretet ihr!
Seid Kasten nur, trotz alledem!
Wir sind das Volk, die Menschheit wir,
Sind ewig drum, trotz alledem!
Trotz alledem und alledem:
So kommt denn an, trotz alledem!
Ihr hemmt uns, doch ihr zwingt uns nicht -
Unser die Welt trotz alledem!
           Düsseldorf, Anfang Juni 1848.


                 Die Toten an die Lebenden

Die Kugel mitten in der Brust, die Stirne breit gespalten,
So habt ihr uns auf blut'gem Brett hoch in die Luft gehalten!
Hoch in die Luft mit wildem Schrei, daß unsre Schmerzgebärde
Dem, der zu töten uns befahl, ein Fluch auf ewig werde!
Daß er sie sehe, Tag und Nacht, im Wachen und im Traume -
Im Öffnen seines Bibelbuchs wie im Champagnerschaume!
Daß wie ein Brandmal sie sich tief in seine Seele brenne:
Daß nirgendwo und nimmermehr er vor ihr fliehen könne!
Daß jeder qualverzogne Mund, daß jede rote Wunde
Ihn schrecke noch, ihn ängste noch in seiner letzten Stunde!
Daß jedes Schluchzen um us her dem Sterbenden noch schalle,
Daß jede tote Faust sich noch nach seinem Haupte balle -
Mög' er das Haupt nun auf ein Bett, wie andre Leute pflegen,
Mög' er es auf ein Blutgerüst zum letzten Atmen legen!

So war's! Die Kugel in der Brust, die Stirne breit gespalten,
So habt ihr uns auf schwankem Brett auf zum Altan gehalten!
"Herunter!" - und er kam gewankt - gewankt an unser Bette;
"Hut ab!" - er zog - er neigte sich! (so sank zur Marionette,
Der erst ein Komödiante war!) - bleich stand er und beklommen!
Das Heer indes verließ die Stadt, die sterbend wir genommen!
Dann "Jesus meine Zuversicht!" wie ihr's im Buch könnt lesen:
Ein "Eisen meine Zuversicht!" wär' paßlicher gewesen!

Das war den Morgen auf die Nacht, in der man uns erschlagen;
So habt ihr triumphierend und in unsre Gruft getragen!
Und wir - wohl war der Schädel uns zerschossen und zerhauen,
Doch lag des Sieges froher Stolz auf unsern grimmen Brauen.
Wir dachten: Hoch zwar ist der Preis, doch echt auch ist die Ware!
Und legten uns in Frieden drum zurecht auf unsrer Bahre.

Weh euch, wir haben uns getäuscht! Vier Monden erst vergangen,
Und alles feig durch euch verscherzt, was trotzig wir errangen!
Was unser Tod euch zugewandt, verlottert und verloren -
O, alles, alles hörten wir mit leisen Geisterohren!
Wie Wellen braust' an uns heran, was sich begab im Lande:
Der Aberwitz des Dänenkriegs, die letzte Polenschande;
Das rüde Toben der Vendee in stockigen Provinzen;
Der Soldateska Wiederkehr, die Wiederkehr des Prinzen;
Die Schmach zu Mainz, die Schmach zu Trier; das Hänseln, das Entwaffnen
Allüberall der Bürgerwehr, der eben erst geschaffnen;
Die Tücke, die den Zeughaussturm zu einem Diebszug machte,
Die selber uns, die selbst das Grab noch zu begeifern dachte;
Soweit es Barrikaden gab, der Druck auf Schrift und Rede;
Mit der Versammlung freiem recht die täglich frechre Fehde;
Der Kerkertore dumpf Geknarr im Norden und im Süden;
Für jeden, der zum Volke steht, das alte Kettenschmieden;
Der Bund mit dem Kosakentum; das Brechen jedes Stabes,
Ach, über euch, die wert ihr seid des lorbeerreichsten Grabes:
Ihr von des Zukunftsdranges Sturm am weitesten Getragnen!
ihr - Junikämpfer von Paris! Ihr siegenden Geschagnen!
Dann der Verrat, hier und am Main im Taglohn unterhalten -
O Volk, und immer Friede nur in deines Schurzfells Falten?
Sag' an, birgt es nicht auch den Krieg? den Krieg herausgeschüttelt!
Den zweiten Krieg, den letzten Krieg mit allem, was dich büttelt!
Laß deinen Ruf: "Die Republik!" die Glocken überdröhnen,
Die diesem allerneusten Johannesschwindel tönen!

Umsonst! es täte not, daß ihr uns aus der Erde grübet,
Und wiederum auf blut'gem Brett hoch in die Luft erhübet!
Nicht, jenem abgetanen Mann, wie damals, uns zeigen -
Nein, zu den Zelten auf den Markt, ins Land mit uns zu steigen!
Hinaus ins Land, so weit es reicht! Und dann die Insurgenten
Auf ihren Bahren hingestellt in beiden Parlamenten!

O ernste Schau! Da lägen wir, im Haupthaar Erd' und Gräser,
Das Antlitz fleckig, halbverwest - die rechten Reichsverweser!
Da lägen wir uns sagten aus: Eh' wir verfaulen konnten,
Ist eure Freiheit schon verfault, ihr trefflichen Archonten!
Schon viel das Korn, das keimend stand, als wie im Märze starben:
Der Freiheit Märzsaat ward gemäht noch vor den andern Garben!
Ein Mohn im Felde hier und dort entging der Sense Hieben -
O, wär' der Grimm, de rote Grimm, im Lande so geblieben!

Und doch, er blieb! Es ist ein Trost im Schelten uns gekommen:
Zu viel schon hattet ihr erreicht, zu viel ward euch genommen!
Zu viel des Hohns, zu viel der Schmach wird täglich euch geboten:
Euch muß der Grimm geblieben sein - o, glaubt es uns, den Toten!
Er blieb euch! ja, und er erwacht! er wird und muß erwachen!
Die halbe Revolution zur ganzen wird er machen!
Er wartet nur des Augenblicks: dann springt er auf allmächtig,
Gehobnen Armes, wehnden Haars dasteht er wild und prächtig!
Die rost'ge Büchse legt er an, mit Fensterblei geladen:
Die rote Fahne läßt er wehn hoch auf den Barrikaden!
Sie fliegt voran der Bürgerwehr, sie fliegt voran dem Heere -
Die Throne gehn in Flammen auf, die Fürsten fliehn zum Meere!
Die Adler fliehn; die Löwen fliehn; die Klauen und die Zähne! -
Und seine Zukunft bildet selbst das Volk, das souveräne!
Indessen, bis die Stunde schlägt, hat dieses unser Grollen
Euch, die ihr vieles schon versäumt, das Herz ergreifen wollen!
O, steht gerüstet! Seid bereit! O, schaffet, daß die Erde,
Darin wir liegen strack und starr, ganz eine freie werde!
Daß fürder der Gedanke nicht uns stören kann im Schlafen:
Sie waren frei: doch wieder jetzt - und ewig! - sind sie Sklaven!
                                                          Düsseldorf, Juli 1848.


                                  Wien

Wenn wir noch knien könnten, wir lägen auf den Knien;
Wenn wir noch beten könnten, wir beteten für Wien!
Doch lange schon verlernten wir Kniefall und Gebet -
Der mann ist uns die liebste, die Schwert und Lanze schwingt!
Der Mund ist uns der frommste, der Schlachtgesänge singt!
Wozu noch bittend winseln? Ihr Männer, ins Gewehr -
Heut ballt man nur die Hände, man faltet sie nicht mehr!
Es ist das Händefalten ein abgenutzt Geschäft -
Die Linke an die Scheide, die rechte Hand ans Heft!
Die Linke an die Gurgel dem Sklaven und dem Schuft,
Die Rechte mit der Klinge ausholend in der Luft!
Ein riesig Schilderheben, ein Ringen wild und kühn -
Das ist zur Weltgeschichte das rechte Flehn für Wien!

Ja, Deutschland, ein Erheben! ja, Deutschland, eine Tat!
Nicht, wo im roten Dolman einhersprengt der Kroat,
Nicht, wo vom Huf der Rosse das Donauufer bebt,
Nicht, wo aus Sklavenmörsern die Brandraketen sprühn -
Nicht dorthin, ernster Norden, gewaffnet sollst du ziehn!
Nicht dorthin sollst du pilgern zur Hilfe, zum Entsatz -
Allwärts, um Wien zu retten, stehst du an deinm Platz!
Räum' auf im eignen Hause! Räum' auf und halte Stich -
Den Jellachich zu jagen, wirf deinen Jellachich!
Ein dreister Schlag im Norden ist auch im Süd ein Schlag;
Mach' fallen unser Olmütz, und Olmütz rasset nach!

Der Herbst ist angebrochen, der kalte Winter naht -
O Deutschland, ein Erheben! O Deutschland, eine Tat!
Die Eisenbahnen pfeifen, es zuckt der Telegraph -
Du aber bleibst gelassen, du aber bleibst im Schlaf!
Beim Todeskampf der Riesin dastehst du wie von Stein -
Alles, wozu du dich ermannst, ein kläglich Bravoschrein!
                                                Köln, 3. November 1848.


                                  Blum

Vor zweiundvierzig Jahren war's, da hat mit Macht geschrien
Ein siebentägig Kölner Kind auf seiner Mutter Knien;
Ein Kind mit breiter, offner Stirn, ein Kind von heller Lunge,
Ein prächtig Proletarierkind, ein derber Küferjunge.
Er schrie, daß in der Werkstatt rings des Vaters Tonnen hallten;
Die Mutter hat mit Lächeln ihn an ihre Brust gehalten;
An ihrer Brust, auf ihrem Arm hat sie ihn eingesungen: -
Es ist zu Köln das Wiegenlied des Knaben hell erklungen.

Und heut in diesem selben Köln zum Wehn des Winterwindes
Und zu der Orgel Brausen schallt das Grablied dieses Kindes.
Nicht singt die Überlebende, die Mutter es dem Sohne:
Das ganze schmerzbewegte Köln singt es mit festem Tone.
Es spricht: Du, deren Schoß ihn trug, bleib still auf deiner Kammer!
Vor deinem Gott, du graues Haupt, ausströme deinen Jammer!
Auch ich bin seine Mutter, Weib! Ich und noch eine Hohe -
Ich und die Revolution, die grimme, lichterlohe!
Bleib du daheim mit deinem Schmerz! Wir wahren seine Ehre -
Des Robert Requiem singt Köln, das revolutionäre!

So redet Köln! Und Orgelsturm entquillt dem Kirchenchore,
Es stehn die Säulen des Altars umhüllt mit Trauerflore,
Die Kerzen werfen matten Schein, die Weihrauchwolken ziehen,
Und tausend Augen werden naß bei Neukomms Melodien.
So ehrt die treue Vaterstadt des Tonnenbinders Knaben -
Ihn, den die Schergen der Gewalt zu Wien gemordert haben,
Ihn, der sich seinen Lebensweg, den steilen und den rauhen,
Auf bis zu Frankfurts Parlament mit starker Hand gehauen!
(Dort auch, was er allstündlich war, ein Wackrer, kein Verräter!) -
Was greift ihr zu den Schwertern nicht, ihr Singer und ihr Beter?
Was werdet ihr Posaunen nicht, ihr ehrnen Orgeltuben,
Den Jüngsten Tag ins Ohr zu schrein den Henkern und den Buben?
Den Henkern, die ihn hingestreckt auf der Brigittenaue -
Auf festen Knien lag er da im ersten Morgentaue!
Dann sank er hin - hin in sein Blut - lautlos! - heut vor acht Tagen!
Zwei Kugeln haben ihm die Brust, eine das Haupt zerschlagen!

Ja, ruhig hat man ihn gemacht: - er liegt in seiner Truhe!
So schall' ihm denn ein Requiem, ein Lied der ew'gen Ruhe!
Ruh' ihm, der uns die Unruh' hat als Erbteil hinterlassen: -
Mir, als heut im Tempel stand in den bewegten Massen,
Mir war's, als hört' ich durch den Sturm der Töne ein Geraune:
Du, rechte mit der Stunde nicht! die Orgel wird Posaune!
Es werden, die du singen siehst, das Schwert in Händen tragen -
Denn nichts als Kampf und wieder Kampf entringt sich diesen Tagen!
Ein Requiem ist Rache nicht, ein Requiem nicht Sühne -
Bald aber steht die Rächerin auf schwarzbehangner Bühne!
Die dunkelrote Rächerin! Mit Blut bespritzt und Zähren,
Wird sie und soll und muß sie sich in Permanenz erklären!
Dann wird ein ander Requiem den toten Opfern klingen -
Du rufst sie nicht, die Rächerin, doch wird die Zeit sie bringen!
Der andern Greuel rufen sie! So wird es sich vollenden -
Weh allen, denen schuldlos Blut klebt an den Henkerhänden!

Vor zweiundvierzig Jahren war's, da hat mit Macht geschrien
Ein siebentägig Kölner Kind auf seiner Mutter Knien!
Acht Tage sind's, da lag zu Wien in blut'ger Mann im Sande -
Heute scholl ihm Neukomms Requiem zu Köln am Rheinesstrande.
                                                           Köln, 16. November 1848.


Zweites Heft

                             Die Revolution

                                      1851

Und ob ihr sie, ein edel Wild, mit euren Henkersknechten fingt;
Und ob ihr unterm Festungswall standrechten die Gefangne gingt;
Und ob sie längst der Hügel deckt, auf dessen Grün ums Morgenrot
Die junge Bäurin Kränze legt - doch sag' ich euch: Sie ist nicht tot!

Und ob ihr von der hohen Stirn das wehnde Lockenhaar ihr schort;
Und ob ihr zu Genossen ihr den Mörder und den Dieb erkort;
Und ob sie Zuchthauskleider trägt, im Schoß den Napf voll Erbsenbrei;
Und ob sie Werg und Wolle spinnt - doch sag' ich kühn euch: Sie ist frei!

Und ob ihr ins Exil sie jagt, von Lande sie zu Lande hetzt;
Und ob sie fremde Herde sucht und stumm sich in die Asche setzt;
Und ob sie wunde Sohlen taucht in ferner Wasserströme Lauf -
Doch ihre Harfe nimmermehr an Babels Weiden hängt sie auf!

O nein - sie stellt sie vor sich hin; sie schlägt sie trotzig, euch zum Trotz!
Sie spottet lachend des Exils, wie sie gespottet des Schafotts!
Sie singt ein Lied, daß ihr entsetzt von euren Sesseln euch erhebt;
Daß euch das Herz - das feige Herz, das falsche Herz! - im Leibe hebt!

Kein Klagelied! kein Tränenlied! kein Lied um jeden der schon fiel;
Noch minder gar ein Lied des Hohns auf das verworfne Zwischenspiel,
Die Bettleroper, die zurzeit ihr plump noch zu agieren wißt,
Wie mottig euer Hermelin, wie faul auch euer Purpur ist!

O nein, was sie den Wassern singt, ist nicht der Schmerz und nicht die Schmach -
Ist Siegeslied, Triumpheslied, Lied von der Zukunft großem Tag!
Der Zukunft, die nicht fern mehr ist! Sie spricht mit dreistem Prophezein,
So gut wie weiland euer Gott: Ich war, ich bin - ich werde sein!

Ich werde sein, und wiederum voraus den Völkern werd' ich gehn!
Auf eurem Nacken, eurem Haupt, auf euren Kronen werd' ich stehn!
Befreierin und Rächerin und Richterin, das Schwert entblößt,
Ausrecken den gewalt'gen Arm werd' ich, daß er die Welt erlöst!

Ihr seht mich in den Kerkern bloß, ihr seht mich in der Grube nur,
Ihr seht mich nur als Irrende auf des Exiles dorn'ger Flur -
Ihr Blöden, wohn' ich denn nicht auch, wo eure Macht ein Ende hat:
Bleibt mir nicht hinter jeder Stirn, in jedem Herzen eine Statt?

In jedem Haupt, das trotzig denkt? das hoch und ungebeugt sich trägt?
Ist mein Asyl nicht jede Brust, die menschlich fühlt und menschlich schlägt?
Nicht jede Werkstatt, drin es pocht? nicht jede Hütte, drin es ächzt -
Bin ich der Menschheit odem nicht, die rastlos nach Befreiung lechzt?

Drum werd' ich sein, und wiederum voraus den Völkern werd' ich gehn!
Auf eurem Nacken, eurem haupt, auf euren Kronen werd' ich stehn!
's ist der Geschichte ehrnes Muß! Es ist kein Rühmen, ist kein Drohn -
Der Tag wird heiß - wie wehst du kühl, o Weidenlaub von Babylon!


                                         Reveille

Für die Revolutionsfeier auf dem Gürzenich zu Köln, 19. März 1849

Frisch auf zur Weise von Marseille,
Frisch auf ein Lied mit hellem Ton!
Sing es hinaus als die Reveille
Der neuen Revolution!
Der neuen Revolution!
Der neuen, die mit Schwert und Lanze
Die letzte Fessel bald zerbricht -
Der alten, halben singt es nicht!
Uns gilt die neue nur, die ganze!
Die neue Rebellion!
Die ganze Rebellion!
Marsch, marsch!
Marsch, marsch!
Marsch - wär's zum Tod!
Und unsre Fahn' ist rot (bis.)

Der Sommer reift des Frühlings Saaten,
Drum folgt der Juni auf den März.
O Juni, komm und bring' uns Taten!
Nach frischen Taten lechzt das Herz!
Nach frischen Taten lechzt das Herz!
Laß deine Wolken schwarz sich ballen,
Bring' uns Gewitter Schlag auf Schlag!
Laß in die ungesühnte Schmach
Der Rache Donnerkeile fallen!
Die neue Rebellion!
Die ganze Rebellion!
Marsch, marsch!
Marsch, marsch!
Marsch - wär's zum Tod!
Und unsre Fahn' ist rot (bis.)

An unsre Brust, an unsre Lippen,
Der Menschheit Farbe, heil'ges Rot!
Wild schlägt das Herz uns an die Rippen -
Fort in den Kampf! Sieg oder Tod!
Fort in den Kampf! Sieg oder Tod!
Hurra, sie sucht des Feindes Degen!
Hurra, die ew'ge Fahne wallt!
Selbst aus der Wunden breitem Spalt
Springt sie verachtend ihm entgegen!
Die neue Rebellion!
Die ganze Rebellion!
Marsch, marsch!
Marsch, marsch!
Marsch - wär's zum Tod!
Und unsre Fahn' ist rot (bis.)


Abschiedswort der "Neuen Rheinischen Zeitung"

                           19. Mai 1849

Kein offner Hieb in offner Schlacht -
Es fällen die Nücken und Tücken,
Es fällt mich die schleichende Niedetracht
Der schmutzigen Westkalmücken!
Aus dem Dunkel flog der tötende Schaft,
Aus dem Hinterhalt fielen die Streiche -
Und so lieg' ich nun da in meiner Kraft,
Eine stolze Rebelleinleiche!

Auf der Lippe den Trotz und den zuckenden Hohn,
In der Hand den blitzenden Degen,
Noch im Sterben rufend: "Die Rebellion!" -
So bin ich mit Ehren erlegen.
O, gern wohl bestreuten mein Grab mit Salz
Der Preuße zusamt der Zare -
Doch es schicken die Ungarn, es schickt die Pfalz
Drei Salven mir über die Bahre!

Und der arme Mann im zerrißnen Gewand,
Er wirft auf mein Haupt die Schollen!
Er wirft sie hinab mit der fleißigen Hand,
Mit der harten, der schwielenvollen.
Einen Kranz bringt er aus Blumen und Main,
Zu ruhn auf meinen Wunden;
Den haben sein Weib und sein Töchterlein
Nach der Arbeit für mich gewunden.

Nun ade, nun ade, du kämpfende Welt!
Nun ade, ihr ringenden Heere!
Nun ade, du pulvergeschwärztes feld!
Nun ade, ihr Schwerter und Speere!
Nun ade - doch nicht für immer ade!
Denn sie töten den Geist nicht, ihr Brüder!
Bald richt' ich mich rasselnd in die Höh',
Bald kehr' ich reisiger wieder!

Wenn die letzte Krone wie Glas zerbricht,
In des Kampfes Wettern und Flammen,
Wenn das Volk sein letztes "Schuldig!" spricht,
Dann stehn wir wieder zusammen!
Mit dem Wort, mit dem Schwert, an der Donau, am Rhein
Eine allzeit treue Gesellin
Wird dem Throne zerschmetternden Volke sein
Die Geächtete, die Rebellin!


             Ungarn

         Silvester 1848

Nun flackert durch die Heide
Der Lagerfeuer Brand;
Nun blitzt die krumme Schneide
In des Magyaren Hand;
Nun läßt er seine Herde,
Nun schwingt er sich zu Pferde,
Nun lehnt er am Verhau;
Und vor dem Eisensporn'gen
Aufrauscht das Lied der zorn'gen
Donau, der Heidefrau.

Sie jauchzt in ihren Borden,
Sie schwillt vor Stolz und Wut:
"Glück auf, ihr braunen Horden,
Du heißes Ungarblut!
Ihr Hirten und ihr Jäger,
Ihr wilden Zimbalschläger,
Ihr Geiger unverzagt!
Ihr, die ihr als die letzten
Zur Schlacht mit dem zerfetzten
Panier der Freiheit jagt!

Verraten allenthalben,
Verraten und schimpfiert,
Habt ihr es auf die Falben
Und Rappen euch salviert!
Vom Roß emporgehalten,
Bluteis in seinen Falten,
So trägt es der Magyar;
So läßt er breit es fliegen,
So läßt er es mit Siegen
Einweihn das neue Jahr!

Seht her doch, ihr nach Westen!
Ein Volk noch in der Welt,
Das trotzig mit der festen
Stahlhand am Aufruhr hält!
Im fernen wüsten Osten,
Der Freiheit Außenposten,
Die schlagen jetzt die Schlacht,
Die, heiß zurück sich wälzend,
Jedwede Fessel schmelzend,
Auch euch zu Freien macht!

Hört ihr der Hörner Gellen,
Hört ihr der Rosse Trab,
Seht ihr die blut'gen Wellen?
Das ist der Kampf bei Raab!
Vorwärts, ihr zottigen Streiter!" -
So klingt der Donau Schrei;
So wälzt sie sich mit Grollen
Hinab durch ihre Schollen
Zur schläfrigen Türkei.