Gellert

Seite 1

Inhalt

Biografie

Seite 3

      Warnung vor der Wollust

Der Wollust Reiz zu widerstreben,
Dies, Jugend, liebst du Glück und Leben,
Laß täglich deine Weisheit sein.
Entflieh der schmeichelnden Begierde;
Sie raubet dir des Herzens Zierde,
Und ihre Freuden werden Pein.

Laß, ihr die Nahrung zu verwehren,
Nie Speis und Trank dein Herz beschweren,
Und sei ein Freund der Nüchternheit.
Versage dir, dich zu besiegen,
Auch öfters ein erlaubt Vergnügen,
Und steure deiner Sinnlichkeit.

Laß nicht dein Auge dir gebieten;
Und sei, die Wollust zu verhüten,
Stets schamhaft gegen deinen Leib.
Entflieh des Witzlings freien Scherzen,
Und such im Umgang edler Herzen
Dir Beispiel, Witz und Zeitvertreib.

Der Mensch, zu Fleiß und Arbeit träge,
Fällt auf des Müßigganges Wege
Leicht in das Netz des Bösewichts.
Der Unschuld Schutzwehr sind Geschäfte.
Entzieh der Wollust ihre Kräfte
Im Schweiße deines Angesichts.

Erwacht ihr Trieb, dich zu bekämpfen;
So wach auch du, ihn früh zu dämpfen,
Eh er die Freiheit dir verwehrt.
Ihn bald in der Geburt ersticken,
Ist leicht; schwer ist's, ihn unterdrücken,
Wenn ihn dein Herz zuvor genährt.

Oft kleiden sich des Lasters Triebe
In die Gestalt erlaubter Liebe,
Und du erblickst nicht die Gefahr.
Ein langer Umgang macht dich freier;
Und oft wird ein verbotnes Feuer
Aus dem, was anfangs Freundschaft war.

Dein fühlend Herz wird sich's verzeihen;
Es wird des Lasters Ausbruch scheuen,
Indem es seinen Trieb ernährt.
Du wirst dich stark und sicher glauben,
Und kleine Fehler dir erlauben,
Bis deine Tugend sich entehrt.

Doch nein, du sollst sie nicht entehren,
Du sollst dir stets die Tat verwehren;
Ist drum dein Herz schon tugendhaft?
Ist's Sünde nur, die Tat vollbringen?
Sollst du nicht auch den Trieb bezwingen,
Nicht auch den Wunsch der Leidenschaft?

Begierden sind es, die uns schänden;
Und ohne daß wir sie vollenden,
Verletzen wir schon unsre Pflicht.
Wenn du vor ihnen nicht errötest,
Nicht durch den Geist die Lüste tötest:
So rühme dich der Keuschheit nicht!

Erfülle dich, scheinst du zu wanken,
Oft mit dem mächtigen Gedanken:
Die Unschuld ist der Seele Glück.
Einmal verscherzt und aufgegeben,
Verläßt sie mich im ganzen Leben,
Und keine Reu bringt sie zurück.

Denk oft bei dir: Der Wollust Bande
Sind nicht nur dem Gewissen Schande,
Sie sind auch vor der Welt ein Spott.
Und könnt ich auch in Finsternissen
Den Greul der Wollust ihr verschließen:
So sieht und findet mich doch Gott.

Die Wollust kürzt des Lebens Tage,
Und Seuchen werden ihre Plage,
Da Keuschheit Heil und Leben erbt.
Ich will mir dies ihr Glück erwerben.
Den wird Gott wiederum verderben,
Wer seinen Tempel hier verderbt.

Wie blühte nicht des Jünglings Jugend!
Doch er vergaß den Weg der Tugend;
Und seine Kräfte sind verzehrt.
Verwesung schändet sein Gesichte,
Und predigt schrecklich die Geschichte
Der Lüste, die den Leib verheert.

So rächt die Wollust an den Frechen
Früh oder später die Verbrechen,
Und züchtigt dich mit harter Hand.
Ihr Gift wird dein Gewissen quälen;
Sie raubet dir das Licht der Seelen,
Und lohnet dir mit Unverstand.

Sie raubt dem Herzen Mut und Stärke,
Raubt ihm den Eifer edler Werke,
Den Adel, welchen Gott ihm gab;
Und unter deiner Lüste Bürde
Sinkst du von eines Menschen Würde
Zur Niedrigkeit des Tiers herab.

Drum fliehe vor der Wollust Pfade,
Und wach und rufe Gott um Gnade,
Um Weisheit in Versuchung an.
Erzittre vor dem ersten Schritte;
Mit ihm sind schon die andern Tritte
Zu einem nahen Fall getan.


            Morgengesang

Mein erst Gefühl sei Preis und Dank;
Erheb ihn, meine Seele!
Der Herr hört deinen Lobgesang;
Lobsing ihm, meine Seele!

Mich selbst zu schützen, ohne Macht,
Lag ich und schlief im Frieden.
Wer schafft die Sicherheit der Nacht,
Und Ruhe für die Müden?

Wer wacht, wenn ich von mir nichts weiß,
Mein Leben zu bewahren?
Wer stärkt mein Blut in seinem Fleiß,
Und schützt mich vor Gefahren?

Wer lehrt das Auge seine Pflicht,
Sich sicher zu bedecken?
Wer ruft dem Tag und seinem Licht,
Die Seele zu erwecken?

Du bist es, Herr und Gott der Welt,
Und dein ist unser Leben.
Du bist es, der es uns erhält,
Und mir's itzt neu gegeben.

Gelobet seist du, Gott der Macht,
Gelobt sei deine Treue!
Daß ich nach einer sanften Nacht
Mich dieses Tags erfreue.

Laß deinen Segen auf mir ruhn,
Mich deine Wege wallen;
Und lehre du mich selber tun
Nach deinem Wohlgefallen.

Nimm meines Lebens gnädig wahr;
Auf dich hofft meine Seele.
Sei mir ein Retter in Gefahr,
Ein Vater, wenn ich fehle.

Gib mir ein Herz voll Zuversicht,
Erfüllt mit Lieb und Ruhe,
Ein weises Herz, das seine Pflicht
Erkenn und willig tue.

Daß ich, als ein getreuer Knecht,
Nach deinem Reiche strebe,
Gottselig, züchtig und gerecht
Durch deine Gnade lebe.

Daß ich, dem Nächsten beizustehn,
Nie Fleiß und Arbeit scheue,
Mich gern an andrer Wohlergehn
Und ihrer Tugend freue.

Daß ich das Glück der Lebenszeit
In deiner Furcht genieße,
Und meinen Lauf mit Freudigkeit,
Wenn du gebeutst, beschließe.


Von der Quelle der guten Werke

Wenn zur Vollführung deiner Pflicht
Dich Gottes Liebe nicht beseelet:
So rühme dich der Tugend nicht,
Und wisse, daß dir alles fehlet.
Wenn Vorteil, Wollust, Eigensinn
Und Stolz dir nur das Gute raten;
So tue noch so gute Taten;
Du hast vor Gott den Lohn dahin.

Sei durch die Gaben der Natur
Das Wunder und das Glück der Erden!
Beglückest du die Menschen nur,
Um vor der Welt geehrt zu werden;
Erfülle die Liebe nicht dein Herz:
So bist du bei den größten Gaben,
Bei dem Verstand, den Engel haben,
Vor Gott doch nur ein tönend Erz.

Bau Hauser auf, und brich dein Brot,
Das Volk der Armen zu verpflegen;
Entreiß die Witwen ihrer Not,
Und sei der Waisen Schutz und Segen!
Gib alle deine Habe hin!
Noch hast du nichts vor Gott gegeben.
Wenn Lieb und Pflicht dich nicht beleben:
So ist dir alles kein Gewinn.

Tu Taten, die der Heldenmut
Noch jemals hat verrichten können:
Vergieß fürs Vaterland dein Blut,
Laß deinen Leib für andre brennen!
Beseelet dich nicht Lieb und Pflicht;
Bist du die Absicht deiner Taten:
So schütz und rette ganze Staaten;
Gott achtet deiner Werke nicht.

Läg ihm an unsern Werken nur:
So könnt er uns, sie zu vollbringen,
Sehr leicht durch Fessel der Natur,
Durch Kräfte seiner Allmacht zwingen.
Vor ihm, der alles schafft und gibt,
Gilt Weisheit nichts, nichts Macht und Stärke.
Er will die Absicht deiner Werke,
Ein Herz, das ihn verehrt und liebt.

Ein Herz, von Eigenliebe fern,
Fern von des Stolzes eitlem Triebe,
Geheiligt durch die Furcht des Herrn,
Erneut durch Glauben zu der Liebe;
Dies ist's, was Gott von uns verlangt.
Und wenn wir nicht dies Herz besitzen:
So wird ein Leben uns nichts nützen,
Das mit den größten Taten prangt.

Drum täusche dich nicht durch den Schein,
Nicht durch der Tugend bloßen Namen.
Sieh nicht auf deine Werk allein;
Sieh auf den Quell, aus dem sie kamen.
Prüf dich vor Gottes Angesicht,
Ob seine Liebe dich beseelet.
Ein Herz, dem nicht der Glaube fehlet,
Dem fehlet auch die Liebe nicht.

Wohnt Liebe gegen Gott in dir:
So wird sie dich zum Guten stärken.
Du wirst die Gegenwart von ihr
An Liebe zu dem Nächsten merken.
Die Liebe, die dich schmücken soll,
Ist gütig; ohne List und Tücke;
Beneidet nicht des Nächsten Glücke;
Sie bläht sich nicht; ist langmutsvoll.

Sie deckt des Nächsten Fehler zu,
Und freut sich niemals seines Falles.
Sie suchet nicht bloß ihre Ruh.
Sie hofft und glaubt und duldet alles;
Sie ist's, die dir den Mut verleiht,
Des Höchsten Wort gern zu erfüllen,
Macht seinen Sinn zu deinem Willen,
Und folgt dir in die Ewigkeit.


      Preis des Schöpfers

Wenn ich, o Schöpfer! deine Macht,
Die Weisheit deiner Wege,
Die Liebe, die für alle wacht,
Anbetend überlege:
So weiß ich, von Bewundrung voll,
Nicht, wie ich dich erheben soll,
Mein Gott, mein Herr und Vater!

Mein Auge sieht, wohin es blickt,
Die Wunder deiner Werke.
Der Himmel, prächtig ausgeschmückt,
Preist dich, du Gott der Stärke!
Wer hat die Sonn an ihm erhöht?
Wer kleidet sie mit Majestät?
Wer ruft dem Heer der Sterne?

Wer mißt dem Winde seinen Lauf?
Wer heißt die Himmel regnen?
Wer schließt den Schoß der Erden auf,
Mit Vorrat uns zu segnen?
O Gott der Macht und Herrlichkeit!
Gott, deine Güte reicht so weit,
So weit die Wolken reichen!

Dich predigt Sonnenschein und Sturm,
Dich preist der Sand am Meere.
Bringt, ruft auch der geringste Wurm,
Bringt meinem Schöpfer Ehre!
Mich, ruft der Baum in seiner Pracht,
Mich, ruft die Saat, hat Gott gemacht;
Bringt unserm Schöpfer Ehre!

Der Mensch, ein Leib, den deine Hand
So wunderbar bereitet;
Der Mensch, ein Geist, den sein Verstand,
Dich zu erkennen, leitet;
Der Mensch, der Schöpfung Ruhm und Preis,
Ist sich ein täglicher Beweis
Von deiner Güt und Größe.

Erheb ihn ewig, o mein Geist!
Erhebe seinen Namen!
Gott, unser Vater, sei gepreist,
Und alle Welt sag Amen!
Und alle Welt fürcht ihren Herrn,
Und hoff auf ihn, und dien ihm gern!
Wer wollte Gott nicht dienen?
 

        Trost der Erlösung

Gedanke, der uns Leben gibt,
Welch Herz vermag dich auszudenken!
»Also hat Gott die Welt geliebt,
Uns seinen Sohn zu schenken!«

Hoch über die Vernunft erhöht,
Umringt mit heilgen Finsternissen,
Füllst du mein Herz mit Majestät,
Und stillest mein Gewissen.

Ich kann der Sonne Wunder nicht,
Noch ihren Lauf und Bau ergründen;
Und doch kann ich der Sonne Licht
Und ihre Wärm empfinden.

So kann mein Geist den hohen Rat
Des Opfers Jesu nicht ergründen;
Allein das Göttliche der Tat,
Das kann mein Herz empfinden.

Nimm mir den Trost, daß Jesus Christ
Am Kreuz nicht meine Schuld getragen,
Nicht Gott und mein Erlöser ist:
So werd ich angstvoll zagen.

Ist Christi Wort nicht Gottes Sinn:
So werd ich ewig irren müssen,
Und wer Gott ist, und was ich bin,
Und werden soll, nicht wissen.

Nein, diesen Trost der Christenheit
Soll mir kein frecher Spötter rauben;
Ich fühle seine Göttlichkeit,
Und halte fest am Glauben.

Des Sohnes Gottes Eigentum,
Durch ihn des ewgen Lebens Erbe,
Dies bin ich; und das ist mein Ruhm,
Auf den ich leb und sterbe.

Er gibt mir seinen Geist, das Pfand,
Daran wir seine Liebe merken,
Und bildet uns durch seine Hand
Zu allen guten Werken.

So lang ich seinen Willen gern
Mit einem reinen Herzen tue;
So fühl ich eine Kraft des Herrn,
Und schmecke Fried und Ruhe.

Und wenn mich meine Sünde kränkt,
Und ich zu seinem Kreuze trete;
So weiß ich, daß er mein gedenkt,
Und tut, worum ich bete.

Ich weiß, daß mein Erlöser lebt,
Daß ich, erwecket aus der Erde,
Wenn er sich zum Gericht erhebt,
Im Fleisch ihn schauen werde.

Kann unsre Lieb im Glauben hier
Für den, der uns geliebt, erkalten?
Dies ist die Lieb, o Gott! zu dir,
Dein Wort von Herzen halten.

Erfüll mein Herz mit Dankbarkeit,
So oft ich deinen Namen nenne,
Und hilf, daß ich dich allezeit
Treu vor der Welt bekenne.

Soll ich dereinst noch würdig sein,
Um deinetwillen Schmach zu leiden:
So laß mich keine Schmach und Pein
Von deiner Liebe scheiden!

Und soll ich, Gott, nicht für und für
Des Glaubens Freudigkeit empfinden:
So wirk er doch sein Werk in mir,
Und reinge mich von Sünden.

Hat Gott uns seinen Sohn geschenkt;
(So laß mich noch im Tode denken!)
Wie sollt uns der, der ihn geschenkt,
Mit ihm nicht alles schenken!


        Lied am Geburtstage

Dir dank ich heute für mein Leben;
Am Tage, da du mir's gegeben,
Dank ich dir, Gott, dafür.
Durch freie Gnad allein bewogen,
Hast du mich aus dem Nichts gezogen;
Durch deine Güte bin ich hier.

Du hast mich wunderbar bereitet,
An deiner Rechten mich geleitet,
Bis diesen Augenblick.
Du gabst mir tausend frohe Tage,
Verwandeltest selbst meine Klage
Und meine Leiden in mein Glück.

Ich bin der Treue zu geringe,
Mit der du, Herrscher aller Dinge,
Stets über mich gewacht.
O Gott! damit ich glücklich werde,
Hast du an mich, mich Staub und Erde,
Von Ewigkeit her schon gedacht!

Du sahst und hörtest schon mein Sehnen,
Und zähltest alle meine Tränen,
Eh ich bereitet war;
Und wogst, eh ich zu sein begonnte,
Eh ich zu dir noch rufen konnte,
Mir mein bescheiden Teil schon dar.

Du ließt mich Gnade vor dir finden;
Und sahst doch alle meine Sünden
Vorher von Ewigkeit.
O welche Liebe! welch Erbarmen!
Der Herr der Welt sorgt für die Armen,
Und ist ein Vater, der verzeiht.

Für alle Wunder deiner Treue,
Für alles, dessen ich mich freue,
Lobsinget dir mein Geist.
Er selber ist dein größt Geschenke;
Dein ist's, daß ich durch ihn dich denke,
Und dein, daß er dich heute preist.

Daß du mein Leben mir gefristet,
Mit Stärk und Kraft mich ausgerüstet,
Dies, Vater, dank ich dir;
Daß du mich wunderbar geführet,
Mit deinem Geiste mich regieret,
Dies alles, Vater, dank ich dir.

Soll ich, o Gott! noch länger leben:
So wirst du, was mir gut ist, geben;
Du gibst's, ich hoff auf dich.
Dir, Gott, befehl ich Leib und Seele.
Der Herr Herr, dem ich sie befehle,
Der segne und behüte mich!
 

Vom Worte Gottes

Gott ist mein Hort!
Und auf sein Wort
Soll meine Seele trauen.
Ich wandle hier,
Mein Gott, vor dir
Im Glauben, nicht im Schauen.

Dein Wort ist wahr;
Laß immerdar
Mich seine Kräfte schmecken.
Laß keinen Spott,
O Herr mein Gott,
Mich von dem Glauben schrecken!

Wo hätt ich Licht,
Wofern mich nicht
Dein Wort die Wahrheit lehrte?
Gott, ohne sie
Verstünd ich nie,
Wie ich dich würdig ehrte.

Dein Wort erklärt
Der Seele Wert,
Unsterblichkeit und Leben.
Zur Ewigkeit
Ist diese Zeit
Von dir mir übergeben.

Dein ewger Rat,
Die Missetat
Der Sünder zu versühnen;
Den kennt ich nicht,
Wär mir dies Licht
Nicht durch dein Wort erschienen.

Nun darf mein Herz
In Reu und Schmerz
Der Sünden nicht verzagen;
Nein du verzeihst,
Lehrst meinen Geist
Ein gläubig Abba sagen.

Mich zu erneun,
Mich dir zu weihn,
Ist meines Heils Geschäfte.
Durch meine Müh
Vermag ich's nie;
Dein Wort gibt mir die Kräfte.

Herr, unser Hort,
Laß uns dies Wort!
Denn du hast's uns gegeben.
Es sei mein Teil,
Es sei mir Heil,
Und Kraft zum ewgen Leben!


          Weihnachtslied

Dies ist der Tag, den Gott gemacht;
Sein werd in aller Welt gedacht!
Ihn preise, was durch Jesum Christ
Im Himmel und auf Erden ist!

Die Völker haben dein geharrt,
Bis daß die Zeit erfüllet ward;
Da sandte Gott von seinem Thron
Das Heil der Welt, dich, seinen Sohn.

Wenn ich dies Wunder fassen will:
So steht mein Geist vor Ehrfurcht still;
Er betet an, und er ermißt,
Daß Gottes Lieb unendlich ist.

Damit der Sünder Gnad erhält,
Erniedrigst du dich, Herr der Welt,
Nimmst selbst an unsrer Menschheit teil,
Erscheinst im Fleisch, und wirst uns Heil.

Dein König, Zion, kömmt zu dir.
»Ich komm, im Buche steht von mir;
Gott, deinen Willen tu ich gern.«
Gelobt sei, der da kömmt im Herrn!

Herr, der du Mensch geboren wirst,
Immanuel und Friedefürst,
Auf den die Väter hoffend sahn,
Dich, Gott, Messias, bet ich an.

Du, unser Heil und höchstes Gut,
Vereinest dich mit Fleisch und Blut,
Wirst unser Freund und Bruder hier,
Und Gottes Kinder werden wir.

Gedanke voller Majestät!
Du bist es, der das Herz erhöht.
Gedanke voller Seligkeit!
Du bist es, der das Herz erfreut.

Durch eines Sünde fiel die Welt.
Ein Mittler ist's, der sie erhält.
Was zagt der Mensch, wenn der ihn schützt,
Der in des Vaters Schoße sitzt?

Jauchzt, Himmel, die ihr ihn erfuhrt,
Den Tag der heiligsten Geburt;
Und Erde, die ihn heute sieht,
Sing ihm, dem Herrn, ein neues Lied!

Dies ist der Tag, den Gott gemacht;
Sein werd in aller Welt gedacht!
Ihn preise, was durch Jesum Christ
Im Himmel und auf Erden ist!


                           Geduld

Ein Herz, o Gott! in Leid und Kreuz geduldig,
Das bin ich dir und meinem Heile schuldig.
Laß mich die Pflicht, die wir so oft vergessen,
Täglich ermessen.

Bin ich nicht Staub, wie alle meine Väter?
Bin ich vor dir, Herr, nicht ein Übertreter?
Tu ich zu viel, wenn ich die schweren Tage
Standhaft ertrage?

Wie oft, o Gott! wenn wir das Böse dulden,
Erdulden wir nur unsrer Torheit Schulden,
Und nennen Lohn, den wir verdient bekommen,
Trübsal der Frommen!

Ist Dürftigkeit, in der die Trägen klagen,
Sind Haß und Pein, die Stolz und Wollust tragen,
Des Schwelgers Schmerz, des Neids vermisste Freuden,
Christliches Leiden?

Ist deren Qual, die deinen Rat verachtet,
Nach Gottesfurcht und Glauben nie getrachtet,
Und die sich itzt in finstrer Schwermut quälen,
Prüfung der Seelen?

Doch selbst, o Gott, in Strafen unsrer Sünden
Läßt du den Weg zu unserm Heil uns finden,
Wenn wir sie uns, die Missetat zu hassen,
Züchtigen lassen.

Jag ich nur nach dem Frieden im Gewissen:
Wird alles mir zum Besten dienen müssen.
Du, Herr, regierst, und ewig wirkt dein Wille
Gutes die Fülle.

Ich bin ein Gast und Pilger auf der Erden,
Nicht hier, erst dort, dort soll ich glücklich werden;
Und gegen euch, was sind, ihr ewgen Freuden,
Dieser Zeit Leiden?

Wenn ich nur nicht mein Elend selbst verschulde;
Wenn ich als Mensch, als Christ, hier leid und dulde:
So kann ich mich der Hülfe der Erlösten
Sicher getrösten.

Ich bin ein Mensch, und Leiden müssen kränken;
Doch in der Not an seinen Schöpfer denken,
Und ihm vertraun, dies stärket unsre Herzen
Mitten in Schmerzen.

Schau über dich! Wer trägt der Himmel Heere?
Merk auf! Wer spricht: Bis hieher! zu dem Meere?
Ist er nicht auch dein Helfer und Berater,
Ewig dein Vater?

Willst du so viel, als der Allweise, wissen?
Itzt weißt du nicht, warum du leiden müssen;
Allein du wirst, was seine Wege waren,
Nachmals erfahren.

Er züchtigt uns, damit wir zu ihm nahen,
Die Heiligung des Geistes zu empfahen,
Und mit dem Trost der Hülfe, die wir merken,
Andre zu stärken.

Das Kreuz des Herrn wirkt Weisheit und Erfahrung;
Erfahrung gibt dem Glauben Mut und Nahrung.
Ein starkes Herz steht in der Not noch feste.
Hoffe das Beste!
 

Gottes Macht und Vorsehung

Gott ist mein Lied!
Er ist der Gott der Stärke;
Hehr ist sein Nam, und groß sind seine Werke,
Und alle Himmel sein Gebiet.

Er will und spricht's;
So sind und leben Welten.
Und er gebeut; so fallen durch sein Schelten
Die Himmel wieder in ihr Nichts.

Licht ist sein Kleid,
Und seine Wahl das Beste;
Er herrscht als Gott, und seines Thrones Feste
Ist Wahrheit und Gerechtigkeit.

Unendlich reich,
Ein Meer von Seligkeiten,
Ohn Anfang Gott, und Gott in ewgen Zeiten!
Herr aller Welt, wer ist dir gleich?

Was ist und war,
In Himmel, Erd und Meere,
Das kennet Gott, und seiner Werke Heere
Sind ewig vor ihm offenbar.

Er ist um mich,
Schafft, daß ich sicher ruhe;
Er schafft, was ich vor oder nachmals tue,
Und er erforschet mich und dich.

Er ist dir nah,
Du sitzest oder gehest;
Ob du ans Meer, ob du gen Himmel flöhest:
So ist er allenthalben da.

Er kennt mein Flehn
Und allen Rat der Seele.
Er weiß, wie oft ich Gutes tu und fehle,
Und eilt, mir gnädig beizustehn.

Er wog mir dar,
Was er mir geben wollte,
Schrieb auf sein Buch, wie lang ich leben sollte,
Da ich noch unbereitet war.

Nichts, nichts ist mein,
Das Gott nicht angehöre.
Herr, immerdar soll deines Namens Ehre,
Dein Lob in meinem Munde sein!

Wer kann die Pracht
Von deinen Wundern fassen?
Ein jeder Staub, den du hast werden lassen,
Verkündigt seines Schöpfers Macht.

Der kleinste Halm
Ist deiner Weisheit Spiegel.
Du, Luft und Meer, ihr Auen, Tal und Hügel,
Ihr seid sein Loblied und sein Psalm!

Du tränkst das Land,
Führst uns auf grüne Weiden;
Und Nacht und Tag, und Korn und Wein und Freuden
Empfangen wir aus deiner Hand.

Kein Sperling fällt,
Herr, ohne deinen Willen;
Sollt ich mein Herz nicht mit dem Troste stillen,
Daß deine Hand mein Leben hält?

Ist Gott mein Schutz,
Will Gott mein Retter werden:
So frag ich nichts nach Himmel und nach Erden,
Und biete selbst der Hölle Trutz.
 

     Die Liebe des Nächsten

So jemand spricht: Ich liebe Gott!
Und haßt doch seine Brüder,
Der treibt mit Gottes Wahrheit Spott,
Und reißt sie ganz darnieder.
Gott ist die Lieb, und will, daß ich
Den Nächsten liebe, gleich als mich.

Wer dieser Erden Güter hat,
Und sieht die Brüder leiden,
Und macht den Hungrigen nicht satt,
Läßt Nackende nicht kleiden;
Der ist ein Feind der ersten Pflicht,
Und hat die Liebe Gottes nicht.

Wer seines Nächsten Ehre schmäht,
Und gern sie schmähen höret;
Sich freut, wenn sich sein Feind vergeht,
Und nichts zum Besten kehret;
Nicht dem Verleumder widerspricht;
Der liebt auch seinen Bruder nicht.

Wer zwar mit Rat, mit Trost und Schutz
Den Nächsten unterstützet,
Doch nur aus Stolz, aus Eigennutz,
Aus Weichlichkeit ihm nützet;
Nicht aus Gehorsam, nicht aus Pflicht;
Der liebt auch seinen Nächsten nicht.

Wer harret, bis ihn anzuflehn,
Ein Dürftger erst erscheinet,
Nicht eilt, dem Frommen beizustehn,
Der im Verborgnen weinet;
Nicht gütig forscht, ob's ihm gebricht;
Der liebt auch seinen Nächsten nicht.

Wer andre, wenn er sie beschirmt,
Mit Härt und Vorwurf quälet,
Und ohne Nachsicht straft und stürmt,
So bald sein Nächster fehlet;
Wie bleibt bei seinem Ungestüm
Die Liebe Gottes wohl in ihm?

Wer für der Armen Heil und Zucht
Mit Rat und Tat nicht wachet,
Dem Übel nicht zu wehren sucht,
Das oft sie dürftig machet;
Nur sorglos ihnen Gaben gibt;
Der hat sie wenig noch geliebt.

Wahr ist es, du vermagst es nicht,
Stets durch die Tat zu lieben.
Doch bist du nur geneigt, die Pflicht
Getreulich auszuüben,
Und wünschest dir die Kraft dazu,
Und sorgst dafür: so liebest du.

Ermattet dieser Trieb in dir:
So such ihn zu beleben.
Sprich oft: Gott ist die Lieb, und mir
Hat er sein Bild gegeben.
Denk oft: Gott, was ich bin, ist dein;
Sollt ich, gleich dir, nicht gütig sein?

Wir haben einen Gott und Herrn,
Sind eines Leibes Glieder;
Drum diene deinem Nächsten gern;
Denn wir sind alle Brüder.
Gott schuf die Welt nicht bloß für mich;
Mein Nächster ist sein Kind, wie ich.

Ein Heil ist unser aller Gut.
Ich sollte Brüder hassen,
Die Gott durch seines Sohnes Blut
So hoch erkaufen lassen?
Daß Gott mich schuf, und mich versühnt,
Hab ich dies mehr, als sie, verdient?

Du schenkst mir täglich so viel Schuld,
Du Herr von meinen Tagen!
Ich aber sollte nicht Geduld
Mit meinen Brüdern tragen?
Dem nicht verzeihn, dem du vergibst,
Und den nicht lieben, den du liebst?

Was ich den Frommen hier getan,
Dem Kleinsten auch von diesen,
Das sieht Er, mein Erlöser, an,
Als hätt ich's ihm erwiesen.
Und ich, ich sollt ein Mensch noch sein,
Und Gott in Brüdern nicht erfreun?

Ein unbarmherziges Gericht
Wird über den ergehen,
Der nicht barmherzig ist, der nicht
Die rettet, die ihn flehen.
Drum gib mir, Gott! durch deinen Geist
Ein Herz, das dich durch Liebe preist.
 

             Abendlied

Für alle Güte sei gepreist,
Gott Vater, Sohn und heilger Geist!
Ihr bin ich zu geringe.
Vernimm den Dank,
Den Lobgesang,
Den ich dir kindlich singe.

Du nahmst dich meiner herzlich an,
Hast Großes heut an mir getan,
Mir mein Gebet gewähret;
Hase väterlich
Mein Haus und mich
Beschützet und genähret.

Herr, was ich bin, ist dein Geschenk;
Der Geist, mit dem ich dein gedenk,
Ein ruhiges Gemüte;
Was ich vermag
Bis diesen Tag,
Ist alles deine Güte.

Sei auch, nach deiner Lieb und Macht,
Mein Schutz und Schirm in dieser Nacht
Vergib mir meine Sünden.
Und kömmt mein Tod,
Herr Zebaoth,
So laß mich Gnade finden.


               Auf die Himmelfahrt des Erlösers

Jauchzt, ihr Erlösten, dem Herrn! Er hat sein Werk vollendet;
Des müsse sich der Erdkreis freun!
Er fährt verkläret hinauf zu dem, der ihn gesendet,
Und nimmt die Himmel wieder ein.

Der Herr, nachdem er das Heil und unvergänglich Leben
Auf Erden an das Licht gebracht,
Den Weg zu Gott uns gelehrt, sich selbst für uns gegeben,
Fährt auf zur Rechten seiner Macht.

Sein, sein ist alle Gewalt im Himmel und auf Erden,
Und uns hat er das Heil verdient.
Wer sein Wort gläubet und hält, soll nicht verloren werden;
Er hat die Welt mit Gott versühnt.

 Hoch über alle Vernunft besiegt er ihr Verderben,
Und seine Lieb ermüdet nie.
Ein unvergängliches Glück den Menschen zu erwerben,
So heiligt er sich selbst für sie.

Jauchzt, ihr Gerechten, dem Herrn, und preist seinen Namen!
Ihm danken, das ist unsre Pflicht.
Wir sind glückselig in ihm. Sein Wort ist Ja und Amen;
Und Gott ist unsre Zuversicht.

Preist, ihr Erlösten, den Herrn, und rühmet all, ihr Frommen!
Er fährt gen Himmel, als ein Held,
In Wolken fährt er hinauf; so wird er wiederkommen,
Ein Herr und Richter aller Welt.

Dies ist des Gläubigen Trost, verklärt ihn einst zu schauen,
Und seiner Liebe sich zu freun.
Dies ist des Gläubigen Pflicht, ihm ewig zu vertrauen,
Und sich durch Tugend ihm zu weihn.

Wer des Erlösers sich schämt, des wird auch er sich schämen;
Den wieder ehren, der ihn ehrt.
Laß uns das Leben von dir und Gnad um Gnade nehmen,
Herr, dessen Herrschaft ewig währt!

Ich bin ein irrendes Schaf, du weisest mich zu rechte,
Und leitest mich nach deinem Rat;
Machst mich vom Knechte der Welt zu einem deiner Knechte,
Und tilgest meine Missetat.

Was ist die Hoheit der Welt? Sie rührt den Christen wenig.
Du kleidest ihn mit Ruhm und Pracht.
Was ist die Hoheit der Welt? Zum Priester und zum König
Bin ich durch dich vor Gott gemacht.

Dank sei dem Heiland der Welt! Er hat sein Werk vollführet.
Frohlock ihm, Volk der Christenheit!
Er sitzt zur Rechten des Herrn. Er lebet und regieret
Von Ewigkeit zu Ewigkeit.


     Am Kommuniontage

Ich komme, Herr, und suche dich,
Mühselig und beladen.
Gott, mein Erbarmer, würdge mich
Des Wunders deiner Gnaden.
Ich liege hier vor deinem Thron,
Sohn Gottes und des Menschen Sohn,
Mich deiner zu getrösten.
Ich fühle meiner Sünden Müh;
Ich suche Ruh, und finde sie
Im Glauben der Erlösten.

Dich bet ich zuversichtlich an,
Du bist das Heil der Sünder.
Du hast die Handschrift abgetan,
Und wir sind Gottes Kinder.
Ich denk an deines Leidens Macht,
Und an dein Wort: Es ist vollbracht!
Du hast mein Heil verdienet.
Du hast für mich dich dargestellt.
Gott war in dir, und hat die Welt
In dir mit sich versühnet.

So freue dich, mein Herz, in mir!
Er tilget deine Sünden,
Und läßt an seiner Tafel hier
Dich Gnad um Gnade finden.
Du rufst, und er erhört dich schon,
Spricht liebreich: »Sei getrost, mein Sohn!
Die Schuld ist dir vergeben.
Du bist in meinen Tod getauft,
Und du wirst dem, der dich erkauft,
Von ganzem Herzen leben.

Dein ist das Glück der Seligkeit;
Bewahr es hier im Glauben,
Und laß durch keine Sicherheit
Dir deine Krone rauben.
Sieh, ich vereine mich mit dir;
Ich bin der Weinstock, bleib an mir:
So wirst du Früchte bringen.
Ich helfe dir, ich stärke dich;
Und durch die Liebe gegen mich
Wird dir der Sieg gelingen.«

Ja, Herr, mein Glück ist dein Gebot;
Ich will es treu erfüllen,
Und bitte dich, durch deinen Tod,
Um Kraft zu meinem Willen.
Laß mich von nun an würdig sein,
Mein ganzes Herz dir, Herr, zu weihn,
Und deinen Tod zu preisen.
Laß mich den Ernst der Heiligung
Durch eine wahre Besserung
Mir und der Welt beweisen!
 

Zufriedenheit mit seinem Zustande

Du klagst, und fühlest die Beschwerden
Des Stands, in dem du dürftig lebst;
Du strebest, glücklicher zu werden,
Und siehst, daß du vergebens strebst.

Ja, klage! Gott erlaubt die Zähren;
Doch denk im Klagen auch zurück.
Ist denn das Glück, das wir begehren,
Für uns auch stets ein wahres Glück?

Nie schenkt der Stand, nie schenken Güter
Dem Menschen die Zufriedenheit.
Die wahre Ruhe der Gemüter
Ist Tugend und Genügsamkeit.

Genieße, was dir Gott beschieden,
Entbehre gern, was du nicht hast.
Ein jeder Stand hat seinen Frieden,
Ein jeder Stand auch seine Last.

Gott ist der Herr, und seinen Segen
Verteilt er stets mit weiser Hand;
Nicht so, wie wir's zu wünschen pflegen,
Doch so, wie er's uns heilsam fand.

Willst du zu denken dich erkühnen,
Daß seine Liebe dich vergißt?
Er gibt uns mehr, als wir verdienen,
Und niemals, was uns schädlich ist.

Verzehre nicht des Lebens Kräfte
In träger Unzufriedenheit;
Besorge deines Stands Geschäfte,
Und nütze deine Lebenszeit.

Bei Pflicht und Fleiß sich Gott ergeben,
Ein ewig Glück in Hoffnung sehn,
Dies ist der Weg zu Ruh und Leben.
Herr, lehre diesen Weg mich gehn!


            Vom Tode

Meine Lebenszeit verstreicht,
Stündlich eil ich zu dem Grabe;
Und was ist's, das ich vielleicht,
Das ich noch zu leben habe?
Denk, o Mensch! an deinen Tod.
Säume nicht; denn eins ist not

Lebe, wie du, wenn du stirbst,
Wünschen wirst, gelebt zu haben.
Güter, die du hier erwirbst,
Würden, die dir Menschen gaben;
Nichts wird dich im Tod erfreun;
Diese Güter sind nicht dein.

Nur ein Herz, das Gutes liebt,
Nur ein ruhiges Gewissen,
Das vor Gott dir Zeugnis gibt,
Wird dir deinen Tod versüßen;
Dieses Herz, von Gott erneut,
Ist des Todes Freudigkeit.

Wenn in deiner letzten Not
Freunde hülflos um dich beben:
Dann wird über Welt und Tod
Dich dies reine Herz erheben;
Dann erschreckt dich kein Gericht;
Gott ist deine Zuversicht.

Daß du dieses Herz erwirbst,
Fürchte Gott, und bet und wache.
Sorge nicht, wie früh du stirbst;
Deine Zeit ist Gottes Sache.
Lern nicht nur den Tod nicht scheun,
Lern auch seiner dich erfreun.

Überwind ihn durch Vertraun,
Sprich: Ich weiß, an wen ich gläube,
Und ich weiß, ich werd ihn schaun
Einst in diesem meinem Leibe.
Er, der rief: Es ist vollbracht!
Nahm dem Tode seine Macht.

Tritt im Geist zum Grab oft hin,
Siehe dein Gebein versenken;
Sprich: Herr, daß ich Erde bin,
Lehre du mich selbst bedenken;
Lehre du mich's jeden Tag,
Daß ich weiser werden mag!
 


           Wider den Aufschub der Bekehrung

Willst du die Buße noch, die Gott gebeut, verschieben:
So schändest du sein Wort, und mußt dich selbst nicht lieben.
Ist deine Besserung nicht deiner Seele Glück?
Und wer verschiebt sein Heil gern einen Augenblick?

Allein wie schwer ist's nicht, sein eigen Herz bekämpfen,
Begierden widerstehn, und seine Lüste dämpfen?
Ja, Sünder, es ist schwer; allein zu deiner Ruh
Ist dies der einzge Weg. Und dem entsagest du?

Ist deine Pflicht von Gott, wie kannst du sie vergessen?
Nach deinen Kräften selbst hat er sie abgemessen.
Was weigerst du dich noch? Ist Gott denn ein Tyrann,
Der mehr von mir verlangt, als ich ihm leisten kann?

Sprich selbst: gewinnet Gott, wenn ich ihm kindlich diene,
Und, seiner wert zu sein, im Glauben mich erkühne?
Wenn du die Tugend übst, die Gott, dein Herr gebeut,
Wem dienst du? Ringst du nicht nach deiner Seligkeit?

Was weigerst du dich noch, das Laster zu verlassen?
Weil es dein Unglück ist, befiehlt es Gott zu hassen.
Was weigerst du dich noch, der Tugend Freund zu sein?
Weil sie dich glücklich macht, befiehlt sie Gott allein.

Gott beut die Kraft dir an, das Gute zu vollbringen.
Soll er durch Allmacht dich, ihm zu gehorchen, zwingen?
Er gab dir die Vernunft; und du verleugnest sie?
Er sendet dir sein Wort; und du gehorchst ihm nie?

Sprich nicht: Gott kennt mein Herz; ich hab es ihm verheißen,
Mich noch dereinst, mich bald vom Laster loszureißen;
Itzt ist dies Werk zu schwer. Doch diese Schwierigkeit,
Die heute dich erschreckt, wächst sie nicht durch die Zeit?

Je öfter du vollbringst, was Fleisch und Blut befohlen,
Je stärker wird der Hang, die Tat zu wiederholen.
Scheust du dich heute nicht, des Höchsten Feind zu sein:
Um wie viel weniger wirst du dich morgen scheun!

Ist denn die Buß ein Werk von wenig Augenblicken?
Kann dich kein schneller Tod der Welt noch heut entrücken?
Ist ein Geschrei zu Gott, ein Wunsch nach Besserung,
Und Angst und Missetat, die wahre Heiligung?

Ist's gnug zur Seligkeit, des Glückes der Erlösten,
Wenn uns der Tod ergreift, sich sicher zu getrösten;
Ist das Bekenntnis gnug, daß uns die Sünde reut:
So ist kein leichter Werk, als deine Seligkeit.

Doch fordert Gott von uns die Reinigkeit der Seelen;
Ist keine Seele rein, der Glaub und Liebe fehlen;
Ist dieses dein Beruf, Gott dienen, den du liebst:
So zittre vor dir selbst, wenn du dies Werk verschiebst.

Der Glaube heiligt dich. Ist dieser dein Geschäfte?
Nein, Mensch! Und du verschmähst des Geistes Gottes Kräfte?
Erschreckt dich nicht sein Wort? Gibt in verkehrtem Sinn
Den Sünder, der beharrt, nicht Gott zuletzt dahin?

Hat Christus uns erlöst, damit wir Sünder bleiben,
Und, sicher durch sein Blut, das Laster höher treiben?
Gebeut uns Christi Wort nicht Tugend, Recht und Pflicht:
So ist es nicht von Gott. Gott widerspricht sich nicht.

Noch heute, weil du lebst, und seine Stimme hörest,
Noch heute schicke dich, daß du vom Bösen kehrest.
Begegne deinem Gott, willst du zu deiner Pein
Dein hier versäumtes Glück nicht ewig noch bereun.

Entschließe dich beherzt, dich selber zu besiegen;
Der Sieg, so schwer er ist, bringt göttliches Vergnügen.
Was zagst du? Geht er gleich im Anfang langsam fort:
Sei wacker! Gott ist nah, und stärkt dich durch sein Wort.

Ruf ihn in Demut an; er tilget deine Sünden.
Und läßt dich sein Gesetz erst ihren Fluch empfinden:
So widerstreb ihm nicht; denn Gottes Traurigkeit
Wirkt eine Reu in dir, die niemals dich gereut.

So süß ein Laster ist, so gibt's doch keinen Frieden.
Der Tugend nur allein hat Gott dies Glück beschieden.
Ein Mensch, der Gott gehorcht, erwählt das beste Teil;
Ein Mensch, der Gott verläßt, verläßt sein eignes Heil.

Die Buße führt dich nicht in eine Welt voll Leiden;
Gott kennt und liebt dein Glück; sie führt zu deinen Freuden;
Macht deine Seele rein, füllt dich mit Zuversicht,
Gibt Weisheit und Verstand, und Mut zu deiner Pflicht.

Sprich selbst: Ist dies kein Glück, mit ruhigem Gewissen
Die Güter dieser Welt, des Lebens Glück genießen,
Und mäßig und gerecht in dem Genusse sein,
Und sich der Seligkeit schon hier im Glauben freun?