Haug

Inhalt

Biografie

                  Abschlachtung

 »Wie kannst Du Zarte die Hühner und Tauben,
Des Lebens so kalt, so neronisch berauben?«
Viel hab' ich seit Jahren schon abgethan:
Das Hausgeflügel gewöhnte sich dran.



             An Bella

 Nein! Vergebens winkst du mir!
Ach, zu sündigen mit dir,
Könnte Gott mir nicht verzeihen;
Dnn ich würd' es nie bereuen.



               An Bettina

Auf Deinen Knie'n begann ich dreist
Ein Madrigal, du schönstes aller Weiber!
Doch das Gefühl verwirrt den Geist,
Und ach! das liebe Pult den Schreiber.



                    An Leonoren

Die Freiheit ist ein Hirngespinst der Thoren,
Denn, sollte Freiheit seyn, du wärest nicht geboren.



                An Sie

Wenn dich Zärtlichkeiten kränken,
Will ich kein Geständniß wagen,
Will, was andre sagen und nicht denken,
Denken und nicht sagen.



                      An Theone

Ab nimmt Dein Fieber, Deine Schönheit zu;
Doch unter uns: Dein Arzt, der ohne Rast und Ruh
Kommt, zittert, schmachtet, schweigt, ist kränker noch als Du.



   An die Fliege

Kleine rege Fliege!
Lose Schwärmerin!
Dürstest du, so schmiege
Dich an's Kelchglas hin!

Komm, du bist geladen!
O mein Traubenmost
Soll dein Kehlchen baden
Süß, wie Götterkost.

Schlürfe Lust und Feuer!
Taumle gar hinab!
Ich bin dein Befreier
Aus dem Nectargrab.

Halt! Nicht umgesunken!
Zeche fort in Ruh!
Endlich flattre trunken
Deiner Buhlschaft zu!

Sieh! Konfect und Flaschen
Mangeln nicht bei mir.
Wein und Zucker haschen
Sollst du für und für!

Ewig Wonneschweben
Zwischen Überfluß
Sey dein Sommerleben,
Ewiger Genuß.

Denn mit Sturmgeheule
Bricht der Winter ein.
Ach, in kurzer Weile
Wirst du nicht mehr seyn;

Nimmer fröhlich wärmen
Dich im Sonnenstrahl,
Nimmer naschend schwärmen
Um mein Königsmahl;

Lüstern buhlen nimmer,
Durch dein Brüderheer
Deiner Flügel Schimmer
Schütteln nimmermehr!

Lieber Himmel walte!
Ich beweine dich,
Und ich Thor verhalte
Thränen über mich?

Nein! die Thränen glänzen!
Lust zerrinnt im Nu.
O! Nach dreißig Lenzen
Bin ich todt, wie du!



                Anekdote

Als einst Antagoras, ein Weiser, sich
Meeraal' in seinem Zelt bereitete,
Fragt' ihn Antigonus, der König. »Glaubst Du,
Daß auch Homer, indem er Agamemnons
Glorreiche Thaten in die Leyer sang,
Meeraale kocht'?« – Und glaubst Du, fragte jener,
Daß Agamemnon, als im offnen Feld
Er seine Herosthaten glorreich häufte,
Sich darum kümmert', ob im Lager jemand
Meeraale zubereitet', oder nicht?



                      Anekdote

Ein Kronprinz fragte jüngst im Hamlet voll Begier:
»Herr Gouverneur! Gefällt es mir?«



         Auf Pastors Götze Tod

Im Kragenschmuck, die Feder in der Hand,
Und grimmen Blickes starb der Obermeister
Der Orthodoxen, starb, und fand
Kein Zähneklappen, keine Höllengeister,
Ach! keinen Satanas, und keinen Schwefelbrand.
Das thät den frommen Pastor kränken.
Was? rief er in verwirrter Noth,
Was soll von dir ich aber denken?
Unorthodoxer Gott!



           Auf dem Lande

Wohl mir in diesen belaubten Hallen,
Wo Niemand Französisch spricht.
    Die lieben Nachtigallen
        Politisiren nicht.

Hier streiten weder, noch schimpfen die Blätter,
Man fordert sie nie vor Gericht.
    Der Baum steigt ohne Vetter;
        Das kann der Kohlkopf nicht.

Den Löwenmäulern, den Rittersporen,
Den Veilchen entströmet Duft,
    Ob auf dem Berg geboren,
        Ob in der niedern Schluft.

Storch ist mit keinem Paß zum Reisen,
Und Biene mit Zoll nicht beschwert;
    Dompfaff von Waldameisen
        Den Zehnten nie begehrt.

Eichhörnchen turnen und machen Faxen,
Ohn' Aufruhrs verdächtig zu seyn.
    Bei aller Frösche Koaxen
        Fällt mir kein Ultra ein.

Der Mühlbach treibt vom Morgen bis Abend
Rundum die Räder mit Macht;
    Doch hab' ich, da mich labend,
        An Umtrieb nie gedacht.

Mir brech' ich ein Blümchen zum Ordenssterne,
Ein Reislein zum Feldherrnstab:
    Er hält mir Wespen ferne
        Und wehrt Geschmeiß mir ab.

Auch werd' ich von Niemand zur Tafel gezogen;
Ich ziehe die Tafel zu mir;
    Denn weder Demagogen
        Gibt's, noch Servile hier.

Mich liebt mein König. Mit sondrer Güte
Legt selber der Herr ja mir vor.
    Ich dank ihm mit der Blüthe
        Und froher Vögel Chor.

Fern bin ich, Gottlob! vom Erdgetümmel,
Das Thoren so wohl gefällt.
    Ich bin – zwar nicht im Himmel,
        Doch auch nicht – in der Welt.



                 Aufruf

Dort zum Schattensitz am Bach
Bringe mir, o Knabe,
Bacchus Gabe,
Und die Liedersammlung nach!
Denn ich will mit Brüdern
Heut bey Moslerwein,
Bey Gespräch und Liedern
Mich des Lenzes freu'n.

Dann zurück, und trage du
Mit dem zweyten Korbe
Die Theorbe,
Horn und Flöte noch herzu!
Denn ich will etc.

Dauern soll mein kleines Fest,
Bis in blauer Ferne
Sich der Sterne
Flimmerlicht erspähen läßt.
Denn ich will etc.



        Betty's Liedchen

Jung bin ich, und weiß noch nicht
Wie man Liebesnetze flicht,
Wie man Buhlen fängt und hält,
Liebelt, kost, und sich verstellt.

Harrt nicht, bis ich gutes Kind
Bin, wie andre Schönen sind;
Dann am Ersten halt' ich fest,
Und betrogen wird der Rest.



         Bull's Klage

Ich wäre voll Talent' und klug
Und schön und wie gedrechselt;
Doch leider! hat der Amme Trug
Als Kind mich ausgewechselt.



       Das Glück und ich

Ich

Endlich, wandelbares Glück,
Das nur Thoren günstig scheint,
Endlich fiel gerecht dein Blick
Heut' auf meinen weisen Freund.
Habe Dank! –

Das Glück

– Du irrst dich.
Mir nicht dankt es Hartmann – Sich.



    Das Pfänderspiel

 Pfänderspiel verhöhnen
Uns're Modeschönen
                                Alle!

Doch ihr Heuchelreden
Rüttelt nur des Blöden
                                Galle.

Jüngling, sonder Fragen,
Tollkühn mußt du wagen!
                                Wisse:

Zauberisch gewinnen
Amors Hasserinnen
                                Küsse!

Ihr Gegirr und Wehren
Sollte dich bethören? –
                                Lüge

Ist ihr sprödes Bitten!
Komm mit Herkulschritten!
                                Siege!

Sey durch sanftes Ringen,
Ihren Arm zu zwingen,
                                Rüstig,

Und den frommen Tauben,
Küsse weg zu rauben,
                                Listig!

Mählig wird ihr Sträuben
Jede lasser treiben,
                                Glühen,

Wird entflammter immer
Dein Umarmen nimmer
                                Fliehen,

Sich so gern bequemen,
Küsse willig nehmen,
                                Geben,

Und dir ihr Entzücken
Heisser aufzudrücken
                                Streben.

Glück zur Schäferrolle!
Jetzt im Lippenzolle
                                Freier!

»Hange nun, verlange!«
Schon ist Mund und Wange
                                Feuer!

O die Pulse hüpfen
Mit des Tags Entschlüpfen
                                Lauter,

Und die ehelosen
Keuschen Mädchen kosen
                                Trauter!

Sollte sich ob Mäulchen
Manche noch ein Weilchen
                                Sperren,

Und im Pfänderlösen
Murren auf die bösen
                                Herren,

Hör's nicht, loser Junge!
Lermt des Mädchens Zunge
                                Feindlich;

Ach! ihr Aug' ist Liebe,
Winkt dem Mäulchendiebe
                                Freundlich!

Löse witzig Pfänder,
Dass die Zeit behender
                                Renne,

Doch der Pfandverwalter
Unser Frühlingsalter
                                Kenne,

Kußeroberungen
Uns verliebten Jungen
                                Gönne,

Aber mich vor ander'n
Schönen zuzuwandern
                                Nenne.

Pfänderspiel verhöhnen u.s.w.



            Das Räthsel

Früh saß der Kellner zu Frankfurt
Im Weidenbusch, und las
Aus dicken Räthselbuche:
»Herr Fähnrich, was ist das?

Mein Vater war der Erzeuger,
Die Mutter gebar's an's Licht;
Doch ist es nicht mein Bruder,
Und meine Schwester nicht.« – –

Und wenn ich ein Jahr lang sänne,
Doch blieb' es zu dunkel für mich.
Ich bitte mir's zu lösen.
»Kein Räthsel! Das bin – ich.«

Die Lösung ist ohne Tadel.
Dictire mir's an, mein Sohn!
Die harte Nuß zu knacken,
Ziemt meinem Bataillon.

Kaum saß er im gold'nen Eber
Und aß an der Table d'hôte,
So sprach er mit Stentor-Tönen;
»Ihr Herren, Sakerlot!

Zu meiner Nuß seyd geladen;
Doch knackt sie wohl keiner auf,
Und trieb' er's sieben Jahre.« –
Er wiederholte drauf:

»Mein Vater war der Erzeuger,
Die Mutter gebar's an's Licht;
Doch ist es nicht mein Bruder,
Und meine Schwester nicht.«

Wie hitzig Alle studiren!
Umsonst! Sie errathen's nie! –
Da rief der Oberste freundlich:
Das sind natürlich – Sie.

»O nein! Verzeihen's, Ihr Gnaden!
Sie machten da fausse Couche.
Das ist, wie er selbst mir sagte,
Der Kellner im Weidenbusch.«



Der Dichter und Johnson

Dichter

Ich dichte nun, mein Herr,
Seit zwanzig Wochen täglich
Zwei Strophen ohne R.
Das ist unendlich schwer.

Johnson

Ich wollt', es wär' unmöglich.



Der Minister und der Bürgermeister

Minister

Brav, meine Herrn! Das nenn' ich wahre Proben
Von unterthänigster Devotion!
Mein Gnädigster wird in Person
Euch allerhuldreichst noch beloben.
Denn – Weine, Speisen aller Art!
Musik! Das Feuerwerk superb gerathen!
Ihr thatet alles, was ihr schuldig war't!

Bürgermeister des Staedtchens

Und sind noch alles schuldig, was wir thaten.



           Der grausamen Ida

Immer kannst Du Liebe mir versagen,
Wenn Dein Herz für keinen Andern spricht.
Mein Verzweifeln kann ich schon ertragen,
Doch der Nebenbuhler Hoffnung nicht.



      Die Glocke und der Zephyr

Die Kirchthurmglocke sprach zum Weste:
Ich, der Gewölke Nachbarinn,
Blick' über Alles jovisch hin!
Ich ordne Zeiten Tag' und Feste,
Und Finsterniß und Licht.
Der Zephyr höhnend spricht:
Sey dankbar, meine Beste!
Vergiß im Prunkbericht
Des Glöckners Leitung nicht.



             Die Kinder

O wie glücklich sind die Kinder!
Krösusreich! Wie Götter – frei!
Selber ihre Weltgeschichte!
Lieblich ihre Traumgesichte!
Ihre Wonne immer neu!

Wo sie spielen, ist ihr Himmel!
Von der Bosheit Riesenkraft
Und verfolgter Unschuld Thränen
Ahnt den Holden nichts. Sie wähnen
Alle Herzen tugendhaft.

Die ihr stolz die Rosenbinde
Von der Kinder Augen zieht,
Lehrer! ach ihr seid Tyrannen!
Lust und Zauber fliehn von dannen,
Wenn ihr Wunderglaube flieht.

Engel schienen mir die Menschen.
Eden lachte rings umher.
Nun – – O gebt die Rosenbinde!
Zaubert mich zurück zum Kinde!
Denn – die Wahrheit schmerzt zu sehr.



             Die zwey Frösche

Ein Frosch im Teiche sprach zum Andern:
»– Und ob wir bis zum Pole wandern,
Nein! so melodisch und voll Seele,
Wie Du, singt keine Philomele!« –
Lusttrunken rief das Fröschlein aus:
»Wem aber dank' ich den Applaus?
Brekex! Nur deinem Unterricht.
So klingt die Menschenflöte nicht.
Ich fühl' in meinem – Deinen Werth.
Du bist allein schon ein Concert;
Die ganze Teich-Akademie
Bewundert deine Melodie.« –

Nicht anders loben lächerlich
Zwey Thoren in Journalen sich.



       Dumme Zerstreutheit

Sprich, fühltest du denn keine Hand,
Als nun der Taschendieb, der lose,
Dir Sacktuch, Beutel, Pfeif und Dose
Herauszuzieh'n sich unterwand?
»Ich fühlte was«, sprach der Beraubte;
»Allein ich war zerstreut, und glaubte:
Es wäre meine eigne Hand.«



           Erläuterung

A.

Ich hülle mich in meine Tugend ein.

B.

Das nenn ich leicht gekleidet seyn



                      Exekutionsszene

»Das Rädern, Freund, soll ihn zum Guten stärken!« –
Ich will mir's nach der Auferstehung merken.



                  Feuereifer

 König

»Wenn es brenne, sey Lord Carwen ja
Der Erste bey der Hand?«

Höfling

 Er ist schon vor dem Feuer da,
Und wartet auf den Brand.



    Friedrich der Große und sein Kutscher

Um warf der Kutscher einst den großen Friederich.
Darob gerieth vor Zorn der König außer sich.
»Hum!« sprach der Kutscher kalt und überdacht:
»Und Sie? – Verloren Sie noch keine Schlacht?«



           Fuchs und Wolf

          Orientalische Fabel

He, rief ein Wölflein, Meister Fuchs!
Wohin so ängstlich und so flugs,
Als hörte man das Hifthorn schallen,
Und lauten Jagdruf wiederhallen.
Verschwunden ist der Treiber Schaar,
St. Huberts wilder Klubb, und – die Gefahr,
Ja, die so wachen Schäfer schlafen
Ganz sorgenlos mit ihren Schafen.
»Ach,« hob der Fuchs mit Zittern an:
»Du hörtest nichts? – der Sultan hat befohlen,
Zu seinem Kriegszug, der begann,
Die Maulthier' und Kameele stracks zu holen.« –
Je nun! Was kümmert sein Edict
Dich, der sich nie zum Tragen schickt? – –
»Was? Ist ein Wolf nicht aufgeklärter?
Du kennst des Sultans Schranzen nicht, mein Werther!
Diensteifrig achten sie nicht Wuchs, noch Haut,
Noch Brauchbarkeit, und Einer donnert laut:
Den Vierfuß aufgepackt, wie der Befehl ist:
Es zeigt sich nachher schon, ob's ein Kameel ist?«



                 Gesellschaftslied

 Ein Gläschen ist gut, und ein Liebchen ist gut
Und ein Pfeifchen ist gut in des Sommers Gluth,
Und die Welt ist gut, und das Volk ist gut,
Und wir Alle sind gut in der Schatten Huth
Für lustigen Muth ist ein Humpen gut,
Und köstlicher Wein darin,
Und Wunder thut Gesang, ist er gut:
Drum endet mit dem Beginn:
Ein Pfeifchen ist gut in des Sommers Gluth,
Ein Gläschen ist gut, und ein Liebchen gut.
Ein Freund ist gut, wenn er resolut
Weiht dem Freund in Nöthen sein Gut und Blut.
Die Justiz ist gut, wenn die Börse nicht ruht,
Und der Kläger schon oft den Richter lud.
Xantippen sind gut in des Grabes Huth,
Und Schelm' auf dem Rabenstein.
Ein Thor ist zum Narrenseile gut.
Gut sang ich – drum schenket mir ein!
Denn ein Gläschen ist gut in des Sommers Gluth,
Und ein Pfeifchen gut, und ein Liebchen gut!



             Gespräch

Pater

Ihrer schönen frommen Seele
Wird aus dieser Leibeshöhle
Bald der hohe Flug vergönnt
Zu den Heiligen hinüber!

Dame

Ach Herr Pater! Man ist lieber
Unter Leuten, die man kennt!



     Ghasele an Schorn

Ghaselen und Ghaselen! –
Schon prüft' ich die Ghaselen
Mit Augen, doch nicht scheelen.
Wie mochte mit Ghaselen
Sich Platen also quälen?
Allein er will Ghaselen
Nicht von den Persern stehlen.
O nein! Man soll Ghaselen
Als deutsche Gattung wählen,
Soll Dichtern die Ghaselen
Gleich dem Sonnett empfehlen,
Mit persischen Ghaselen
Zieh'n schöne Parallelen,
Vielleicht gar die Ghaselen
Noch modeln zu Chorälen,
Und wuchernd mit Ghaselen
Umreisen auf Kameelen. –
Ich kann dir ob Ghaselen
Den Ärger nicht verhehlen,
Und, würden die Ghaselen
Noch Mode, müßt' ich schmählen,
Und klängen die Ghaselen
Aus Catalanis-Kehlen.
Zwar lass' ich mir, Ghaselen
Zu schmieden, nicht befehlen;
Doch soll, um mit Ghaselen
Viel Reime zu vermählen,
An dich, der viel Ghaselen
Mir schenkt in meinen Pfählen,
Im Tone von Ghaselen,
Freund Schorn, mein Dank nicht fehlen.



   Gräfinn, Bettler, Kammerdiener

B.

Streckt eine kleine Gabe vor
Dem Unglückseligsten der Menschenkinder,
Das alle Freuden dieser Welt verlor.

G.

Ists ein Kastrat.

K.

– – Verzeih'n! Ein Blinder.



                   Höflingston

Herzog

Herr Hofmarschall! Wie viel Uhr ist's nun?

Hofmarschall

So viel, als Ihr Durchlaucht zu wollen geruh'n.



                      Homonyme

Ich schmücke hold der Schönen Brust und Haupt.
Ich walte häufig, wenn auch unerlaubt:
Oft ward dabey gefochten und geraubt.
Als Vogel flieg' ich nicht in Lüfte fort,
Speis' auch Metall' und Steine hier und dort.
Nenn' Alles, Leser, nun mit Einem Wort!



                      Irischer Bull

Jüngst glaubt' ich einen Fremdling wohl zu kennen,
Und auch der Fremdling wähnt', er kenne mich.
Wir sprachen lang, doch mußten wir uns trennen,
Denn wirklich waren's weder Er noch ich.



               Irischer Bull

Könnt' ich nur schreiben! rief Gregor!
Ein Andrer läse mir's dann vor.



                        Irischer Bull

Man schwur: Ich wäre todt. Ich selbst vernah'ms sogar;
Allein ich wußte gleich, daß es gelogen war.



                    Irischer Bull

Verzeihung! – Ohne Fernglas auf der Nase
Hielt ich von Weitem Sie für meine Base,
Doch näher für Sie selbst, mein holdes Kind!
Nun seh' ich, daß Sie Ihre Schwester sind.



              Kurzes Gespräch

A.

Bonjour, mein Freund! Wie geht es Dir?

B.

»Bonjour, mein Freund! Wie heißet Ihr?«



              Logogriph

Könnt Ihr in zwey Sylben vereinen:
Viele Gäste haben – und Keinen.



          Mein erstes Sonetto

              NB. Improvisirt

Wohlauf! mein Geist! – Ein Probsonetto!
Ein göttliches! – Ich sinn' und trachte – –
Noch mehr Champagner, Benedetto!
Ei, ei! Vier Zeilen, eh ich's dachte.

Ein Liebchen war Petrarchs Oggetto;
Ruhm, Nachruhm ist's, was ich erschmachte.
Den zweiten Tiek heg' ich in Petto.
Wie köstlich! schon der Zeilen achte!

Nur müsset Ihr mein hohes Thema,
Volksliederton und Mystik würzen.
Heil mir! Schon Eilfe nach dem Schema!

So dichten heißt die Zeit verkürzen;
Es klingt doch, wär's auch kein Poema.
Gottlob! Ich ende stolz mit Vierzeh'n.



            National-Dialog

Sie sind Aristokrat? – »O nein!«
Ah, Democrat? – »Nein, Sie verzeih'n!«
Nun merk' ich: Sie laviren fein
Und schwanken zwischen den Partey'n?
»Ja wohl! Ich will im Staatsverein
Nicht Henker, nicht Gehenkter seyn.«



                     Räthsel

Eins ist berühmt, besungen, alt und neu;
Alt, doch geschätzt und noch geliebt, Zwey, Drey.
Für's Höchste, nach der Neuer'n Litaney,
Und der mystificirten Theorey,
Für's Heiligste (da Gott vor sey!)
Gilt allzulang schon Eins, Zwey, Drey!



                                Räthsel

Ich sage dir nicht, was ich dir sage, sondern, was ich dir sage,
Sage ich dir, damit du mir sagst, was ich dir nicht sage.



                      Räthsel

Ich, ein Hermaphrodit von neuer Art,
Weil Männliches mit Männlichem sich paart
Und Weibliches allein mit Weiblichem, vergehe
Mich dennoch nie; vielmehr ist lobenswerth,
Wenn ich des Paarens Kunst genau verstehe;
Doch ein gewisses Maß zu halten wird gelehrt.
Oft bin ich äußerst schwer zu finden,
Oft eil' ich ungesucht heran.
Glückselig, wer mich leicht verbinden,
Und Ohr und Herz gewinnen kann.



          Räthsel

Sagt heute, wenn ihr wißt,
Was morgen gestern ist.

Auflösung von Baggesen.

Heut ist offenbar
Was gestern morgen war.



                  Räthsel

Zwey holde Schwestern denket euch,
An Bau, Gestalt, und Farbe gleich,
Und ohne Kunst an Schönheit reich!
Durch frischen Glanz gefallen sie.
Nahm Eine schon für sich allein
Den ersten Platz auf immer ein,
So stören ihre Harmonie
Doch Eifersucht und Mißgunst nie.
Sie küssen still und schwesterlich
In unschuldvollem Bunde sich,
Bis, wie gewöhnlich, ein Moment,
Ein Wort, ein Seufzer beyde trennt;
Doch jede kehrt im Augenblick
Zur alten Union zurück.



                 Rechtfertigung

Ja wohl! Mein Unbestand ist mir bewußt;
Im Lieben wechsl' ich ab zu meinem Glücke:
Bald lieb' ich Deinen Mund, bald Deine Blicke,
Und bald die neidisch mir verhüllte Brust.



                   Reim

Den Fl...y einem Bettelmädchen gab, um Almosen zu begehren.

Ach, meine Mutter liegt im Grabe!
Herr, gönnen Sie doch eine Gabe
Mir armen, mir verlass'nem Kind,
Von dem vielleicht Sie Vater sind.



Reimbold an seinen Kritikaster Schwergereimt

 Der du so wundergrob bist,
    Wie kein Erschaffner wohl im
Gränzlosen All, gottlob! ist,
    Seyn wird und war von Olim,
Dir unverschämt das Taxamt
    Anmaßest im Geniereich,
Uns, recht zum Schabernack, sammt
    Und sonders: »ich locir' euch!«
Despotisch anbellst, vorlaut
    Von Bardenfama weissagst,
Sottisen unsrem Corps laut
    Von Skribeln und Geschmeiß sagst,
Bekrittelst unser Thun all',
    Den Büttelbakel weit reckst,
Dein Stühlchen ein Tribunal
    Zu namsen keine Scheu trägst,
Aushunzest ohne Quias,
    Kleinheiten mit Bombast rügst,
Und durch Galimathias
    Die Modeleser fast trügst! –
Sprich nur, ob deine Ruhmsucht
    Sich in Berlin und Leipzig
Das Testimonium sucht:
    »Der Teufelskerl erschreibt sich
Ein Momus resurrexit?«
    Possirlich! wenn ein Brutum
Stolz über Klüg're wegsieht,
    Selbst wie ein Kakadu dumm!
Du rennst, besitzt dich Satan,
    Auf Bücher oft wie Blitz los,
Gaffst nur das Titelblatt an,
    Und schiltst die Werke witzlos.
Heut schnatterst du ein fast dicks
    Compendium im Hui weg,
Bist dann Homeromastix,
    Und recensirst es: »Pfui! weg!«
Tobst morgen, wenn du hungerst,
    An Dichtern deinen Groll aus,
Schwingst deinen Geiselschwung erst,
    Und brüllst zuletzt: »ins Tollhaus!«
Du jammerst, (wie ein Derwisch,
    Wenn sein Kollege Wein trinkt)
Daß, viele Lustra her, Wisch
    Um Wisch auf Messen eindringt:
Daß selten mit Genie sich
    Geschmack und Studium paart.
Und nimmst – pro taxa – schließ ich,
    Doch bey so manchem Dummbart
Den Air des Schutzpatrons an,
    Lobst seines Büchleins Inhalt,
Obschon nur Phöbus, Nonsens,
    Und Wortgeklingel drin hallt;
Und stürmst mit Leidenschaft los,
    Sobald ein Feind vom Rockkuß
Kühn deinen Bannstrahl kraftlos,
    Dein Handwerk Hokus Pokus,
Dein Kritikastern unwahr,
    Parteyisch nennt und ausweist,
Daß um den Wirth zu thun war,
    Der Schuldner aus dem Haus weist –
Weil Püffe dir das Glück gab,
    Uns wieder puffen? – Ey dich – –
Fort! Schreibe du Musik ab!
    Was kümmert Poesei dich?



           Rosalia

Wenn, von Grazien umringt,
Sie den Fächer schwingt,
Giebt er Kühlung ihr,
Flammen mir!



           Sängerin B—r

Wer glücklich der Sirenentöne
Bezaubernder Gefahr entgeht,
Den fesselt die bescheid'ne Schöne.
Wer ihrem Liebreiz widersteht,
Den fesseln ihre Zaubertöne.



       Spielerlied

Alles spielt! Alles spielt!
Ein Versifex mit Reimen,
Ein Philosoph mit Träumen,
Ein Held mit Abentheuern,
Ein schönes Kind mit Freiern,
Politiker mit Staaten,
Und Feldherrn mit Soldaten!
Drum setzet der Lästerung Maaß und Ziel,
Und laßt uns das Würfel- und Kartenspiel!

Alles spielt! Alles spielt!
Der Trinker mit der Kanne,
Das Weib mit ihrem Manne,
Ein Richter mit Klienten,
Ein Censor mit Scribenten,
Ein Arzt mit Patienten,
Ein Wucherer mit Renten –
Drum setzet der Lästerung Maaß und Ziel,
Und laßt uns das Würfel- und Kartenspiel!

Alles spielt! Alles spielt!
Empfindsame mit Thränen,
Ein Spieß mit Geister-Scenen,
Ein Seladon mit Schönen,
Lips Tullian mit Kehlen,
Ein Herrscher mit Befehlen,
Ein Erzbischoff mit Seelen –
Drum setzet der Lästerung Maaß und Ziel,
Und laßt uns das Würfel- und Kartenspiel!

Alles spielt! Alles spielt!
Die Taktiker mit Planen,
Sachwalter mit Chikanen,
Marquis mit ihren Ahnen,
Der Knabe mit der Fibel,
Der Böse mit dem Uebel,
Der Fromme mit der Bibel –
Drum setzet der Lästerung Maaß und Ziel,
Und laßt uns das Würfel- und Kartenspiel!



              Treflicher Rath

Claus

Mein Werkchen kommt im Druck heraus.
Doch meinen Namen lass' ich aus.

Arist

Laß deinen Namen drucken, Claus,
Und laß dein Werkchen aus.



                     Trinklied

Den Rücken am Feuer, den Bauch am Tische,
Den Tisch belastet mit Wein,
Wie gern ich die Kehl' und Seel' erfrische!
Wein lindert und mindert die Pein.
Zu süßem Denkmal von jeder Extase
Beros' ich die Wangen, bepurpr' ich die Nase.

Nichts gleicht der Schminke von edeln Weinen. –
Der Schönen verschönt dich Wein,
Wirst du bezaubernd, ja, göttlich erscheinen,
Doch klaatrig bey Wasser allein.
Du wirst durch Wasser nur ausgemergelt,
Und stirbst, gelbgrün, schwindsüchtig, verzwergelt.



         Trinklied

Mel. God save the King

Schlürfet den labenden
Sorgebegrabenden
Nectar hinein!
Lüstet's den Fröhlichen,
Wonne den Seligen
Herzubefehligen,
Lehrt's ihn der Wein.

Heil zum Vereine hier!
Wohl uns! – bey'm Weine hier!
Leben wir neu.
Traulich ergießet euch!
Herbes versüßet euch!
Trinkt, und umschließet euch
Brüderlich treu.



   Vacunus' Schwanenlied

Wenn ich nach des Lebens Eile,
Nach Verdruß und Langerweile,
Nun den Styx befahre,
Cerberus gewahre
Und die Schattenräume
Ohne Ruh und Träume,
Voll Melancholie,
Sammt den alten schwarzen
Furien und Parcen,
Stete Höllenstrafen
Ohne Brod und Schlafen,
Rhadamanthus' Sprüche,
Ach! und keine Küche! –
Brüder! das vergess' ich nie.

Trinken muß ich aus dem Lethe,
Doch die Schönen, Margarethe,
Emma, Clärchen, Hanne,
Julia, Susanne,
Hedwig und Rosaura,
Ida, Molly, Laura,
Margot und Marie –
Sammt des Clerus dicken
Mägdlein-Domestiken,
Anecdotenpößlein,
Fahrt mit wackern Rößlein,
L'hombre, Whist und Würfel,
Und Kaffee-Geschlürfel –
Brüder! das vergess' ich nie.

Trinken muß ich aus dem Lethe,
Doch so manche Wunder-Fête
An der Table d'hôte,
Jagors Speisen-Note,
Harfenspielerinnen,
Die für Thaler minnen,
Knappen-Melodie,
Scherz mit Klosterfrauen,
Reisen und Verdauen,
Schauspiel und Romane,
Abenteuer-Plane,
Reiche Zinslein-Aernte,
Und – was ich nie lernte,
Brüder, das vergess' ich nie!



                  Veit

Kurz, sagte Pastor Grill zu Veit,
Er darf auf meine Worte bauen!
Lässt er nicht in der Gnadenzeit
Sich noch mit seiner Metze trauen,
Ist er verdammt in Ewigkeit! –
»So kann ich denn,« sprach Veit,
Mit komischtragischen Geberden,
»Nicht ohne Hörner selig werden!«



                 Walzlied

Hört ihr den schwäbischen Wirbeltanz?
Lirum trallarum! Herbei!
Mag ein pedantischer Firlefanz
Rufen sein Ach! und sein Ei!

Jünglinge! Schwebet im Takte hin:
Fliegt den melodischen Flug,
Bis euch die glühende Tänzerin
Lispelt ein mattes: Genug!

O der unnennbaren Seligkeit
Unter dem Hörnergetön
Traulich in süßer Umschlungenheit
Sich, wie die Sphären, zu drehn!

Krittler, verdammt den Erfinder nicht!
Denn ihr verdammt die – Natur!
Singet dem Walzer ein Lobgedicht,
Aber – dem langsamen nur!



Wer ist mehr zu beklagen?

Veit

Ein Schurke stahl mir heut –

Ich

Beklagenswerther Veit!

Veit

Was ich seit Jahren schrieb.

Ich

Beklagenswerther Dieb!



Zecher-Commando

Heda! Rheinwein!
Mosler! Steinwein!
Himmel, welche
Kleine Kelche!
Wirthsverweser!
Große Gläser
Oder Becher
Für uns Zecher!
Nicht doch! Römer
Sind bequemer.
Nein! Am klügsten
Und gefügsten
Wär's, aus Humpen
Wein zu pumpen!



                Zecherruf

Auf, Brüder! Dithyramben-Chöre!
Kein Minnelied! Kein Madrigal!
Zwei Herzen nur vereint Cythere,
Doch Bacchus Herzen ohne Zahl.