Herwegh

Seite 6

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Biografie

Seite 8

         Auch dies gehört dem König

Ich wußt', ein König ist ein irrer Stern,
Und nur der Zufall regelt ihm die Bahnen -
Doch warnt' ich vor dem Schweif, nicht vor dem Kern,

Dem Schweif von Sklaven und von Scharlatanen.
Ich dachte mir: dein eigen Fürstenherz
Sei mehr als ein Register seiner Ahnen,

Und ich vergaß, daß stets ein dreifach Erz
Euch, selbst im Tod, von eurem Volk noch trenne -
Drum nahmt ihr meine Worte nur für Scherz!

Mir Toren war's, als ob ich dich schon kenne,
Als ob gesäugt uns einer Mutter Brüste,
Der Mutter, die ich mein Jahrhundert nenne:

Mir war's, als ob ich in der deutschen Wüste
Von einem fernen Quell das Rieseln höre,
Und träumend lag ich an Atlantis' Küste,

Und ich vernahm so feierlich: "Ich schwöre!" -
Herüber klangen von der Ostsee Borden
In meine Republik die Jubelchöre.

Begeistert rief ich: "Hoher Fürst im Norden!
Das Mädchen, drum die Väter einst gefreit,
Ist für die Söhne schier zu alt geworden:

Du führ' herauf die junge, große Zeit!
Laß unbesorgt den welken Reiz vermodern
Und um den Tod der Knechtschaft trag kein Leid,

Den Geistern gib die Sühne, die sie fodern.
Laß endlich das gelobte Land uns erben!
Der Freiheit Oriflamme, laß sie lodern!

Laß all den Spuk beim Hahnenruf ersterben,
Getrosten Muts: Gevögel nur der Nacht
Wird elend an dem neuen Licht verderben,

Dem Lichte, das den Völkern Heil gebracht!
O sprich ein Wort, das ihre Angst vermindert!
O sprich ein Wort, vor dem der Schlaf erwacht!

Gib ein Gesetz, das heilet, nicht nur lindert:
Ja gib ein wahrhaft königlich Gesetz,
Das uns am Fallen, nicht am Gehn verhindert!

So sei ein Fürst! so wag' es und verletz'
Den alten heil'gen hergebrachten Plunder:
Zertritt das Pfaffen- und das Adelsnetz!

Wirf in die harrende Welt hinaus den Zunder,
Und spreng' den morschen Bau hoch in die Luft!
Bist du von Gott, wohlan so tue Wunder!

Die Toten nur laß in der Totengruft:
Es ist zu früh, wenn man am Jüngsten Tage
All diesem Volk zur Auferstehung ruft."

Nicht ganz so lautet' es, wie jetzt ich sage,
Mein Stachel hat nicht ganz so scharf gestochen;
Doch war's der tiefe Sinn von unsrer Klage,

Wenn wir, wie Hamlet einst, zu dir gesprochen:
"Im Staate Dänemark ist etwas faul,
Und seine Kraft ist in sich selbst gebrochen."

Du aber spielst den königlichen Saul;
(Nicht jenen andern, den du mich gescholten,
Wohl hoffend auf den Apostaten Paul -)

Du hast die freien Worte schlecht vergolten
Und warfst den Speer mit mörderischer Hand,
Wenn wir nicht jedem Knechte Beifall zollten.

Du hast den eitlen Buhlen Freund genannt,
Der solchen Schergenruhm mit vollen Backen
Posaunt; hast unsre reine Glut verkannt,

Die nur das Erz wollt' läutern von den Schlacken:
Denn kommen muß er jetzt, der Tag auf Erden,
Der freie Männer scheidet von Kosaken.

Da stehst du nun, mit zornigen Gebärden,
Ratloser Fürst, inmitten deiner Larven,
Der Larven, die sich nie entpuppen werden,

Erschaudernd vor der Wahrheit, vor der scharfen,
Und wirst der Gaukler eifriger Mäzen,
Die zwischen Licht und Finsternis dich warfen.

Zu scheu, der neuen Zeit ins Aug' zu sehn,
Zu beifallslüstern, um sie zu verachten,
Zu Hochgeboren, um sie zu verstehn;

Willst du durch bunte Gläser sie betrachten,
Durch Gläser, die dir deine Puppen schleifen,
Den letzten hellen Blick dir zu umnachten.

Was half's dir, ein paar Blätter abzustreifen?
Du wirst den Drang der Schöpfung nimmer stillen,
Und schneller werden nur die Früchte reifen.

Du armer Spielball armer Kamarillen!
Du konntest deiner Zeit die Fahne tragen
Und trägst nun ihre Schleppe wider Willen.

O lern' dem Traum des Heldentums entsagen!
Vertrocknet ist für dich der Born der Tat,
Aus deinen Steinen wirst du nicht ihn schlagen.

Nur feile Zungen dreschen deine Saat,
Als wär' ein Wald von Ähren draus entsprossen:
Ich sehe nichts als Unkraut und Verrat!

Verrat, der dir die Herzen hat verschlossen,
Verrat an dir und deines Volkes Ehren,
Das töricht für dein Haus sein Blut vergossen;

Verrat in dem verpestenden Verkehre
Mit jenem Scheusal! Scheusal, mag's auch gleichen,
Wie Nero dem Apoll von Belvedere:

Es herrscht kein zweites in des Abgrunds Reichen.
Und Freund und Bruder nennst du den Despoten
Und lauschest seines Munds geheimsten Zeichen!

Du willst, wie er, nur schweigende Heloten,
Und Fürstenallmacht, die Ukasen schreibt
Dem Staube, dem Erniedrigung geboten.

Doch glaub' nicht, daß der Staub am Boden bleibt!
Es kommt ein Tag, da wird euch Fürsten grauen!
Es kommt ein Sturm, der ihn nach oben treibt!

Man wird den Staub auf eurer Krone schauen,
Auf eurem Purpurkissen wird er liegen -
Dann wagt's, auf eure Söldner zu vertrauen;

Feig, wie sie sind, sie werden flugs sich biegen
Und wedeln vor dem Volk, die Edelknaben,
Das Rohr, mit dem ihr wollt den Sturm bekriegen.

Du hast verschmäht, dem Strom sein Bett zu graben,
Und sinnest, ihn zurück zum Quell zu drängen:
Er aber schäumt und wird sein Bette haben.

Dein war das Amt, der Freiheit Ring, den engen,
Mit Meisterschlägen friedlich zu erweitern -
Du hast's verschmäht! nun gilt es, ihn zu sprengen.

Das Schiff mit seinen ungeschickten Leitern,
Mit dir und deinem unglücksel'gen Thron:
Ich seh's vor Abend an der Klippe scheitern.

Noch lebt die Sphinx der Revolution!
Dein war das Amt, die Opferzeit zu kürzen,
- O, tausend Kränze harrten deiner schon! -

Du konntest nur den Knoten fester schürzen,
Und in den Sternen - hatt' ich falsch gelesen.
Die Sphinx wird nicht sich in den Abgrund stürzen,
Und du - du bist kein Ödipus gewesen.




B. Ausgewählte Gedichte


                Gutenbergslied

bei der Feier der Erfindung der Buchdruckerkunst zu Konstanz, 1840

Kennt ihr, kennt ihr das freie Wort,
Das mit der Sonne kreist?
Das mit den Wogen donnert fort?
Das mit dem Sturme reist?
Das reich wie Tau vom Himmel tropft,
An Hütten und Paläste klopft?
Kennt ihr den freien Geist?

Kennt ihr, kennt ihr das Zauberschwert,
Dem jede Lüge fällt?
Kennt ihr den Meister, lieb und wert?
Kennt ihr der Helden Held?
Von Gutenberg singt mir ein Lied,
Ein Lied vom guten Waffenschmied,
Ein Lied vom Mann der Welt!

Die Wahrheit klingt von Ohr zu Ohr,
Sie klingt von Mund zu Mund,
Sie hat wie Sterne ihren Chor
Und tut sich allwärts kund;
Das Wort rauscht wie das freie Meer
Frei um die weite Erde her
Und schließt den Völkerbund.

Und der es so aus stummer Nacht
Erlöst, der das getan,
Der tausendfältig es gemacht,
Dem stimmt ein Loblied an!
Heil ihm, Heil ihm und seinem Werk!
Dem Gutenberg, dem besten Berg!
Heil jedem freien Mann!


             Verrat!

Verrat - ihr habt's gesprochen,
Verrat - ihr habt's erkannt.
Es sei mit euch gebrochen;
Die Brücken sind verbrannt.
Doch habt ihr selbst vergessen,
Wie ihr das Volk verkauft,
Wie ihr euch auf Kongressen
Um Kronen habt gerauft?

Erst lief er vor dem Berge,
Der deutsche Sumpf, davon,
Dann höhnten sie, die Zwerge,
Die Revolution,
Die Nüchternen den Zecher,
Der endlich niedersank,
Weil er den Freiheitsbecher
Bis auf die Hefen trank.

Schönredner, mit der Urne
Der toten Herrlichkeit,
Beschritten im Kothurne
Die Bühne unsrer Zeit;
Sie haben in dem Schutte
Den Unrat aufgerührt,
Den Geßlerhut, die Kutte
In Frankreich eingeführt.

Auf heißer Opferstätte
Habt ihr, nach deutscher Art,
Vergoldet unsre Kette
Und - vor dem Rost bewahrt.
Schleppträger der Bourbonen -
O pfui, ein garstig Lied!
Wo sind die Nationen,
Die Deutschland nicht verriet!

Zu Zeugen ruf ich Polen,
Das Heldenvolk, herbei,
Das dreimal ward bestohlen
In schnöder Räuberei;
Zu Zeugen jene tote
Italische Republik, -
Fluch euch, Ischariote
Der deutschen Politik!

Wir wollen's auch verraten,
Das schlechte Vaterland
Der vierzig Potentaten
Und deinen Unverstand,
Wie du in grauer Ferne,
O Volk, dein Heil erschaust
Und lieber auf die Sterne
Als auf dich selbst vertraust.

Wir wollen es verkünden,
Verraten laut und dreist,
Was ihr für "Burgen gründen"
Wollt unserm deutschen Geist;
Verraten, welche Schelle
Zu deutschen Ohren klingt
Und welche trübe Quelle
Im deutschen Sande springt.

Wie du das Wort beschnitten,
Eunuchen-Regiment,
Wie feige wir's gelitten
Und was man Freiheit nennt,
Freiheit für "das erstarkte
Germanische Geschlecht":
Den Stock auf offnem Markte
Und das geheime Recht!

Wie ihr in blindem Schnauben
Das letzte Licht erstickt
Und euren alten Glauben
Mit neuen Lappen flickt
Und wie wir die Genarrten
Bei eurer Weisheit sind
Und wie in deutschen Karten
Der König nur gewinnt;

Wie ihr, getreue Stände,
Den Rücken biegt so krumm,
Wie offen eure Hände,
Und euer Mund - wie stumm!
In Rätseln und in Runen
Hüllt ihr nur Knechtssinn ein;
Ihr könnt nicht die Tribunen
Des deutschen Volkes sein!

Drum sei mit euch gebrochen!
Die Brücken sind verbrannt.
Verrat! ihr habt's gesprochen,
Und ihr habt recht erkannt.
Du Land, das sonder Scheue
Zertritt die junge Saat,
Du machst Verrat zu Treue
Und Treue zu Verrat!


             Zukunftslied

Übermüt'ge Triumphierer,
Weh euch, wenn ihr's noch nicht fühlt,
Wie der treffliche Minierer
Schon den Boden unterwühlt,
Daß ihr in der Geisterstunde
Kläffend unser Ohr zerreißt! -
Doch wir wissen, ihr seid Hunde,
Und ihr glaubt an keinen Geist.

Aber kommen wird ein Pfingsten
Donnernd über euer Haupt
Und ein Festtag der Geringsten,
Der des Hochmuts Stamm entlaubt.
Der sich lange selbst vergessen,
Ist am Ziel der Unglücksbahn,
Und der Mensch, der sie durchmessen,
Kommt beim Menschen endlich an.

Fort mit eurer Ahnenbilder
Übernächtigem Gesicht!
Geht und pflanzt in eure Schilder,
Ritter, ein Vergißmeinnicht!
Nur ein Ritter ohne Tadel,
Nur ein Priester soll noch sein:
Für die ganze Welt den Adel!
Für die Menschheit Brot und Wein!

Keine Steuern, keine Zölle,
Des Gedankens Freiverkehr!
Keinen Teufel in der Hölle,
Keinen Gott im Himmel mehr!
Nieder mit dem Blutpokale,
Drin der Kirche Wahnwitz kreist!
Ein Kolumb zerbricht die Schale,
Wenn er eine Welt beweist.

Einmal noch uns aufzuraffen
Zu des Lebens Maienlust,
Reißen wir das Schwert der Pfaffen
Aus der Menschheit wunder Brust!
Zwischen Jägern und Gehetzten
Sei entbrannt die wilde Schlacht,
Bis man Frieden auf dem letzten
Eingestürzten Tempel macht.

Zittert, zittert, blöde Toren,
Vor der Zukunft eh'rnem Tritt -
Ja, die Zeit ist neu geboren,
Ja, und ohne Kaiserschnitt;
Und erobert wird das Leben,
Und wir jubeln gloria:
Alle Schulden sind vergeben,
Denn kein Gläubiger ist da.

Durch die Wolken seh ich's tagen,
Und die Nebel, sie verwehn;
Mit dem Pegasus am Wagen
Muß es endlich vorwärtsgehn.
Eine Phalanx laßt uns schlingen,
Die kein Henker brechen kann,
Und wie jener Römer singen,
Nur: die Waffen und den Mann!

Ungestüm in tausend Gliedern,
Tausend Adern glüht der Streit,
Und ein Arsenal von Liedern
Liegt in Deutschland kampfbereit.
Denn wir wissen, die Erhörung
Wird kein Flehender empfahn:
Drum die Fahne der Empörung
Trag die Poesie voran!


  Veni, creator spiritus!

O sprich, was soll es werden
Mit dir, du deutscher Geist!
Du bist ja auf der Erden
Entfremdet und verwaist!
Laß sehn, ob du noch reißen
Dich magst aus deinem Bann
Und ob der Stein der Weisen
Noch Funken geben kann!

Wirf ab die Wolkenhülle,
Wirf ab dein himmlisch Kleid,
Und stürz dich in die Fülle
Der ganzen Sterblichkeit,
Steig ins gemeine Leben
Von deinem kalten Thron,
Ins Leben und ins Streben
Von einer Nation.

Du hattest dich so scheue
In Pergament verbaut;
Da schliefst du wie ein Leue
In einer Eselshaut -
Wir können solche Pfiffe
Bei Löwen nicht verstehn;
O Löwe, laß die Griffe
Statt der Begriffe sehn.

Zerreiß, o Geist, die Netze,
Drein dumpfer Wahn uns flicht;
Du gabst genug Gesetze,
Oh, halte dein Gericht!
Fall in die schnöden Horden,
Ein zündender Wetterstrahl,
Die mit dem Golde morden,
Und heile mit dem Stahl!

O Freiheit, Glutgedanke,
Erschaffe deine Welt,
Und brich die letzte Schranke,
Die dich gefangenhält;
Nicht mehr mit mildem Glanze
Umleuchte unsre Stirn,
Im Kriegsschmuck, mit der Lanze
Spring aus des Denkers Hirn!

Hervor aus deiner Stille,
Darin du brütend liegst!
Hinaus, ein Riesenwille,
Damit du endlich siegst!
Als freie Tat, o Wonne,
In die Welt mit kühnem Schwung,
Wie eine rote Sonne
Aus bleicher Dämmerung!

Wir müssen uns verwandeln,
Die Puppenzeit ist aus,
Wir müssen nun im Handeln,
In einem letzten Strauß
Der Schwingen Kraft ermessen;
Der Herbst der Rede naht:
Frisch auf, ihr deutschen Pressen,
Und keltert eine Tat!


   O wag es doch nur einen Tag!

Frisch auf, mein Volk, mit Trommelschlag
Im Zorneswetterschein!
O wag es doch, nur einen Tag,
Nur einen, frei zu sein!
Und ob der Sieg vor Sternenlicht
Dem Feinde schon gehört -
Nur einen Tag! es rechnet nicht
Ein Herz, das sich empört.

O wart in deiner tiefen Not
Auf keinen Ehebund;
Wer liebt, der gehet in den Tod
Für eine Schäferstund:
Und wer die Ketten knirschend trug,
Dem ist das Sterben Lust
Für einen freien Atemzug
Aus unterdrückter Brust.

Laß deine Weisen fort und fort
Nur Tod und Schrecken sehn,
Dem Volk soll vor Prophetenwort
Der Ruf der Ehre gehn.
Horch auf, der letzte Würfel fällt,
Dein Abend, er ist nah,
Noch einmal stehe vor der Welt
In deiner Größe da!

O tilg nur einen Augenblick
Aus deiner Sklaverei,
Und zeig dem grollenden Geschick,
Daß sie nicht ewig sei;
Erwach aus deinem bösen Traum:
Reif ist, die du gesucht,
Und schüttle nicht zu spät vom Baum,
Wenn sie gefault, die Frucht.

Wach auf! wach auf! die Morgenluft
Schlägt mahnend an dein Ohr -
Aus deiner tausendjähr'gen Gruft
Empor, mein Volk, empor!
Laß kommen, was da kommen mag:
Blitz auf, ein Wetterschein!
Und wag's, und wär's nur einen Tag,
Ein freies Volk zu sein!


                 Für Polen

Das Lied vom Rhein - es klang so hell
Im Süden gestern noch und Norden;
Wie ist das Weiße doch so schnell
In Deutschland wieder schwarz geworden!

Wo stob er hin, der Sängerchor?
Und warum schweigt er heut so stille?
Ach! er erschien, ach! er verlor
Sich - immer nach der Herren Wille.

Was gestern Recht war für den Rhein,
Ist's heute nicht auch Recht für Polen?
Soll Polen nicht auch Polen sein,
Weil wir als Räuber mitgestohlen?

Ist Fürstenwort solch Zauberwort,
Daß es kann Tag in Nacht verkehren?
Sind Herz und Hirn bei uns verdorrt?
Und läßt Vernunft sich so entehren?

Vergaßet ihr das Einmaleins,
Ihr unergründlich tiefen Denker,
Ihr Zionswächter unsres Rheins
Und jeder fremden Freiheit Henker!

O deutsches Volk, das hoffend drängt
Sich an der reichen Zukunft Schwelle,
Was auch die Sterne dir verhängt,
Sei nicht des Zaren Spießgeselle!

Horch auf den Sturm, der neu erbraust,
Auch deine Frucht vom Baum zu schütteln,
Eh eisige Barbarenfaust
Dich wird aus deinen Träumen rütteln!

Tritt nicht, was du bei dir gesät,
In fremdem Land mit Rosseshufen;
Nicht deine eigne Majestät
In Völkern, die nach Freiheit rufen!

Du suchst dich selbst aus tiefem Grund
Der harten Knechtschaft aufzuschwingen,
Willst du dein Joch zur selben Stund
Den andern auf den Nacken zwingen?

Soll noch einmal im wilden Streit
Hinmorden unsrer Kinder Lanze
Die ewige Gerechtigkeit
Dem alten Gleichgewichtspopanze?

Weh über uns in solchem Krieg!
Wir wandeln keine Ruhmesbahnen.
Ich rufe: den Empörern Sieg!
Und jede Schmach auf deutsche Fahnen!


             Polen an Europa

Der heil'ge Krieg ist neu entglommen,
Die Söhne Polens werden wach,
Wir haben unser Schwert genommen
Nach fünfzehn Jahren tiefer Schmach.
An dich, du stumme Zeugin unsrer Klage
Und unsrer namenlosen Qual,
An dich, Europa, richten wir die Frage:
Verläßt du uns zum zweitenmal?

Ist's nicht ein Kampf für deine Sache?
Ein Kampf, von jedem Flecken rein?
Auf! Polens Adler will der Rache
Gebenedeiter Engel sein.
Die Saat ist reif, es rauschen unsre Sensen,
Wir schwingen auch für dich den Stahl:
Die Hoffnung sieh in unsern Augen glänzen -
Verlaß uns nicht zum zweitenmal!

Du liegst an alter Schuld erkranket -,
Europa, o entsühne dich!
Und schnell, solang die Waage schwanket,
Wirf noch dein Herz hinein für mich.
Dein Zaudern wäre dreifach ein Verbrechen,
Denn dreifach ist der Feinde Zahl;
Für dich und mich ein dreifach Joch zu brechen,
Verlaß mich nicht zum zweitenmal.

Ein wildes Meer von Aufruhrflammen,
Der Zorn der ganzen Welt vereint,
Schlag über seinem Haupt zusammen
Und trümmre nieder unsern Feind!
Deutschland! sei zwischen uns ein Bundeszeichen,
Der Freiheit loderndes Signal!
Auch Polens Aar trägt einen Kranz von Eichen:
Verlaß mich nicht zum zweitenmal.

Auf, Preußen, schüttle deine Ketten!
Erkämpf dein Recht, der Tag ist da!
Es gilt ja mich und euch zu retten -
Auf, Ungarn! auf, Italia!
O Galliens Hahn, sprich, bist du blind geworden
Und ahnst du nicht den Morgenstrahl?
Sie nahn, sie wüten, die Barbarenhorden -
Verlaßt uns nicht zum zweitenmal!


         Ordonnanzen!

Ordonnanzen! Ordonnanzen!
Meine Völker müssen tanzen,
Wie ich ihnen aufgespielt!
Eins - zwei - drei - und Runde! Runde!
Tanzet, ihr getreuen Hunde,
|: Wenn der König es befiehlt. :|

Lernt des Lebens Lust begreifen,
Euer König wird euch pfeifen -
Und ihr werdet ihn verstehn.
Nur im Kreise, nur im Kreise,
Nach dem Takt der Russenweise,
|: Nur um mich sollt ihr euch drehn. :|

Ich bin euer Kopf und Magen,
Antwort Ich auf alle Fragen,
Aller Rede letzter Sinn;
Ihr der Abglanz nur des Fürsten -
Und wer wagte noch zu dürsten,
|: Wenn ich selber trunken bin? :|

Volksvertreten? Volksvertreten?
Beten sollt ihr, ruf ich, beten!
Ich bin Solon und Lykurg!
Brecht mir nicht des Schweigens Siegel,
Denn ich habe Schloß und Riegel;
|: Gott ist eine feste Burg! :|

Ordonnanzen! Ordonnanzen!
Meine Völker müssen tanzen,
Wie ich ihnen aufgespielt!
Tanzt, o Polen - tanzt, o Deutsche,
Alle nach derselben Peitsche,
|: Wenn der König es befiehlt! :|

Ich bin König, meine Gründe
Donnern durch Kanonenschlünde
In des Pöbels taubes Ohr;
Rasselt irgendwo die Kette,
Hunderttausend Bajonette
|: Schaffen Ruhe wie zuvor. :|

Wer sich rühret, wird geschlossen
Und wo möglich schon erschossen,
Eh man ihm das Urteil fällt.
Die Justiz - geheim und schnelle,
Fördert noch vor Tageshelle
|: Jeden Meutrer aus der Welt. :|

Freiheit - welch ein toll Begehren!
Ja, der Henker soll sie lehren
Euch zum Schrecken und zum Graus;
Wird der Vorrat hier zu mager,
Hilft ja gern mein lieber Schwager
|: Mir mit seinen Galgen aus. :|

Ordonnanzen! Ordonnanzen!
Meine Völker müssen tanzen,
Wie ich ihnen aufgespielt!
Tanzt, ihr Deutschen - tanzt, ihr Polen,
Wie der Zar es mir befohlen,
|: Wie's der König euch befiehlt! :|

Jeder Flügel sei beschnitten,
Auch dem Amor - der die Sitten
Unsres Reichs kompromittiert.
Und von nun an sei bewußtes
Bett von weiland Herrn Prokrustes
|: Als Reichsehbett eingeführt. :|

Nur ein Vorurteil ist Liebe;
Unsre ungestümen Triebe
Zügl ich durch ein christlich Joch.
Ich bin Herr von allen Sachen,
Und allein das - Kindermachen
|: Laß ich euch in Gnaden noch. :|

Ich verbiete, ich erlaube,
Ich nur denke, ich nur glaube,
Und ihr alle seid bekehrt.
Jeden Zweifel löst die Knute:
Hat man denn das Absolute
|: In Berlin umsonst gelehrt? :|

Seid ihr denn nicht meine Knechte?
Und ihr fragt nach einem Rechte,
Wenn der König was befiehlt?
Ordonnanzen! Ordonnanzen!
Meine Völker müssen tanzen,
Wie ich ihnen aufgespielt!


Das Reden nimmt kein End

Zu Frankfurt an dem Main -
Sucht man der Weisen Stein;
Sie sind gar sehr in Nöten,
Moses und die Propheten,
Präsident und Sekretäre,
Wie er zu finden wäre -
Im Parla - Parla - Parlament
Das Reden nimmt kein End!

Zu Frankfurt an dem Main -
Da wird man uns befrein;
Man wird die Republiken
Im Mutterleib ersticken,
Und Bassermann und Welcker
Beglücken dann die Völker
Im Parla - Parla - Parlament
Das Reden nimmt kein End!

Zu Frankfurt an dem Main -
Bald zieht der Kaiser ein!
Schon träuft der Gnade Manna,
Ihr Knechte, Hosianna!
Mathy, der Schuft, Minister -
Triumph, ihr Herrn Philister!
Im Parla - Parla - Parlament
Das Reden nimmt kein End!

Zu Frankfurt an dem Main -
Die Wäsche wird nicht rein;
Sie bürsten, und sie bürsten,
Die Fürsten bleiben Fürsten,
Die Mohren bleiben Mohren
Trotz aller Professoren
Im Parla - Parla - Parlament
Das Reden nimmt kein End!

Zu Frankfurt an dem Main -
Ist alles Trug und Schein.
Alt-Deutschland bleibt zersplittert,
Das Kapitol erzittert,
Umringt von Feindeslagern,
Die Gänse giga - gagern
Im Parla - Parla - Parlament
Das Reden nimmt kein End!

Zu Frankfurt an dem Main -
So schlag der Teufel drein!
Es steht die Welt in Flammen,
Sie schwatzen noch zusammen,
Wie lange soll das dauern?
Dem König Schach, ihr Bauern!
Dein Parla - Parla - Parlament,
O Volk, mach ihm ein End!


Kein Preußen und kein Österreich!


Kein Preußen und kein Österreich!
Ein Deutschland! wie vermessen!
Der Jungfer wurd das Herz so weich,
Sie freut sich wie besessen;
Ein Prinz hat ihr den Hof gemacht
Und beim Dessert an sie gedacht.
Steh auf, Germania,
Dein Bräutigam ist da!

Kein Preußen und kein Österreich!
Und Österreich soll thronen?
Er ist ein Mann - wir sind ihm gleich,
Und wir - sind Millionen.
Und Millionen schwören hoch
Und rufen laut: Kein neues Joch
Und keine Fürsten mehr!
Dem Volk allein die Ehr!

Kein Preußen und kein Österreich!
Was helfen uns die beiden?
Das eine ist schon totenbleich,
Das andre am Verscheiden.
Wir brauchen solche Sonnen nicht
Und folgen unserm eignen Licht,
In unsrer Brust dem Stern;
Wir wollen keinen Herrn.

Kein Preußen und kein Österreich!
Und tränk er ganze Bäche
Auf unser Wohl - o Schelmenstreich!
Das Volk bezahlt die Zeche.
Und Fürstenwein ist teurer Wein,
Drum schenkt uns einen andern ein:
Gut Wind und gut Geschick
Der deutschen Republik!

Kein Preußen und kein Österreich!
Dem Wort soll Recht verbleiben.
Und geht's uns schief, so wolln wir gleich
Durch Thurn und Taxis schreiben.
Indes, Herr Johann ohne Land,
Verzeiht der Deutschen Unverstand
Und denkt beim nächsten Glas:
In vino veritas!


Mein Deutschland, strecke die Glieder!

Mein Deutschland, strecke die Glieder
Ins alte Bett, so warm und weich;
Die Augen fallen dir nieder,
Du schläfriges deutsches Reich.

Hast lange geschrien dich heiser -
Nun schenke dir Gott die ewige Ruh!
Dich spitzt ein deutscher Kaiser
Pyramidalisch zu.

O Freiheit, die wir meinen,
O deutscher Kaiser, sei gegrüßt!
Wir haben auch nicht einen
Zaunkönig eingebüßt.

Sie sind uns alle verblieben;
Und als wir nach dem Sturm gezählt
Die Häupter unsrer Lieben,
Kein einziges hat gefehlt.

Deutschland nimmt nur die Hüte
Den Königen ab, das genügt ihm schon;
Der Deutsche macht in Güte
Die Revolution.

Die Professoren reißen
Uns weder Thron noch Altar ein;
Auch ist der Stein der Weisen
Kein deutscher Pflasterstein.

Wir haben, was wir brauchen;
Gesegnet sei der Völkerlenz!
Wir dürfen auch ferner rauchen
In unsrer Residenz.

Wir haben Wrangels Säbel,
Berlin und seinen Wolkensteg;
Das Maultier sucht im Nebel
Noch immer seinen Weg.

Wie freun sich die Eunuchen!
Die bilden jetzo den ersten Stand,
Der Welcker frißt die Kuchen
Den Königen aus der Hand.

Du hältst dir einen Gesandten,
Deutschland, im Stillen Ozean
Und fühlest den Elefanten
In Indien auf den Zahn.

Die Fragen sind erledigt,
Die Pfaffen machen bim bam bum;
Den Armen wird gepredigt
Das Evangelium.

Wir bauen dem lieben Gotte
Den hohen Dom zu Cöllen aus
Und geben eine Flotte
Auf Subskription heraus.

Die schwarz-rot-goldnen Wimpel
Besorgt der Jakob Venedey,
Als Wappen nahm er den Gimpel,
Sein eignes Konterfei.

Fünfhundert Narrenschellen
Zu Frankfurt spielen die Melodie:
Das Schiff streicht durch die Wellen
Der deutschen Phantasie.


               Im Frühling

O laß sie träumen den Kaiserwahn,
Alt-Deutschlands Ritter und Recken;
Wie werden sich vor dem roten Hahn
Die rotern Adler verstecken!

O laß sie träumen noch eine Nacht!
Dann wetzen wir aus die Scharte,
Dann werden Fidibusse gemacht
Aus der europäischen Karte.

Die Völker kommen und läuten Sturm -
Erwache, mein Blum, erwache!
Vom Kölner Dome zum Stefansturm
Wird brausen die Rache, die Rache.

Vom Stefansturm zum stillen Prag
Und weiter, weiter nach Polen -
Das ist der Könige Jüngster Tag;
Der Teufel, er wird sie holen.

Die alten Kohorten am Tiberstrom
Stehn auf beim Klang der Trompeten;
Die Glocken schweigen, du ewiges Rom
Vergiß dein Singen und Beten!

Die Glocken schweigen, die Pfaffen schrein
In ihren zertrümmerten Hallen;
Den Heiligen wird der goldne Schein
Vom zitternden Haupte fallen.

Die Henker falten, vor Schrecken bleich,
Die blutigen Hände zusammen;
Und aus dem stürzenden Österreich
Hoch lodern werden die Flammen.

Das alles, das alles soll geschehn
In kommenden Frühlingstagen -
Herrgott, laß die Welt nicht untergehn,
Eh die Nachtigallen schlagen!


      Auch ein Fortschritt

Wir zogen von Gotha bis Eisenach
In zehen Jahren, gemach, gemach;
Von Gotha bis Eisenach sind drei Meilen -
Staatsmänner sollen sich nicht übereilen.

Wir zogen von Gotha bis Eisenach
Zehn Jahre; - wir streben den Griechen nach:
Zehn Jahre mußten sie Troja belagern -
Sie hatten Achill, wir hatten Gagern.

Wir zogen von Gotha bis Eisenach -
O Politik, o trauriges Fach!
Es ist sehr schwierig, den Stall zu rein'gen
Und sein langwierig Deutschland zu ein'gen.

Wir zogen von Gotha bis Eisenach,
Wo Luther dem Teufel geboten Schach;
Wir werfen noch immer mit Tintenfässern,
Doch wir verstehn's, die Tinte zu wässern.

Wir zogen von Gotha bis Eisenach
Zehn Jahre - vertrocknet ist mancher Bach,
Manch Herz verdorrt wie eine Dattel,
Auch mancher Freund nicht fest mehr im Sattel.

Wir zogen von Gotha bis Eisenach -
Manch eiserner Trutz wie Glas zerbrach;
Dem Rausch folgt oft ein greulicher Kater,
Wir singen wieder den "Landesvater".

Es schläft sich so süß in Eisenach -
Eine schöne Gegend, auch nicht zu flach;
Die Ochsen können dort stehn am Berge,
Im Thüringer Wald gibt's viele Zwerge.

Im Thüringer Wald bei Eisenach,
Wohl unter germanischer Eichen Dach,
Da sitzen die Feen, sie sitzen und sinnen -
Ich möchte wohl wissen, was sie jetzt spinnen.

Sie sitzen und sinnen um Eisenach -
Besinnen ist eine schöne Sach:
Wo bleibt der Gagern? und werden wir's bringen
Mit Gottes Hilfe noch bis Meiningen?

Man kann auch bis Jena von Eisenach,
Viel schneller als anno Sechse, ach!
Die Eisenbahn ist eine schöne Erfindung,
Der Deutsche Bund ist eine schöne Verbindung!