Hoffmannswaldau

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Biografie

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 Es will die ungerathne zeit ...

Es will die ungerathne zeit /
Daß ich zwey Lippen soll verlassen
Da tugend / lieb und freundlichkeit /
Als treue schwestern sich umfassen /
Wo schöne rosen stehn /
Die auch im winter nicht vergehn.
Ich kan fast nicht von deiner hand
Den schwachen arm zurücke ziehen /
Ich fühle wie ein strenges band
Sich mich zu fesseln will bemühen /
Die ohren klingen mir:
Getreuer Damon bleibe hier.
Ich kenne meine fehler wohl /
Ich muß die schuldigkeit vermeiden /
Ich weiß daß ich dir folgen soll /
Doch mein verhängniß heist mich scheiden /
Mit einer solchen schuld
Hat auch die ungedult gedult.
Mein geist ist dir genug bekandt /
Du weist ja meine treue sinnen /
Hätt ich dich auff das grüne land /
Wie ich gewünscht / begleiten können /
So sagt ich gar gewiß:
Es ist dein feld mein paradieß.
Doch ist gleich hand und fuß nicht frey /
So weiß mein geist kein band zu nennen /
Er reist der zeiten garn entzwey /
Und wünscht dir freudig nachzurennen;
Mein geist wird dir allein
Viel näher als der schatten seyn.
Der gipffel / so sich itzt bewegt /
Das rauschen / so dein ohr verspüret /
Wird durch der seuffzer trieb erregt /
Die meine matte zunge führet /
Ich weiß / daß iedes blat
Mit meiner noth erbarmniß hat.
Doch schwebt erbarmniß auch um dich /
So brich nicht gäntzlich mein gelücke /
Und denck in meiner noth auff mich;
Gib mir ein halbes wort zurücke /
Ein wort so mir beliebt /
Und wieder neue kräffte giebt.
 


                   Entwurff der liebe

Die lieb ist unvernunfft / die mit vernunfft vermenget /
Ein fried-gesellter haß / betrug vermischt mit glauben /
Ein' hoffnungsvolle furcht / ein schiffbruch / dessen rauben
Uns dennoch süsse dünckt / ein stein so uns bedrängt /
Ein angenehm Charybd / und ein gesundes krancken /
Ein hunger der sich muß mit seiner sattheit zancken /
Ein vollgezechter durst / und truckne nüchterheit /
Ein schönes freuden-spiel / das garstig unglück endet /
Ein port der uns verschlingt / wenn man schonb angelendet /
Ein süsser übelstand / und üble süssigkeit /
Ein bittrer honigsaft / der von geruch beliebet /
Und der uns im geschmack gifft / pest und galle giebet /
Ein wetter das man wünscht / und eine lichte nacht /
Ein dick verfinstert licht / ein abgestorbnes leben
Und ein belebter tod; ein fehler der vergeben /
Doch nicht vergessen wird. Ein schandfleck / der mit pracht
Und schmincke sich bestreicht. Ein tugendhafftes laster
Und schnöder missethat gelindes artzney-pflaster /
Ein unbeständig spiel und ein beständig trug /
Ein' auskräffte krafft / ein gantz beweglich festes /
Ein allgemeiner schluß / der narrheit nennt sein bestes /
Ein rath / der urtheil spricht gantz ohne recht und fug /
Ein wohlstand / der betrübt / ein glück / das nicht erscheinet /
Ein lust-hauß / da die seel den freyen stand beweinet.
 


      Er ist ein unglücklicher Wecker

Ich eilte, Lesbien aus Kurzweil zu erwecken,
Als gleich Aurorens Glanz um ihr Gesichte stund,
Die Rosen krönten ihr die Wangen und den Mund,
Durch weißes Elfenbein ließ sich der Hals bedecken.
Ich wollte meine Hand auf ihre Brüste strecken,
Es tat ein nasser Kuß ihr meine Geilheit kund.
Es rufte Lesbie: Ist dein Verstand gesund,
So führe keine Brunst in meine keusche Hecken.
Ich war darob bestürzt und fluchte dem Gelücke
Und fuhr den Himmel an und seine reichen Blicke,
Ich sprach: Wo Rosen stehn, da müssen Dornen sein.
Weil mich denn ihr Befehl verjaget und vertrieben,
So hab ich dieses Wort in ihr Gemach geschrieben:
Auf Morgenröte folgt gar selten Sonnenschein.
 


        Er sahe sie über feld gehen

Es gieng die Lesbia in einem schäfer-kleide
Als Hirtin / wie es schien / der seelen / über feld /
Es schaute sie mit lust das auge dieser welt /
Es neigte sich vor ihr das trächtige gedraide;
Es kriegte meine lust auch wieder neue weyde
Von wegen dieser brust / da Venus wache hält;
Der schultern / wo sich zeigt der lieblichkeit behält;
Und dann der schönen schoos / des hafens aller freude.
Ich sprach: ach Lesbia! wie zierlich geht dein fuß /
Daß Juno / wie mich deucht / sich selbst entfärben muß /
Und Phöbus dich zu sehn verjüngt die alte kertze;
Nicht glaube Lesbia / daß du den boden rührst /
Und den geschwinden fuß auf graß und blumen führst /
Es geht ein ieder tritt auf mein verwundtes hertze.
 


Er schauet der Lesbie durch ein Loch zu

Es dachte Lesbie, sie säße ganz allein,
Indem sie wohl verwahrt die Fenster und die Türen;
Doch ließ sich Sylvius den geilen Fürwitz führen
Und schaute durch ein Loch in ihr Gemach hinein.
Auf ihrem linken Knie lag ihr das rechte Bein,
Die Hand war höchst bemüht, den Schuh ihr zuzuschnüren,
Er schaute, wie das Moos zinnoberweiß zu zieren,
Und wo Cupido will mit Lust gewieget sein.
Es rufte Sylvius: Wie zierlich sind die Waden
Mit warmem Schnee bedeckt, mit Elfenbein beladen!
Er sahe selbst den Ort, wo seine Hoffnung stund.
Es lachte Sylvius. Sie sprach: Du bist verloren
Zum Schmerzen bist du dir und mir zur Pein erkoren:
Denn deine Hoffnung hat ja gar zu schlechten Grund.
 


Ermahnung zur Vergnügung

                1.
Ach was wolt ihr trüben Sinnen
Doch beginnen!
Traurig seyn hebt keine Noth /
Es verzehrst nur die Hertzen /
Nicht die Schmertzen /
Und ist ärger als der Tod.
                2.
Dornenreiches Ungelücke /
Donnerblicke /
Und des Himmels Härtigkeit
Wird kein Kummer linder machen;
Alle Sachen
Werden anders mit der Zeit.
                3.
Sich in tausend Thränen baden
Bringt nur Schaden /
Und verlöscht der Jugend Licht;
Unser seuffzen wird zum Winde;
Wie geschwinde
Aendert sich der Himmel nicht!
                4.
Heute wil er Hagel streuen /
Feuer dräuen;
Bald gewehrt er Sonnenschein /
Manches Irrlicht voller Sorgen
Wird uns Morgen
Ein bequemer Leitstern seyn.
                5.
Bey verkehrten Spiele singen /
Sich bezwingen /
Reden was uns nicht gefällt /
Und bey trüben Geist und Sinnen
Schertzen können /
Ist ein Schatz der klugen Welt.
                6.
Uber das Verhängnüß klagen
Mehrt die Plagen /
Und verräth die Ungeduld;
Diesem / der mit gleichem Hertzen
Trägt die Schmertzen /
Wird der Himmel endlich hold.
                7.
Auff O Seele! du must lernen
Ohne Sternen /
Wenn das Wetter tobt und bricht /
Wenn der Nächte schwartze Decken
Uns erschrecken /
Dir zu seyn dein eigen Licht.
                8.
Du must dich in dir ergetzen
Mit den Schätzen /
Die kein Feind zunichte macht;
Und kein falscher Freund kan kräncken
Mit den Räncken /
Die sein leichter Sinn erdacht.
                9.
Von der süssen Kost zu scheiden /
Und zu meiden /
Was des Geistes Trieb begehrt /
Sich in sich stets zubekriegen /
Und zu siegen /
Ist der besten Crone werth.
 


Gedancken bey Antretung des funffzigsten Jahres

                             1.
Mein Auge hat den alten Glantz verlohren /
Ich bin nicht mehr / was ich vor diesem war /
Es klinget mir fast stündlich in den Ohren:
Vergiß der Welt / und denck auf deine Baar /
Und ich empfinde nun aus meines Lebens Jahren /
Das funfftzig schwächer sind als fünff und zwantzig waren.
                             2.
Du hast / mein Gott / mich in des Vaters Lenden /
Als rohen Zeug / genädig angeschaut /
Und nachmahls auch in den verdeckten Wänden /
Ohn alles Licht / durch Allmacht aufgebaut /
Du hast als Steuermann und Leitstern mich geführet /
Wo man der Wellen Sturm / und Berge Schrecken spüret.
                             3.
Du hast den Dorn in Rosen mir verkehret /
Und Kieselstein zu Cristallin gebracht /
Dein Seegen hat den Unwerth mir verzehret /
Und Schlackenwerck zu gleichem Ertzt gemacht.
Du hast als Nulle mich den Zahlen zu gesellet /
Der Welt Gepränge gilt nach dem es Gott gefället.
                             4.
Ich bin zuschlecht / vor dieses Danck zusagen /
Es ist zu schlecht was ich dir bringen kan.
Nim diesen doch / den du hast jung getragen
Als Adlern itzt auch in dem Alter an.
Ach! stütze Leib und Geist / und laß bey grauen Haaren /
Nicht grüne Sündenlust sich meinem Hertzen paaren.
                             5.
Las mich mein Ampt mit Freudigkeit verwalten /
Las Trauersucht nicht stören meine Ruh /
Las meinen Leib nicht wie das Eys erkalten
Und lege mir noch etwas Kräffte zu.
Hielff das mich Siechthum nicht zu Last und Eckel mache /
Der Morgen mich bewein / der Abend mich verlache.
                             6.
Las mich die Lust des Feindes nicht berücken /
Die Wermuth offt mit Zucker überlegt /
Verwirr ihn selbst im Garne seiner Tücken /
Das der Betrug nach seinem Meister schlägt.
Las mich bey guter Sach ohn alles Schrecken stehen /
Und unverdienten Haß zu meiner Lust vergehen.
                             7.
Verjüng in mir des schwachen Geistes Gaben /
Der ohne dich ohn alle Regung liegt /
Las mit der Zeit mich diesen Nachklang haben:
Das Eigennutz mich niemahls eingewiegt /
Daß mir des Nechsten Gutt hat keinen Neid erwecket /
Sein Ach mich nicht erreicht / sein Weinen nicht beflecket.
                             8.
Hielff / das mein Geist zum Himmel sich geselle /
Und ohne Seyd und Schmüncke heilig sey;
Bistu doch / Herr / der gute reine Quelle;
So mache mich von bösen Flecken frey.
Wie leichtlich läst sich doch des Menschen Auge blenden!
Du weist / wie schwach es ist / es kombt aus deinen Händen.
                             9.
Denn führe mich zu der erwehlten Menge /
Und in das Licht durch eine kurtze Nacht:
Ich suche nicht ein grosses Leichgepränge /
Aus Eytelkeit / und stoltzer Pracht erdacht.
Ich wil kein ander Wort um meinen Leichstein haben /
Als diß: Der Kern ist weg / die Schalen sind vergraben.
 


Gedancken bey auffgehender morgen-röthe

Aurora deine rosen blicken /
Der purpur triefft aus deiner hand /
Du suchst durch dieses reine pfand
Die welt und alles zu erquicken /
Und machst die bahn von gold und nectar voll /
Darauff dein Phöbus lauffen soll.
Ein iedes blat bey meinen füssen /
Ein ieder vogel über mir /
Verehret dich und opffert dir;
Und giebet uns mit lust zu wissen /
Wie itzt dein glantz und deiner wunder pracht
Verjagt das leid und dämpfft die nacht.
Du heist den unmuth von uns scheiden /
Die blumen weinen dir vor lust.
Du öffnest deine bunte brust /
In wilden püschen / thal und heiden.
Nur die / so dir fast gleichen zierrath führt /
Wird nicht durch deine pracht gerührt.
Corinne läst sich nicht bewegen /
Du fäll'st ihr wüten nicht dahin /
Sie weiß den kalten Tyger-sinn
Nicht abzuthun / nicht weg zu legen.
Sie speiset mich mit angst und bleichem leid /
Wie du die welt mit lieblichkeit.
Ihr harter geist weiß nicht zu biegen /
Ihr haß der geht nicht mehr zu ruh /
Er will stets munter seyn wie du /
Und gegen mich zu felde liegen;
Sie macht / daß mir dein angenehmer schein
Den blitzen ähnlich dünckt zu seyn.
Aurora brich doch diese sinnen /
Und lege diesen hohen muth!
So dir nur schimpff / mir unrecht thut:
Komm / tilge ferner ihr beginnen.
Legstu mir nun dergleichen kleinod zu /
So werd' ich wieder roth wie du.
Du must den kalten schnee vertreiben /
So unter warmen bergen ist /
Und mich zu martern hat erkiest /
Sonst kan und weiß ich nicht zu bleiben.
Aurora wilstu wie Corinne seyn?
Du läuffst und läst mich hier allein!
 


                   Grabschriften

                         Senecae.
Der Heyden halber Christ / der Klugen halber Gott /
Der Römer grosser Ruhm / der Käyser gröster Spott.
Ließ hier was irrdisch war / beschliessen diesen Stein /
Der Sinnen Trefligkeit war diese Welt zu klein.

                         Aesopus.
Den ungeschickten Leib bedeckte mein Verstand /
Mein Ruhm lief fliegende durch aller Völcker Land.
Und hab ich Zung und Mund / Lufft / Erd / und See gegeben /
So muß ich billich auch auff allen Zungen leben.

                         Ciceronis.
In diesen kleinen Raum ward Cicero gelegt /
Der das berühmte Rom nach Willen hat bewegt.
Mein Leser scheue nicht das schlechte Grab zu küssen.
Es liegt der Römer Mund zu deinen schlechten Füssen.

                         Aretins.
Hier liegt ein geiler Mann / so der verkehrten Welt
Den Griff der Schlipffrigkeit hat künstlich vorgestellt.
Die Venus daß ihr Sohn den Bogen besser dehne /
Nahm sein verbultes Hertz / und gab es ihm zur Sehne.

                         Des Ritters Marini.
Ich speisete die Welt mit Amber reicher Kost /
Aus meinen Reimen wuchs das Blumwerck geiler Lust.
Hab' ich die Fleischligkeit zu schlipffrig angerühret /
So dencke Venus selbst hat mir die Hand geführet.

                         Opitzens.
Mich hat ein kleiner Ort der deutschen Welt gegeben /
Der wegen meiner wird mit Rom die Wette leben.
Ich suche nicht zu viel / ich bin genug gepriesen /
Daß ich die Venus selbst im Deutschen unterwiesen.

         Grabschrifft Henrici IV, Königs in Franckreich.
ICh bin durch schimpff und ernst zu meinem reiche kommen /
Ein unerhörter mord hat mir es weggenommen.
Was halff mich / was ich lieb? was halff / was ich gethan?
Nachdem ein messer mehr als eine messe kan.

                     General Wallensteins.
HIer liegt das grosse haupt / so itzt wird ausgelacht;
Viel wissen mehr von mir / als ich iemahls gedacht.
Doch wust ich / daß ein stein nicht leicht ein stern kan werden /
Ein stein / wie hoch er steigt / fällt endlich zu der erden.

                     Mariae Magdalenae.
Hie ruht das schöne Haupt / hie ruht die schöne Schoß /
Auß der die Liebligkeit mit reichen Strömen floß.
Nach dem diß zarte Weib verließ den Huren-Orden /
So sind die Engel selbst derselben Buler worden.

                         Leanders.
Die Liebe war mein Licht bey schwartz-gewölckter Nacht /
Das Feuer so ich trug bestritt der Wellen Macht.
Ich fiel in Nereus Reich / es ist mir nicht gelungen /
Es hat die grosse Fluth die grosse Gluth bezwungen.

               Eines unwissenden Artztes.
Des Todes Lietenant hat sich hieher gesellt /
Nach dem sein Recipe viel hundert hingefällt.
Mich wundert daß der Tod nicht seiner hat verschonet /
Und ihm den treuen Dienst / so er gethan / belohnet.

                         Eines Pauren.
Das Erdreich gab mir Brod / das Brod erhielt mein Leben /
Vor Brod hab ich das Fleisch der Erden hingegeben.
Ich gebe wol zu viel. Das Fleisch kam aus der Erden /
Und muß auch / was es war / in kurtzem wieder werden.

                         Eines Alchimisten.
Ich war ein Alchimist / ich dachte Tag und Stunden /
Auf eine neue Kunst des Todes frey zu seyn /
Diß was ich stets gesucht / das hab ich nicht gefunden /
Und was ich nicht gesucht / das stellt sich selbsten ein.

                      Eines Lasterhafftigen.
Die Leber ist zu Wien / das Glied zu Rom geblieben /
Das Hertz in einer Schlacht / und das Gehirn im Lieben.
Doch daß der Leib nicht gantz verlohren möchte seyn /
So legte man den Rest hier unter diesen Stein.

             Eines gehangenen Seyltäntzers.
Ich bin in freyer Lufft auf Stricken stets gegangen /
Ich ward in freyer Lufft an einen Strick gehangen.
Mein Leib der nehrte sich mit Stricken und mit Lufft.
Nun bringt mich Lufft und Strick auch endlich in die Grufft.

                         Eines Mohren.
Kein Europaeer sol die schlechte Grabschrifft lesen /
Und lachen daß ich schwartz und nackend bin gewesen.
Ich trug das Mutterkleid / dich kleidet Bock und Kuh /
Du bist mehr Vieh als ich / ich war mehr Mensch als du.

                      Eines Bastart-Kindes.
Wo meine Mutter liegt / da bin ich auch begraben /
Ich wolte nechst bey ihr mein Leichbegräbnüs haben /
Nicht unlieb hett' ich mich zum Vater hinverfügt /
Ich wuste wo er lag / und weiß nicht wo er liegt.

                       Eines Sclavens.
Im Leben war ich Knecht / im Tode bin ich frey /
Es brach des Todes Band die Fessel leicht entzwey;
Die Ketten flecken nicht / ich kante mein Geblüthe /
Ich starb ein Knecht durch Zwang mit nichten von Gemüthe.

                     Eines Hornträgers.
Zwey Hörner liegen hier in dieser Grufft begraben /
Nicht dencket / daß ein Bock hier wird die Ruhstadt haben.
Hier ruht ein guter Mann / der Hörner hat bekommen /
Nach dem ihm die Natur das Stossen hat benommen.

                        Eines Bettlers.
Mein Bette / Tisch / und Stul war dieses weite Rund /
Zwo Sachen plagten mich / der Magen und der Mund.
Ich wünschte nichts so sehr / als bald seyn zu begraben /
Gleich wie ein ander Mann ein eigen Grab zu haben.

                        Einer Kuplerin.
Die Jugend hab ich stets mit Bulen zugebracht /
Als nun das Alter kam und meiner Jugend Nacht /
So war ich Kohlen gleich die junges Holtz entzünden /
Die Asche wird man noch umb diese Gegend finden.

            Einer unbeständigen Jungfrauen.
Mein Leben ändert' ich nach meiner Augenblicke /
Mit Unbeständigkeit beschämt ich das Gelücke.
Die gröste Büberey hat mir der Tod gethan /
Dieweil ich dieses Grab auch nicht verändern kan.

  Grabschrifft auff den leichen-stein einer freundin

Ein stern der tugenden / die sonne dieser stadt /
Ein engel / wenn man will den nahmen recht erwegen /
Ein licht / so in der welt mit lust geschienen hat /
Muß sich dem tode nun zu seinen füssen legen.
Mein leser / liß doch recht / was ich dir kund gethan;
Ich habe viel gesagt / noch aber mehr verschwiegen;
Wo hier stern / sonne / licht und engel wohnen kan /
So muß der himmel ja in diesem grabe liegen.
 


     Hochzeit Gedichte

Sol der Degen an den Nagel?
Wird der Helm nun abgelegt?
Ruht der blaue Feuer Hagel /
So den Schlacht-Gott selbst bewegt?
Sol die Lust den Feind zudämpfen
Zubezwingen Stahl und Stein /
Sol die Brunst zu Sturm und Kämpfen /
Todt und gantz erloschen seyn?
Also kan ein süsses Blitzen /
Und ein Wunder-reicher Brand /
Dich nach neuer Art erhitzen /
Und verändern Hertz und Hand /
Daß du fühlst ein neues Brennen /
Daß du folgest frembder Fahn /
Daß dich Mars nicht mehr will kennen /
Daß du suchest neue Bahn.
Diß sind Kräften dieser Gaben /
Diß sind Funcken dieser Gluth /
So der Himmel hat gegraben /
In der Liebsten Geist und Blut.
Dieses ist / was dich den Degen /
So dir noch kein Feind gethan
Freundlich heisset niederlegen /
Und dich übermeistern kan.
Und wie solten nicht die Blicke /
Die ein keusches Auge führt /
Derer Glut durch keine Tücke
Falscher Zeiten wird berührt;
Stahl und Eisen selbst entbrennen /
Mars und seine Helden-Hand
Solt Er diese Venus kennen /
Fühlte mehr als Liebes-Brand.
Sind nicht Adel / Witz und Tugend /
Vor Geschwister hier geacht?
Zeigt die frühlings-gleiche Jugend
Nicht die bundte Wunder-Pracht?
Sind nicht die berühmten Schätze /
So die Morgenröthe trägt /
Nach der Schönheit Kunst-Gesetze
Auf den keuschen Mund geprägt?
Sind die klaren Asteriten /
Und das ungemeine Licht /
So die Freyheit dir bestritten /
Und in deine Seele bricht /
Nicht der Sonnen selbst zugleichen /
So im Himmel Wache hält /
Und begierig Ihm zuweichen /
Zeitlich in die Wellen fällt?
Nun du wirst mit solchen Gaben /
Von der grossen Hand umbkräntzt /
Die mehr Pracht und Schönheit haben /
Als in Ganges Muscheln gläntzt /
Warlich du hast viel gewonnen /
Der du dieses Band erkiest /
So der Himmel selbst gesponnen /
Und fast mehr als Freyheit ist.
Schönste Braut sey nicht bestürtzet /
Freude hindert nicht die Zucht /
Wer hat deine Macht verkürtzet /
Und gestört des Siegesfrucht?
Herrsche frey auff deinem Throne /
Dessen Freyheit du belegt /
Setzet keines Reiches Crone /
Für die Fessel die es trägt.
Edles Paar / genieß der Früchte
So der Himmel euch geschenckt /
Schaut doch wie mit einem Lichte /
Hesperus sich zu euch lenckt.
Tausend hoch gestellte Kertzen /
Leuchten euch zur AbendRuh /
Und Cupido schleust mit Schertzen
Die berühmte Kammer zu.
Bleibet lange bey Gelücke /
Doch nicht allzulang allein /
Lasset zarter Augenblicke /
Eurer Liebe Zeuge seyn /
Zeugen eurer grünen Jugend /
Zeugen eurer jungen Zeit /
Zeugen eurer Väter Tugend /
Und der Mutter Freundligkeit.

 

             Hundspossen

So will ich auch / daß meine lieder /
Du hingelegter Rodomont /
Dem glut und muth in augen stund /
Besingen deine kalten glieder.
Nur klag ich / daß kein harzicht schwein
Hat sollen dein geferte seyn /
Und neben dir sich strecken müssen /
Daß dein und deines feindes blut
Nicht schäumig soll zusammen fliessen /
Und roth besiegeln deinen muth.
Doch weil du schienst zu seyn gebohren
Um Jupiters gezelt zu stehn /
Und durch sein donnerreich zu gehn /
Ward dir ein donner-tod erkohren /
Ein donner so aus eisen kracht /
Den schwefel und salpeter macht /
Wenn hitz und kält einander fliehen /
Schlug dein geschicktes haupt entzwey /
Wir aber wollen uns bemühen /
Daß deiner unvergessen sey.
Kommt ihr bekanten höllen-hunde /
Die kleinen reckel ruff ich nicht /
Den krafft und würdigkeit gebricht /
Heult eyfrig aus dem tieffen schlunde /
Heult traurig durch die gantze nacht /
Biß daß der himmels-hund erwacht /
Von dem die heissen tag entspriessen.
Ich weiß / er heult so gut als ihr /
Daß sich der bär wird fürchten müssen /
Und neben ihm der kühne stier.
Des Cerberus gedritten rachen
Wird auch eröffnen dieser fall /
Er soll durch ungemeinen schall
Den hof des Pluto wacker machen.
Der schwartze pförtner / den die last
Der schweren ketten hat umfast /
Wünscht Rodomonten zu empfangen.
Der ärmste fühlt beschwer und pein /
Verlangt die freyheit zu erlangen
Und Rodomonten gleich zu seyn.
Nun Rodomont spielt auff dem strande /
Da der recht edlen hunde geist
Der grossen wollust sich befleist /
In einem wunderschönen lande.
Er rennt und fühlt nicht müdigkeit /
Reich an vergnügung / arm an leid /
Schertzt mit Dianens geilen hunden /
Er ist auf bulerey bedacht /
Nur diß / was ich nicht recht befunden /
Ist / daß er keine junge macht.
 


Ich bin verletzt durch deinen augen-strahl …

Ich bin verletzt durch deinen augen-strahl /
Der seinen blitz in meine brust getrieben /
Soll / Lesbia / du ursprung dieser qval /
Vergehen nicht mein hertze gantz im lieben;
So halte doch nur einen Augenblick
Den strahl zurück.
Wen brennt die nacht der liebes-flamme nicht /
Als die zur glut dem menschen ist erkohren?
Ein gantzes meer lescht nicht ihr schönes licht /
In dessen abgrund Venus ward gebohren /
In wellen schwamm diß schöne ungeheur /
Und bleibt ein feur.
Mein hertz besteht aus wachs und nicht aus eiß /
Ich fühl und seh / wie deine augen blitzen:
Zweyfache glut ist sterblichen zu heiß /
Was wunder / wenn zwo sonnen mich erhitzen /
Die gar der himmel seltner schönheit preist /
Und brennen heist.
Nicht dencke / daß es blosse worte seyn /
Welch hertz kan wohl bey deiner glut erkalten?
Du weist / ich bin kein engel und kein stein /
Ich muß des blutes regung lassen walten /
Die Gott dem menschen schon im paradieß
Ins hertze bließ.
Drum zürne nicht ob diesem meinem brand /
Der sich aus deiner augen glut entsponnen /
Es ist / mein kind / ein werck von deiner hand /
Ach! dencke nach und straffe deine sonnen /
Aus welchen dieses feur / so in mir glimmt /
Den ursprung nimmt.
So liebe dann was deine krafft versehrt /
Mein niedrig seyn kan deinen ruhm nicht tilgen /
Die sonne bleibet doch in gleichem werth /
Mahlt gleich ihr gold ein kleeblat nebst den lilgen /
Laß mich bey deinem warmen sonnenschein
Ein kleeblat seyn.
 


    Ich singe tauben ohren …

Ich singe tauben ohren /
Dein schönes antlitz kennt mich nicht /
Hab ich der freundschafft süsses licht /
Mein bestes kleinod gantz verlohren?
Wird denn mein tag zu düstrer nacht?
Soll ich mich lebendig begraben?
Und deiner augen schöne pracht /
So vormahls sonne war / itzt zu cometen haben?
Was sind es doch für sünden /
Davor ich peinlich büssen muß /
Und aller schmertzen überfluß /
Als übelthäter / itzt empfinden?
Doch laß der übelthäter recht
Mich / eh' ich sterbe / nur geniessen!
Und mache / daß dein armer knecht /
Was er verbrochen hat / mag vor dem tode wissen.
Vor was hab ich zu büssen?
Vor göttin hab ich dich erkennt /
Mein hertz als weyrauch dir gebrennt /
Und mich gelegt zu deinen füssen.
Strafft mich der himmel oder du?
Dir hab ich mich in mir verzehret;
Der himmel stürmet auff mich zu /
Dieweil ich dir zu viel / und ihm fast nichts gewähret.
Ach zürne nicht / Melinde /
So mir diß freche wort entfährt!
Ein sünder ist erbarmens werth.
Du fühlest nicht / was ich empfinde!
Nicht lache / wenn dein sclave fällt /
Du weist / verwirret seyn / und lieben
Hat allbereit die erste welt
Mit schrifft / die nicht verlescht / zusammen eingeschrieben.
Doch wilt du göttin heissen /
Zu der dich deine tugend macht?
So must du auch bey solcher pracht
Dich der erbarmung stets befleissen.
Reiß deinen kalten vorsatz ein /
Nicht mache meine noth zum schertze /
Die hölle lehret grausam seyn /
Der himmel / dem du gleichst / verträgt kein steinern hertze.
 


Ihr bleichen buhler schwartzer zeit …

Ihr bleichen buhler schwartzer zeit /
Die ihr die nächte zieret /
Und flammen voller lieblichkeit
Durch trübe wolcken führet /
Werfft einen strahl
Von eurem saal /
Und schaut / ob meine schmertzen
Sich gleichen euren kertzen.
Die gantze welt sinckt itzt zur ruh /
Nur meine seuffzer wachen.
Die sonne drückt ihr auge zu /
Mir meines auffzumachen.
Dort euer schein /
Hier meine pein /
Die geben zu verstehen /
Daß sie nicht schlaffen gehen.
Ihr fackeln seyd itzt hochgestellt /
Ich lieg im leid begraben:
Euch rühmt der weite kreyß der welt /
Ich weiß kein lob zu haben.
Ihr kennt kein joch /
Mich drückt es noch /
Ihr könnt die flammen zeigen /
Und ich muß sie verschweigen.
Nun Polydorus bleib allhier /
Und fechte mit gedancken.
Furcht und betrübniß zeigt sich dir
In des gemüthes schrancken.
Diß / was mein geist
Mich hoffen heist /
Vergleicht sich euch ihr sternen /
Es zeigt sich nur von fernen.
Mein sinn ist wie ein grünes land /
Da hoffnungs-blüten prangen /
Die doch des glückes falsche hand
Läst keine frucht erlangen.
Des geistes glut /
Der augen flut /
Der pein in meinem hertzen /
Ist mehr als eurer kertzen.
Ich hin ein schiff der liebes-see /
Das wind und wetter plaget /
Dem unglück / hoffnung / furcht und weh /
Durch mast und segel jaget.
Hier zeiget sich
Kein port für mich /
Dieweil ich itzt muß meiden
Den Leitstern meiner freuden.
Ich weiß / weil mich die noth bekriegt
An mehr als tausend enden /
Daß Amaranthe ruhig liegt /
In Morpheus süssen händen.
Daß ihre brust
Nicht ohne lust
Wird auff und nieder reisen /
Da mich die thränen speisen.
Ihr sterne lasst das blaue dach /
Und sencket euch hernieder /
Erfüll't ihr kühles schlaffgemach /
Erwecket ihre glieder!
Verschweigt ihr nicht /
Wie meine pflicht
Mehr thränen hier vergossen /
Als sie der lust genossen.
Zeigt ihr / was Polydorus macht /
Der in dem feuer lebet /
Wie alle noth bey ihm erwacht /
Und schrecken um ihn schwebet.
Wie furcht und pein
Hier schwestern seyn /
Und dieses ihn betrübet /
Was er zu treu geliebet.
Rufft ihr in meinem namen zu:
Der Polydorus wachet /
Weil Amaranthe in der ruh
Der süssen träume lachet.
Es scheint / mein hertz
Läst solchen schmerz
So reichlich hier entspriessen /
Weil thränen mich begiessen.
Doch glaube / daß die rundte flut
Nicht ohne feuer qvillet.
Ich schwere / daß sie geist und blut
Mit tausend flammen füllet.
Wer bey der nacht
Der träume lacht /
Soll diese straff erkennen /
Er soll bey tage brennen.
 


Ihr hellen mörderin / ihr augen schliest euch zu …

Ihr hellen mörderin / ihr augen schliest euch zu /
Jedoch die schönen brüste /
Als zunder meiner lüste /
Geniessen keine ruh /
Ihr auffgeblehter schnee rafft alle krafft zusammen /
Und bläst in meine flammen.
Es muß dein athem ja wohl glut und hitze seyn /
Denn was daraus erqvillet
Ist auch mit brand erfüllet:
Der edlen flammen schein
Bezeuget als rubin sich auff der berge spitzen /
Mich armen zu erhitzen.
Du schläffst in sichrer ruh / ich aber wach allhier /
Verirret in den schrancken
Voll schlüpffriger gedancken /
Ich schaue dich in mir /
Und ich bemühe mich / den unmuth zu versüssen /
Im geiste dich zu küssen.
Ich fühle / wie mich hier des ambers lieblichkeit /
Den deine zunge giebet /
Wenn sie am schärffsten liebet /
Mit anmuth überstreut /
Und wünsche / daß dein geist auch in dem schlaffe spüre /
Was ich im sinne führe.
Es muß ein süsser traum von liebes-schelmerey
Dir durch die adern dringen /
Und dich zu etwas zwingen /
So dir gantz fremde sey /
So dich zu früher zeit / so bald du wirst erwachen /
Auch schamroth könne machen.
Der liebes-engel selbst / so neidisch ist wie du /
Der will sich itzt bemühen
Den fürhang fürzuziehen /
Von wegen deiner ruh;
Doch must du mit der zeit mir ungescheut entdecken /
Wie dir die träume schmecken.
 


Ist denn dein hertze gar erfroren …

Ist denn dein hertze gar erfroren?
Bist du aus schnee und eiß gebohren?
Hörst du mein seuffzen nicht /
Und was mein unmuth spricht?
Soll ich dich göttin nennen?
So nimm des Himmels wehmuth an
Der leichtlich sich erbarmen kan /
Und uns nicht ewig läst in hoffnungs-flamen brennen.
Des blutes regung zu vermeiden /
Und gantz von fleisch und blut zu scheiden
Ist nirgends ein gebot /
Es heissets auch nicht Gott;
Sich selber zu verlassen
Ist eine flucht / so sträfflich ist
Und wer ihm solche bahn erkiest
Den muß die menschlichkeit als einen unmensch hassen.
Du kanst ja deiner nicht geniessen /
Kein mund weiß selber sich zu küssen
Der schnee auf deiner brust
Bringt dir geringe lust.
Die fleischichten Granaten
Seynd nicht allein vor dich erdacht
Kein mensch ist vor sich selbst gemacht;
Es weiß der klügste geist ihm hier nicht recht zu rathen.
Die rose suchet ihr verderben /
Die auff dem stocke wünscht zu sterben
Und nur ihr gantz allein
Meynt angetraut zu seyn.
Wilst du dich selbst begraben?
Wer sich in sich umsonst verzehrt
Ist warlich seiner selbst nicht werth
Und muß der thorheit schuld an seiner grabstatt haben.
Bezwinge weißlich dein gemüthe
Und folge zeitlich dem geblüte
Darein im paradieß
Gott selber funcken bließ;
Wer kan ihm widerstreben?
Schau ich dein helles antlitz an
So fühl ich was der himmel kan
Und wünsch auf deiner brust verparadiest zu leben.
 


         Graf Ludwig an seine Gemahlin

Ein Brief aus frembder Luft doch von bekanten Händen /
Begrüßt und küßt dich itzt / so gut er küssen kan /
Es heißt die grüne Treu mich dieses übersenden /
Ich weiß du nimbst es auch mit solchen Hertzen an.
Ich darf dir nicht zuviel von meinem Namen sagen
Die kleinste Silbe hier entdeckt dir wer ich bin /
Sie denckt mein Hertze dir / wo möglich / fürzutragen /
Und reicht / so gut sie kan / auch diß im Briefe hin.
Du kenst die alte Schrifft und auch die alten Sinnen /
Die noch kein Saracen hat in die Fessel bracht /
Ich schwere / daß sie dich so eifrig lieben können /
Als in dem HochzeitTag und in der ersten Nacht.
Du weist die Liebe läst sich nicht durch Meilen messen
Sie wächst nicht ungemein in unbekanter Luft.
Was recht gegründet ist / das läst sich nicht vergessen /
Und ihre Wurtzel dringt biß in die kalte Gruft.
Durch Hitze kan sie nicht wie Blum und Gräser sterben
Die Kälte hemmt sie nicht wie einen Wasserfluß /
Die Nässe weiß sie nicht wie Farben zuverderben /
Man schaut wie Staal und Stein ihr oftmahls weichen muß.
Die wahre Freundschafft kan kein Saracen beschneiden /
Es stöhrt der Alcoran getreue Liebe nicht /
Es kan der Mahomet Sie in dem Tempel leiden /
Und keine Satzung ist / so ihr zuwieder spricht.
Mein Schatz / itzt heisset mich ein Zufall klährer schreiben /
Es mindert wie es scheint / sich nun das alte Joch /
Ich kan mit mehrer Lust itzt meine Rinder treiben /
Und mein Gelücke blüht auch untern Heyden noch.
Ein Edles Weib von mehr als Fürstlichen Geblüthe /
(Ich weiß nicht ob sie mir Weib oder Engel ist)
Die hat vor kurtzer Zeit mit traurigem Gemüthe
Mein schweres Joch betracht / und meine Noth erkießt.
Es schien / sie ward durch mich und meine Qvaal gebunden /
Kein Striemen lief mir auf / den sie nicht auch empfand /
Die Schäden so ich trug die wurden ihr zur Wunden /
und meine Dinstbarkeit war ihr gemeines Bandt.
Der Schweiß auf meiner Brust hat Thränen ihr erreget /
Mein Seuffzer hat bey ihr die Wehmuth angesteckt /
Und meine Knechtschafft hat sie in ein Joch geleget /
Das nach der Tugend reucht / und keinen Hals befleckt.
Sie hat gar manchesmahl in einem schlechten Kleide /
In Sicherheit zugehn / mich armen Knecht besucht /
Die Tugend war ihr Gold / die Wehmuth ihre Seyde /
Und ihr erhitzter Wunsch bestand in meiner Flucht.
Sie half mir manchesmahl die faulen Ochsen treiben /
Wann sie zugegen war / so hatt' ich halbe Müh /
Sie ließ mich leichtlich nicht zu matt und hungrig bleiben /
Doch wünscht ich ihre Kost noch nicht so sehr als Sie.
Ihr Fürtuch hat mir oft den sauren Schweiß vertrieben /
Und ihr gemeinstes Wort war diß: Dich laß ich nicht.
Wie solt ich / liebstes Weib / nicht eine Seele lieben /
Die mich dir wiederbringt und meine Fessel bricht?
Nicht meine / daß mich hier ein Geist der Wollust treibet
Zeit und auch Ungelück hat solches längst verjagt.
Denn wem der Tugend Stam recht an der Brust bekleibet /
Der höret leichtlich nicht / was ihm ein Laster sagt.
Itzt soll ich ihren Dienst durch meinen Leib belohnen /
Die Müntze / so sie sucht / ist meines Mundes Kuß /
Sie acht mein Hertze mehr als ihres Vatern Cronen /
Und liebst du deinen Mann so lieb auch ihren Schluß.
Ich werd in künfftig sie mit deinem Namen nennen /
Scheint dir die Zahlung groß / die Schuld ist ungemein /
Wer nur vernünfftig ist muß diß mit mir bekennen /
Der Gott so Zucht befiehlt / heist uns auch danckbar seyn.
Dein Glimpf muß ihre Treu wie sichs gebührt bezahlen /
Daß du mich schauen wirst hat ihre Hand gethan /
Dir bleibet doch der Kern / sie sättigt sich mit Schalen /
Du hast das beste Brodt / sie nimt die Brocken an.
Kan sie von wegen mein des Vatern Hof verlassen /
Und führt mich wiederumb zu Hause freudig ein /
So mustu warlich sie als Schwester auch umfassen /
Und eben so wie mir auch ihr gewogen seyn.
Doch Eyfer wird bey dir sich nicht ereignen können /
Denn dieses ist ein Trieb der unsre Geister kränckt /
Wenn etwas neben uns sich heimlich will entspinnen /
So dieses was man liebt / uns zuentziehen denckt.
Ein frembdes Weib so dich und mich nicht weiß zu nennen
Verläst des Vatern Burg und ihrer Mutter Schoß /
Und macht / was selten ist / du wirst es ja erkennen /
Nach langer Dinstbarkeit mich meiner Bande loß.
Die Rauigkeit der Luft / Stein / Wasser / Berg und Hecken /
Wild / Regen / Nebel / Schnee / Wind / Hagel / Eiß und Frost /
Durst / Hunger / Finsternüß / Sand / Wüste / Furcht und Schrecken /
Trieb ihren Fürsatz nicht aus der getreuen Brust.
Sie läst die Crone stehn / mit Lust dich zu umkräntzen /
Sie will in Armuth seyn zufüllen deine Handt /
Sie trägt der Aeltern Zorn / sie weicht von ihren Gräntzen /
Und läst / dir guts zuthun / ihr rechtes Vaterlandt.
Du must / geliebtes Weib / das Hertze mit ihr theilen /
Empfähst du mich / so nim auch meinen Leitstern an /
Und dencke: daß ich kan zu Weib und Kindern eilen /
Hat diese Frembdlinge / fast mehr als ich / gethan.
Ein mehrers will ich dir bey meiner Ankunfft sagen /
Die Feder reimet sich zu vielen Reisen nicht;
Kanst du im Hertzen Treu / und Witz im Geiste tragen /
So ist der kurtze Brief dir gar genug Bericht.
Laß unterdessen mir Hertz / Hauß / und Lager offen /
Ich schreite schon im Geist bey dir mit Freuden ein;
Doch will ich auch / mein Schatz / diß ungezweiffelt hoffen /
Daß Lager / Hertz / und Haus wird vor die Frembde seyn.

             Die Gemahlin an Ludwig

Es bringt der kleine Brief dir mehr getreuer Grüsse /
Als Freude sich itzund in meinem Hertzen regt /
Ich schwere / daß ich dich recht in Gedancken küsse /
Und meine Seite sich an deine Seite legt.
Verzeihe / Liebster Schatz / doch meinen schlechten Schreiben /
Daß Wort und Zeilen nicht in rechter Ordnung stehn;
Wem Freud und Zuversicht die schwachen Finger treiben /
Dem wil die Feder nicht in gleicher Wage gehn.
Bald lesch' ich etwas aus / bald mach' ich neue Zeilen /
Bald werd' ich halb entzuckt / bald schlaf ich drüber ein /
Bald wird die Feder faul / bald wil sie fertig eilen /
Und heist offt einen Kleck an statt der Wörter seyn.
Ich weiß nicht wie mir ist / und kan mir selbst nicht trauen /
Ob mein Gesichte hier den wahren Zweck erkiest?
Ob meine Hoffnung auch recht feste weiß zubauen?
Ob nicht ein schlechter Dunst itzund mein Grundstein ist?
Bald reiß' ich wiederum aus diesen falschen Schrancken /
Und schaue deinen Brieff mit scharffen Augen an /
Umbschlüsse mit Vernunfft die flüchtigen Gedancken /
Weil solche Klarheit ja mich nicht verblenden kan.
Ich schaue klar genug und küsse mein Gelücke /
So itzt mit seiner Hand die öden Nächte stöhrt /
Ich spühre wiederum des Himmels warme Blicke /
Der dich mir auf das neu aus seiner Schoß verehrt.
Was hab ich nicht bißher in Einsamkeit erlitten?
Was hat mir nicht vor Angst gefesselt Geist und Sinn?
Was hat mich nicht vor Furcht zu mancher Zeit bestritten?
Daß ich / wie mich bedeucht / mir fast nicht ehnlich bin.
Wie hab ich manchesmahl nach deinem Abereisen /
Wenn ich erwachet bin / die Hand nach dir gestreckt?
Wie offtmahls hat ein Traum dich mir in Band und Eisen
Erschrecklich fürgestellt / und denn mich aufgeweckt?
Bald hab' ich schlaffende gemeinet dich zuküssen /
Und meinen Irrthum denn aus leerer Lufft vermerckt /
Man schaut die Menschen ja am allermeisten büssen /
In dem der Mangel uns die alte Lust versterckt.
Bald hat dein HochzeitKleid / bald haben deine Ringe
Die Pfänder erster Gunst / mir Zähren ausgeprest /
Kein Mensch berichte mich / wie dir es noch ergienge /
Ich schrieb ohn alle Frucht nach Nord / Süd / Ost und West.
Wenn nur ein Thor aufgieng / so meint' ich dich zu hören /
Was eine Tasche trug / das must ein Bothe seyn /
Ich ließ mich iedes Kind / ja ieden Ruf bethören /
Und blieb doch iederzeit verwittibt und allein.
Wenn ich zu Tische gieng und schaute deine Stelle /
Da wir uns offt erfüllt mit Speisen Wein und Lust /
So ward das Zimmer mir zu einer rechten Hölle /
Zu Galle ward mein Wein / zu Wermuth meine Kost.
Der freudenreichen Lust verliebtes Angedencken
War diß / so meinen Geist recht auff die Folter nahm /
Nichts konte mich so sehr in meinem Hertzen kräncken /
Als wenn dein Bildnüß mir in das Gesichte kam.
Der Kinder stetes Wort: Wo muß der Vater bleiben?
War mir ein herber Stoß / den meine Seel empfing /
Des Jammers ist zuviel / ich kan dir nicht beschreiben /
Was vor ein harter Wind durch meine Geister ging. '
Itzt ziehn die Wolcken weg / mein Stern begint zu scheinen /
Der Himmel streicht mein Hauß mit lichten Farben an /
Und er verbeut mir fast dich ferner zubeweinen /
Ach daß ich dich mein Schatz nicht bald umfassen kan!
Was aber schreibest du / und trachtest itzt zuwissen /
Ob die ErlösungsArth mir auch verdrießlich fällt?
Wie solt ich nicht die Hand zu tausendmahlen küssen /
So mir mein Bette füllt / und dich in Freyheit stellt?
Ich will sie warlich nicht nur vor ein Weib erkennen /
Die bloß in Fleisch und Bluth / wie ich und du besteht /
Ich will sie ungescheut stets einen Engel nennen /
Der nur zu unserm Schutz mit uns zu Bette geht.
Ich will mich ihr als Magd / zu ihren Füssen legen /
Ihr wollen soll forthin mir ein Gesetze seyn /
Ich halte sie in Ernst vor unsers Hauses Seegen /
Und geb' Ihr selbst mein Hertz zu einem Zimmer ein.
Wie solt' ich thörichte die Schale nicht verehren /
Darauf der Himmel dich mir überreichen will?
Mein Ohre soll ihr Wort wie die Gebothe hören /
Für dem der Alten Volck auf das Gesichte fiel.
Ich will nach ihrer Arth das Lager zubereiten /
Ich laß Ihr billich halb / was sie mir gantz geschenckt /
Mein Fuß wird nur allein nach derer Wincken schreiten /
Die mir noch unbekant / doch auf mein bestes denckt.
Nun kom Geliebter Schatz! des Glückes weiche schwingen
Wo nichts verderben kan / umschlüsse deinen Leib /
Es wolle dich erfreut in diese Stelle bringen /
Da dich empfangen kan Land / Freunde / Kind und Weib.
Es müsse Sicherheit entsprüssen auf den Wegen /
Dahin du setzen must den abgematten Fuß /
Und wo du wirst dein Haubt zuruhen niederlegen /
Da rege sich zugleich der Seegensüberfluß.
Es müsse dich die Kraft gesunder Luft begleiten /
Die Dornen müssen nicht verfälschen deine Bahn /
Er lasse dich gesund in meine Stube schreiten /
Daß auf den Lippen ich die Rosen brechen kan /
Vor Freuden tritt mir itzt das Wasser ins Gesichte /
Und rollet unvermercht wie Perlen ums Papier /
Ich weiß du hält'st das Wort nicht etwan vor Getichte /
Die Silben seyn verlescht / du schaust die Zeugen hier.
Dein Leitstern sey gegrüst! doch wil ich Ihrentwegen
Auf kein zu grosses Bett' immittelst seyn bedacht;
Denn wird die Liebe sich mit uns zu Bette legen /
So wird der kleine Raum bald werden weit gemacht.

 

                  Agnes an Ungenand

Dein Agnes schreibet hier mit Banden an den Händen /
Mit Riegeln wohl verwahrt die mehr als stählern seyn /
Mit Finsternüs umbstrickt / verwacht an allen Enden /
Wer aber liefert dir diß kleine Schreiben ein?
Ich muß itzund aus Noth dergleichen Leuthen trauen /
Da keine Höfligkeit ie eingewurtzelt hat /
Wird ein verdächtig Aug' auf meine Zeilen schauen /
So find die gantze Welt hier neue Missethat.
Es zeiget mir itzund das schlüpffrige Gelücke /
Wie seine Schmeicheley die Welt berücken kan /
Zuvor erqvickten mich die Strahlen deiner Blicke /
Itzt schaut ein Scherge mich mit schelen Augen an.
Ein Hertzog küste mir vor diesem Hand und Armen /
Itzt schleust man meinen Leib in Ketten und in Band /
Vor schaut ich nichts als Neid / itzt schau ich kein Erbarmen /
Und bin ein GauckelSpiel vor dieses gantze Land.
Diß macht der PurpurRock / damit du mich umgeben /
Diß macht / dieweil dein Geist dem meinen wolgewolt /
Der Kuß / den ich empfing / der bringt mich umb das Leben /
Denn das du mich geliebt ist meine gröste Schuldt.
Wie leichtlich irren doch die Circkel unsrer Sinnen /
Wie macht das HofnungsGlaß uns alles viel zugroß.
Ich meint' / ich würde nun forthin nicht fallen können /
Ich wolte Göttin seyn und nicht ein Erdenkloß.
Ich meint' / ich were nur vor FürstenBluth erkohren /
Es were nur mein Mund gekrönter Küsse werth /
Ich glaubte nicht / daß mich ein BürgersWeib gebohren /
Wie aber hat die Zeit mir diesen Wahn verkehrt?
Dein Vater hat mich recht auch meinen lassen wissen /
Und gründlich kund gethan / wo ich entsprossen bin /
Den Purpur hat er mir vom Leibe weggerissen /
Und jagt mich itzt entblöst in ein Gefängnüs hin;
Hier muß ich mich gebückt in Ketten lassen legen /
Wie drückt das Eisen doch itzt meine zarte Handt!
Wie mir zu Muthe sey das kanstu leicht erwegen /
Dann dir ist mein Gemüth und auch mein Leib bekant.
Mein Albrecht scheu dich nicht mein Schreiben zu durch lesen /
Es komt von dieser her die du hast hoch geschätzt /
Schau was ich itzund bin / du weist was ich gewesen /
Und wie manch feüchter Kuß hat deinen Mund ergetzt.
Send' einen Seuffzer nur auf meine schwere Bande /
Dann keine Rettung ist vor mich auf dieser Welt /
Ach were nicht mein Blut von allzuschlechtem Stande /
So würd' ich dir / und nicht dem Tode zugesellt!
Ich dürffte nicht wie itzt bey HenckersBuben leben /
Man salbte meinen Leib mit frembden Balsam ein /
Es müste Seid und Gold umb meine Lenden schweben /
Und Agnes müste Braut des jungen Hertzogs seyn.
Es würde dieses Land Gelück und Segen ruffen /
Man würffe mir erfreut des Frühlings Kinder zu /
Ich hätte nichts als Lust / und nichts als Ruhm zuhoffen /
Und meiner Schätze Schatz / O Hertzog! wärest du.
So muß sich die Natur das Glücke meistern lassen /
Und Menschendreuungen sich machen unterthan /
Muß schauen wie man sie mit Satzung will verfassen /
Die auch der Richter selbst nicht leichtlich halten kan.
Da muß ein hoher Geist nicht hoch und edel heissen /
Der nicht in Cronen sitzt und aus dem Purpur schaut /
Muß den in Dinstbarkeit zu ehren sich befleissen /
Der oft aus schlechtem Zeug ist worden aufgebaut.
So muß das Silber offt gemeinem Ertzte dienen /
So muß ein kluger Knecht vor einem Herren stehn /
Der wie der Monde nur durch frembdes Licht geschienen /
Und sonder Ahnen nicht darf vor die Thüre gehn.
Doch will ich meinen Hals dem Joche nicht entziehen /
So die Gewohnheit hat dem Menschen aufgelegt /
Man muß die Last mit Lust zutragen sich bemühen /
Wenn dieser es befihlt der Kron und Scepter trägt.
Ich leide was ich kan / es wird nicht ewig wehren /
Die Kette nützt sich ab / die Stricke gehn entzwey /
Es muß der MenschenZorn sich in sich selbst verzehren /
Und wer gebunden lebt wird nach dem Tode frey.
Was mich itzt trösten kan / ist daß ich nichts verübet /
Worauf das strenge Recht das Feuer ausgesetzt /
Ein Fürst hat mich begehrt / ich hab ihn auch geliebet /
Und meine Seele war der seinen werth geschätzt.
Ach Fürst / läst deine Brunst noch etwas Thränen fliessen /
Geht ein getreues Ach durch deinen schönen Mundt /
So wisse / das mir diß wird meine Noth versüssen /
Wer aber machet mir die treue Zeichen kund?
Doch kan ich dein Gemüth und deinen Geist erkennen /
So weiß ich das dich wird bewegen meine Noth /
Du wirst in kurtzen diß die ärgste Zeitung nennen /
So zeitlich kommen wird: Itzt ist dein Agnes todt!
Ich weiß das letzte Wort vergleicht sich Donnerschlägen /
Besonders wenn du denckst an diesen schönen Tag /
Als du mich hast geführt auf deinen geilen Stegen /
Und dein erhitzter Mund auf meinen Lippen lag;
Genug! mein Fürst und Herr / was soll ich ferner schreiben?
Geneuß der JugendLust / gebrauche dich der Welt;
Du kanst auf deinem Stuhl und in dem Purpur bleiben /
Ob deine Liebe gleich durch einen Hencker fällt.
Die Ehre hat mir noch dein Vater nicht entführet /
Daß ich gezeichnet bin durch deinen ersten Kuß;
Ob meinen schwachen Leib gleich Gluth und Bluth berühret /
So weiß ich / daß man mir diß Kleinot lassen muß.
Nunmehr gedenck ich bald aus böser Hand zukommen /
Der Agnes bestes Theil / O Fürst! beruht bey dir /
Hast du die Rosen mir vor diesem abgenommen /
So findet unser Feind die Dornen nur allhier.

                Ungenand an Agnes

Ist dieses was ich soll von meiner Agnes haben?
Soll Gruß und Abschied denn nah' aneinander stehn?
Läst meine Taube sich ümbgeben schwartze Raben?
Muß meine Sonne denn so schimpflich untergehn?
Ist kein Erbarmnis mehr in dieser Welt zufinden?
Kennt Blut denn Blut nicht mehr? kennt mich mein Vater nicht?
Läst er mit Kett' und Band dich meine Seele binden?
So bin ich allbereit erbärmlich hingericht.
Ach wär' ich hingericht! Er läst mich in dem Leben /
Damit ich schmecken soll die Galle meiner Noth;
Er läst den TodesStifft auf meinen Hertzen schweben /
Denn ohne dich zuseyn / ist ärger als der Todt.
Die Sinnen wancken mir / die Feder will nicht schreiben /
Das Hertze waltzet sich und will mit Macht zu dir /
Es scheut sich ohne dich itzt mehr in mir zubleiben /
Und was nur Marter heist das find' sich itzt in Mir.
Es steht die Schuldigkeit mir trotzig im Gesichte /
Und spricht mir deutlich zu / ist diß die heisse Gluth?
Läst Albrecht seine Braut vergehen im Gerichte?
Ist dieses seine Treu? ist diß sein HeldenMuth?
Kan seine Liebe denn die Riegel nicht zerbrechen?
Verübt sie diß nicht mehr was in der alten Zeit?
Kan seine Mannheit sich nicht an den Richtern rächen?
Hat denn ein Augenblick die Kräfften abgemayt?
Hergegen muß ich auch den Schluß des Himmels hören /
Der als ein harter Schlag mir in die Ohren fällt /
Du solt / soviel du kanst / den alten Vater ehren /
Er hat dich neben Gott auf diese Welt gestellt.
Mit Eltern soll man nur mit DemuthsWaffen streiten /
Ihr Wort' und Wille soll uns ein Gesetze seyn /
Ihr Seegen kan uns Heil und Wohlfarth zubereiten /
Und Ihrer Flüche Sturm reist alles gutes ein.
So muß ich zwischen Blut und heissen Flammen liegen /
Bin schimpflich halb befleckt / und schmertzlich halb verbrennt /
Und muß den schwachen Hals für dein Verhängnüß biegen /
So diese gantze Welt vor ihren Zaum erkennt.
Ich werde nur erstummt itzunder warten müssen /
Was über dich und mich die Welt beschlossen hat /
Ich liege dem Gelück erbärmlich zu den Füssen /
Und hier bey unser Noth hat auch kein Pflaster statt.
Mit Einfall umbzugehn / den Harnisch anzulegen /
Das ist zwar Ritterlich / doch keine Hülffe nicht /
Den Vater würd' ich nur durch solche That bewegen /
Daß du noch grausamer itzt würdest hingericht.
Ich schaue nur zuviel / das Urtheil ist gesprochen /
Der Vater fleucht vor mir / und läst mich nicht vor sich /
Es hat sein harter Geist sich wohl an mir gerochen /
Er will dir an den Hals / und meinet mich durch dich.
Ich weiß kein Mittel mehr / ich rede nur mit Steinen /
Die Ohren seyn verstopft / das Hertze wird zu Stahl /
Man lacht mein Seuffzen aus und achtet nicht dein Weinen /
Man kräncket dich mit Angst und speiset mich mit Qual.
Das gröste / was mir itzt den Kern des Hertzens naget /
Ist dieses / daß ich dich in diese Noth geführt;
Ich hab' als Jäger dich in dieses Garn gejaget /
Das Eisen komt von mir / so deine Seele rührt.
Denn soltest du die Schmach von fremden Händen leiden /
Und würde deine Brust nicht durch mein Blut verletzt /
So könt ich endlich noch mich in Gedult bescheiden /
Ich sagt: es hat es so der Himmel ausgesetzt.
So soll mein Vater dich in Band' und Eisen legen /
Und meine LiebesBrunst dein Scheiterhauffen seyn /
Ja deiner Brüste Schnee zerschmeltzet meinetwegen /
Diß ist ein HöllenTranck und will mir bitter ein.
Doch alles ist ümsonst / dein Klagen und mein Hoffen /
Verschwindet wie ein Dunst und stirbet ohne Frucht /
Es hat uns in der Welt die höchste Noth betroffen /
Du wirst zum Todt / und ich zur Marter itzt gesucht.
Das Eisen so dich drückt das will mich auch beschweren /
Das Gift so dich verletzt würckt leider! auch in mir /
Wie solte meine Krafft sich nicht wie du verzehren?
Denn meine Seele wohnt itzt nirgends als in dir!
Ach Agnes glaub es mir / ich bin wie du gebunden /
Ich büße weil ich dich in solche Noth gebracht /
Wer deine Glieder schlägt' / der macht auch meine Wunden /
Scheinst du mir Sonne nicht / so bleib ich in der Nacht.
Doch kan und muß ich ja nach dir im Leben bleiben /
So soll dein Nahme stets in meinem Geiste stehn /
Ich will ihn dem Crystall mit Wörtern einverleiben /
Die mit der Ewigkeit in gleichen Zirckel gehn.
Ich will dein edles Grab mit tausend Thränen netzen /
Und wo der gelbe Neid es nur vertragen kan /
So will ich diese Schrifft auf deinen Leichstein setzen /
Daß auch der AfterWelt dein Ruhm sey kund gethan:
Hier ruht ein schönes Weib mit schwartzer Nacht bedecket /
Ein Schatz in dunckler Gruft aus Ungunst hingelegt /
Hier ruht die Reinligkeit / die noch kein Dunst beflecket /
Und dieses / was zuvor die Felsen hat bewegt.
Von ihrer TodesArth ist hier kein Wort zulesen /
Du weist es ohne mich die Welt ist voll Gefahr /
Ach weine / weil sie mehr als Englisch ist gewesen /
Daß bey den Menschen sie fast mehr als sterblich war.
Nun Agnes dieses soll auf deinen Leichstein schreiben /
Der einen heissen Kuß dir in Gedancken gibt /
Man kan zwar meinen Leib von deiner Seele treiben /
Doch mein Gemüthe nicht / so dich auch ewig liebt.
In meinem Geiste kan dein Bildniß nicht verderben /
Hier soll es wohl verwahrt in hohen Ehren stehn /
Und kan mein Hertze nicht mit deinem Hertzen sterben /
So laß doch meine Hand mit dir zu Grabe gehn.
 


            Ermegarde an Rudolphen

Hier ist ein kleiner Brief mit Schertz und Ernst gefüllet /
Der Gall' und Honigseim in seiner Schoß enthällt /
Auß welchen / gläub es mir / dir Todt und Leben qvillet /
Erwehle dir nunmehr dieß was dir wohlgefällt.
Ich lasse dich itzund mich ohne Maßqve schauen /
Ich stelle deinen Fall in hellen Farben für /
Und willst du allzuviel auf deine Reuter trauen /
So hab ich mehr als du: die Hertzen seyn bey mir.
Ein Wort / ein Blick von mir kann tausend Lantzen stehlen /
Die besten Bogen seyn auf mein Geboth gespannt /
Es wird mir nimmermehr an grossen Helden fehlen /
Als Schlangen hab ich sie zu meiner Fahn gebannt.
Waß nur zwey Finger rührt hat dir den Todt geschworen /
Du bist mir allbereit im Geiste hingericht /
Begrüst du mich als Feind / so halt dich vor verlohren /
Verschertze doch dein Volck und dich auch selber nicht.
Was nur nach Eisen reucht begehrt dich zuerdrücken /
Drum / dencke wo du bist / und endlich was du thust /
Ich darf nur einen Blick nach deinem Lager schicken /
So kehrt dein eigen Schwerdt sich gegen deine Brust.
Ach König wilt du dich mit Hoffnungsspeisen nehren /
Sie blehen trefflich auf und geben keine Krafft /
Wer ohne rechten Grund will allzuviel begehren /
Dem wird auch was er hat / noch endlich hingeraft.
Kein Spiegel treuget mehr / als den der Wahn uns zeiget /
Gefahr muß hier ein Zwerg / Gelück ein Riese seyn /
Man schaut wie unsre Lust aus ZuckerRosen steiget /
Man spüret keine Nacht / nur lauter Sonnenschein.
Es zeiget sich allhier ein Jahrmarckt voller Cronen /
Die Scepter scheinen uns wie ein gemeiner Stab /
Die LorberKräntze seyn gemeiner als die Bohnen /
Hier ist kein HeldenFall und auch kein TodtenGrab.
Doch endlich will uns nur diß LustSchloß gantz verschwinden /
Der Fürhang fällt herab / das Spiel ist ausgemacht /
Die Lampen leschen aus / es ist nichts mehr dahinden /
Man mercket nichts als Rauch / und spühret nichts als Nacht.
Dann steht man gantz betrübt mit wunder-schlaffen Händen /
Und schaut was man gethan / mit neuen Augen an;
Wohl diesem der sich nicht die Hofnung läst verblenden /
Und seinen Irrthum noch vernünfftig ändern kann.
Vermeinst du daß ich hier mit blossen Worten schrecke /
Und dieses alles nur pappierne Feindschafft sey /
So bitt' ich dich / zerreiß der Augen faule Decke /
Und mache dich nun selbst der falschen Blendung frey.
Ich warne noch itzund / es ist ein LiebesZeichen /
Hier ist noch Sonnenschein / und nicht ein Donnerkeil /
Allhier versuch ich noch ob ich dich kan erweichen /
Dann find ich keinen Feind / so brauch ich keinen Pfeil.
Wird durch mein Schreiben nu dein Schwerd zur Ruh geleget /
So fahr ich Himmel an und wünsche das der Tag /
In welchen Rudolph hat die Waffen hingeleget /
In der Geschichten Buch der Nachwelt kommen mag.
Ich weiß des Ruhmes Hand wird dich mit Blättern ziehren /
Die immer grüne stehn / die keine Zeit befleckt /
Und deinen Nahmen wird sein Flügel weiter führen /
Als wo der Elephant sich an die Sonne streckt.
Gedencke was du hast zu deinen Feind erkohren /
Und gegen was dein Volck itzund ein Lager schlägt;
Du weist es ohne mich / ich bin ein Weib gebohren /
Doch die ein MannesHertz in zartem Leibe trägt;
Ich bin es nicht gewohnt also bedient zuwerden /
Geburth und Eigenschafft treibt mich zuhöhern an /
Ach König glaub es mir / die Anmuth der Geberden
Hat gegen Frauen mehr / als Schwerd und Helm gethan.
Was nicht sein Segel streicht / was nicht die Lantze sencket /
Dem bleibet Thor und Post verschlossen iederzeit /
Und welcher Held bey mir zu siegen ihm gedencket /
Der waffne seine Brust zuvor mit Höffligkeit.
Es wird dein gantzes Heer eh' alle Köcher leeren /
Als du bezwingen wirst das edele Pavi' /
Du wirst durch solchen Streit nichts als dich selbst verzehren /
Drum so du siegen wilst / so sieg auch ohne Müh.
Ich lasse / bist du Freund / dir Hertz und Gatter offen /
Doch ließ auch dieses Wort / dir eintzig und allein /
Dergleichen hat dein Volck zu keiner zeit zuhoffen /
Du solt von mir geküßt und Sie geschlagen seyn.
Der Bothe / den du schaust / der wird dich sicher führen /
Der Außzug aller Lust erwartet deiner hier /
Und läßt du dir dein Häupt mit einer Crone ziehren /
So schau auch ob sie mir so zierlich steht wie dir.
Laß deinen hohen Geist dich nicht zurücke lencken /
Man kan nicht allezeit mit vollem Segel gehn /
Wer alle Stunden will auf Berg und Wippel dencken /
Wird offtmahls in dem Thal und bey der Wurtzel stehn;
Du bist / ich schwere dir / dißmahl zuweit gegangen /
Und wer ich Feindin nicht allhier dein bester Rath /
So hätte dich das Garn / als wie ein Wild gefangen /
Verachtest du die Hand / so dich erlöset hat?
Ich bin kein schlechtes Weib / wer rühmt nicht mein Geblüthe?
Ist meiner Ahnen Lob dir nicht genug bekannt?
Es lobt sich ohne mich; mein hurtiges Gemüthe
Wird endlich fast zugroß vor dieses weite Landt.
Kom / kom und säume nicht / itzt hast du Zeit zu eilen /
Schmach und Verrätherey will deiner Crone bey;
Auf Schwerdtern stehest du / und unter tausend Pfeilen /
Ach lerne daß dein Schutz bey deiner Feindin sey.
Dir beuth der stoltze Po den Silberweissen Rücken /
Die Vorburg / ja mein Schloß nimt dich mit Freuden an /
Der Weg ist dir gebähnt: dem manglen keine Brücken /
Wer die Gelegenheit vernünfftig brauchen kan.

                 Rudolph an Ermegarden

Ich weiß nicht was dein Brief vor Regung in mich jaget /
Ein Wort das warnet mich / das andre dreuet mir /
Es scheint wie ieder Reim mir in die Ohren saget /
Ach Rudolph siehe dich auch vor dir selber für.
Ich sage wie es ist / ich kam hieher zufragen /
Was vor ein stoltzes Haubt die welsche Crone sucht /
Man schaute dieses Heer Schwerdt / Pfeil und Feuer tragen /
Es ward Pavie und du von iederman verflucht.
Mein heisses Hertze lag voll heisser ZornesFlammen /
Mich deucht / ein Blick von mir der steckte Dörfer an /
Wie reimt sich aber heut und gestern doch zusammen?
Wohl dem der allezeit beständig bleiben kan.
Ihr Frauen traget nur das Kraut in euren Händen /
So Stahl zu weichem Wachs und Stein zu Wasser macht /
Ihr könt / O schöne Kunst / den Himmel selbst verblenden /
Und seyd bey eurer Lust auf unsre Noth bedacht.
Ihr brauchet unsern Witz / als wie das Schilff im Strande /
Bald richtet ihr ihn auf / bald drücket ihr ihn ein /
Ihr baut euch eine Burg aus Steinen unsrer Schande /
Und heist uns offtermahls nur viertel Menschen seyn.
Ihr streicht oft unser Schwerd damit ihr wolt verwunden /
Mit süssen Balsam an / schlagt und beklagt zugleich /
Der Krancken lachet ihr und schont nicht der Gesunden /
Und unsre Dienstbarkeit ist euer Königreich.
Das weigern wisset ihr mit Freundschafft zuverkleiden /
Ihr weint bey dessen Noth / der euch doch Thäter nennt /
Ihr überredet uns in Wehmuth selbst zu leiden /
In dem uns Hertz und Geist ohn alle Hülffe brennt.
Ihr seyd ja der Natur berühmte Wunderwercke;
Man nennt euch kalt von Arth / und steckt die Männer an /
Man heist euch schwachen Zeug / und spottet unsrer Stärcke /
Man braucht euch nicht in Krieg / und führt die SiegesFahn;
Was wil ich aber euch noch EhrenSäulen bauen /
Es ist zuviel gebaut / man macht mich selbst dazu /
Ich meinte Pavie im Feuer anzuschauen /
Was itzo brennen soll / O Hertze / das bist du.
Ich bin nicht was ich war / ich bin mir frembde worden /
Mein Fessel lieb ich mehr als vormals Helm und Schwerdt /
Diß Leiden nennt mein Brief zwar einen strengen Orden /
Doch in den Hertzen schein ich nicht der Marter werth.
Die Wunden jucken mich / ich spiele mit den Banden /
Der Ketten scharffer Schall ist mir ein Lautenklang /
Ich lache / wenn mein Schiff der Freyheit komt zustranden /
Und Seuffzer seyn nunmehr der beste Lobgesang.
Nun / Ermegarde schau diß was du selbst erfunden /
Ließ diesen kleinen Brief / den deine List erdacht /
Die Dint' ist anders nichts als Blut aus meinen Wunden /
Durch heisse LiebesBrunst verbrennt und schwartzgemacht.
Für dir leg ich gebückt die steiffe Lantze nieder /
Mein Helm berührt itzund in Demuth deinen Fuß /
Und ist ein König dir nicht allzusehr zuwieder /
So geb ich als ein Knecht dir einen heissen Kuß.
Mein wohlgewapfnet Heer gedenck ich zuverlassen /
Und werde nu verblendt ein PossenSpiel der Welt /
Will mich dein schöner Arm mit seiner Gunst ümfassen /
So mein ich daß ich sey dem Himmel zugesellt.
Der Purpur den dein Mund auf seinen Lippen führet /
Das Gold / so die Natur in deine Haare flicht /
Und mehr / das süsse Gifft / so deine Briefe ziehret /
Hat mich / wie starck ich war / verborgen hingericht.
Mich däucht ein süsser Dampf stieg aus den kleinen Schreiben /
Es grief ein Nebel mich und meine Kräfften an /
Ich fühlte mich alsbald durch eine Regung treiben /
Der auch die Herrschafft selbst muß werden unterthan.
Sie riß mich aus mir selbst / sie brach mir Geist und Willen /
Und machte daß ich itzt mir nicht mehr ähnlich bin /
Sie hieß auch diesen Trieb / den du erweckst / erfüllen /
Und giebt mich endlich dir als einen Sclaven hin.
Es mag mein Heer nunmehr nach seinem Willen leben /
Als FeldHerr schau ich itzt nicht ihren Thaten zu /
Es mag ein ieder sich wohin er will begeben /
Die Lieb ist ietzt mein Krieg / die Walstadt aber du.
Ich acht es nicht zuviel was der und jener saget /
Was trift auf dieser Welt der Menschen Urtheil nicht?
Wer alles tadeln wil was andern wohl behaget /
Wird endlich durch das Schwerdt des Unmuths hingericht.
Und wer auch alles fletscht / was der und jener hasset /
Erkieset nimmermehr / was rechte Freude heißt /
Ich folge diesem Zaum / an den ich bin verfasset /
Und der mich itzt erhitzt zu deinen Brüsten reißt.
In sieben Stunden will ich dein Gesichte schauen /
Ich wart' auff nichts so sehr als auff die Mitternacht /
Ich hoff auch / eh' es tagt / ein Lusthauß mir zubauen /
Da die Ergetzligkeit mit klaren Augen wacht.
Ich will auf deiner Brust in Freundschafft mich umschantzen /
Umbzirckt mit heisser Lust / entnommen der Gefahr /
Wir wollen mit bedacht des Friedens Oelzweig pflantzen /
Davor der KriegesDorn mit seinen stacheln war.
Es mag mein kühnes Heer sich wie es will ergetzen /
Es bleibt ein ieder ihm nur selbst der beste Rath /
Sie mögen Ihren Fuß auf Woll' und Rosen setzen /
Nach dem sein Paradieß ihr Fürst gefunden hat;
Doch treibet sie die Lust zu mehrem Streit und Kriegen /
So wiederfahr' ihn' diß was itzt ihr Wunsch begehrt /
Ich trachte diese Nacht im Felde nicht zu siegen /
Und meine Freud ist mehr'/ als ihre Beuthe werth.
Und sagte gleich die Welt / ich hätte sehr gefehlet /
Wer fehlt und fället nicht? Ich bin ein Erdenkloß /
Es ist mir / fall' ich gleich / ein schöner Orth erwehlet /
Ich falle nirgends hin / als nur in deine Schoß.