Hoffmannswaldau

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  Lob-rede an das liebwertheste frauen-zimmer

Hochwerthes jungfern-volck / ihr holden anmuths-sonnen /
Ihr auserwehlter schmuck / der hauß und gassen ziert.
Wer ist so steinern / der euch nicht hat lieb gewonnen?
Und welchen habt ihr nicht mit fesseln heimgeführt?
Wer ist so kühn / der darff für eure augen treten /
Wenn ihr die waaren habt der schönheit ausgelegt?
Wer will euch / liebste / nicht als einen Gott anbeten /
Weil ihr das bildnis seyd / das Venus selbst geprägt.
Jedoch ich will nur bloß ein theil von dem berühren /
Mit welchem die natur euch herrlich hat versehn.
Der sinnen schiff soll mich in solche länder führen /
Wo auff der see voll milch nur liebes-winde wehn.
Die brüste sind mein zweck / die schönen marmel-ballen /
Auf welchen Amor ihm ein lust-schloß hat gebaut;
Die durch das athem-spiel sich heben und auch fallen /
Auf die der sonne gold wolriechend ambra thaut.
Sie sind ein paradieß / in welchem äpffel reiffen /
Nach derer süssen kost iedweder Adam lechst /
Zwey felsen / um die stets des Zephirs winde pfeiffen.
Ein garten schöner frucht / wo die vergnügung wächst.
Ein über-irrdisch bild / dem alle opffern müssen.
Ein ausgeputzt altar / für dem die welt sich beugt.
Ein crystallinen qvell / aus welchem ströme flüssen /
Davon die süßigkeit den nectar übersteigt.
Sie sind zwey schwestern / die in einem bette schlaffen /
Davon die eine doch die andre keinmal drückt.
Zwey kammern / welche voll von blancken liebes-waffen /
Aus denen Cypripor die göldnen pfeile schickt.
Sie sind ein zeher leim / woran die sinnen kleben;
Ein feuer welches macht die kältste hertzen warm;
Ein bezoar der auch entseelten giebt das leben;
Ein solcher schatz / für dem das reichthum selbst ist arm.
Ein kräfftig himmel-brod / das die verliebten schmecken;
Ein alabaster-hauß / so mit rubinen prahlt;
Ein süsser honigseim / den matte seelen lecken;
Ein himmel / wo das heer der liebes-sterne strahlt.
Ein scharff-geschliffen schwerd / das tieffe wunden hauet /
Ein rosen-strauch / der auch im winter rosen bringt.
Ein meer / worauff man der Syrenen kräffte schauet /
Von denen der gesang biß in die seele dringt.
Sie sind ein schnee-gebürg / in welchem funcken glimmen /
Davon der härtste stahl wie weiches wachs zerfleust.
Ein wasser-reicher teich / darinnen fische schwimmen /
Davon sich sattsam ein verliebter magen speist.
Sie sind der jugend lust / und aller kurtzweil zunder /
Ein krantz / in welchem man die keuschheits-blume sieht.
Sie kürtzen lange zeit / und stifften eitel wunder /
Weil beydes glut und schnee auff ihrem throne blüht.
Sie sind ein runder sarg / wo liebe liegt begraben /
Ein ditrich / welcher auch des hertzens grund auffschleust /
Ein ort / in dem nur lust will sitz und wohnstadt haben /
In dessen hölen milch und nectar häuffig fleust.
Zwey fässer / welche sind mit julep-safft erfüllet /
Lockvögel / derer thon ein freyes hertze bindt;
Zwey sonnen / welche zwar mit dünnem flor umhüllet /
Doch macht ihr heller blitz die klärsten augen blind.
Sie sind ein zart gewand von schwanen-weisser seide /
Daran man sehen kan / wie ieder faden steht /
Zwey hügel / derer höh' bedecket ist mit kreide /
Zwey fläschgen / denen nie der wollust milch entgeht.
Zwey brünne / da nur stets gesunde wasser quellen /
Und wo die dürre nicht der adern marck aussaugt.
Zwey jäger / welche zahm und wilde thiere fällen /
Wo keines wird verschont / was nur zu fangen taugt.
Zwey schnee-balln / welche doch unmöglich schmeltzen können /
Womit das jungfern-volck der männer seelen schmeist.
Zwey aufgestellte garn / und schlingen freyer sinnen /
Aus denen gar kein mensch / wie klug er ist / entreist.
Zwey kräme / wo man huld und freundlichkeit ausleget /
Und wo ein rother mund nur kan der kauffmann seyn.
Zwey körb' / in welchen man bloß marcipan feil träget /
Nach dessen süßigkeit die lippen lechsend schreyn.
Zwey thürme / derer pracht von elffenbein vollführet /
Darauff Cupidens pfeil die wache fleißig hält.
Zwey kleinod / derer glantz der jungfern leiber zieret /
Wenn ihre freundligkeit den männern netze stellt.
Sie sind ein blasebalg / ein feuer auffzufachen /
Das durch kein mittel nicht kan werden ausgelöscht.
Zwey bette / wo rubin und marmel hochzeit machen /
Wo süsse mandel-milch der rosen scharlach wäscht.
Sie sind ein see-compas / der hurtig rudern heisset /
Eh man in hafen der vergnügung wird gebracht.
Ein reiner thron / auff dem der liljen silber gleisset /
Worauff verliebtes volck nur hat zu sitzen macht.
Ein werthes heiligthum / das keusche lippen küssen /
Für dem sich hertz und knie in tieffster demuth neigt.
Ein meer / aus dem sich lust und liebligkeit ergiessen /
Ein bergwerck / dessen grund zwey demant-steine zeigt.
Doch niemand lobt den brauch die kugeln zu verdecken /
Darauff man sehen kan wo lieb- und lust-land liegt.
Ach schönste! glaubet mir ihr möget sie verstecken /
Ein liebes-auge hat dem allen obgesiegt
Orontes selbst bezeugt / daß kein verbergen nutze /
Der brüste Pharos' hat durch zart gewand geleucht.
Er ruht im liebes port ietzt unter ihrem schutze /
Wenn uns ein rauher sturm noch um die segel streicht.
Wol dem nun / der wie er kan so vergnüget leben!
Den so ein weisser schild für wehmuths-wunden schützt!
Der seinem munde kan dergleichen zucker geben /
Der so vergnügt / wie er / im liljen-garten sitzt!
Der so die blumen mag auff weissen wiesen brechen;
Der aus der brüste schacht rubin und demant gräbt.
Der rosen samlen kan ohn einzig dornen-stechen;
Der von der speiß und krafft der süssen äpffel lebt.
Dem so das glücke blüht / den es so bruder nennet /
Dem eine runde brust kan pfühl und polster seyn.
Der in der liebsten schooß mit vollem zügel rennet /
Der seiner Venus so flößt liebes-balsam ein.
 


Mein hertze schmeltzt in einer stummen glut …

Mein hertze schmeltzt in einer stummen glut /
Kein funcke soll aus meinen adern steigen /
Dem rauche selbst verbeut man sich zu zeigen /
Und schweigen meistert mein erhitztes blut.
Es heist mich die natur ein schönes auge suchen /
Und das gesetze will auff meine regung fluchen.
Soll denn ein kuß / ein unbefleckter schertz /
Ein süsser blick sünd und verbrechen heissen?
Soll ich denn selber mich mir nun entreissen?
Der himmel kennt der menschen sinn und hertz.
Lieb ist des himmels kind / es wird ja unsre flammen /
Als dieberey und mord / der himmel nicht verdammen.
Wer ist doch / der sich selbst entmenschen kan?
Wir wissen uns hier nirgends zu verklären /
Des fleisches kan das fleisch sich nicht erwehren /
Die menschlichkeit klebt menschen stündlich an.
Die engel liessen sich im himmel abwerts treiben /
Wie sollen menschen doch auff erden engel bleiben?
Soll Sylvia vor mir verschlossen seyn?
Verbotne frucht ist mehr als doppelt süsse;
Der neben-weg reitzt mehrmahls unsre füsse /
Die wollust wächst auch aus gefahr und pein.
Diß ist die süsse nuß so schwer ist auffzubrechen /
Die rose wird geliebt ob gleich die dörner stechen.
Ach / Sylvia! Ich weiß nicht / wo ich bin!
Es soll kein mensch mein heisses übel kennen /
Ich armer darff nicht meine kranckheit nennen /
Die richt-sucht nimmt uns blüt und früchte hin.
Getreue Sylvia / hab ich genade funden /
So schau / ach schaue doch! in meine tieffe wunden.
Du kennest ja die galle dieser welt /
Wie iederman des andern fehler zehlet /
Und fremden fall zum zeitvertreib erwehlet /
Und dessen fleck vor seine schmincke hält.
Du must nur dichtes garn zu meiner decke spinnen /
Dadurch die falsche welt nicht leicht wird sehen können.
Es soll alsdenn ein amber-reicher kuß /
Der sich genetzt in moschus und rubinen /
Vor julep uns in dieser hitze dienen.
Wo bleibst du doch / O süsser überfluß!
Ich weiß / die liebe wird zu lachen hier beginnen /
Indem zwey zungen nicht vor liebe reden können.
 


Mein Engel, kannst du mich nicht lieben …

Mein Engel, kannst du mich nicht lieben,
Ist meine Not dir nur ein Gaukelspiel?
Verlachest du denn mein Betrüben
Und hat dein Grausamsein kein Ziel?
Du sagst zwar viel von deiner Güte,
Doch wo ist Frucht?
Ist deine Gunst nur lauter Blüte,
So ist dein Brennen nichts als Wassersucht!
Warum willst du das Tor verschließen,
In dem die Liebe Einzug nehmen will?
Laß deine Brunst doch sicher schießen
Und halte meiner Regung still.
Du darfst dich nicht, mein Engel, schämen,
Den Ehrenpreis
Wird niemand können von dir nehmen,
Weil ich allein von diesem Diebstahl weiß.
So darf die Furcht dich nicht verblenden,
Als wenn der Schmerz unüberwindlich sei,
Ich weiß bereits aus meinen Händen:
Die Angeln reißen nicht entzwei.
Du wirst als Helden dich begrüßen,
Wenn etwas Blut
Gleich möcht aus zarten Adern fließen,
Genug: Du weißt, daß es uns sachte tut.
Will dein Gewissen nicht erschrecken,
So denk, die Jugend sei in Glut entbrannt;
Wer wird in heißen Flammen stecken,
Dem eine Löschung ist bekannt?
Es wird das Alter bald verstören,
Was Feuer ist,
Und du wirst solches besser ehren,
Wenn in der Blüt du abgekühlet bist.
Ich wüßte nicht, was dich sollt neigen,
Daß deiner Schoß du keine Feier gönnst,
Ach! sorge nicht für einen Zeugen,
Weil du mein treues Lieben kennst!
Die Kunst kommt der Natur zu Hülfe,
Kein Anker haft',
Wenn er gesenkt im ersten Schilfe
Und nur vom Schlunde nicht wird hingerafft.
Drum laß die Stützen voneinander,
Auf welchen dieses Schloß sich ruht.
Du weißt, ich bin nicht Alexander,
Der alles mit der Hitze tut.
Ich will beim Kindchen erst probieren,
Was Sanftmut sei,
Und wo er sich nicht wird verlieren,
Alsdann zerbricht den Trotz die Macht entzwei.
Fort! Laß das warme Etwas schießen,
Das ich gefühlt und nicht zu nennen weiß,
Laß diesen Nektar mich umfließen,
Mach mich in deinen Armen heiß!
Dein Auge selber heget Flammen
Vom bloßen Dunst,
Laß unsre Hitze doch zusammen,
Mach mich beseelt durch ganz erteilte Gunst!
Was hilft mir doch ein bloß Berühren,
Wenn ich die Ros vom Stock nicht pflücken soll,
Darf ich die schnöden Hände zieren
Und füllen nicht das Herze voll?
Verachte nicht die andern Glieder,
Weil keines schlecht –
Sind dir die Finger nicht zuwider,
Warum ist dir der Daumen denn nicht recht?
 


Niemand weiß wie schwer mirs fällt …

Niemand weiß wie schwer mirs fällt /
Flammen in der brust zu hegen;
Und sie dennoch für der welt /
Nicht ans freye licht zu legen.
Feuer läst sich nicht verhelen;
Denn sein glantz ist allzuklar /
Und die glut verliebter seelen
Macht sich selber offenbar.
Hundert augen die von neid
Und von lauter argwohn brennen /
Sind auff mich zu sehn bereit /
Ob sie was vermercken können.
Noch verberg ich meine schmertzen /
Daß man keine funcken sieht /
Da die liebe doch im hertzen
Wie ein andrer Aetna glüht.
Dieses ist der liebe kunst /
Amor suchet finsternissen /
Und von seiner stillen brunst /
Muß der helle tag nichts wissen.
Venus bricht mit ihrem sterne
Erst bey dunckler nacht herein /
Daß die zarte jugend lerne
In der liebe heimlich seyn.
Drum gewehne dich mein muth /
Deine flammen zu verschweigen;
Laß von der verborgnen glut
Weder mund noch auge zeugen.
Must du dich gleich etwas zwingen /
Ist gleich die verstellung schwer;
Aus den allerschwersten dingen
Kommt die gröste lust offt her.
Perlen liegen eingeschrenckt
In den harten muschel-häusern.
Wer auff frische rosen denckt /
Sucht sie in den dornen-reisern.
Honig ist nicht ohne bienen.
Wer in Canaan will stehn /
Muß erst in Egypten dienen /
Und durch meer und wüsten gehn.
Vielleicht wird des himmels gunst
Mir das glück noch künfftig gönnen /
Daß die kohlen meiner brunst
Offenbarlich brennen können.
Itzo schreib ich meinem hertzen
Diesen wahren denck-spruch ein:
Feuers-glut und liebes-schmertzen
Müssen wohl bewahret seyn.
 


O Göttin / der ich voller pflicht …

O Göttin / der ich voller pflicht
Mein erstes opffer angericht /
Verachte nicht die letzten Flammen /
Und dencke noch an das altar /
Darauff mein kindisch räuchwerck war /
So dich und mich verband zusammen.
Ich weiß wohl / daß die schnöde zeit /
Und meine grosse niedrigkeit
Dein ohr hat von mir weggerissen /
Und daß kein zeugniß meiner pflicht /
So hand und seele zugericht /
Recht würdig ist / dich zu begrüssen.
Doch aber / wilstu göttin seyn?
So muß auch deiner strahlen schein
Ein kleines opffer nicht verhöhnen.
Der himmel liebt barmhertzigkeit /
Und alle götter sind erfreut /
Wenn unsre hände sie versöhnen.
Drum thu auch deinen himmel auff /
Und laß der tauben saiten lauff
Mich und mein opffer nicht verzehren!
Die dürfftigkeit hemmt meine hand /
Und ist dir doch zuvor bekandt /
Was dir mein armuth kan gewähren.
Ist gleich räuch-opffer / brandt und heerdt
Nicht deiner himmel-schönheit werth /
So wird dich das doch nicht beflecken;
Und bistu göttin / so da liebt /
Da man ihr himmels-ehre giebt?
So laß mich deinen nectar schmecken.
So dich mein feuer lencken kan /
So schaue dessen funcken an /
Und laß mich nicht so schmählich sterben;
Doch / soll es ja gestorben seyn /
So laß mein leben samt der pein
Durch deiner augen glut verderben.
Es komme leben oder tod /
Es komme wohlfahrt oder noth /
Ich nehm es an mit tausend küssen /
Dein urtheil stärcket meinen muth /
Ich bin bereit / mein treues blut
Vor deinen füssen zu vergiessen.
 


Soll Solimene meine glut …

Soll Solimene meine glut /
Die mir versehret marck und blut /
Gantz ohne deine rettung brennen?
Du äscherst meine brust ja ein /
Mein hertze muß entzündet seyn /
Und du wilst keine flammen kennen.
Befrage selbst das heisse licht /
Das aus den hellen augen bricht /
Was feuer es in mir erwecket?
Es schmeltzt der seelen hartes eiß /
Und machet Salamander heiß /
Und ich soll seyn unangestecket?
Dein auge hat mich so verführt /
Mich hat dein blitz durchaus gerührt /
Den ich nicht konte sehen kommen /
Ich dachte wolcken anzusehn /
Mit wasser-qvellen umzugehn /
Und bin dadurch der ruh benommen.
Ich kan nicht wider den betrug /
Wer ist bey solchen flammen klug?
Sie können bienen nur vertreiben.
Der mensch / der leichtlich feuer fängt /
Ist wie die motte die sich sengt /
Und doch nicht kan vom feuer bleiben.
Verleugne nicht / was du vollbracht /
Du hast durch feur mich arm gemacht /
Wilstu den mordbrand nicht bekennen?
So wisse doch / daß alle welt
Dir das gerechte urtheil fällt:
Wer andre brennt / muß wieder brennen.
 


Seine geliebte wolte ins kloster gehen

                         1.
Lisippe will der erden sich entreissen /
Ihr edler geist geht zu der ruh /
Er eilt der reinen sonne zu /
Und will / was himmlisch ist / zu küssen sich befleissen /
Sie stöst die erde hin /und suchet allzu viel /
Weil sie bey fleisch und blut als engel leben will.
                         2.
Schau doch zuvor ein wenig noch zurücke /
Entlauff dir doch nicht vor der zeit;
Der schönen augen zärtlichkeit
Verträget nicht so bald die heissen sonnen-blicke.
Du kanst nicht Enoch seyn / noch des Elias' art /
Und ehe man verstirbt / wird keine himmelfahrt.
                         3.
Mit was hat doch die erde dich verletzet /
Du stürmest wider fleisch und blut /
Ich weiß nicht / was Lisippe thut /
Die aller regung sich verwegen widersetzet.
Wer mit sich selber kriegt / und sich zu schlagen tracht /
Vor diesen hat der sieg die krone nicht erdacht.
                         4.
Du bist zu schwer / der erde zu entfliehen /
Du kanst noch kein gestirne seyn.
Komm / sammle freudens-blumen ein /
Die dir als dienerin itzt selbst entgegen ziehen.
Wer ungezwungen ihm das marterthum begehrt /
Ist der erbarmung zwar / doch keines ruhmes werth.
                         5.
Lisippe laß die prächtigen gedancken /
Kein mensch verengelt sich doch nicht;
Vernimm was deine jugend spricht /
Und schreit itzt nicht so bald aus deinen freudenschrancken /
Da tausend lieblichkeit auff süsse spiele denckt /
Und lust-rubinen dir zu deinem schmucke schenckt.
                         6.
Geneuß doch noch der welt ambrirte früchte /
Der himmel bleibt dir unverzagt.
Wer allzu kühn zur sonne jagt /
Dem macht ein scharffer strahl den heissen flug zunichte.
Mensch und auch engel hat uns zeitlich kund gethan /
Daß man im paradieß und himmel fallen kan.


Streit der schwartzen augen / rothen lippen / und weissen brüste

                       Schwartze augen
Wir schwartzen wolcken wir / mit sonnen angefüllet /
Wir schönes finsterniß / da Venus wache hält;
Wir duncklen brunnen wir / da blitz und feuer qvillet /
Wir sind besiegerin der freyheit dieser welt.
Das eiß zerschmeltzt für uns / das eisen muß uns weichen /
Die felsen geben nach / es bricht der diamant;
Den purpur heissen wir durch unsre macht erbleichen /
Und manches hertz zerfleußt durch diesen süssen brand.
                       Rothe lippen
Ihr augen thut gemach / kan euer blitz entzünden /
So denckt / daß auch der mund voll glut und feuer steckt;
Das rothe / was sich will in diesen lippen finden /
Ist brand von reiner art mit rosen überdeckt.
Der athem / so itzund aus diesem thale fähret /
Laufft jagens halber aus / und rennet durch die welt.
Ich schwere / daß er nicht von dar zurücke kehret /
Biß daß er einen geist hat in das garn gefällt.
                      Weisse brüste
Wenn alles reden will / wie können wir denn schweigen?
Es will zwar nicht der schnee von unsern hügeln gehn;
Doch wollen flammen sich auch auff den spitzen zeigen /
Die rüstig tag und nacht in vollem brande stehn.
Wer einen leichten blick in diesen circkel schicket /
Der wird alsbald bestrickt durch süsse zauberey /
Das netze / so mit lust den leichten geist bestricket /
Reist keine helden-hand und harter stahl entzwey.
                       Schwartze augen
Rühmt / schwestern / was ihr wolt / den ruhm von unsern flammen
Hat keine zeit verletzt kein winter abgethan;
Hier steht die liebligkeit und auch die krafft beysammen /
Und dencken auff ein band / das hertzen fangen kan.
Die schlüssel hengen hier zu tausend männer hertzen /
Die liebe hat bey uns das zeughaus ihrer macht;
Cupido holet hier das feuer zu den kertzen;
Ja / lieben haben wir auff diese welt gebracht.
                       Rothe lippen
Ein wohlgeschärffter spruch von unserm rothen throne,
Thut und verrichtet mehr / als euer stoltzes licht;
Was seyd ihr bey der nacht? Ich red es euch zu hohne /
Wann nicht die sonne scheint / so sieht das auge nicht.
Wir aber herrschen auch / wenn Phöbus von uns weichet /
Ja / wenn ihr sternen-heer von wolcken wird bedeckt /
So hat manch kluges wort / so durch die rosen streichet /
Die löwen eingeschläfft und harte stein erweckt.
                      Weisse brüste
Wenn unsre kugeln nicht mit süssem triebe schertzen /
Und dieser weisse schild der männer freyheit legt /
So stellt die Venus ja vergebens auff die hertzen /
Und selten wird ein brand ohn unsre krafft erregt.
Das beben / so man stets um unsre grentzen spüret /
Bläßt tausend flammen auff / und leget feuer an /
Ja dieses / was bey uns verborgen wird geführet /
Hat offtmahls mehr / als das / was sich gezeigt / gethan.
                       Schwartze augen
Wenn keine brust sich zeigt / wenn lippen schweigen müssen /
So reden wir alsdenn durch unsern klaren schein /
Wir fügen offtermahls durch einen blick zu wissen /
Daß adern / blut und marck voll glut und flammen seyn.
Lust / hoffnung / liebe / zorn / kan ieder in uns lesen /
Wir reden ohne wort / und sprechen ohne mund;
Diß / was noch kommen soll / und allezeit gewesen /
Diß macht das augen-lied durch kluge blicke kund.
                       Rothe lippen
Der reinen lieblichkeit / so unser blut durchstreichet /
Vergleichet sich der tranck der götter selber nicht;
Die rosen / derer glantz kein purpur hat erreichet /
Sind als ein meister-stück im himmel zugericht.
Der wunder-starcke safft / der süsse thau der seelen /
So um rubinen fleußt / und hier auff perlen steht /
Gibt deutlich zu verstehn / daß in der augen hölen
Die reitzung öffters schläfft / hier niemahls untergeht.
                      Weisse brüste
Was euer strahl bezwingt / was eure wort verrichten /
Ist uns genug bekandt / ist uns genug bewust.
Doch lassen wir uns auch nicht gantz und gar vernichten /
Wir sind / bedenckt es wohl / der garten aller lust.
Die äpffel / so allhier auff diesem stocke schweben /
Sind süsser noch als die / so Abels mutter aß;
Ja besser / weil sie nicht verletzen an dem leben /
Und keine schlange nicht auff ihren blättern saß.
                       Schwartze augen
Je kleiner unser reich / je grösser unsre stärcke /
Wir schrecken manche brust / und stopffen manchen mund;
Die federn werden stumpff in rühmung unsrer wercke /
Und manch verbrochnes wort thut unsre kräffte kund.
Das hertze klopfft für uns / die glieder lernen zittern /
Und wer diß wahre wort für nichts und nichtig hält /
Denselben soll der strahl von unserm blitz erschüttern /
Zum zeugniß unsrer macht / zur warnung dieser welt.
                       Rothe lippen
Die seelen pflegen hier zusammenkunfft zu haben /
Und speisen sich mit lust durch süssen honigseim:
Hier pflantzet die natur den reichthum ihrer gaben /
Und Venus kocht allhier den allerbesten leim.
Ein tropffen recht gebraucht / leimt geist und geist zusammen;
Thut nun der leim zu schlecht des mundes kräffte kund /
Und zeiget nicht genung die funcken meiner flammen /
So küsse man alsbald doch einen schönen mund.
                      Weisse brüste
Diß / was ihr itzt gerühmt das findt ihr hier begraben;
Des himmels rundes bild der rosen lieblichkeit /
Des frühlings bunte lust / des sommers süsse gaben /
Die sind mit reicher hand hier kräfftig eingestreut.
Der brand-befreyte schnee kan felsen selbst entzünden /
Und unsre blumen tilgt kein heisser sonnenschein;
Cupido wird sich uns zu loben unterwinden /
Die feder wird sein pfeil / wir werden blätter seyn.
 


TrauerGedicht bey Absterben eines vertrauten Freundes

Mein Freund wo ist die Zeit da unsre grüne Jugend
Die AnmuthsBluhmen brach und FreundschaftsAepfel laß /
Als ich nicht weit von dir als Schul-Geselle saß /
Erquicket durch den Saft der Wissenschaft und Tugend?
Wir lebten dazumahl in einer süssen Ruh /
Und schauten unberührt dem Weltgetümmel zu /
Es machte Krieg und Pest uns gar geringen Schrecken.
Die Einfalt hieng uns Schild und Giftbedämpfung an /
Wir liessen KriegesRuff uns schlechte Furcht erwecken /
Und zeigten wie man auch bey Unruh ruhen kan.
Es war der Glockenklang bey etzlich tausend Leichen
Uns ein gemeiner Schall / wir dachten / daß die Pest
Wie grausam sie auch scheint noch Menschen übrig läst /
Daß Glutt und Kugeln nicht durch iede Häuser streichen /
Es war uns Troja mehr als Mantua bekandt /
Und mehr das alte Rom als Eng- und Niederland /
Es war uns Elb und Rein ein unbekanntes Wesen /
Was bildeten wir uns nicht von der Tiber ein?
Und was wir von Athen und von Corinth gelesen /
Hieß Londen und Pariß geringe Flecken seyn.
Wir schmeckten dazumahl den Frühling unsrer Jahre /
Der kleinste Garten war vor uns ein Paradieß /
Wir dachten das die Luft nur Rosen auf uns bließ /
Es war der Bezoar uns unbekante Wahre.
Auf unsrer Seiten gieng fast nichts als Freudigkeit /
Vertrauligkeit und Lust verkürtzten uns die Zeit /
Kein Unmuth kont in uns die FreudenCircul stören /
Wir hielten Ja und Nein vor unsern grösten Schwur /
Wir liessen keinen Glantz und Fürnüß uns bethören
Und suchten nur allein der Einfalt reine Spur.
Verdacht und Argwohn war entfernt von unsren Sinnen /
Betrug das war vor uns ein Wort der neuen Welt /
Ein Quintlein reiner Lust war unser LagerGeld /
Kein Irrlicht fauler Brunst hat uns verleiten können /
Ein Einfaltreiner Schertz war unser Zeitvertreib /
Kein Schmuck deckt unsren Geist / kein Gold druckt unsren Leib /
Glaß und auch Diamant war uns von gleicher Würde /
Es hielt die Redligkeit den Hoff auf unsrer Brust /
Es druckt uns dazumahl noch keine SorgenBürde /
Kein Eyfer und Verdruß verpfeffert uns die Kost.
Doch dieser Garten trug nicht süsse Lagerfrüchte /
Verstand und Zeit zubrach das Wohnhaus unsrer Lust /
Viel frembde Regungen beschwungen Geist und Brust /
Und machten unser Thun wie leichten Schnee zunichte /
Wir lernten daß der Zeug der Welt nicht Farbe hält /
Daß Freud' als Stroh verstaubt / und Gunst wie Glaß zerfällt /
Der Eydschwur nicht genung der Menschen Treu verbindet /
Das keine Stunde recht der andern ähnlich ist /
Daß sich Verdruß und Tod in Lust und Kost befindet /
Und man bey Salbey Gift und Molchen hat erkiest.
Es kitzelt' uns ein Trieb die frembde Luft zuschauen /
Im reisen suchten wir das allerhöchste Gutt /
Der Zeug' entfernt zuseyn bewegt uns Geist und Blut /
Wir meinten dar und dort ich weiß nicht was zubauen /
Wir bildeten uns ein / daß Weisheit und Verstand
Uns nicht gewehret wird als nur durch frembde Hand /
Daß nur der Künste Kern in frembden Schalen stecket /
Daß andre Luft uns mehr als unsre witzig macht /
Daß dieser Himmel nicht des Geistes Kraft erwecket /
Und die Natur allein in frembden Orten lacht.
Und diese HertzensLust war endlich auch gebüsset;
Die alte Meisterin der Menschligkeit / die Zeit /
Bewieß / daß der Genieß mit Eckel diß bestreut /
Was uns die HoffnungsHand alleine hat versüsset.
Wir schauten daß das Feld so Kunst und Weißheit hegt /
Auch Wolfsmilch fauler Lust und FeindschaftsNesseln trägt /
Daß fremde List sich auch zu fremden Sprachen setzet /
Daß von der Zierligkeit oft Treu und Glauben weicht /
Und manches schöne Land / so uns zusehr ergötzet /
Vor reine Lilien auch Kröten überreicht.
Wir kamen / du von Nord / und ich von Ost zurücke /
Das scharffe KriegesSchwerd verschrenckt uns unsern Lauff /
Die allgemeine Noth hub unsre Reisen auff /
Wir schauten nichts vor uns als jammerreiche Blicke /
Wir funden manche Stadt in Ziegelgrauß verkehrt /
Das Feld unangebaut die Dörffer gantz verhert /
Dem Pfluge war verwehrt den Acker zu bestreichen /
Und solcher Anblick bließ uns diese Wörter ein:
Der MenschenLeben ist den Büchern zuvergleichen /
Da schwartzer Noten viel / und weiser wenig seyn.
Wir dachten / daß die Zeit so uns mit Feuer dreuet /
So mit dem Donner schreckt und alles traurig macht /
In einem Augenblick aus trüben Wolcken lacht /
Und durch den Gegenschein der Wolfahrt uns erfreuet.
Daß vieler Wochen Angst durch Freude kan vergehn /
Daß Lust und Unlust hier in stetem Wechsel stehn /
Daß dieser Welt Verdruß sich endlich läst vertreiben:
Die Hoffnung bleibet doch das Labsal unser Noth:
Weil wir in Pilgramschaft des Lebens müssen bleiben /
So reicht die Hoffnung uns das beste ReiseBrodt.
Wir liessen uns allso den Schluß des Himmels leiten /
Der uns geführet hat durch Berge See / und Land /
Wir unterworffen uns desselben starcken Hand /
Die uns alleine kan den Ehrenstul bereiten.
Wir lachten manchesmahl bey nicht zu gutem Spiel /
Wir dachten wer verkehrt / diß / was der Himmel wil?
Wir liessen die Geduld des Geistes Pflaster werden /
Das Wetter schauten wir mit steiffen Augen an /
Wir wusten das der Blick von traurigen Geberden
Uns nur verächtlich macht / und nichts verbessern kan.
Es mehrten dergestalt sich auch zugleich die Jahre /
Doch mit Verminderung der Freudigkeit und Ruh /
Es wuchs uns nach und nach der Kräften Abfall zu.
Das Alter bleibet doch der Aufboth zu der Bahre.
Die Sorgen bauten auch ihr Zeughauß bey uns auf /
Der Freudigkeit verschloß der Unmuth ihren Lauff /
Die Kranckheit zeigte sich in Lenden / Haubt und Beinen /
Es war vor uns nicht mehr ein gantzer Feyertag
Es plagten dich und mich nicht selten Sand und Steine /
Doch mehr der Sorgen-Grieß / so uns im Geiste lag.
Die Nacht von der Natur zur Ruhzeit uns geschencket /
So fast der gantzen Welt Entledigung verspricht /
Schloß uns die Augen zwar / doch unsern Kummer nicht /
Wie hat bey kurtzem Schlaff uns mancher Traum gekräncket?
Die Nacht ist ins gemein der Angst Vergrössungs-Glaß /
Viel wachte bey uns auf / was sonst entschlaffen saß.
Wie manches Trauerspiel entspann sich in Gedancken /
Wir seufzten biß das Licht der goldnen Sonne schien /
Sie rieß uns der gestalt zwar aus der Nächte Schrancken /
Doch nahm sie nicht ein Loth von unsrem Kummer hin.
So taumeln wir mein Freund auf dieses Lebens Wegen /
Biß uns der Wolfahrt Ost und unsrer Sorgen West /
So man das Sterben heist aus schweren Fesseln läst /
Und unser Fuß entweicht den Dornen-reichen Stegen.
Wer ist es der allhier der rechten Ruh geneust /
Eh als des Todes Hand ihm seine Lippen schleust /
Und läst uns in die Schoß der alten Mutter kommen?
Dann diß / was uns alhier / Aug / Ehr und Mund erfreut /
Heist zu dem Morgengruß auch bald den Abschied kommen /
Und ist mit Gall erfüllt und Wehmuth überstreut.
Du hast numehr den Port der rechten Ruh erreichet /
Bist aller Noth befreyt / und deines Lebens Kahn
Befällt kein harter Sturm und greift kein Wetter an /
So uns von Ost und West bey Tag und Nacht bestreichet /
Kein kalter Kummer-Wind / kein heisser Donnerschlag /
Beblitzet dir die Nacht / verdunckelt dir den Tag /
Du lebst numehr befreyt vor Jammer / Angst und Schrecken /
Die Sonne wil dir nicht wie vormahls untergeh'n /
Dich wil die Sicherheit mit ihrem Schilde decken /
Und nichts als Freudigkeit an deiner Seite stehn.
Die deutsche Redligkeit / die Anmuth der Geberden /
Die edle Fähigkeit / der Dinge Wissenschaft /
Der Zunge Fertigkeit / der Feder Wunder-Kraft /
Kan nicht wie Haut und Bein zu dünnem Staube werden.
Dein Angedencken lebt in tausend Menschen Geist /
So diß der Afterwelt zuschencken sich befleist /
Dein EhrenRuhm entreist des Todes festem Netze /
Er steiget über sich / kennt nicht den Sturm der Zeit /
Ist niemahls unterthan der Sterbligkeit Gesetze /
Und ist der Seelen gleich von ihrem Spruch befreyt.
Du bleibest beygesetzt in deiner Freunde Hertzen /
Die Ehrensäule hat die Tugend dir gestift /
Dein From und Redlichseyn wird dir zur Grabeschrift /
Und keine Zeit verlescht die hellen EhrenKertzen.
Was Zung' und Feder hat vor Rath und Stadt gethan /
Macht daß man deiner nicht so bald vergessen kan /
Man wird dein Ehrenlob den späten Zeiten zeigen /
Weil in der Erdenschoß der Moder dich zerfällt /
So wird dein TugendRuff der Sonne gleiche steigen /
Wo das gestirnte Heer so fleißig Wache hält.
Die Tugend balsamirt der Menschen Angedencken /
Das Opium der Zeit schläft auch nicht alles ein /
Der gute Leumundt weiß von keinem Grabestein /
Und läst sich nicht so leicht als Haut und Bein versencken.
Die Säulen durch den Geist der Menschen aufgericht /
Frist nicht der Jahre Frost / zermalmt das Alter nicht.
Des Wolverhaltens Baum läst keine Blätter fallen /
Es trotzt sein edler zweig die rauhe WintersZeit /
Er scheuet keinen Reif und keines Donners Knallen /
Und seine Früchte seyn ein Bild der Ewigkeit.
Kan gleich dein Nahme nicht der Sternen Rey vermehren /
Kan er dem Perseus nicht nechst an der Seite stehn /
Und neben dem Mercur nicht auf und nieder gehn /
Sol deiner Strahlen Glantz nicht Mohrenland verehren /
So schadet dieses nicht / das hat der Heyd erdacht /
So Dieb' und Mörder oft zu Gott und Sternen macht.
Der Sternen goldnes Haubt wird Assig übersteigen /
Es schmeltzt Orion doch durch jenem letzten Brand /
Und wann kein Cepheus mehr sich wird im Himmel zeigen /
So bleibt dein Nahme noch verwahrt in Gottes Hand.
Mein Freund bleib wo du bist / geneuß der süssen Stunden /
Dein edle Seele schaut der Strahlen Uberfluß /
Vor der die Sonne selbst verdunckelt werden muß /
Und ohne derer Licht sich hat kein Licht gefunden.
Vor Galle schmeckst du itzt / die süsse HimmelsKost /
Vor KummerDorn umschleust dich Rosensanfte Lust /
Du fühlst nicht mehr den Sturm der Wundertrüben Zeiten /
Mein Freund bleib wo du bist / dich stöst kein Unfall an /
Du kanst auf Lilien und Tuberosen schreiten /
Wol dem / der diese Welt / wie du / verwechseln kan.
Allso begleit ich nun des Liebsten Freundes Bahre /
Und mich begleitet nichts als Unmuth und Verdruß /
Dadurch die Menschligkeit sich meistern lassen muß /
Und immer schwerer wird bey Wachsthum unsrer Jahre.
Den Zucker dieser Welt hab ich genung geschmeckt /
Ich weiß das vielmahls Gift in süssen Mandeln steckt /
Das Frucht und Bäume seyn umzirckt mit gelben Schlangen /
Der Grundstein unsrer Lust ist nichts als Schminck und Schein /
Ich lasse dieser Welt ihr Reichthum und ihr Prangen /
Und wüntsche halb bey Gott und halb verscharrt zuseyn.
 


       Vergänglichkeit

Entferne dich du eitles wesen /
Dein schnödes blendwerck treugt mich nicht /
Mein fester sinn hat ihm erlesen /
Das weder zeit noch wechsel bricht.
Dein falsches scheinen
In glück und freud /
Kehrt bald in weinen
Der schnellen zeit
Vergänglichkeit.
Wie blumen / die des sommers blühen /
Und wenn der abend sich einstellt /
Sich zu der erden niederziehen /
So ist das wesen dieser welt.
Wohl! wer im leben /
Bey freud und leid /
Sich nicht ergeben
Der schnellen zeit
Vergänglichkeit.
Wo sind die theuren Mausoleen?
Wo der palläste göldne pracht?
Wo sind Egypten deine höhen?
Die zeit hat staub daraus gemacht.
Wohl! wer im leben etc.
Wen itzt das glücke hochgestellet /
Dem man geküsset fuß und hand /
Des stuhl wird alsbald umgefället /
Von dieser zeit in unbestand.
Wohl! wer im leben etc.
Der schönheit theure himmels-waare /
Der gestern man als einem GOtt
Gebauet tempel und altare /
Wird heute motten / asch und koth.
Wohl! wer im leben etc.
Was hilfft der schatz / der kaum zu zehlen?
Er mehret nur der sorgen harm /
Ein böser tag kan uns ihn stehlen /
So sind wir gleich den bettlern arm.
Wohl! wer im leben etc.
Zwar güter / muth und frische glieder
Sind werthe gaben / wer sie hat;
Doch schlägt ein unfall jene nieder /
Und diese macht ein windlein matt.
Wohl! wer im leben etc.
Die zeit reist kron und purpur abe /
Zeit ist der dinge rauberin;
Die zeit trägt alle welt zu grabe /
Der zeit kan keine zeit entfliehn.
Wohl! wer im leben etc.
Ist nichts beständige nun zu finden /
So nicht der zeiten zahn verzehrt /
Wer will sein thun hier feste gründen /
Weil alles wie ein kleid verfährt.
Wohl! wer im leben etc.
Fleuch nun du schatten-gleiches wesen /
Dein schnödes blend-werck treugt mich nicht.
Mein sinn hat ihm vor dich erlesen /
Was weder zeit noch wechsel bricht.
Mein gantzes leben
Zu iederzeit /
Bleibt fest ergeben /
In freud und leid /
Der ewigkeit.
 


     Vergänglichkeit der Schönheit

Es wird der bleiche tod mit seiner kalten hand
Dir endlich mit der zeit um deine brüste streichen /
Der liebliche corall der lippen wird verbleichen;
Der schultern warmer schnee wird werden kalter sand /
Der augen süsser blitz / die kräffte deiner hand /
Für welchen solches fällt / die werden zeitlich weichen /
Das haar / das itzund kan des goldes glantz erreichen /
Tilgt endlich tag und jahr als ein gemeines band.
Der wohlgesetzte fuß / die lieblichen gebärden /
Die werden theils zu staub / theils nichts und nichtig werden /
Denn opffert keiner mehr der gottheit deiner pracht.
Diß und noch mehr als diß muß endlich untergehen /
Dein hertze kan allein zu aller zeit bestehen /
Dieweil es die natur aus diamant gemacht.
 


   Verzweifflungs-gedichte

Die augen schloß ich traurig zu /
Die hände deckten meine stirne /
Ich war entblöst von lust und ruh /
Der kummer füllte das gehirne /
Bald wacht ich auff / bald schlieff ich ein /
Bald wolt ich tod und asche seyn /
Bald wünscht ich weit von hier zu leben;
Und daß ja nichts sey unbekannt /
So hat die thorheit meiner hand
Papier und feder übergeben.
Auff auff mein sinn und du mein fuß /
Ich kan nicht länger hier verziehen /
Mein warten bringet mir verdruß /
Ich wünsche von der welt zu fliehen.
Ich spey auff scepter und auff gold /
Man sey mir feind / man sey mir hold /
Es soll mich beydes gleich erquicken;
Die liebe / so uns närrisch macht /
Und uns bezwingt mit dicker nacht /
Soll mir nicht den compaß verrücken.
Ich lache / wenn ich überhin
Mein tummes leben überlege /
Und diß worauff ich kommen bin /
In den gedancken recht erwege /
Mir zittern beydes marck und bein /
Die stirne wird wie eyß und stein /
Es will geblüt und geist erstarren;
Genug geirrt / genug geklagt /
Den irrthum hat die zeit verjagt /
Ich will nicht länger hier verharren.
Ich eil in eine weisse grufft /
Die keine sonne hat berühret /
Und da die eingesperrte lufft
Uns zeitlich zu dem tode führet /
Der schlangen gifft und drachen rauch /
Der fülle nase / brust und bauch /
Und endlich meinen geist vertreibe /
Auff daß die ausgedorrte brust
Als eine recht bestimmte kost
Für junger drachen zähne bleibe.
Und werd ich ja nicht hingericht /
Durch schlangengifft / geschickt zu tödten /
Will keine drachen-mutter nicht
Mir freundlich seyn in meinen nöthen /
So lauff ich in das heisse land /
In welchem der entbrandte sand
Nichts als die löwen will ernähren /
Die werden endlich meine noth
(Denn nichts begehr ich als den todt)
Und auch zugleich mein fleisch verzehren.
Und will mir weder gifft noch zahn
Die seele von dem leibe scheiden /
Ist nichts so mich verzehren kan /
So mag ich doch nicht ferner leiden:
Es soll mir diese schwache hand
Seyn wider meine brust gewand /
Sie soll den schnöden leib durchstechen;
Hat mich das faule blut geplagt /
Und in viel grosse noth gejagt /
So bin ich fertig mich zu rächen.
Die haare gehn den bergen zu /
Wenn ich erwege dieses leben /
Bey welchem fröligkeit und ruh
Verschworen hat mir platz zu geben.
Ich bin ein todter der da geht /
Ein aas so auff den füssen steht /
Und ein verfaulter ohne bahre /
Ein brand von böser brunst gemacht /
Ein scheusal / dessen jeder lacht /
Ein enger kram verachter wahre.
Und daß die feder nicht zu viel
Von meinem bösen leben sage /
So habe sie hiermit ihr ziel /
Ich will nicht daß sie ferner klage /
Mit diesem geht mein wallen an /
Wohl jedem der da bleiben kan /
Mein wohlseyn such ich im verderben.
Ihr guten freunde / gute nacht /
Der wunsch sey euch von mir vermacht /
Mein leben mag mein feind ererben.
 


Was wiltu Doris machen …

Was wiltu Doris machen /
Brich deinen stoltzen geist;
Diß was du schönheit heist /
Sind blumen-gleiche sachen /
Die unbeständig sind /
Und fliehen wie der wind.
Es wird auff deinen wangen
Nicht steter frühling seyn.
Es weicht der sternen schein /
Als wie der blumen prangen.
Die zeit so alles bricht /
Schont auch des leibes nicht.
Was ist der schönheit gläntzen /
Als ein geschwinder blitz?
Sein zubereiter sitz
Besteht in engen gräntzen.
Kein fluß verrauscht so bald /
Als schönheit und Gestalt.
Was heute purpur träget /
Und alabaster führt:
Was sich mit rosen ziert /
Wird morgen hingeleget /
Und ruhet ungeacht
In seiner todes-nacht.
Nun Doris lerne kennen /
Was falscher hochmuth sey /
Bleib nicht alleine frey /
Laß deine jugend brennen /
Und laß der liebe glut
Durchwandern hertz und blut
Gebrauche deine schätze /
Weil blut und blüte siegt.
Wann dich die zeit betriegt /
So trennet auch das netze /
So vormahls um dich hieng /
Und manche seele fieng.
So du dich selbst kanst lieben /
So nimm die warnung an /
Die ich dir itzt gethan.
Ich werde mich betrüben /
So diese rose stirbt
Und ohne lust verdirbt.
 


Wo sind die stunden …

Wo sind die stunden
Der süssen zeit /
Da ich zu erst empfunden /
Wie deine lieblichkeit
Mich dir verbunden?
Sie sind verrauscht / es bleibet doch dabey /
Daß alle lust vergänglich sey.
Das reine schertzen /
So mich ergetzt /
Und in dem tieffen hertzen
Sein merckmahl eingesetzt /
Läst mich in schmertzen /
Du hast mir mehr als deutlich kund gethan /
Daß freundlichkeit nicht anckern kan.
Das angedencken
Der zucker-lust /
Will mich in angst versencken.
Es will verdammte kost
Uns zeitlich kräncken /
Was man geschmeckt / und nicht mehr schmecken soll /
Ist freudenleer und jammervoll.
Empfangne küsse /
Ambrirter safft /
Verbleibt nicht lange süsse /
Und kommt von aller krafft;
Verrauschte flüsse
Erquicken nicht. Was unsern geist erfreut /
Entspringt aus gegenwärtigkeit.
Ich schwamm in freude /
Der liebe hand
Spann mir ein kleid von seide /
Das blat hat sich gewand /
Ich geh' im leide /
Ich wein' itzund / daß lieb und sonnenschein
Stets voller angst und wolcken seyn.
 


Wider das ungeduldige murren

                    1.
Man muß dem himmel weichen,
Und vor der sternen krafft
Die schlaffen seegel streichen:
Des glückes eigenschafft
Verfolget harte sinnen:
Hier hilfft kein streit, kein krieg,
Man kan allhier den sieg
Nur mit geduld gewinnen.
                    2.
Denn flucht ihr aufs Geschicke
So häufft ihr straf und schuld,
Und euer ungelücke
Wird gros durch ungeduld.
Die starcke macht von oben
Verlacht der menschen wuth,
Die mit erbostem muth
Auf ihr verhängniß toben.
                    3.
Klagt ihr die flüchtigkeiten
Der guten stunden an.
Sprecht ihr, der lauff der zeiten,
Hab euch gewalt gethan;
Wo wolt ihr recht erlangen?
Wer wil der richter seyn?
Wird eure seelen-pein
Dadurch ein end empfangen?
                    4.
Und was? Wir sind ja knechte
Des himmels, der uns schlägt:
Wir leiden gar mit rechte,
Was er uns auferlegt:
Wir sind leibeigne sclaven:
Das murren ziemt uns nicht,
Wenn uns das zorn-gericht
Des herren will bestrafen.
                    5.
Kein mittel ist zu finden,
Dadurch ein tapffrer mann
Den sauren unglücks-winden
Die stirne bieten kan,
Als wann er willig leidet
Das, was er leiden muß,
Biß ihm des himmels schluß
Ein besser gut bescheidet.



An Lauretten

Laurette bleibstu ewig stein?
Soll forthin unverknüpffet seyn
Dein englisch-seyn und dein erbarmen?
Komm / komm / und öffne deinen schoß
Und laß uns beyde nackt und bloß
Umgeben seyn mit geist und armen.

Laß mich auf deiner schwanen-brust
Die offt-versagte liebes-lust
Hier zwischen furcht und scham genießen.
Und laß mich tausend tausendmahl /
Nach deiner güldnen haare zahl /
Die geister-reichen lippen küssen.

Laß mich den ausbund deiner pracht /
Der sammt und rosen nichtig macht /
Mit meiner schlechten haut bedecken;
Und wenn du deine lenden rührst /
Und deinen schooß gen himmel führst /
Sich zucker-süsse lust erwecken.

Und solte durch die heisse brunst /
Und deine hohe gegen-gunst
Mir auch die seele gleich entfliessen.
So ist dein zarter leib die bahr /
Die seele wird drey viertel jahr
Dein himmels-rundter bauch umschliessen.

Und wer alsdann nach meiner zeit
Zu lieben dich wird seyn bereit /
Und hören wird / wie ich gestorben /
Wird sagen: Wer also verdirbt /
Und in dem zarten schooße stirbt /
Hat einen sanfften tod erworben.