Hölty

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Inhalt

Biografie

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                 An die Phantasie

Rosenwangigte Phantasie,
Die du Bilder ins Herz deiner Vertrauten mahlst,
Die Vergangenheit aus dem Schoos
Ihrer Mitternacht rufst, hinter den Schleyer blickst,
Der das Auge der Zukunft deckt,
Dich gen Himmel erhebst, unter Verklärten wallst,
In die Harfen der Engel singst,
Und den blendenden Thron Gottes von ferne schaust;
Beut mir immer den Schwanenarm!
Reiß mich flügelgeschwind, über die Wolkenbahn,
In den goldenen Sternensaal!
Oder wandle mit mir, holde Begleiterin,
In die Tage des Flügelkleids,
Die, im scherzenden Tanz, über mein Haupt entflohn,
In die Tage der ersten Glut! - -
Rollt mein Leben zurück? Zauberin Phantasie,
Wohin zauberst du meinen Tritt? - - -
Gaukelnd hüpf' ich daher, hasche den Schmetterling,
Der am Busen der Rose trinkt,
Baue Hütten mir auf, flügle den bunten Ball
Durch die Bläue der Sommerluft! - -
Welche Göttergestalt! Unschuld, die Minnerin
Dieser friedlichen Schäferflur,
Führt ein Mädchen am Arm. Heller und röther blühn
Alle Wangen des Blumenvolks,
Das den schmeichelnden Kuß ihres Gewandes fühlt.
Itzt, itzt schlüpft sie dahin, und mir
Lacht ihr Seelenblick, mir! - - Seh ich die Laube dort,
Wo mein Busen an Agathons
Busen fröhlicher schlug, wo wir den Abendstern
Oft den Himmel besteigen sahn?
Reizend bist du mir stets, schattendes Rebendach,
Wo dein Wonnegespräch, o Freund,
Dein geselliger Scherz, Flügel des Augenblicks
Mancher seeligen Stunde gab! - -
Flieh das blumichte Grab, flüchtige Führerin,
Wo die göttliche Lilla schläft!
Flieh, sonst bricht mir das Herz! - Schwinge dich wolkenan,
Und bewalle mit mir den Stern,
Wo, mit Morgengewölk röthlich umhüllt, ihr Geist
An melodischen Quellen irrt,
Und den Strom des Gesangs, welcher den goldenen
Engelharfen entrauschet, trinkt! - -
Wonne! Wonne! die Welt taumelt zurück! Ich bin
Am Gestade des lichten Sterns!
Lilla hüpfet heran, leitet mich an der Hand
Unter Chöre der Seeligen.
Engel stehen umher, werfen mir Kronen zu,
Winden Palmen mir um den Schlaf - -
Weil auf diesem Gestirn immer, o Phantasie!


                   Der Tod

Stärke mich durch deine Todeswunden,
Gottmensch, wenn die seligste der Stunden,
Welche Kronen auf der Wage hat,
Meinem Sterbebette naht!

Dann beschatte mich, o Ruh, mit linden,
Stillen Flügeln! Geister meiner Sünden,
Nahet euch dem Sterbelager nicht,
Wo mein schwimmend Auge bricht!

Du mein Engel, komm von Gottes Throne,
Bringe mir die helle Siegerkrone,
Wehe Himmelsluft, und Engelruh
Mir mit deiner Palme zu.

Leite mich, auf tausend Sonnenwegen,
Jenem Engelparadies entgegen,
Wo die Gute, welche mich gebar,
Schon so lange glücklich war;

Wo die jungen Geister meiner Brüder
Unter Blumen spielen, süße Lieder
In die Lauten singen, jung und schön,
Zwischen Engeln um mich stehn.

Wohnt' ich doch, von diesem Erdgewimmel
Schont entfernt, in eurem Freudenhimmel,
Theure Seelen! Kniet' ich, kniet' ich schon
An des Gottversöhners Thron!


       An eine Tobakspfeife

Dir, braune Pfeife, die du dem zögernden
Decemberabend schnellere Flucht gebeutst,
Vertraute meiner Einsamkeiten,
Will ich ein Fidibusopfer bringen:

Dies ganze Bündel, das mir mein Agathon
Aus schalen Reimen, Bibliotheken und
Roman drehte. Schwelgt, ihr Flammen,
An den erträumeten Ewigkeiten!

Bestraft den Narren, welcher ins Waffenfeld,
Mit Gänsespulen stattlich bewaffnet, zog,
Tumult aus ehrnem Rachen brüllte,
Närrische Katzengefechte kämpfte;

Den leeren Reimer, welcher, mit goldnem Schnitt,
Im Schoos der schönen Tochter der Enkelinn
Zu ruhen träumte: seine Asche
Sinke, voll gaukelnder Funken, nieder!


                         Parodie

Aequam memento rebus in arduis Servare mentem.
                                                        Hor.

Stets wohne Gleichmuth, wohne Zufriedenheit
In deiner Seele, wann dir der Recensent
Ein Weihrauchkörnchen streuet, oder
Spöttischen Tadel und Grobheit ausströmt.

Des ernsten Weisen, welcher bis an den Bart
In Büchern sitzet, Bogen auf Bogen schreibt,
Des Tändlers, und des frohen Zechers,
Harret die Klaue des Knochenmannes.

Drum laß ins Zimmer, wo dir der Ofen und
Der Lehnstuhl winken, blauer Wacholderduft
Vom Rauchfaß strömt, und Frühlingsscenen,
Vögel und Blumen die Wände schmücken,

Dir Knasterrollen, Pfeifen und Fidibus,
Zum Trunke bringen, den die Levante zeugt,
Bevor die Parce deinen Faden,
Mitten im Fluge der Spindel, kürzet.

Dann wird die theure Bibliotheck verkauft,
Die zentnerschweren Bücher in Folio,
Die Dichter, die mit goldnen Titeln,
Goldenen Blumen, und Schnitten prangen.

Des Todes Sichel mähet dein Leben ab,
Du magst mit Klopstocks Schwunge der Ewigkeit
Entgegen fliegen, oder braunem
Pfeffer und Würze zur Hülle dienen.

O Freund, der Preßen Ewigkeit ist ein Traum,
Das Schicksal stürzet, früh oder spät, das Lied
Des schalen Reimers, und des Dichters
In der Vergeßenheit Nacht hinunter.


                     Der Bund

Dem Kußgelispel ähnlich, wenn Freunde sich
Umarmen, rausche, Harfe! Du Lindenbaum,
Geuß dein Geflüster in die Saiten
Hainings! Er glühet im Wonnetaumel.

Mein Gottschalk nennt mich Bruder! Der Name tönt
Mir süßre Lispel, als mir das Lüftchen tönt,
Das durch die jungen Mayen säuselt,
Wo sich mein Mädchen des Lenzen freuet.

Weg, Liederharfe! - - Teuthard und Minnehold,
Das Herz im Auge, taumeln mir an die Brust,
Und unsre deutschen Liederseelen
Strömen in Gluthen. Was weilst du, Raimund,

Im Mondglanzschatten! - Reiß dich, o Bardenhold,
Aus Raimunds Armen! Flügle dich, schnelles Flugs,
An meinen Busen! - Ah, du strömest
Mir in die bebenden, offnen Arme!

Verlaßt mich, Freunde, daß mir die trunkne Brust
Im kühlern Taumel brenne! - - Mein Bardenhold
Entheb mein Spiel dem Eichensprößling,
Daß ich mein Herz in die Saiten singe!

Noch Einen Rundkuß, Freunde, bevor mein Schwur
Den Bund versiegelt, welchen die Tugend knüpft;
Noch Einen Handschlag vor den Augen
Gottes, der unsichtbar um uns wandelt!

Durch alle Sterne hallt er! Eloa blickt
Aus seiner Wolke nieder, und segnet uns;
Die Geister unsrer Väter schweben
Lichthell und lispelnd um unsre Saiten.

Seyd Zeugen, Engel! - - Haining beschwört den Bund! -
Der Mond blinkt heller, goldner und goldner malt
Sich jede Wolke, die melodisch
In das Gewirbel der Harfe murmelt.

Seyd Zeugen, Geister! - - Haining beschwört den Bund! -
Mein Spiel verstumme flugs, mein Gedächtniß sey
Ein Brandmahl, und mein Name Schande:
Falls ich die Freunde nicht ewig liebe!

Kein blaues Auge weine die Blumen naß,
Die meinen Todtenhügel beduften; falls
Ich Lieder töne, welche Deutschland
Schänden und Laster und Wollust hauchen!

Der Enkel stampfte zornig auf meine Gruft,
Wann meine Lieder Gift in das weiche Herz
Des Mädchens träufeln, und verfluche
Meine zerstäubende kalte Asche! - -

Die Geister flüstern lauter - - die Linde haucht
Mir tiefre Schauer - Schleuß mich in deinen Arm,
O Gottschalk, daß die Seelenschauer
Sich in Entzückung der Freude wandeln!


                   An Teuthard

Trotz jedem Ausland, stürmet Begeisterung
In deutschen Seelen. Barden, ihr zeuget es,
Die ihr von Sarons Palmen, und von
Heimischen Eichen euch Kränze wandet.

Mit schnellern Flügen, als der Hesperier
Und Britte flogt ihr, Barden des Vaterlands,
Auf Bragas Gipfel. Noch war Dämmrung,
Dämmrung zerflog, und die Mittagssonne

Stand hoch am Himmel. - - Muse Teutoniens,
Du bietest deiner Schwester, der Brittinn Trotz,
Und überfleugst sie bald; du lächelst,
Muse, der gaukelnden Afterschwester,

Des bunten Mädchens, das an der Seine Strand
Ein Liedgen klimpert. Schande dem Sohne Teuts,
Der's durstig trinket, weil es Wollust
Durch die entloderten Adern strömet!

Kein deutscher Jüngling wähle das Mädchen sich,
Das deutsche Lieder haßet, und Buhlersang
Des Galliers in ihrer Laute
Tändelnde Silberaccorde tönet!

Schwing deine Geißel, Sänger der Tugend, schwing
Die Feuergeißel, welche die Braga gab,
Den Natternschwarm, der unsre deutsche
Redligkeit, Keuschheit und Treue tödtet,

Zurückzustäupen. Ich will, o Freund, indeß,
Wenn deine Geißel brauset, der tollen Brut,
Am Busen eines deutschen Mädchens,
Unter den Blumen des Frühlings, lachen.


                 An meine Freunde

Schande ladet der Mann auf sich,
Auf sein sklavisches Volk, welcher den Meucheldolch
In den Busen der Unschuld senkt,
Und in Engelgewand hüllet den Otternleib
Seiner Göttin der Buhlerey.
Edle schwören ihm Haß! Streuet ein Schmeichelsklav
Kron' auf Kronen in seinen Schoos,
O er jauchze nur nicht! Prahler dein Lorbeer welkt,
Eh dein Leben verflogen ist,
Welkt, und schändet dein Haupt! Grünt er Aeonenlang,
Keiner neidete solchen Kranz,
Welcher träufelt von Tod! Reue der Seelenwurm
Reißt vom Schlummer sich jählings auf,
Und zerwühlet sein Herz! Töchter des Schöpferhauchs,
Mädchenseelen, durch ihn verführt,
Wimmern gegen ihn hin, wimmern und starren Fluch,
Kommt sein eiserner Todestag.
Jedes Buhlergelust, das er entzündete,
Wird zum Teufel, und geißelt ihn
Auf dem Lager der Rast, bis er den Geist verhaucht.
Sünder, stürzeten Ströme Bluts
Deine Wangen herab, stürzeten, bis des Tods
Eisenklauigte Würgerfaust
Dräuend über dir schwebt, Sünder, sie weinten nicht
Deiner Frevel den kleinsten aus!
Freunde beuget das Knie, danket zu Gott hinauf,
Daß kein Tropfen des Seelengifts
Rann aus euren Gesang, danket zu Gott hinauf!


                      Der Tod

Wann, Friedensbothe, der du das Paradies
Dem müden Erdenpilger entschließest, Tod,
Wann führst du mich mit deinem goldnen
Stabe gen Himmel, zu meiner Heymath?

O Waßerblase, Leben, zerfleug nur bald!
Du gabest wenig lächelnde Stunden mir,
Und viele Thränen, Quaalenmutter
Warest du mir, seit der Kindheit Knospe

Zur Blume wurde. Pflücke sie weg, o Tod,
Die dunkle Blume! Sinke, du Staubgebein,
Zur Erde, deiner Mutter, sinke
Zu den verschwisterten Erdgewürmen.

Dem Geiste winden Engel den Palmenkranz
Der Überwinder. Rufet, o Freunde, mich
Nicht wieder auf das Meer, wo Trümmer,
Thürmende Trümmer das Ufer decken.

Wir sehn uns, Theure, wieder, umarmen uns,
Wie Engel sich umarmen, in Licht gehüllt,
Am Throne Gottes, Ewigkeiten
Lieben wir uns, wie sich Engel lieben.


           An einen Blumengarten

Sehnsuchtsthränen rinnen dir oft, die süßen
Sehnsuchtsthränen später Erinnrung, werthe
Scene meiner goldenen Knabenfreuden,
Liebster der Gärten!

Deiner Beete blitzende Wechselfarben,
Wo sich Buttervögel im Thau besahen,
Und auf Silberrosen das Bild des schönen
Frühroths sich mahlte;

Deine Schattenlauben, und Blüthenwipfel,
Wo die Vögel zwitscherten, wo die Bienen
Ihr Entzücken summeten, stehn mir immer,
Immer vor Augen.

Wie die silberschwingigten Stunden tanzten,
Wann ich Veilchenkränze für meine Schwester
Wand, und deine Blumen mit buntgeschnitzten
Stäben vermählte!

Immer, immer schau ich die werthen Plätze,
Wo du mit mir wandeltest, theurer Vater!
Wo dein Mund, dein redlicher Mund, der Tugend
Schöne mich lehrte.

Und die Blumenwasen, wo meine Laura
Durch die tausendfarbichten Kräuterblümchen
Hüpfte, sanftbeglänzet vom Abendgolde,
Zephyrlich hüpfte.

Welch ein Wonnelächeln ihr um die Wangen
Floß! Noch in den Auen des Paradieses
Will ich deiner, blühender Garten, deiner,
Mädchen, gedenken.


              Bey Michaelis Grabe

Sey mir heilig, o Flur, wo Michaelis schläft,
Von den Edeln beklagt, wo sein gebeugter Gleim
Thränen, Thränen des Herzens,
Auf den steigenden Hügel goß.

Öde trauert umher, manches verwelkende
Blatt umwirbelt dich, Grab, flüstert dem Wandelnden
Süße Schwermuth entgegen,
Ein Verkünder der Sterbligkeit.

Wecke, kehrest du Lenz, wecke die Nachtigall
Hier zu Klagegesang, streue manch farbigtes
Blümchen unter die Neßeln,
Die hier Schauer dem Narren wehn.

Und du, seliger Geist, reiße dich lächelnd aus
Jähns Umarmungen los, schwinge, du Seraph, dich
Erdhernieder, wo schluchzend
Gleim die Laute der Trauer schlägt;

Oder schluchzend, an Schmidts Busen gesenket, spricht:
Ach, den redlichen Freund, warum entrief der Tod,
In der Blume der Jugend,
Ihn, das Muster der Biederkeit?

Warum schweiget das Spiel, welches dem Laster bald
Rache donnerte, bald leiseren Lautes scholl,
Unter den Blüthen des Mayen,
Von der Süße der Liebe scholl?

Lispl' ihm Trost in die Brust, Heiterkeit in den Blick,
Du Bewohner des Lichts, wandle dann strahlender,
Engelthränen im Auge,
Durch die Chöre der Seligen.

Sey mir heilig, o Grab! Enkel und Enkelin
Bist du heilig, wie mir, Barden der Afterwelt
Weihn dir Lieder der Klage,
Wenn dein Moos schon begonnen ist.


                          Laura

Kein Blick der Hoffnung heitert die Seele mir,
Kein Blick der Freude! Nimmer, ach, nimmer wird
Dein Auge, Laura, meinem Auge
Wieder begegnen, und Liebe sprechen.

Dein ehrner Fußtritt hallte mir oft, o Tod,
In meiner Kindheit werdenden Dämmerung,
Und manche Mutterthräne rann mir
Auf die verblühende Knabenwange.

Wer hemmte deinen Bogen? O Seraphim,
Was flogt ihr mit der Krone zurück, und mit
Den Siegespalmen, die ihr eurer
Scheidenden Schwester entgegenhieltet?

O Kronengeber, welcher den Sterblichen
Die Ketten abreißt, komm, und entfeßle mich,
O Wonnetod! Dann schweb ich Lauren,
Lauren entgegen, und bin ihr Engel!


                            Laura

Bald wird des Grabes Ruhe mich decken, bald
Umschweb ich Lauren, Ahnungen sagens mir,
Die Sterbeglocke schalt mirs, nächtlich
Hör ich ihr Schallen, und Engel rufen:

Du sollst getröstet werden, du Weinender,
Um Lauren schweben, bis sie das Paradies
Mit dir bewohnet. - Todesstunde,
Flügle die Schritte, du Menschenfreundin,

Du Bothin Gottes! Wonne mir, Wonne mir,
Ich ströme, kommst du, kniend, wo Laura kniet,
Anbetung über sie, und Andacht,
Wann sie vom Kelche des Bundes trinket.

Und süßre Schauer, Schauer der Seraphim
Am Throne Gottes, tönet sie Preißgesang,
Vom Mayenfrühroth angelächelt,
Aus dem begeisterten vollen Herzen.

Ich folg', im Mondenschimmer, der Denkerin
Durch deine Kühlung, duftende Frühlingsnacht,
Und decke, wann ihr Auge sinket,
Sie mit verbreitetem Flügel; wehe

Den Morgenschlummer, wehe den frommen Traum
Von ihrer Stirn, und führe die Wachende
Zum Garten, sich der Mayenblüthen,
Sich des Gezwitschers umher, zu freuen.

Sie dankt mir, o Gedanke voll Seeligkeit!
Dereinst die hohen Christengefühle, dankt
Mir einst am Throne des Erlösers
Jede vergoßene Christenthräne.


       An Daphnens Kanarienvogel

Liebes Vögelein, ach, wie ruhig schläfst du,
Dein gesunkenes Köpflein unterm Fittig;
Träumst Gesänge des Tages, pickst aus Daphnens
Schönen Händen ein Stücklein Zucker, oder
Was für herrliche Träume dich umgaukeln.
Neidenswerther, ach, zehnmal neidenswerther
Ist, o Vogel, dein Schicksal, als das meine!
Nie umflattert des Schlummers Rosenfittig
Diese weinenden Augen. Daphne klopfet
Mir in jeglichem heißem, lautem Herzschlag;
Und die Wage der Götter wog uns Trennung.
O was frommet mir solch ein Trauerleben!
O verwandelten mich die guten Götter
In dieß Vögelein! O wie wollt ich Daphnens
Busen zwitschernd entgegenflattern, mich auf
Ihren Armen ein Weilchen wiegen, und auf
Ihrer Schulter ein Minneliedchen flöten!
In die Saiten des Flügels wollt ich girren,
Wann ihr fliegender kleiner Finger spielte,
Bis ihr Mündlein mit einem Kuß mir dankte!
Dann, dann würd ich mit keinem Sultan tauschen,
Wann auch hundert der schönsten Landesjungfraun
Um die Ehre des seidnen Schnupftuchs buhlten!
Traun, dann würden die Götter samt und sonders
Mich, im hohen Olymp, ein wenig neiden!


                 An die Grille

Warum zirptest du mich, o böse Grille,
Aus dem süßesten Traume? - Laura saß mir,
Überschattet von Rosen, gegenüber,
Wand aus weißen und rothen Blumen Kränze,
Sang, wie Engel im Paradiese singen,
Ach, und lächelte, daß mein trunknes Herz mir
Vor Entzückung beinah zerfloßen wäre. -
Warum zirptest du mich, o böse Grille,
Aus dem süßesten Traume? Flieh mein Lager,
Kleine Zirperin, wecke, wecke Lauren
Aus dem Schlummer. Vielleicht gedenkt sie meiner,
Beym Erwachen, und seufzet, "armer Jüngling,
Warum waltet ein Unstern über unsrer
Liebe? Könnt' ich die Deine werden, könnt' ich
An dies klopfende Mädchenherz dich drücken,
Traun, du würdest mich zärtlich, zärtlich lieben,
Bis zum Grabe mich lieben", ach, und weinet
Auf ihr Küßen das schönste Thränchen, welches
Je ein Mädchen geweint hat. - Bleib, o Grille,
Keine Zähre soll Laurens Auge trüben,
Ich will Klagen in deine Klagen wimmern,
Will mein trauriges Herz mir leichter weinen.


                 [An Damon]

- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Auf die Erde zu kommen, Mädchenbildung
Anzunehmen, und unsre Heimathsfluren
In ein blühendes Eden umzuzaubern.
Lebt' ich tausend und tausend Jahr, ich würde
Nie was Schöners erblicken. Ihre Wange
Gleicht der Blüthe des Pfirsich, rothen Rosen
Gleicht ihr Mündlein. Aus ihrem blauen Auge
Bickt die Milde des Herzens. Sähst du ihres
Mundes liebliches Lächeln, traun, du würdest
In den Himmel zu blicken glauben. Aber,
Ach, du wirst sie wohl nimmer sehen, bis du
Sie dereinstens im Paradiese Gottes,
Unter Engeln itzt wandeln, itzt an meinem
Arme lichthell und lächelnd hüpfen siehest.
Weine, Damon, mit mir! Sie war einst meiner
Blüthenjahre Gespielin, war mir lieber,
Als mein Leben. Ein Mißverhängniß bannte
Sie in ferne Gefilde. Nimmer, nimmer
Wird dies Auge sie schauen. Veilchen will ich
Auf die Spuren des süßen Liebchens streuen,
Naßgeweinte Veilchen, will mich ihres
Seelenlächelns erinnern, und dann sterben.


                  An ein Veilchen

                  (nach dem Zappi)

Birg, o Veilchen, in deinem blauen Kelche,
Birg die Thränen der Wehmuth, bis mein Liebchen
Diese Quelle besucht. Entpflückt die Schöne
Dich dem Rasen, die Brust mit dir zu schmücken,
O dann schmiege dich an ihr Herz, und sag ihr,
Daß die Tropfen, in deinem blauen Kelche,
Aus der Seele des treusten Jünglings floßen,
Der sein Leben verweinet, und den Tod wünscht.


                          An Gott

Du Gott der Langmuth, gehe nicht ins Gericht
Mit deinem Knechte! Niedergestürzt in Staub,
Bekenn ich, mit zerknirschtem Herzen,
Meine begangenen Jugendfehle,

Und flehe Gnade! Taumelnd vom süßen Wahn
Der Erdenfreude, schwankt ich von Tand zu Tand,
Und liebte dich, und meinen Heiland
Nicht mit der vorigen Feuerinbrunst.

Ein buntes Blümchen, das der Verwelkung wuchs,
War meine Gottheit! Zürne des Jünglings nicht,
Der Opferschalen deines Altars
Einer verwelkenden Blume weihte!

Ach, heißres Feuers, liebt ich ein sterblich Weib
Als meinen Mittler, der mich entsündigte,
Vergaß des Himmels und der Hölle,
Träumte mir irdische Seligkeiten.

Im Beichtstuhl selber, donnere nicht so laut
Du innrer Richter! wann mir die Segenshand
Des Priesters auf der Scheitel ruhte,
Brannte das Mädchen mir tief im Marke.

An deinem Tische, Bluter auf Golgatha,
War Laura meiner Seele Gefühl und Wunsch,
Und Sehnsuchtsthränen, ihr geweinet,
Träufelten über den Kelch des Bundes.

Du Gott der Langmuth, gehe nicht ins Gericht
Mit deinem Knechte! Dir ist des Sünders Tod
Nicht Wohlgefallen! Nie verschloß sich
Reuigen Thränen dein Herz, o Vater!


An Laura, bey ihrer Schwester Sterbebette

Wanke näher an das Sterbebette,
Wo Lucindens Hülle starrt,
Wo ihr Geist von seiner Sclavenkette
Loßgekettet ward.

Helle deinen Thränenblick! Am Throne,
Wo der Gottversöhner thront,
Ist Lucinde mit der Siegeskrone,
Wohl ihr! schon belohnt.

Denke dieser bleichen Todesmine,
Dieses Lagers, wo du weinst,
Wann du wieder auf der Narrenbühne
Deiner Stadt erscheinst.

Ihres Kampfes denk', und ihres Röchelns,
Erdgedanken zu zerstreun,
Ihres Glaubens, ihres letzten Lächelns,
Gottes dich zu freun.


                     An Sangrich

Noch wohnet Unschuld, die von der Marn' entfloh,
In deutschen Mädchen. Tugend und Sanftmuth blickt
Aus ihren großen blauen Augen,
Wo sich der Engel, die Seele, spiegelt.

Nicht Purpurrosen, welche die Schminke schafft,
Entknospen auf den Wangen der Mädchen sich;
Die mögen auf den Wangen Deiner
Töchter, Lutetien, sich entfalten!

Die süße Röthe schüchterner Sittsamkeit
Umströmt ihr Antlitz, wenn sich der Jüngling naht,
Den ihre Seelen lieben, und dann
Blicke den Blicken entgegenschmachten.

Ein freudenseelig Lächeln entschwebet oft
Den Grübchen ihrer Wangen und blitzet flugs
Ein Eden in die Brust - - O Wonne!
Wonne dem Sänger der deutschen Mädchen!

Sie lieben deutsche Lieder, beseelen oft
Klavier und Laute, gießen den Silberstrom
Des Zaubersangs darinn - - O Wonne!
Wonne dem Sänger der deutschen Mädchen!

Sey, Freund, ihr Sänger! Mutter Natur verlieh
Dir zart Gefühl und zaubernden Harfengriff;
Es wandeln sich ob Deinen Liedern
Stürme des Busens ins Westgesäusel.

Besing die Wonnen, welche die Liebe giebt,
Der Tugend Schwester, wenn sich der Geist besäuft,
Durch tausend Irren schwankt, dem offnen
Himmel der Himmel entgegentaumelt.

Lobpreis' auch Unschuld, Unschuld, den Genius
Der deutschen Mädchen; Sänger, Dein süßes Lied
Soll einst das Mädchen wirbeln, das mich
Künftig, so flüstert mein Engel, liebet;

In Blüthenlauben wirbeln, wenn Dämmerung
Beströmt mit Röthe winket - - Wir kosen dann
Den Abendstern ins Meer hinunter,
Kosen von Dir und unsrer Freundschaft.


     Töffel und Käthe,

         eine Ballade

Zween fromme Wunderthäter,
Vom Ost bis West bekannt,
Durchwanderten, mit Ablaß
Bepackt, das Schwabenland.
Verbannten manchen Kobold
Und manchen bösen Alp,
Und heilten manchen Junker
Und manches kranke Kalb.

Sie kamen, als die Sonne
Zum Ocean entwich,
Und flötend Hirt und Schäfer
Durch Abendschatten schlich,
In ein umbüschtes Dörfchen,
Ersahn des Amtmanns Haus,
Und baten, tiefgebücket,
Sich eine Mahlzeit aus.

Der Amtmann sprach: ihr Herren,
Kehrt in den Gasthof ein,
Ich habe keinen Braten,
Und keinen Tropfen Wein;
Und warf darauf die Hausthür
Vor ihrer Nase zu,
Und brummt' heraus zum Fenster:
Fort, angenehme Ruh!

Der Pfarrer und der Küster
Schalt sie nicht minder fort.
Sie stolperten durchs Dörfchen,
Und fanden keinen Port.
Doch endlich guckte Töffel
Zum Stubenfenster aus,
Und lud die Wunderthäter
Durch einen Wink ins Haus,

Empfieng, mit bloßen Haupte,
Die Herren an der Thür,
Und murmelte: mein Kätchen,
Hohl eine Kanne Bier,
Daneben Brodt und Butter,
Und Schweizerkäs' und Wurst. -
Sie stillten ihren Hunger,
Und löschten ihren Durst;

Erzählten, nach der Mahlzeit,
Am hellen Tannenfeur,
Dem lieben Wirth und Wirthin,
Viel hundert Ebentheur:
Daß sie den Teufel einstens
Beym Hexentanz ertappt,
Der sich in einen Schaafbock,
Mit langem Schwanz verkappt;

Die Hexen und den Teufel,
Der fürchterlich geblöckt,
Durch ein allmächtig Ave
Zur Hölle fortgeschreckt;
Die scheuslichsten Gespenster
In einen Sack geschnürt,
Und, bald in öde Schlößer,
In Wälder bald, geführt.

Sie schwatzten, bis der Morgen
Durchs Hüttenfenster schien.
Herr Bruder, sprach der eine
Zum andern: laßt uns ziehn.
Was ziehn? Nein, dieses Dörfchen
Soll, eh wir weiter gehn,
Das schwör ich dir, Herr Bruder,
Ein Strafexempel sehn.

Schnell rollten Wetterwolken,
Von Blitz und Donner schwer,
Herauf; die Fluthen stürzten
Schnell auf das Dorf daher;
Des Blitzes Feuerflügel
Schoß durch die Luft dahin;
Der Amtmann schwamm im Waßer
Nebst seiner Amtmannin.

Nicht minder schwamm der Pfarrer,
Erbärmlich anzuschaun,
Im Schlafrock und Pantoffeln.
Das Schrecken und das Graun
Saß auf den Waßerwogen.
Es flatterte, voll Schaums,
Manch knotigte Perücke
Im Wipfel eines Baums.

Kontuschen, Strümpfe, Mieder,
Und Hauben sonder Zahl,
Des Pfarrers Priestermantel,
Und Kragen allzumal,
Durchtaumelten die Fluthen,
Nebst einem halben Schock
Zerrißner blauer Hosen,
Und manchem Unterrock.

Des Küsters Festperücke
Hieng, jämmerlich durchnäßt,
Am Wetterhahn des Thurmes,
Wie man berichtet, fest.
Kein Eselein, kein Oechslein,
Kein Mensch entkam der Fluth;
Der fette Braten schmeckte
Dem, Gott sey bei uns, gut.

Die Mönche sagten: Töffel,
Du bist dem Tod entflohn;
Die andern Bösewichter
Empfiengen ihren Lohn.
Dein kleines, schwarzes Hüttchen,
Du guter Biedermann,
Soll eine Kirche werden,
Mit einem Thurm daran.

Urplötzlich stand die Kirche,
Mit ihrem Thurme, da.
Er machte große Augen,
Wie er die Kirche sah.
Der Keßel ward zur Glocke,
Und hieng itzt umgekehrt,
Der Sorgestuhl zur Kanzel,
Und zum Altar der Heerd.

Voll trunkener Entzückung,
Sprang er auf einem Bein,
Und rief: daß dich der Teufel,
Hier möcht' ich Pfarrer seyn!
Die Mönche lachten Beifall.
Ein geistlicher Ornat,
Ein kahler Rock und Mantel
Lag schon für ihn parat.

So kam per fas et nefas
Der gute Mann zu Brodt.
Er malte seinen Bauern
Die Hölle ziemlich roth.
Sein Element war Ruhe,
Sein Petum, optimum,
Der Armstuhl und die Zeitung
War ihm Elysium,

Saß, mit verschränkten Beinen,
Verhüllt in Petumduft,
Und bließ manch blaues Wölkchen
Zufrieden in die Luft.
Sein Kätchen war ein Muster
Von einer braven Frau;
Kein Auge war im Dörfchen
So heiter und so blau!

Kein Ehestand vergnügter,
Seit Adam Evgen nahm.
Er laß in der Postille,
Sie saß am Näherahm.
Dann zogen ihre Wangen
Des Gatten frommen Blick
Vom heiligen Gepolter
Des Bußsermons zurück.

Dann regneten die Mäulchen
Auf ihren rothen Mund;
Ein hübsches festes Siegel
Für ihren Ehebund!
So rollten Jahr auf Jahre,
Voll süßer Freud', herum.
Die beiden Gatten lebten
Beynah ein Seculum,

Betraten endlich beide,
Steinalt und lebenssatt,
An einem Mayenmorgen,
Den düstern Todespfad.
Vor ihrem Tode giengen
Viel Ahndungen vorher:
Ihr Sterbelichtgen hüpfte
Den Kirchenweg daher.

Der Spuk des Todtengräbers
Grub, was nachher geschah,
Um Mitternacht, zwo Grüfte,
Wie Heinz der Küster sah.
Das Heimchen zirpte kläglich,
Das lange nicht gezirpt.
Gelt, sagten alle Bauern:
Gelt, unser Pfarrer stirbt.

Sie starben beide richtig.
Ihr grauer Leichenstein
Kann, wenn ihr es nicht glaubet,
Davon ein Zeuge seyn.
Holunderbüsche ragen,
Um ihre Gruft, empor,
Und flüstern manchen Schauer
Der Dörferinn ins Ohr.


                   Trauerlied

Du blaues Aug, du Quelle meiner Freuden,
Wann lachst du mir,
Wann find ich, wann, nach tausend Seelenleiden,
Die Ruh in dir?

Wirst du mir nicht die Wonne wiedergeben,
Die mir entfloh,
So werd ich nie, in diesem Pilgerleben,
Des Daseyns froh.

So werd ich bald, ach! bald verwelken müßen,
Ein Blüthenblatt,
Das Boreas, dem Rosenstock' entrißen,
Verwehet hat.

O lächle mir, worin das Bild des Himmels
So hell sich zeigt,
Bevor mein Geist, satt dieses Erdgewimmels,
Zu Gott entfleugt.


An eine Nachtigall, die vor meinem Kammerfenster sang

Gieß nicht so laut die liebglühnden Lieder,
Zu meiner Quaal,
Vom Blüthenast des Apfelbaums hernieder,
O Nachtigall!

Sie tönen mir, o liebe Philomele,
Das Bildniß wach,
Das lange schon, in meiner trüben Seele,
Im Schlummer lag.

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Die Unholdinn verbannet Rast und Schlummer
Durch ihren Stab,
Und stürzet uns, nach jahrelangem Kummer,
Wohl gar ins Grab.

Sie trinkt voll Gier von unserm Herzensblute,
Und schwelgt sich satt;
Giebt Dornen dem, der sonst auf Rosen ruhte,
Zur Lagerstatt.

Und machet ihm die Welt zum offnen Grabe,
Das seiner harrt.
Unglücklich, wer von ihrem Zauberstabe
Getroffen ward!

Fleuch tiefer in die grünen Finsterniße,
O Sängerin,
Und spend im Nest der treuen Gattin Küße,
Fleuch hin, fleuch hin!


                 An ein Ideal

Du süßes Bild, das mir mit Feurentzücken
Die Seele füllt,
Wann werd ich dich an meinen Busen drücken,
Du süßes Bild?

Wenn mich am Bach, beym Wehn der Pappelweide,
Der Schlaf umwallt,
Erscheinst du mir, im weißen Abendkleide,
Du Traumgestalt.

Und flatterst oft, in früher Morgenstunde,
Durch mein Gemach,
Und küßest mich, mit deinem rothen Munde,
Vom Schlummer wach.

Lang glaub ich noch den Herzenskuß zu fühlen,
Der mich entzückt,
Und mit dem Strauß an deiner Brust zu spielen,
Der mir genickt.

So gaukelt mir, in tausend Phantaseyen,
Der Tag dahin.
Bald seh ich dich, im Schatten grüner Mayen,
Als Schäferin.

Und flugs darauf, im kleinen Blumengarten,
Wie Eva schön,
Des Rosenbaums, des Nelkenstrauchs zu warten,
Am Beete gehn.

Erblick ich dich, die ich vom Himmel bitte,
Erblick ich dich,
So komm, so komm in meine Halmenhütte,
Und tröste mich.

Ich will ein Dach von Rebenlaube wölben,
Dich zu erfreun,
Und deinen Weg mit rothen und mit gelben
Jesmin bestreun.

Ins Paradies, an deiner Brust, mich träumen,
Mein süßes Kind,
Und froher seyn, als unter Lebensbäumen
Die Engel sind.


                    An den Mond

Geuß, lieber Mond, geuß deine Silberflimmer
Durch dieses Buchengrün,
Wo Phantaseyn und Traumgestalten immer
Vor mir vorüberfliehn.

Enthülle dich, daß ich die Stäte finde,
Wo oft mein Mädchen saß,
Und oft, im Wehn des Buchbaums und der Linde,
Der goldnen Stadt vergaß.

Enthülle dich, daß ich des Strauchs mich freue,
Der Kühlung ihr gerauscht,
Und einen Kranz auf jeden Anger streue,
Wo sie den Bach belauscht.

Dann, lieber Mond, dann nimm den Schleier wieder,
Und traur um deinen Freund,
Und weine durch den Wolkenflor hernieder,
Wie dein Verlaßner weint.


               Minneglück

Wie war ich doch so seldenreich,
Dem Kayser und dem König gleich,
In meinen Minnejahren,
Als Julie, das schönste Kind,
Schön, wie die lieben Engel sind,
Und ich beysammen waren.

Ich sah sie, wann die Vögellein
Dem Morgen trillerten im Hayn,
Ach Gott, mit welcher Freude,
Bald vor dem offnen Fenster stehn,
Bald durch den bunten Anger gehn,
Ach Gott, mit welcher Freude!

Ich sah sie, wann die Sonne floh,
Der linden Maienkühle froh,
In ihrem Blumengarten,
Gleich Even, vor dem Sündenfall,
Begrüßet von der Nachtigall,
Der jungen Blümchen warten.

Sie gab mir manchen Minneblick,
Zog niemahls ihre Hand zurück,
Wann ich die Hand ihr drückte,
Sah immer aus wie Milch und Blut,
War immer froh und wohlgemuth,
So oft ich sie erblickte.

Wie war ich doch so seldenreich,
Dem Kayser und dem König gleich,
In meinen Minnejahren,
Als Julie, das schönste Kind,
Schön, wie die lieben Engel sind,
Und ich beysammen waren!