Hölty

Seite 5

Inhalt

Biografie

     Lebenspflichten

Rosen auf den Weg gestreut,
Und des Harms vergeßen!
Eine kleine Spanne Zeit
Ward uns zugemeßen.

Heute hüpft, im Frühlingstanz,
Noch der frohe Knabe;
Morgen weht der Todtenkranz
Schon auf seinem Grabe.

Wonne führt die junge Braut
Heute zum Altare;
Eh die Abendwolke thaut,
Ruht sie auf der Bahre.

Ungewißer, kurzer Daur
Ist dieß Erdeleben;
Und zur Freude, nicht zur Traur,
Uns von Gott gegeben.

Gebet Harm und Grillenfang,
Gebet ihn den Winden;
Ruht, bey frohem Becherklang,
Unter grünen Linden.

Laßet keine Nachtigall
Unbehorcht verstummen;
Keine Bien', im Frühlingsthal,
Unbelauschet summen.

Fühlt, so lang es Gott erlaubt,
Kuß und süße Trauben,
Bis der Tod, der alles raubt,
Kommt, sie auch zu rauben.

Unser schlummerndes Gebein,
In die Gruft gesäet,
Fühlet nicht den Rosenhayn,
Der das Grab umwehet.

Fühlet nicht den Wonneklang
Angestoßner Becher;
Nicht den frohen Rundgesang
Weingelehrter Zecher.


 Trinklied im Winter

Das Glas gefüllt!
Der Nordwind brüllt,
Die Sonn' ist niedergesunken!
Der kalte Bär
Blinkt Frost daher,
Getrunken, Brüder, getrunken!

Die Tannen glühn
Hell im Kamin,
Verstreuen knatternd die Funken!
Der edle Rhein
Gab uns den Wein,
Getrunken, Brüder, getrunken!

Der edle Most
Verscheucht den Frost,
Und zaubert Frühling hernieder;
Der Trinker sieht
Den Hain entblüht
Und Büsche wirbeln ihm Lieder!

Er hört Gesang,
Und Harfenklang,
Und schwankt durch blühende Lauben;
Ein Mädchenchor
Rauscht schnell hervor,
Und bringt ihm goldene Trauben!

Sauf' immerfort,
O Winternord,
Im schneebelasteten Haine;
Nur streu dein Eis,
O lieber Greis,
In keine Flaschen mit Weine!

Die stolze Frau
Färb braun und blau,
Die Ahnenschwindel erfüllet;
Nur mußt du fliehn
Den Hermelin,
Der junge Busen verhüllet!


               An die Phantasie

Ewig träufle dein Kelch, Zauberin Phantasie.
Seinen Himmel auf mich herab;
Ewig lächle dein Blick deinem Geweyheten,
Der an deinem Altare kniet!
Dein unsterblicher Fuß weilet, o Königin,
An den Quellen des Morgenroths;
Du entschöpfest dem Quell liebliches Rosenlicht,
Und bestrahlest die Erdenwelt.
Dein allmächtiger Wink winket den Himmel schnell
Auf die trauernde Erd herab;
Streut ein Tempe mir hin, bauet mir Lauben auf,
Bettet Betten von Rosen mir.
Du entpflückest dem Thal Edens, o Königin,
Aetherblumen zum Kranze dir;
Und umsäuselst die Stirn deiner Erkohrenen
Mit dem träufelnden Strahlenkranz.
Eine Grazie hüpft, leicht wie ein Rosenblatt,
Liebelächelnd mir auf den Schooß;
Und ich senke mein Haupt an die geliebte Brust,
Schweb in Träumen Elysiums.
Trunken wandl' ich mit ihr, strömet das Abendroth,
Durch die schlummernden Blumen hin;
Durch den purpurnen Hain, durch das Gebüsch von Gold,
Durch das schlummernde Mondenlicht;
Und aus Rosengewölk lächelt der Abendstern
Meiner Wallerin ins Gesicht.
Ewig träufle dein Kelch, Zauberin Phantasie,
Seinen Himmel herab auf mich!


       Die Schale der Vergeßenheit

Eine Schale des Stroms, welcher Vergeßenheit
Durch Elysiums Blumen rollt,
Eine Schale des Stroms spende mir, Genius!
Dort wo Phaons die Sängerin,
Dort wo Orpheus vergaß seiner Eurydice,
Schöpf die goldene Urne voll!
Dann versenk ich dein Bild, spröde Gebieterin,
In den silbernen Schlummerquell!
Den allsiegenden Blick, der mir im Marke zuckt,
Und das Beben der weißen Brust,
Und die süße Musik, welche der Lipp' entfloß,
Tauch ich tief in den Schlummerquell!


          An Daphne

Birg die schmachtenden Augen,
Wo die Götter der Liebe
Ihre Pfeile vergolden,
Birg die schmachtenden Augen mir!

Birg den bebenden Busen,
Wo die Götter der Liebe
Auf den Hügeln sich betten,
Birg den bebenden Busen mir!

Birg die purpurne Wange!
Sonst ersink ich dem Taumel,
Und zerküße den Busen,
Und die purpurne Wange dir!


                Hexenlied

Die Schwalbe fliegt,
Der Frühling siegt,
Und spendet uns Blumen zum Kranze!
Bald huschen wir
Leis' aus der Thür,
Und fliegen zum prächtigen Tanze!

Ein schwarzer Bock,
Ein Besenstock,
Die Ofengabel, der Wocken,
Reißt uns geschwind,
Wie Bliz und Wind,
Durch sausende Lüfte zum Brocken!

Um Belzebub
Tanzt unser Trupp,
Und küßt ihm die dampfenden Hände;
Ein Geisterschwarm
Faßt uns beym Arm,
Und schwinget im Tanzen die Brände!

Und Belzebub
Verheißt dem Trupp
Der Tanzenden Gaben auf Gaben;
Sie sollen schön
In Seide gehn,
Und Töpfe voll Goldes sich graben.

Die Schwalbe fliegt,
Der Frühling siegt,
Und Blumen entblühn um die Wette!
Bald huschen wir
Leis' aus der Thür,
Und laßen die Männer im Bette!


    Aufmunterung zur Freude

Wer wollte sich mit Grillen plagen,
So lang uns Lenz und Jugend blühn;
Wer wollt', in seinen Blüthentagen,
An finstrer Schwermuth Altar knien!

Die Freude winkt auf allen Wegen,
Die durch dieß Pilgerleben gehn;
Sie bringt uns selbst den Kranz entgegen,
Wenn wir am Scheidewege stehn.

Noch rinnt und rauscht die Wiesenquelle,
Noch ist die Laube kühl und grün;
Noch scheint der liebe Mond so helle,
Wie er durch Adams Bäume schien.

Noch macht der Saft der Purpurtraube
Des Menschen krankes Herz gesund;
Noch schmecket, in der Abendlaube,
Der Kuß auf einen rothen Mund.

Noch tönt der Busch voll Nachtigallen
Dem Jüngling süße Fühlung zu;
Noch strömt, wenn ihre Lieder schallen,
Selbst in zerrißne Seelen Ruh.

O wunderschön ist Gottes Erde,
Und werth darauf vergnügt zu seyn;
Drum will ich, bis ich Asche werde,
Mich dieser schönen Erde freun!


       Die Seligkeit der Liebenden

Beglückt, beglückt, wer die Geliebte findet,
Die seinen Jugendtraum begrüßt;
Wenn Arm um Arm, und Geist um Geist sich windet,
Und Seel' in Seele sich ergießt!

Die Liebe macht zum Goldpalast die Hütte,
Streut auf die Wildniß Tanz und Spiel;
Enthüllet uns der Gottheit leise Tritte,
Giebt uns des Himmels Vorgefühl!

Sie macht das Herz der Schwermuth frühlingsheiter;
Sie bettet uns auf Rosenaun,
Und hebet uns auf eine Himmelsleiter,
Wo wir den Glanz der Gottheit schaun!

Die Liebenden sind schon zu beßern Zonen
Auf Flügeln ihrer Lieb' erhöht;
Empfahen schon des Himmels goldne Kronen,
Eh ihr Gewand von Staub verweht.

Sie kümmern sich um keine Erdengüter,
Sind sich die ganze weite Welt,
Und spotten dein, du stolzer Weltgebieter,
Vor dem der Erdkreis niederfällt!

Sanfthingeschmiegt auf seidne Frühlingsrasen,
Auf Blumen eines Quellenrands,
Verlachen sie die bunten Seifenblasen
Des lieben leeren Erdentands.

Ein Druck der Hand, der durch das Leben schüttert,
Und eines Blickes Trunkenheit,
Ein Feuerkuß, der von der Lippe zittert,
Giebt ihnen Engelseligkeit.

Ein Blick der Lieb', aus dem die Seele blicket,
In dem ein Engel sich verklärt,
Ein süßer Wink, den die Geliebte nicket,
Ist tausend dieser Erden werth.

Ein Herzenskuß, den selber Engel neiden,
Küßt ihren Morgenschlummer wach;
Ein Reihentanz von ewigjungen Freuden
Umschlingt den lieben langen Tag!

Ein süßer Schlaf sinkt auf ihr keusches Bette,
Wie auf die Lauben Edens sank!
Kein Endlicher mißt ihrer Freuden Kette,
Wer nicht den Kelch der Liebe trank!


                Maylied

Die Schwalbe fliegt, der Kuckuck ruft
In warmer, blauer Mayenluft;
Die gelb und weißen Blumen wehn,
Wie Gold und Silber, auf den Höhn;
Es schwimmet Thal, und Busch, und Hain
Im Meer von goldnem Sonnenschein.


           Maygesang

Röther färbt sich der Himmel!
Eine goldene Wolke
Thaut den May und die Liebe
Auf die wartende Flur herab!

Sein allmächtiges Lächeln
Giebt dem Strauche die Blätter,
Giebt dem Baume die Knospen,
Und dem Haine den Lenzgesang.

Seinen Tritten entwimmeln,
Grüne, lachende Kräuter,
Tausendfarbige Blumen,
Purpur, Silber und lichtes Gold.

Seine Tochter, die Liebe,
Baut dem Vogel die Nester,
Paaret Blumen und Blüthen,
Führt die Männin dem Manne zu.

Liebe rauschen die Blätter,
Liebe duften die Blüthen,
Liebe rieselt die Quelle,
Liebe flötet die Nachtigall.

Nachtigallen die wirbeln
Auf das Lager des Jünglings
Goldne Träume der Liebe,
Goldne Träume von Kuß und Spiel.

Und er spielet im Traume
Mit dem bebenden Busen
Seiner schönen Geliebten,
Küßt den rosigen lieben Mund.

Lauben klingen von Gläsern,
Lauben rauschen von Küßen,
Und von frohen Gesprächen,
Und vom Lächeln der Liebenden.

Ringsum grünen die Hecken,
Ringsum blühen die Bäume,
Ringsum zwitschern die Vögel,
Ringsum summet das Bienenvolk.

Roth und grün ist die Wiese,
Blau und golden der Aether,
Hell und silbern das Bächlein,
Kühl und schattig der Buchenwald.

Das Geklingel der Heerden
Tönt vom Thale herüber,
Und die Flöte des Hirten
Weckt den schlummernden Abendhayn.


Lied eines Liebenden

Beglückt, beglückt,
Wer dich erblickt,
Und deinen Himmel trinket;
Wem dein Gesicht,
Voll Engellicht,
Den Gruß des Friedens winket.

Ein süßer Blick,
Ein Wink, ein Nick,
Reißt mich zur Himmelssphäre;
Den ganzen Tag
Sinn ich ihm nach,
Und baue dir Altäre.

Dein liebes Bild,
So sanft, so mild,
Führt mich an goldner Kette;
Erwachet warm
In meinem Arm,
Und geht mit mir zu Bette.

Beglückt, beglückt,
Wer dich erblickt,
Und sich in dir berauschet;
Blick gegen Blick,
Nick gegen Nick,
Kuß gegen Kuß vertauschet.


                         Der Kuß

Ward Unsterblichkeit mir? Stieg ein Olympier
Mit der Schale herab? Bebte sein goldner Kelch,
Voll der Trauben des Himmels,
Um die Lippe des Taumelnden?

Wehe Kühlung mir zu, wann du mir wiederum
Reichst den glühenden Kelch, daß mir die Seele nicht
Ganz im Feuer zerfließe;
Wehe, wehe mir Kühlung zu!

Unter Blüthen des Mays spielt' ich mit ihrer Hand;
Kos'te liebelnd mit ihr, schaute mein schwebendes
Bild im Auge des Mädchens;
Raubt' ihr bebend den ersten Kuß!

Ewig strahlt die Gestalt mir in der Seel' herauf;
Ewig flieget der Kuß, wie ein versengend Feur,
Mir durch Mark und Gebeine;
Ewig zittert mein Herz nach ihr!


              An einen schönen Busen

Weiße, blendende Brust, welche den Einsiedler,
Den die Klause verschleußt, mit der verhaßten Welt
Auszusöhnen vermöchte,
Stets berauschest du meinen Blick.

Stets, o Himmel von Reiz, wenn du das Busentuch
Und die Bänder daran, hebest und niedersenkst,
Oder hinter der lichten
Silberwolke des Schleiers wallst.

Dir, o blendende Brust, will ich den Erstling weyhn,
Den der Blüthenmond zollt, will ich, im Blumentopf,
Junge Rosen erziehen,
Wenn der Winter die Flur durchheult.

Trotz der Beete voll Eis lächelt der Rosenstraus
Dann am Mieder, ah dann sinket mein trunknes Haupt
An den offenen Busen,
Deßen Farbe der Straus erhöht.


                             Der Traum

Steh mir immer am Haupt, wenn mich des Morgenschlafs
Leiser Fittig umweht, lächelnder Wonnetraum,
Der mich in die Gefilde,
Wo die Seligen wohnen, rief.

Eine Wolke von Gold, wo ein bepalmeter
Bote Gottes, im Klang schmelzender Lieder, stand,
Trug mich, schnell wie Gedanken,
In ein blumiges Eden hin.

Rosenblütengeruch wehte vom Ufer her,
Wo der Wechselgesang wirbelnder Harfen scholl,
Und die Seelen und Engel
Ihre Jubel verschwisterten.

Singer, Laura, Petrarch, saßen im Kreis umher,
Ihre Lauten am Arm, Vögelgetön erscholl
In die Lauten, und Wohlklang
Floß vom Flügel der Abendluft.

Wonnethränen im Aug, Thränen der Seeligkeit,
Wallte Meta daher, Engel enttrockneten
Ihr die Thränen, und meine
Minna folgte der Wallerin.

Sie entwand sich dem Arm ihrer Gespielin, flog
Mir entgegen, und goß, unter der grünen Nacht
Einer flüsternden Myrthe,
Sich urplötzlich an meine Brust.

Wand den liebenden Arm mir um die Brust herum,
Blickte zärtlich mich an, küßte mit Engelskuß
Meine Lippen. Die Myrthe
Rauschte Silbergelispel drein.

Geister folgeten uns, Laurens verklärter Geist,
Hand in Hand mit Petrarch, lagerten sich mit uns
In die Kühle der Blumen,
Und begannen mit uns Gespräch.

Plötzlich tönte der Hahn dreymal den Feyerhall
Seines Morgengesangs, plötzlich entschwanden mir
Alle goldenen Scenen
Mit der Schwinge des Morgentraums.


             An Minnas Geist

Im leichten Tanz, mit Flügeln der Minute,
Entfloh mir jeder Tag,
Als Minna noch mit mir im Schatten ruhte,
Mit mir von Liebe sprach.

Es folgeten, in lauten Harfenchören,
Mir Engel durch den Hain,
Ich hörte die Musik der Himmelsphären,
Und sang ein Lied darein.

Und fühlte das Koncert der Abendhaine,
Wie ichs noch nie gefühlt,
Wenn Minna mich, am Ufer meiner Leine,
Sanft in den Armen hielt.

Sie starb: - Stets bleibt im Innern meiner Seele
Des Mädchens Bild zurück! -
Nun reizt mein Ohr kein Lied der Philomele,
Kein Blümchen meinen Blick.

Nun irr' ich durch verschränkte Tannenhaine,
Sink' auf verdorrtes Moos,
Und klage stets den Himmel an, und weine
Mein Leid in meinen Schoos.

Stets seh ich noch die Rosen ihrer Wangen,
Den zauberischen Gang,
Seh ihr Gelock', ein Spiel der Lüftgen, hangen,
Hör' ihrer Stimme Klang.

O schöner Geist! Durch Wiesen, durch Alleen,
Seh ich dich, bald im Kranz
Von Rosmarin und Tausendschönchen gehen,
Bald tanzen Geistertanz.

Du sitzest oft, erhöht zum Engelrange,
An meines Lagers Rand,
Und streichelst mir die bleichgehärmte Wange
Mit deiner weißen Hand;

Enttrocknest mit dem Schleyer mir die Thräne,
Die meine Seele weint,
Wenn deines Todes trauervolle Scene
Im Traume mir erscheint.

O warum wall ich noch im Erdenstaube?
O wohnt' ich schon mit dir,
Du schöner Geist, in deiner Himmelslaube!
Was weil' ich länger hier?


          Maylied

Heil dir lächelnder May,
Blumenschöpfer,
Herzenfeßler,
Wecker des Vergnügens,
Heil dir lächelnder Blüthenmond!

Er beschwebet die Flur,
Streuet Veilchen,
Schlüßelblumen,
Weiße Mayenglocken,
Streut sein goldenes Füllhorn leer.

Löst die Haare des Hains,
Hüllt den Schlehstrauch,
Hüllt den Hagdorn,
Der den Garten zäunet,
Hüllt den Kirschbaum in Blüthenschnee.

Schaut, er tanzet heran,
Schaut, des Kirschbaums
Wipfel säuseln
Ein Gewölk von Silber
Um sein wehendes Lockenhaar.

Wie der Apfelbaum nickt!
Roth und weiße
Blüthen purpern
Seinen grünen Wipfel,
Purpern alles Gezweig' umher.

Bien' auf Biene durchsummt
Bald die Blümchen
Unterm Baume,
Bald die Wipfelblüthen,
Die der Morgen mit Gold bemalt.

Tief im bunten Gewölk,
Das die rothen
Apfelblüthen
Um die Wipfel wölken,
Tönt die Kehle der Nachtigall.

Strömt in Liedern dahin,
Tönt den Jüngling,
Der am Busen
Seiner Gattin schlummert,
Aus den Armen des Morgenschlafs.

Seht, er wandelt mit ihr
Durch den Garten,
Wo die Sonne,
Wo der blaue Himmel
Durch die röthlichten Blüthen bebt.

Helle Morgenmusik
Strömt vom Wipfel.
Ihre Herzen
Tanzen nach den Fugen,
Die der schmelzende Vogel tönt.

Nachtigallenmusik
Wirbelt Schlummer,
Süßen Schlummer
Über ihre Häupter,
Wenn die Stunde der Ruhe kommt.

Hespers lächelndes Aug
Blicket neidisch
Durch die Fenster,
Und die Nachtigallen
Tönen fröhlichen Brautgesang.


                 Maylied

Tanzt dem schönen May entgegen,
Der des Waldes Haar verneut,
Roth und weiße Farbenbögen
Auf des Fruchtbaums Wipfel streut,
Mit dem goldverbrämten Schleier,
Wartende Gefilde deckt!
Singt ihm Hymnen in die Leyer,
Der den Schlaf der Freude weckt!

Tanzt daher, am Arm der Schöne,
Der ein treuer Busen fröhnt,
Menget Lieder ins Getöne,
Das die Morgenglocke tönt,
Ins Geschwirr der Espenblätter,
Und erweckt den Wiederklang!
Er, der Freund der Liebesgötter,
Heischet Opfer und Gesang.

Bringet ihm in grünen Schatten,
Eure Frühlingsopfer dar,
Junge neuvermählte Gatten,
Auf der Liebe Festaltar:
Küße, wenn des Hahns Drommete
Das umbüschte Dörfchen weckt,
Küße, wenn die Abendröthe
Jeden Baum mit Purpur deckt.

Flieht, ihr schönen Städterinnen,
Eurer Städte goldne Kluft,
Eurer Kerker hohe Zinnen,
Trinket frische Mayenluft!
Irrt, mit eurem Sonnenhütgen,
Auf die Frühlingsflur hinaus!
Singt ein frölich Mayenliedgen,
Pflücket einen Busenstraus!

Schmückt mit Kirschenblüthenzweigen
Euren grünen Sonnenhut,
Schürzt das Röckchen, tanzet Reigen,
Wie die Schäferjugend thut!
Gaukelt in der Kirschenblüthe,
Zephyrn, eure Flügel matt,
Haucht auf ihre Sonnenhüte
Manches weiße Blüthenblatt.


              Sehnsucht nach Liebe

Süße Kehle des Hains, welche mir sonst, im May,
Ganz den Himmel ins Herz flötete, Nachtigall,
Warum flötet dein Lied mir
Keine Wonne mehr in die Brust?

Liebe lächelt dir nicht! seufzet die Nachtigall,
Die den Blumen des Mays hellere Röthe giebt,
Und den Kehlen des Waldes
Einen helleren Wonneklang.

Liebe lächelt dir nicht! rauschet mir jedes Blatt -
Quillt die Thräne mir schon? Flattert mir das Phantom
Todter Freuden schon wieder
Vor den Augen der Phantasie?

Rosicht schwebt es herauf. - - Laura, die Grazie,
Laura hüpfet daher, die mir den ersten Rausch
Ueberirrdischer Wonne
Durch die bebende Seele goß.

Flieh hinweg, o Phantom! Laura, die Grazie,
Liebt das Dörfchen nicht mehr, gaukelt von Ball zu Ball,
Fleugt, im zirkelnden Reigen,
Durch den schallenden Kerzensaal.

Sie miskennet mein Herz, wähnet mich kalt und dumm,
Weil kein goldener Prunk mir vom Gewande blitzt,
Und mein Fuß die Talente,
Die Lutetien lehrt, nicht hat.

Soll denn nie das Gefühl, welches ein Feuerkuß
An der klopfenden Brust einer Geliebten giebt,
Meine Seele durchströmen,
Bis die Blume der Jugend welkt?

Geuß mir Lieb' in die Brust, wenn du des Sonnensaals
Zinnen wieder entsinkst, lächelnder Mayenmond,
Oder wecke, mit lindem
Odem, Blumen auf meiner Gruft.


                  Der Misogyn

Kein Mädchen kann mein Herz bestricken;
Kein Augenpaar,
Aus welchem tausend Engel blicken;
Kein blondes Haar;
Kein Mund, um den das Lächeln schwebet,
Und keine Brust,
Mit dünnem Silberflor umwebet,
Füllt mich mit Luft.

Ein Wuchs, den Venus selber neidet,
Und eine Hand,
Die Persien in Perlen kleidet,
Ist Kindertand.
Ich sollte mich darinn vergaffen?
Ey, großen Dank!
Ich werde nicht, wie junge Laffen,
Vor Liebe krank.

Mir ward ein Herz von Eis beschieden,
Ein Felsensinn,
Drum wandl' ich auch, in süßem Frieden,
Durchs Leben hin;
Geh' immer, in der Brust den Himmel,
Geraden Pfad;
Durchtaumle niemals das Gewimmel
Der goldnen Stadt.

Und trink', in meiner Weinblattlaube,
Den Göttersaft
Der röthelnden Burgundertraube,
Die Wonne schafft.
Sollt' ich dafür, in Gallaröcken,
Vor Liebe krank,
Des Fräuleins gnädge Hände lecken?
Ey, großen Dank!

Sollt' ich den Rosenkelch verlaßen?
Die Nachtigall?
Auf eines Mädchens Winke paßen,
Bey Tanz und Ball?
Ich würde, kämen ganze Gruppen
Von Mädchen, traun!
Nicht aus der Laube gehn, die Puppen
Nur anzuschaun.


       Auf Henriettens Geburtstag

Rosen und Nelkenblumen glänzet lichter,
Wann das beste der Mädchen euch besuchet,
Dank gen Himmel lächelt, und Wonnethränen
Auf euch herabweint.

Thränen des Danks, daß ihre Jugendtage
Gleich dem Säuseln des Mayn vorüberflohen,
Und den frohen Reigen ein neues ihrer
Jahre begonnen.

Schönstes der Mädchen! Spiel auf Veilchenauen,
Tanz im Nachtigallwäldchen sey dein Leben,
Gleich dem Lorbeer blühend, der deine finstre
Locke beschattet.

Rosen und Nelkenblumen glänzet lichter,
Gleicht Elysiums Blumen, wann sie meiner
Denkt, dann komm' ein Lüftchen, und flüstr' ihr tausend
Seufzer entgegen.


           Maylied

Alles liebet! Liebe gleitet
Durch die blühende Natur,
Liebe zeuget Blumen, breitet
Manchen Teppich auf die Flur.
Das verliebte Haingefieder,
Das sich neue Zellen baut,
Tönet süße Liebeslieder,
Wenn der May vom Himmel thaut.

Liebe malt jezt hellre Rosen
Um den Mund der Schäferin,
Schäferin und Schäfer kosen
Manche goldne Stunde hin.
Sizen unter Apfelblüthen,
Arm in Arm, und Paar an Paar,
Kleine Liebesgötter bieten
Nektar ihren Lippen dar.

Unschuld blickt aus ihren Minen,
Unschuld ihres Standes Loos,
Rothe Blüthen taumeln ihnen
Aus dem Wipfel in den Schoos.
Blau und golden schwebt der Aether
Im bebüschten Gartenteich,
Alle Blüthen werden röther,
Werden Edens Blüthen gleich.

Durch die Blumen, durch die grünen
Kräuter, die der Sonnenschein
Übergoldet, summen Bienen,
Sammeln süßen Nektar ein.
Alles hauchet Scherz und Freude,
Wo des Frühlings Odem bläst,
Die Natur, im Blumenkleide,
Feirt ein allgemeines Fest.

Alles küßt jetzt! Küße flüstern
In beschatteten Alleen,
Wo die Liebenden in düstern
Buchenlabyrinthen gehn.
Küße rauschen in den Lauben,
Um die Abenddämmerung,
Küße geben, Küße rauben
Ist der Welt Beschäftigung.


- - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - -
Auf ihre Stirn und kleine Wangen gießen,
Ihr engelreines Herz,
Dem Flittergold der großen Welt verschließen,
Und dem Romanenscherz.

Durchwandle Hand in Hand mit ihr im Mayen
Die Scenen der Natur,
Und mische sich mit ihr oft in die Reihen
Der Schäfer auf der Flur.

Geuß in ihr Herz die zärtlichsten Gefühle,
O Unschuld, spiel mit ihr,
Bis ihre Pracht sich wölbet, Schäferspiele,
Vor ihrer Hirten Thür.


         Das Feuer im Walde

                  Eine Idylle

Zween Knaben liefen durch den Hayn,
Und lasen Eichenreiser auf,
Und thürmten sich ein Hirtenfeur.
Sie freuten sich der schönen Glut,
Die, wie ein helles Osterfeur,
Gen Himmel flog, und sezten sich
Auf einen alten Weidenstumpf.
Sie schwazten dieß, und schwazten das,
Vom Feuermann, und Ohnekopf,
Vom Amtmann, der im Dorfe spuckt,
Und mit der Feuerkette klirrt,
Weil er nach Ansehn sprach und Geld,
Wie's liebe Vieh die Bauren schund,
Und niemals in die Kirche kam.
Sie schwazten dieß, und schwazten das,
Vom seel'gen Pfarrer Habermann,
Der noch den Nußbaum pflanzen thät,
Von dem sie manche schöne Nuß
Herabgeworfen, als sie noch
Zur Pfarre giengen, manche Nuß!
Sie segneten den guten Mann
In seiner kühlen Gruft dafür,
Und knakten jede schöne Nuß
Noch einmal in Gedanken auf.
Da rauscht das dürre Laub empor,
Und, sieh, ein alter Kriegesknecht
Wankt durch den Eichenwald daher,
Sagt guten Abend, wärmet sich,
Und sezt sich auf den Weidenstumpf.
Wer bist du, guter, alter Mann?
Ich bin ein preußischer Soldat,
Der, in der Schlacht bey Kunnersdorf,
Das Bein verlor, und, leider Gotts!
Vor fremden Thüren betteln muß.
Da gieng es scharf, mein liebes Kind!
Da sauseten die Kugeln uns,
Wie Tausend Teufel, um den Kopf.
Dort flog ein Arm, und dort ein Bein.
Wir patschelten durch lauter Blut,
Und Roß und Reiter lagen da,
Wie Kraut und Rüben. Lieber Gott!
Sprach Hans, und sahe Töffeln an.
Mein Seel! ich werde kein Soldat,
Und wandre lieber hintern Pflug.
Da sing ich mir die Arbeit leicht,
Und spring und tanze wie ein Hirsch,
Und lege, wann der Abend komt,
Mich hintern Ofen auf die Bank.
Doch komt der Schelmfranzos zurück,
Der uns die besten Hüner stahl,
Und unser Heu und Korn dazu,
Dann nehm' ich einen rothen Rock,
Und auf den Buckel mein Gewehr,
Dann komm nur her, du Schelmfranzos!
Das Feuer sank, und wölkte kaum
Noch Dampf empor; sie giengen fort.


                 Barden-Ode

NB. Eine von den Barden-Oden,
auf die verschiedentlich angestichelt worden ist.

Ihr Götter! welche drohende Gefahren
Begleiten uns von Kindheit an,
Und lauren stets, in unzählbaren Schaaren,
Auf unsrer Lebensbahn! -

Jüngst, als ich lange schon genug gespielet,
Saß ich bey stiller Abendluft,
Die mein Gelock besäuselt und bekühlet,
In meiner Felsenkluft.

Der Mondstral glitschte durch die Felsenritze,
Beschimmernd meinen Polstermoos,
Und Irmgard saß, mit abgelößter Mütze,
Mir damals auf dem Schooß.

Ich kämmete dem göttergleichen Lamme,
Das alle Schönen überstralt,
Ich Rabenhaar mit einem engen Kamme,
Den ich erst jüngst bezahlt.

Wie Sterne, taumelte das Ungeziefer,
Von ihr zu Götterchen gesäugt!
Die Rechte kämmt', indeß die Linke tiefer
Zum Busen schalkhaft kreucht. -

Doch was geschah? Am wolkumthürmten Himmel
Erstand urplötzlich ein Orkan,
Und lärmte mit so schrecklichem Getümmel,
Als er noch nie gethan!

Und ich erschrack! Mein Kamm entfiel zur Erden!
Ich sprach zu meiner Lieblinginn:
O! Irmgard! Irmgard! Was will hieraus werden?
Sie sprach: Wo will das hin? -

Da kroch ich hin zum Eingang meiner Höle,
Und steckte meinen Kopf heraus,
Und übersah (noch schaudert mir die Seele)
Die Scene voller Graus!

Indem ich nun so sitz', und jammernd weine,
Da stürzte von der Felsenhöh'
Ein Eichbaum, der mir Schultern, Kopf und Beine
Beynah zerschmetterte.

Doch Braga stand mir unsichtbar zur Seite,
Und stieß hinweg den alten Stamm,
Der mich ins Schattenreich zu bringen dräute,
Und so gewaltig kam!

Allein verfluchst seyst du, du alte Eiche!
Verflucht die Hand, die dich gesetzt!
Kein goldner Apfel schmücke deine Zweige,
Von nun an bis zuletzt!


  Petrarchische Bettlerode

Wenn mit leisen Hutfilzsöckchen
Meine braune Trutschel geht,
Und ihr rothes Büffelröckchen
Um die dicken Schinken weht,
Über Zäune, Steg und Brücken,
Jeden ausgeschlagnen Tag,
Humpl' ich dann auf beiden Krücken
Ihr mit Sack und Packe nach.

Wär ich nur ein Dorn der Hecke,
Welche schlau ihr Röckchen ritzt!
Nur ein Tröpfchen von dem Drecke,
Der an ihre Waden spritzt!
Wär ich nur das Fledermäuschen,
Das um ihre Mütze schwirrt!
Nur das kleine Silberläuschen,
Das von Ohr zu Ohr ihr irrt!

Wüßt ich hübsche Liebesstückchen,
Lustig, wie des Kukuks Schall;
Ach! Dann hörte mich mein Fieckchen
Abends an des Amtmanns Stall!
Schmauchten mich nur ihre Lippen
Als ein Paffchen Krolltoback!
Oder drückt' an ihre Rippen
Sie mich als den Dudelsack!

Könnt' ich als ein Kamm ihr dienen,
Wenn sie hinterm Zaun sich kämmt!
Könnt' ich an dem Teiche grünen,
Wo sie ihre Glieder schwemmt!
Wär' ich doch auf Veltens Diele,
Schatz, für dich ein Bündel Stroh!
Nagt' ich, ach! mit süßem Spiele
Dir dein Leder, als ein Floh!

Würde doch von Niklas Mutter,
Durch den alten Teufelstext
Und ein Stücklein Hexenbutter,
Dir ein Traum von mir gehext!
Schmunzelnd in dem Schlafe, drücke,
Fest mein Bild mit einem Schmaz!
Morgens trabst bey meiner Krücke
Du einher, und bist mein Schatz!


                               An Braga

Komm', du Geber des Sangs, Apollens Besieger o Braga,
Bey mir warten dein Braten und Fisch,
Komm', sonst hohl' dich der Teufel, Papa der Barden und Aga,
Komm' an meinen beschüßelten Tisch!

Dein Anteceßor, Apoll, sang von Cyther' und Adonis,
Man hört's, und mußte sich brechen und speyn,
Sein Gebrülle war voll von signis exclamationis,
Ein Gewebe von Küßen und Freyn.

Setz' dem tollen Patron auf beyde Augen die Daumen,
Sporn der Barden! Er singe den Spies,
Tief getauchet in Blut, nicht weichliche Betten von Pflaumen,
Haße Seide und liebe den Fries.

Verwunde die Fürsten mit der satyrischen Hobel,
Die sich in der Wollust Gestank
Wälzen, und im Kleide von Hermelinen und Zobel
Liegen auf der Bärnhäuterbank.

Laß', o Braga, den Schwarm der Tändler pfeifen und summen,
Ihre Ewigkeit ist nur kurz,
Die Vergeßenheit stürzt, sie mögen schmollen und brummen,
Diese Herren mit raschen Sturz.