Holz

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Inhalt

Biografie

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        Für Schnillern etc.!

Immer noch laufen sie uns in die Quer,
Faust, Hamlet, Hiob und Ahasver.

Aber ich finde, nachgerade
Wird die Gesellschaft ein wenig fade.

Zu viel Schminke, zu viel Theater,
Zu viel Klimbim und zu viel Kater.

Da lob ich mir Reuter und Wilhelm Busch.
Für Schnillern etc. ein ander Mal Tusch!


       An den's gerichtet ist!

Du bist ein Held, wie der König Saul,
Und hätt ich bei Hofe Credit,
Ich gäbe dir für dein grosses Maul
Den Orden Pour le mérite!

Und doch; vergeblich dein Ringen nach Ruhm,
Zum Nebel verbleicht dein Glanz
Vor dem Sigl'schen Mauldreckschleuderthum
Des "Bairischen Vaterlands."


                  Amerika

Oft frag ich lachend mich, weswegen
Mit Lanzen, Schwertern, Spiessen, Keulen
Dies todesfrohe Kämpfen gegen
Concessionirte Eiterbeulen?

Wie lang noch, und das Dunkel frisst
Europas letzte Gaslaternen,
Denn das Panier der Zukunft ist
Das Streifenbanner mit den dreizehn Sternen.


          In memoriam!

Alte Burschenherrlichkeit,
Weh, man hat dich längst begraben,
Denn nur noch an Soll und Haben
Denkt die Menschheit dieser Zeit!

Ihre Räder wühlen Schaum,
Funken sprühen ihre Essen;
Ach, und längst hat sie vergessen
Ihrer Jugend goldnen Traum!

Ausgebrannt ist jede Brust,
Die Altäre stehn verlassen,
Horch, und draussen auf den Gassen
Predigt die entmenschte Lust!

Um das Haupt des Helicon
Schwirren tausend irre Fragen
Und den Zeitgeist hört man klagen
An den Wassern von Babylon!


            Lehrfreiheit

Pst! Pst! sonst wackeln die Kronen,
Ihr Herrn Professoren, seid still!
Schon lauschen euch vierzig Millionen,
Wahrhaftig, ihr schreit zu schrill.

So lispeln sie heute von "Oben"
Und drohn auch mitunter: Ei! Ei!
Und die fettigen Spiessbürger loben
Die brave Polizei.

Sie üben sich tapfer im Beten
Und bilden der Dummheit Spalier,
Nur wir, eine Handvoll Poeten,
Umjubeln ein ander Panier!

Die Wissenschaft ist nicht zünftig,
Sie ist wie das Licht allgemein!
Dies Wörtlein soll heut und auch künftig
Unser Ceterum censeo sein.


       An gewisse "Naturforscher"

Das Licht wird leuchten, weil es leuchten muss,
Drum knurrt nur immer: Ignorabimus!
Transcendental ist nichts in der Natur,
Transcendental ist eure Dummheit nur!


                     Freilich!

Dass sich die Gegensätze stets berühren,
Ist manchmal auch noch heute zu verspüren,
Denn diese Zeit der Culs und der Pomaden
Ist auch die goldne Zeit der Hiobsiaden.


              Schauderhaft

Uns lehrt das Christenthum en gros:
Hier Erdenkloss, dort Himmelspächter!
Doch unsrer Weisheit A und O
Ist ein unsterbliches Gelächter!


          Einem Pietisten

Dein Heil, versuch es anderwärts,
Wenn frömmelnd dich der Teufel laust;
Mein Katechismus ist mein Herz
Und meine Bibel ist der Faust!


           Schliesslich!

Jawohl, das Ding ist ärgerlich!
Das Volk hat lange, graue Ohren,
Und seine Treiber nennen sich
Rabbiner, Pfarrer und Pastoren.

Verhasst ist mir der Schwindelbau
Der jesuitelnden Sophisten,
Und überleg ich's mir genau,
Hab ich Talent zum Atheisten.

Tagtäglich schürt in mir den Spott
Das fade Weihrauchduftgeträufel,
Denn schliesslich ist der liebe Gott
Doch nur ein dummer Antiteufel!


        Schwarz in Schwarz

Beim Dulderherzen des Don Quixote,
Jetzt streich ich's dick mit Rothstift an:
Der bibelgeborne Christengott
Ist nie und nimmermehr mein Mann!

Die Schöpfung war einst sein erster Witz
Und dieser Witz war herzlich schlecht,
Denn oft schon traf es mich wie ein Blitz:
Die Despotie hat leider Recht!

Ein Volk, das heut nicht auf Prügel hört,
Und eine Unschuld beim Ballett,
Ein solches Erz-Phänomen gehört
Ins Naturalienkabinett!


                       Ad notam

Ganz recht! Ganz recht! Kein Mensch muss müssen!
Ich weiss, mein Herz, ein Wort zum Küssen!
Nur Eins muss man, dies schärf' dir ein,
Kein allzugrosses Rindsvieh sein!


        Stossseufzer

Verfluchtes Epigonenthum,
Aegypter- und Teutonenthum,
Dass dich der Teufel brate!
Schon längst sind wir fascikelsatt,
Grinst doch durch jedes Titelblatt
Das Dante'sche: "Lasciate!"


         Einem Orthodoxen

Famos steht dir dein bunter Kittel,
Doch was beschmierst du ihn mit Dreck?
Die Religion ist nur ein Mittel
Und du - erniedrigst sie zum Zweck!


        Variatio delectat

Himmel, das halte ein Andrer aus!
Die Welt ist wirklich ein Narrenhaus.
Ewig sich selbst bleibt ihr uralter Schwindel,
Manchmal nur wechselt sie schlau seine Windel;
Den Teufel verlacht sie und wirft sich ins Knie
Vor der Mutter Gottes von Medici!


                   Al fresko

Die Menschheit flucht in ihr ewiges Licht,
Stündlich dräut ihr das Weltgericht
Und sie schaudert bleich, im Herzen den Tod,
Ins blutig verlodernde Abendroth.

Die Zeit ist morsch wie ein Todtenbein.
So ist es gewesen und so wird's sein:

Roth vom Weltbaum taumelt das Laub,
Völker und Kronen zerfallen zu Staub
Und über das christliche JNRJ-Schild
Hintaumelt ein nacktes Venusbild.


         "Die letzten Zehn"

Was heulst du wie die römische Sibylle
In unsre altarkadische Idylle
Dein dreimal disharmonisches: "Mehr Licht!"?
Schon immer war das Wappenthier der Dichter
Ein Bandwurm und ein Nürenberger Trichter,
Die Garde stirbt, doch sie ergiebt sich nicht!

Wenn du durchaus nur säen willst, dann säe!
Wir gönnen dir von Herzen deine Mühn.
Doch wer wird krächzen wie die Nebelkrähe,
So lange lenzroth noch die Rosen blühn?

Wir rühren wacker unsern alten Kleister
Im himmelblauen Regenbogenton,
Sagt doch der Jupiter von Weimar schon:
In der Beschränktheit zeigt sich erst der Meister!


           Kath holên tên gên

Belustigt euch nur in grandiosen Metaphern
Ueber die Papus und Zulukaffern,
Die liebe Fetischdienerei
Legt auch bei uns ihr faules Ei!

Immer noch brennen in unsern Herzen
Blutig die Aschermittwochskerzen
Und nächtlich durchwittern die stille Luft
Orgelhymnen und Weihrauchduft!


          Wie's gemacht wird!

Und als sich der Pfaff einen Juden briet,
Da schrieen die Junker Hurrah
Und sangen das alte hochherrliche Lied:
Hepphepp Juvivallerala!

Doch das Volk stand auf und schrie Zeter und Mord,
Hie Hecker und Robert Blum!
Da erfand man schleunigst das Kautschukwort:
Praktisches Christenthum!


               Hm!

Da meinen Einige vermessen,
Das Leben habe keinen Zweck;
Man sieht's, sie haben nie gegessen
Fasanenstiz und Schnepfendreck.


               Geisterduo

Der Zeitgeist brennt wie trocknes Stroh
Und singt: In dulci jubilo!
Der Weltgeist brummt dazu im Bass:
O vanitatum vanitas!


                     Russisch!

Sei doch kein Tropf, mein süsses Söhnchen!
Steck ein das lumpige Milliönchen!
Du kennst ja die Moral der Zeit:
Der Himmel ist hoch und der Czar ist weit!


             Pfui Deibel!

Ihr wisst, ich bin kein "von" Verehrer,
Ich bin des Zeitgeists Strassenkehrer;
Doch protzgere Kerle sah ich noch nie,
Als die Schlotbarone der Plutokratie!


          Selbstredend!

Mein Gott, wozu die Grillenplage?
Noch blüht ja unsre haute volée!
Noch heilt der Zeit gewaltge Frage
Ein Titel und ein Portemonnaie.

Noch wachsen täglich unsre Zöpfe,
Der "Glaube" ist des Pudels Kern,
Das Militär putzt seine Knöpfe
Und das Antike wird modern.

Noch scharr'n vor meinem Cab vier Pferde,
Zu Fuss zu gehn ist ja gemein -
"O wunderschön ist Gottes Erde
Und werth, darauf vergnügt zu sein!"


      Für kleine Kinder

Der alte Flötenspieler Pan,
Der lehrte mich das Dichten:
Ein Volk und ein Stückchen Marzipan
Bestehn aus zweierlei Schichten.

Die eine schlürft Austern und baut sich Kohl
Und macht in Vaterlandstreue
Und fühlt sich kannibalisch wohl
Wie Goethes fünfhundert Säue.

Die andere spielt tagtäglich Va banque
Und kleidet sich in Lappen
Und führt ihr ganzes Lebenlang
Einen Hungerknochen im Wappen!


        Auf der Strasse

Er küsste den Laternenpfahl
Und hielt ihn fest umschlungen,
Und um ihn freute der Skandal
Ein Rudel Strassenjungen.

Erst seinen Wochenlohn verschnapst
In räuchriger Spelunke
Und dann verkatert und verflapst
Und voll wie eine Unke!

Rothangepinselten Gesichts,
Ein Don Juan der Posse
So bettelte der Taugenichts
Sich schliesslich in die Gosse.

Da fiel mir ein ein bittrer Scherz,
Das Wort, das euch bekannt ist:
Der Wein erfreut des Menschen Herz -
Zumal wenn er gebrannt ist!


           Ausgepfiffen!

Das Leben ist eine Komödie
Und geht oft über den Spass
Und gleicht dann jener Tragödie,
In der Einer den Andern frass.

Und wenn wir's auch nicht wollen,
Wir kommen doch alle drin vor
Und spielen die nöthigen Rollen
Vom Jean bis zum Heldentenor.

Und wer mit seiner Visage
Am besten zu gaunern gelernt,
Erhält die nobelste Gage
Und wird auch mitunter besternt.

Ich studirte mir manche Falte
Und trat vor das volle Haus,
Doch blieb ich immer der Alte -
Drum pfiff mich das Publikum aus!


            Strophen!

Vita nostra brevis est;
War der Vorzeit weise Lehre -
Doch man hasst das Miserere,
Heut ist sie schon längst verwest!

Rollt die Zeit, rollt auch das Blut,
Heute leben wir wie morgen;
Unsre Teufel heissen Sorgen,
Unsre Götter Geld und Gut!

Jede Blüthe wird umkreist,
Jede Blume wird gebrochen,
Und nach Monden schon und Wochen
Weiss man was Blasirtheit heisst!

Stahl und Eisen, Blut und Dampf,
Rollen, donnern, sieden, zischen,
Und ein Wehruf gellt dazwischen:
Dieses Leben ist ein Kampf!


             Fidele Bande

Puh, dies Erdlein stinkt nach Mist,
Und die Füchse bellen,
Wenn's im Himmel Festtag ist,
Essen wir Forellen!

Barthel schleckert, ob der Most
Heuer gut gerathen,
Lorenz muss auf seinem Rost,
Leberwürste braten.

Margarethe kocht den Brei,
Küchlein bäckt Sabine,
Salomo spielt die Schalmei,
David Violine.

Petrus muss tranchiren,
Joseph legt den Braten vor,
Und der Engel schnippisch Corps
Thut uns invitiren!


           Drei Altdeutsche

                        1.

Den Jungfern fehlt es nie an Knaben,
Die mehr Goldgulden als Flöhe haben.

                       2.

Junge Weiber und alte Weine
Machen den Männern krumme Beine.

                       3.

Lieber ein Strohsack und zu Zwein,
Als ein Daunenbett und allein!


              Drei Andre

                       1.

Kein Buch vermag so weise zu sein,
Ein Narr falzt Eselsohren hinein.

                       2.

Hat wer wo Geld und küsst kein Mädel,
Der Kerl hat Bohnenstroh im Schädel.

                       3.

Schwarzes Brod und weisse Zähne
Und wenn ich todt bin, eine Thräne!


          In der Sonnengasse...


In der Sonnengasse zu St. Goar,
Da kämmt sich die Resi ihr schwarzes Haar,
Sie lacht in den Spiegel verstohlenen Blicks,
Silbern über ihrem Bett hängt ein Cruzifix,
Ihr Pantöffelchen klappert, ihr Schnürleib kracht:
Heute Nacht!! Heute Nacht!!

In der Sonnengasse zu St. Goar,
Da wohnt ihr schrägüber ein junger Scholar,
Der pfropft sich in den Schädel lauter dummes Zeug,
Schwarz auf seinem Pult liegt der Pentateuch,
Da streift ihn die Sonne und sein Leder kracht:
Heute Nacht!! Heute Nacht!!


            Nicht wahr?

Die Völker sind wie grosse Kinder
Und ihre Könige sind's nicht minder,
Lachen und weinen im selben Nu,
Spielen mitunter auch Blindekuh
Und ihre Fibel
Benennt sich Bibel!


                 Kusch dich!

Willst du wohl fort mit deinen Pfötchen
Von meinem lieben Kaviarbrödchen?
Für dich den Schweiss, für mich das Gold!
Der liebe Gott hat's so gewollt.
Drum begnüge dich, Kerl, denn sonst bist du ein Flaps,
Mit Kartoffeln und Schnaps!


           Weltzeitungs-Inserat

Gesucht wird für sofort ein tüchtger Mäher.
Adressen sub Bureau zum grossen Pan.
Denn dreigekrönt sitzt noch ein Pharisäer
Auf seinem Sündenstuhl im Vatikan.


                 Essetai hêmar'

O Glaube, Liebe, Hoffnung, heilige Dreiheit,
Wir dienen dir und du belohnst uns nie,
Denn auch noch heut ist unsre deutsche Freiheit
Nur eine schwarzrothgoldne Phantasie!


                Reimspiel

Was ist das beste Futter, sprich,
Für hungernde Nationen?
"Halt's Maul, Hallunk, was kümmert's Dich?"
Der Reim lacht: Blaue Bohnen!


          An die Opportunisten

Die sieben Weisen waren eure Väter,
Doch euer Ohm ist Judas, der Verräther,
Denn wie der Wind weht, macht ihr tapfer Front,
Und euer Bauch ist euer Horizont.


                      An unser Volk!

Das Herz entflammt, das rothe Banner schwingend,
Den nackten Flammberg in der nackten Hand,
So wandern wir, von deiner Zukunft singend,
Der Freiheit Söhne, durch das Land.

Nicht deine Götter wollen wir erschlagen,
Die fallen, wenn sie morsch, von selber um;
Doch deine Seele soll sich blutig fragen
An unserm Aufruhrwort: Warum?

Warum du hungerst und warum du dürstest,
Warum du schweisstriefst und warum du frierst,
Warum du hündisch deine Peinger fürstest,
Warum du frömmelnd dich verthierst!

Weh, dreimal Wehe, wenn am Tag der Jden
Der Kelch des Zorns dann blutig überschäumt
Und jener goldne Traum von einem ewgen Frieden
Umsonst geträumt!


                  Anti-Hiob

Schon Heine meinte: die Menge thut's,
Und im Frühling blühten die Quitten -
Der alte Mann aus dem Lande Uz
Hat nicht umsonst gelitten.

Erst gestern hat man ihn aufgestellt
Als modischen Dalai Lama,
Und schluchzend liest nun die ganze Welt
Sein primitives Drama.

In seinem Namen als Schutzpatron
Seziren sich tragisch die Reimer -
O du katzengräulicher Buddhaton,
Kenne die Pappenheimer!

Schlagt todt die Sonne, wenn sie glüht,
Mit pessimistischen Knüppeln!
So lange noch eine Rose blüht,
Lass ich mir mein Herz nicht verkrüppeln!


             Der Dichter

Was Hermelin und Diademe!
Ich bin kein Dichter und kein Hund!
Ich bin ein freier Mann und nehme
Kein Feigenblatt vor meinen Mund.

Ich seh die Welt im Dunkeln tappen,
Ich weise golden ihr ein Ziel,
Und erst am letzten morschen Wappen
Zerschmettre ich jubelnd mein Saitenspiel!


                Videant consules!

Die Zeit der Juden, Römer und der Kelten
Kam, Gottseidank, schon längst aus der Balance!
Wie unsre Welt die beste aller Welten,
Ist unsre Zeit, die Zeit par excellence.

Wohl hör ich's, doch mit jedem meiner Lieder
Heb ich den düstern Kehrreim auf den Thron:
Die Zeiten der Cäsaren kehren wieder
Und ihre Beile schärft die Reaktion!


                        Chaos

Das ist der Fluch, der diese Zeit durchzittert,
Der uns das Leben und den Tod verbittert:

Wir legen ewig neu das Fundament
Und niemals greift der Bau ins Firmament!

Wir hören blutend, wie die Völker wimmern,
Und helfen selber ihre Kreuze zimmern!

Wir flehen brünstig um das Weltgenie
Und sind noch viehisch, viehisch wie das Vieh!

Wir speien auf das Kreuz der Kathedrale
Und dichten nur noch Zukunftsideale!

Wir thun die Skepsis feig in Acht und Bann
Und schliesslich - glaubt man selber nicht daran!

Das ist der Fluch, der diese Zeit durchzittert,
Der uns das Leben und den Tod verbittert!


              Dieses Buch

Oft habe ich über den Blättern hier
Verbrütet manche Nacht
Und oft auch, ganz allein mit mir,
Lautauf geweint und gelacht!

Auch wob ich manchen derben Fluch
Recht kernverliebt hinein -
Es soll ja kein Erbauungsbuch
Für christliche Jungfern sein!

Es ist ein Buch, das Leben und Tod
Tief in sein Sphinxherz schliesst;
Es ist ein Buch, das zukunftsroth
Der Welt die Leviten liest!

So schüttle denn, schüttle dein blankes Erz,
Wo immer nur, unterjocht,
Ein Herz, ein rothes Männerherz,
Wild an die Rippen pocht!


        Das Volk an die Fürsten

Einmal schon verhalf ich euch zum Siege,
Denkt, o denkt an die Befreiungskriege!
Und auch heut noch muss ich, wie befohlen,
Die Kastanien aus dem Feuer holen.

Einmal auch schon hab ich, selbst verschuldet,
Euern königlichen Dank erduldet:
Erst mir lächelnd ins Gesicht geheuchelt,
Dann mich hinterrücks ins Knie gemeuchelt!

Glaubt mir, auch die Liebe weiss zu hassen;
Eure Sonnen werden einst verblassen!
Sink ich heute auch verblutend nieder:
Bei Philippi sehen wir uns wieder!


       An die "obern Zehntausend"

Und wieder rollt nun sterbend ein Jahrhundert
Dem Abgrund zu, drin uns die Zeit verschlingt,
Und ihr seid immer noch nicht abgeplundert,
Nicht hinter die Coulissen abgehinkt?

Wollt euch nicht länger freventlich vermessen,
Denn euer Lebensnerv ist abgestumpft,
Denn eure Kronen sind von Rost zerfressen
Und eure Stammbaumwälder sind versumpft!

Ein neu Geschlecht, schon wetzt es seine Schwerter,
Schon webt die Sonne ihm den Glorienschein,
Und glaubt: Es wird kein veilchenblauer Werther,
Es wird ein blutiger Messias sein!


                  Chanson

Noch immer baumelt der alte Zopf,
Der alten Welt im Genick,
Noch immer schmort ihr kein Huhn im Topf,
Drum: Vive la République!

Drum: Vive la République, blique, blique,
Das Herz schlägt uns im Bauch,
Das Knutenthum haben wir dick, dick, dick,
Und Kartoffel und Häring auch!


      Noch ein Stossseufzer

O hiess es endlich doch: All right!
Die Welt ist blass, blass wie Louise,
Das Grundgesetz der neuen Zeit
Sei drum das Buch von Adam Riese.

Denn wenn die Völker nicht mehr fackeln
Und über ihm die Throne wackeln,
Dann lupft der Weltwitz sein Visir
Und donnert: Zwei mal zwei macht vier!


       Sanft ruhe seine Asche!

Hier ruht der Hofpoet Hans Hänschen,
Gottlob, dass endlich er verreckt!
Er hat sich nie ein Lorbeerkränzchen,
Doch oft ein Piepmätzchen erleckt.
Das Höchste war für dieses Püppchen
Ein Allerhöchstes Bettelsüppchen.
Er schwitzte dafür zum Erbarmen
Alljährlich ein Geburtstagscarmen;
Drin hiess er die Quadrate rund -
Zugleich ein Dichter und ein Hund!


     Tres faciunt Collegium

Weh, ein Morast ist unsre Zeit!
Drin machen sich ekelerregend breit
Kröte, Basilisk und Unke;
Und wöchentlich schon - juchheideldidum -
Predgen vor ihrem Publikum
Herr Most, Herr Stöcker und Herr Majunke!


                Ganz recht!

Ganz recht! Zum Beispiel die Kultur!
Das heisst, nun ja, ich meine nur!
Denn schliesslich, wie sie sich auch stellt,
Bleibt doch das Endziel ihrer Reife
Die Ueberschwemmung dieser Welt
Mit Branntwein, Christenthum und Seife!


              Fragezeichen

Der Peter spricht zum Bruder Paul:
Der Zeitgeist ist ein alter Sünder
Und stopfen können ihm sein Maul
Nur Krupp'sche Vierundzwanzigpfünder!

Doch Paul kann Peter nicht besehn,
Weil er sein Lebtag nur gelungert
Und meint, als wäre nichts geschehn:
Du Peter, hast du mal gehungert?


           Auf alle Fälle

Der grosse Kanzler Otto spricht,
Ob's wahr, je nun, das weiss ich nicht:
Der vielgesuchte Stein der Weisen
Ist ein Gemisch aus Blut und Eisen!

Zwar Standrecht giebt's und Festungswälle,
Doch Eins bleibt wahr auf alle Fälle:
Und ob der Kanzler zehnmal spricht,
Ein braver Kerl, der forcht sich nicht!


          Frommer Wunsch

Immer noch halten die uralten Fragen
Nächtlich an unserm Lager Wacht,
Denn das griechische Herz hat vergeblich geschlagen
Und der griechische Geist hat umsonst gedacht.

Die p.p. weltvernagelnden Bretter
Versperren die Aussicht uns weit und breit -
O, schlüge doch endlich ein heiliges Wetter
In diese verfaulte Hallunkenzeit!


            Ein dunkles Blatt

Lisch aus, du Gluth auf meinem Herd!
In Nacht und Frost will ich verenden -
Oft scheint das Leben mir nicht werth,
Nur einen Vers dran zu verschwenden.

Ihr aber fragt mich nicht, warum!
Nicht Liebe mehr ist's, die ich suche:
Ich weiss, die Welt dreht sich rundum,
Auch wenn ich lachend sie verfluche!


              Ein altes Wort

Weh, dass ich nie vergessen kann
Das Wort im gestrigen Geschmack:
Der Reichthum grunzt die Armuth an,
Wie eine Sau den Bettelsack!


           Ein für alle Mal!

Verhasst sind mir bis in den Tod
Popogescheitelte Manieren -
Doch zehn Mal lieber schwarzweissroth,
Als mit dem Mob fraternisiren!


               Tafelspruch

Blondes Bier und blondes Brod
Machen dem Junggesellen die Backen roth,
Blondes Geld und blonde Zöpfe
Aber verdrehen ihnen die Köpfe.


    Zum Dessert

Nicht jeder, der hinkt,
Hat heut eine Chaise;
Nicht alles, was stinkt,
Ist Limburger Käse.