Klopstock

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Biografie

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                       Die Frühlingsfeier

Nicht in den Ozean der Welten alle
Will ich mich stürzen! schweben nicht,
Wo die ersten Erschaffnen, die Jubelchöre der Söhne des Lichts,
Anbeten, tief anbeten! und in Entzückung vergehn!

Nur um den Tropfen am Eimer,
Um die Erde nur, will ich schweben, und anbeten!
Halleluja! Halleluja! Der Tropfen am Eimer
Rann aus der Hand des Allmächtigen auch!

Da der Hand des Allmächtigen
Die größeren Erden entquollen!
Die Ströme des Lichts rauschten, und Siebengestirne wurden,
Da entrannest du, Tropfen, der Hand des Allmächtigen!

Da ein Strom des Lichts rauscht' und unsre Sonne wurde!
Ein Wogensturz sich stürzte wie vom Felsen
Der Wolk' herab, und den Orion gürtete,
Da entrannest du, Tropfen, der Hand des Allmächtigen!

Wer sind die tausendmal tausend, wer die Myriaden alle
Welche den Tropfen bewohnen, und bewohnten? und wer bin ich?
Halleluja dem Schaffenden! mehr wie die Erden, die quollen!
Mehr, wie die Siebengestirne, die aus Strahlen zusammenströmten!

Aber du Frühlingswürmchen,
Das grünlichgolden neben mir spielt,
Du lebst; und bist vielleicht
Ach nicht unsterblich!

Ich bin herausgegangen anzubeten,
Und ich weine? Vergib, vergib
Auch diese Träne dem Endlichen,
O du, der sein wird!

Du wirst die Zweifel alle mir enthüllen,
O du, der mich durch das dunkle Tal
Des Todes führen wird! Ich lerne dann,
Ob eine Seele das goldene Würmchen hatte.

Bist du nur gebildeter Staub,
Sohn des Mais, so werde denn
Wieder verfliegender Staub,
Oder was sonst der Ewige will!

Ergeuß von neuem du, mein Auge,
Freudentränen!
Du, meine Harfe,
Preise den Herrn!

Umwunden wieder, mit Palmen
Ist meine Harf' umwunden! Ich singe dem Herrn!
Hier steh ich. Rund um mich
Ist alles Allmacht! und Wunder alles!

Mit tiefer Ehrfurcht schau ich die Schöpfung an,
Denn du!
Namenloser, du!
Schufest sie!

Lüfte, die um mich wehn, und sanfte Kühlung
Auf mein glühendes Angesicht hauchen,
Euch, wunderbare Lüfte,
Sandte der Herr! der Unendliche!

Aber jetzt werden sie still, kaum atmen sie.
Die Morgensonne wird schwül!
Wolken strömen herauf!
Sichtbar ist, der kommt, der Ewige!

Nun schweben sie, rauschen sie, wirbeln die Winde!
Wie beugt sich der Wald! wie hebt sich der Strom!
Sichtbar, wie du es Sterblichen sein kannst,
Ja, das bist du, sichtbar, Unendlicher!

Der Wald neigt sich, der Strom fliehet, und ich
Falle nicht auf mein Angesicht?
Herr! Herr! Gott! barmherzig und gnädig!
Du Naher! erbarme dich meiner!

Zürnest du? Herr,
Weil Nacht dein Gewand ist?
Diese Nacht ist Segen der Erde.
Vater, du zürnest nicht!

Sie kommt, Erfrischung auszuschütten,
Über den stärkenden Halm!
Über die herzerfreuende Traube!
Vater, du zürnest nicht!

Alles ist still vor dir, du Naher!
Ringsumher ist alles still!
Auch das Würmchen mit Golde bedeckt, merkt auf!
Ist es vielleicht nicht seelenlos? ist es unsterblich?

Ach, vermöcht' ich dich, Herr, wie ich dürste, zu preisen!
Immer herrlicher offenbarest du dich!
Immer dunkler wird die Nacht um dich,
Und voller von Segen!

Seht ihr den Zeugen des Nahen, den zückenden Strahl?
Hört ihr Jehovas Donner?
Hört ihr ihn? hört ihr ihn,
Den erschütternden Donner des Herrn?

Herr! Herr! Gott!
Barmherzig, und gnädig!
Angebetet, gepriesen
Sei dein herrlicher Name!

Und die Gewitterwinde? sie tragen den Donner!
Wie sie rauschen! wie sie mit lauter Woge den Wald durchströmen!
Und nun schweigen sie. Langsam wandelt
Die schwarze Wolke.

Seht ihr den neuen Zeugen des Nahen, den fliegenden   Strahl?
Höret ihr hoch in der Wolke den Donner des Herrn?
Er ruft: Jehova! Jehova!
Und der geschmetterte Wald dampft!

Aber nicht unsre Hütte!
Unser Vater gebot
Seinem Verderber,
Vor unsrer Hütte vorüberzugehn!

Ach, schon rauscht, schon rauscht
Himmel, und Erde vom gnädigen Regen!
Nun ist, wie dürstete sie! die Erd, erquickt,
Und der Himmel der Segensfüll' entlastet!

Siehe, nun kommt Jehova nicht mehr im Wetter,
In stillem, sanftem Säuseln
Kommt Jehova,
Und unter ihm neigt sich der Bogen des Friedens!

 

                          Dem Unendlichen

Wie erhebt sich das Herz, wenn es dich,
Unendlicher, denkt! wie sinkt es,
Wenns auf sich herunterschaut!
Elend schauts wehklagend dann, und Nacht und Tod!

Allein du rufst mich aus meiner Nacht, der im Elend, der im Tod hilft!
Dann denk ich es ganz, daß du ewig mich schufst,
Herrlicher! den kein Preis, unten am Grab', oben am Thron,
Herr, Herr, Gott! den dankend entflammt kein Jubel genug besingt.

Weht, Bäume des Lebens, ins Harfengetön!
Rausche mit ihnen ins Harfengetön, kristallner Strom!
Ihr lispelt, und rauscht, und, Harfen, ihr tönt
Nie es ganz! Gott ist es, den ihr preist!

Donnert, Welten, in feierlichem Gang, in der Posaunen Chor!
Du Orion, Waage, du auch!
Tönt all, ihr Sonnen auf der Straße voll Glanz,
In der Posaunen Chor!

Ihr Welten, donnert
Und du, der Posaunen Chor, hallest
Nie es ganz, Gott; nie es ganz, Gott,
Gott, Gott ist es, den ihr preist!

 

                       Kaiser Heinrich

Laß unsre Fürsten schlummern in weichem Stuhl,
Vom Höfling rings umräuchert, und unberühmt,
So jetzo, und im Marmorsarge
Einst noch vergeßner, und unberühmter!

Frag nicht des Tempels Halle; sie nennte dir
Mit goldnem Munde Namen, die keiner kennt:
Bei diesen unbekränzten Gräbern
Mag der Heralde, sich wundernd, weilen!

Laß dann, und jetzt sie schlummern! Es schlummert ja
Mit ihnen der selbst, welcher die blutigen
Siegswerten Schlachten schlug, zufrieden,
Daß er um Galliens Pindus irrte.

Zur Wolke steigen, rauschen, ihm ungehört,
Der deutschen Dichter Haine, Begeisterer,
Wehn nah am Himmel sie. Doch ihr auch
Fremdling, erstieg er des Pindus Höh nicht.

Schnell Fluß, und Strom schnell, stürzen, am Eichenstamm,
In deinem Schatten, Palme, zwo Quellen fort.
Ihr seht die reinen tiefen Quellen,
Sehet der Dichtenden Grundanlagen.

Weich, Ungeweihter! deinem zu trüben Blick
Ist überschleiert Schönheit im Anbeginn;
Bald rieselt sie nicht mehr als Quelle,
Gießt in Gefilde sich, reißt das Herz fort!

Wer sind die Seelen, die in der Haine Nacht
Herschweben? Ließt ihr, Helden, der Toten Tal?
Und kamt ihr, eurer späten Enkel
Rachegesang an uns selbst zu hören?

Denn ach wir säumten! Jetzo erschrecket uns
Der Adler keiner über der Wolkenbahn.
Des Griechen Flug nur ist uns furchtbar,
Aber die Religion erhöhet

Uns über Hämus, über des Hufes Quell!
Posaun', und Harfe tönen, wenn sie beseelt;
Und tragischer, wenn sie ihn leitet,
Hebet, o Sophokles, dein Kothurn sich.

Und er ist Pindar gegen dich, Bethlems Sohn,
Des Dagoniten Sieger, und Hirtenknab',
O Isaide, Sänger Gottes,
Der den Unendlichen singen konnte!

Hört uns, o Schatten! Himmelan steigen wir
Mit Kühnheit. Urteil blickt sie, und kennt den Flug.
Das Maß in sichrer Hand, bestimmen
Wir den Gedanken, und seine Bilder.

Bist du, der Erste, nicht der Eroberer
Am leichenvollen Strom? und der Dichter Freund?
Ja, du bist Karl! Verschwind, o Schatten,
Welcher uns mordend zu Christen machte!

Tritt, Barbarossa, höher als er empor;
Dein ist der Vorzeit edler Gesang! Denn Karl
Ließ, ach umsonst, der Barden Kriegshorn
Tönen dem Auge. Sie liegt verkennet

In Nachtgewölben unter der Erde wo
Der Klosteröden, klaget nach uns herauf
Die farbenhelle Schrift, geschrieben,
Wie es erfand, der zuerst dem Schall gab

In Hermanns Vaterlande Gestalt, und gab
Altdeutschen Taten Rettung vom Untergang!
Bei Trümmern liegt die Schrift, des stolzen
Franken Erfindung, und bald in Trümmern,

Und ruft, und schüttelt (hörst du es, Zellner, nicht?)
Die goldnen Buckeln, schlägt an des Bandes Schild
Mit Zorn! Den, der sie höret, nenn' ich
Dankend dem froheren Widerhalle!

Du sangest selbst, o Heinrich: Mir sind das Reich
Und untertan die Lande; doch mißt' ich eh
Die Kron', als Sie! erwählte beides
Acht mir und Bann, eh ich Sie verlöre!

Wenn jetzt du lebtest, edelster deines Volks,
Und Kaiser! würdest du, bei der Deutschen Streit
Mit Hämus Dichtern, und mit jenen
Am Kapitol, unerwecklich schlummern?

Du sängest selber, Heinrich: Mir dient, wer blinkt
Mit Pflugschar, oder Lanze; doch mißt, ich eh
Die Kron', als Muse, dich! und euch, ihr
Ehren, die länger als Kronen schmücken!

 

                   Der Jüngling

Schweigend sahe der Mai die bekränzte
Leichtwehende Lock' im Silberbach;
Rötlich war sein Kranz, wie des Aufgangs,
Er sah sich, und lächelte sanft.

Wütend kam ein Orkan am Gebirg' her!
Die Esche, die Tann', und Eiche brach,
Und mit Felsen stürzte der Ahorn
Vom bebenden Haupt des Gebirgs.

Ruhig schlummert' am Bache der Mai ein,
Ließ rasen den lauten Donnersturm!
Lauscht' und schlief, beweht von der Blüte,
Und wachte mit Hesperus auf.

Jetzo fühlst du noch nichts von dem Elend,
Wie Grazien lacht das Leben dir.
Auf, und waffne dich mit der Weisheit!
Denn, Jüngling, die Blume verblüht!

 

                 Die frühen Gräber

Willkommen, o silberner Mond,
Schöner, stiller Gefährt der Nacht!
Du entfliehst? Eile nicht, bleib, Gedankenfreund!
Sehet, er bleibt, das Gewölk wallte nur hin.

Des Maies Erwachen ist nur
Schöner noch, wie die Sommernacht,
Wenn ihm Tau, hell wie Licht, aus der Locke träuft,
Und zu dem Hügel herauf rötlich er kömmt.

Ihr Edleren, ach es bewächst
Eure Male schon ernstes Moos!
O wie war glücklich ich, als ich noch mit euch
Sahe sich röten den Tag, schimmern die Nacht.

 

                 Der Eislauf

Vergraben ist in ewige Nacht
Der Erfinder großer Name zu oft!
Was ihr Geist grübelnd entdeckt, nutzen wir;
Aber belohnt Ehre sie auch?

Wer nannte dir den kühneren Mann,
Der zuerst am Maste Segel erhob?
Ach, verging selber der Ruhm dessen nicht,
Welcher dem Fuß Flügel erfand!

Und sollte der unsterblich nicht sein,
Der Gesundheit uns und Freuden erfand,
Die das Roß mutig im Lauf niemals gab,
Welche der Reihn selber nicht hat?

Unsterblich ist mein Name dereinst!
Ich erfinde noch dem schlüpfenden Stahl
Seinen Tanz! Leichteres Schwungs fliegt er hin,
Kreiset umher, schöner zu sehn.

Du kennest jeden reizenden Ton
Der Musik, drum gib dem Tanz Melodie!
Mond und Wald höre den Schall ihres Horns,
Wenn sie des Flugs Eile gebeut.

O Jüngling, der den Wasserkothurn
Zu beseelen weiß, und flüchtiger tanzt,
Laß der Stadt ihren Kamin! Komm mit mir,
Wo des Krystalls Ebne dir winkt!

Sein Licht hat er in Düfte gehüllt,
Wie erhellt des Winters werdender Tag
Sanft den See! Glänzenden Reif, Sternen gleich,
Streute die Nacht über ihn aus.

Wie schweigt um uns das weiße Gefild!
Wie ertönt vom jungen Froste die Bahn!
Fern verrät deines Kothurns Schall dich mir,
Wenn du dem Blick, Flüchtling, enteilst.

Wir haben doch zum Schmause genung
Von des Halmes Frucht? und Freuden des Weins?
Winterluft reizt die Begier nach dem Mahl;
Flügel am Fuß reizen sie mehr!

Zur Linken wende du dich, ich will
Zu der Rechten hin halbkreisend mich drehn;
Nimm den Schwung, wie du mich ihn nehmen siehst:
Also! nun fleug schnell mir vorbei!

So gehen wir den schlängelnden Gang
An dem langen Ufer schwebend hinab.
Künstle nicht! Stellung, wie die, lieb ich nicht,
Zeichnet dir auch Preisler nicht nach.

Was horchst du nach der Insel hinauf?
Unerfahrne Läufer tönen dort her!
Huf und Last gingen noch nicht übers Eis,
Netze noch nicht unter ihm fort.

Sonst späht dein Ohr ja alles; vernimm,
Wie der Todeston wehklagt auf der Flut!
O, wie tönts anders, wie hallts, wenn der Frost
Meilen hinab spaltet den See!

Zurück! laß nicht die schimmernde Bahn
Dich verführen, weg vom Ufer zu gehn!
Denn, wo dort Tiefen sie deckt, strömts vielleicht,
Sprudeln vielleicht Quellen empor.

Den ungehörten Wogen entströmt,
Dem geheimen Quell entrieselt der Tod.
Glittst du auch leicht, wie dies Laub, ach, dorthin,
Sänkest du doch, Jüngling, und stürbst!

 

                  Die Sommernacht

Wenn der Schimmer von dem Monde nun herab
In die Wälder sich ergießt, und Gerüche
Mit den Düften von der Linde
In den Kühlungen wehn;

 

So umschatten mich Gedanken an das Grab
Der Geliebten, und ich seh in dem Walde
Nur es dämmern, und es weht mir
Von der Blüte nicht her.

Ich genoß einst, o ihr Toten, es mit euch!
Wie umwehten uns der Duft und die Kühlung,
Wie verschönt warst von dem Monde,
Du o schöne Natur!

 

                 Selma und Selmar

Weine du nicht, o die ich innig liebe,
Daß ein trauriger Tag von dir mich scheidet!
Wenn nun wieder Hesperus dir dort lächelt,
Komm', ich Glücklicher, wieder!

Aber in dunkler Nacht ersteigst du Felsen,
Schwebst in täuschender dunkler Nacht auf Wassern!
Theilt' ich nur mit dir die Gefahr zu sterben;
Würd, ich Glückliche, weinen?

 

                      Der Bach

Bekränzt mein Haar, o Blumen des Hains,
Die am Schattenbach des bardischen Quells
Nossa's Hand sorgsam erzog, Braga mir
Brachte, bekränzt, Blumen, mein Haar!

Es wendet nach dem Strome des Quells
Sich der Lautenklang des wehenden Bachs.
Tief, und still strömet der Strom; tonbeseelt.
Rauschet der Bach neben ihm fort.

Inhalt, den volle Seel', im Erguß
Der Erfindung, und der innersten Kraft,
Sich entwirft, strömet; allein lebend muß,
Will es ihm nahn, tönen das Wort.

Wohllaut gefällt, Bewegung noch mehr;
Zur Gespielin kohr das Herz sie sich aus.
Diesem säumt, eilet sie nach; Bildern folgt,
Leiseres Tritts, ferne sie nur.

So säumet, und so eilt sie nicht nur:
Auch empfindungsvolle Wendung beseelt
Ihr den Tanz, Tragung, die spricht, ihr den Tanz,
All ihr Gelenk schwebt in Verhalt.

Mir gab Siona Sulamith schon
An der Palmenhöh den röthlichen Kranz
Sarons. Ihr weiht' ich zuerst jenen Reihn,
Welcher im Chor hallt des Triumphs,

Nun rufet seinen Reihen durch mich
In der Eiche Schatten Braga zurück.
Hüllte nicht daurende Nacht Lieder ein,
Lyrischen Flug, welchem die Höhn

Des Lorberhügels horchten; o schlief'
In der Trümmer Graun Alzäus nicht selbst:
Rühmt' ich mich kühneres Schwungs, töne, stolz
Rühmt' ichs, uns mehr Wendung fürs Herz,

Als Tempe's Hirt vom Felsen vernahm!
Und der Kämpfer Schaar in Elis Gefild!
Als mit Tanz Sparta zur Schlacht eilend! Zeus
Aus des Altars hohem Gewölk!

Der große Sänger Ossian folgt
Der Musik des vollen Baches nicht stets.
Taub ihm, zählt Galliens Lied Laute nur!
Zwischen der Zahl, schwankt und dem Maaß,

Der Britte; selbst Hesperien schläft!
O sie wecke nie die Sait' und das Horn
Braga's auf! Flögen sie einst deinen Flug,
Schwan des Glasoor; neidet' ich sie!

Nachahmer, wie Nachahmer nicht sind,
Du erwecktest selbst, o Flakkus, sie nicht!
Graue Zeit währet' ihr Schlaf! O, er währt
Immer, und ich neide sie nie!

Schon lange maß der Dichter des Rheins
Das Getön des starken Liedes dem Ohr;
Doch mit Nacht decket' Allhend ihm sein Maaß,
Daß er des Stabs Ende nur sah.

Ich hab' ihn heller blitzen gesehn
Den erhabnen, goldnen, lyrischen Stab!
Kränze du, röthlicher Kranz Sarons, mich!
Winde dich durch, Blume des Hains.

 

                    Wir und sie

Was that dir, Thor, dein Vaterland?
Dein spott' ich, glüht dein Herz dir nicht
Bey seines Namens Schall!

Sie sind sehr reich! und sind sehr stolz!
Wir sind nicht reich! und sind nicht stolz!
Das hebt uns über Sie!

Wir sind gerecht! das sind Sie nicht!
Hoch stehn Sie! träumen's höher noch!
Wir ehren fremd Verdienst!

Sie haben hohen Genius!
Wir haben Genius; wie Sie!
Das macht uns ihnen gleich!

Sie dringen in die Wissenschaft
Bis in ihr tiefstes Mark hinein!
Wir thun's! und thaten's lang!

Wen haben Sie, der kühnes Flugs,
Wie Händel Zaubereyen tönt?
Das hebt uns über Sie!

Wer ist bey ihnen, dessen Hand
Die trunkne Seel' im Bilde täuscht?
Selbst Kneller gaben Wir!

Wenn traf ihr Barde ganz das Herz?
In Bildern weint er! Griechenland,
Sprich du Entscheidung aus!

Sie schlagen in der finstern Schlacht,
Wo Schiff an Schiff sich donnernd legt!
Wir schlügen da, wie Sie!

Sie rücken auch in jener Schlacht,
Die Wir allein verstehn! heran:
Vor Uns entflöhen Sie!

O sähn Wir Sie in jener Schlacht,
Die Wir allein verstehn! einst dicht
Am Stahl, wenn er nun sinkt,

Hermanne unsre Fürsten sind!
Cherusker unsre Heere sind,
Cherusker, kalt, und kühn!

Was that dir, Thor, dein Vaterland?
Dein spott' ich, glüht dein Herz dir nicht
Bey seines Namens Schall!

 

                 Edone

Dein süßes Bild, Edone,
Schwebt stets vor meinem Blick;
Allein ihn trüben Zähren,
Daß du es selbst nicht bist.

Ich seh' es, wenn der Abend
Mir dämmert, wenn der Mond
Mir glänzt, seh ichs, und weine,
Daß du es selbst nicht bist.

Bei jenes Tales Blumen,
Die ich ihr lesen will,
Bei jenen Myrtenzweigen,
Die ich ihr flechten will,

Beschwör ich dich, Erscheinung,
Auf, und verwandle dich!
Verwandle dich, Erscheinung,
Und werd Edone selbst!

 

                          Unsre Sprache

                                  1767

An der Höhe, wo der Quell der Barden in das Tal
Sein fliegendes Getöne mit Silber bewölkt,
Stürzet, da erblickt, ich, zeug' es, Hain!
Die Göttin! sie kam zu dem Sterblichen herab!

Und mit Hoheit in der Miene stand sie! und ich sah
Die Geister um sie her, die den Liedern entlockt
Täuschen, ihr Gebild. Die Wurdi's Dolch
Unschuldige traf, die begleiteten sie fern,

Wie in Dämmrung; und die Skulda's mächtigerer Stab
Errettete, die schwebten umher in Triumph,
Schimmernd, um die Göttin, hatten stolz
Mit Laube der Eiche die Schläfe sich bekränzt!

Den Gedanken, die Empfindung, treffend, und mit Kraft,
Mit Wendungen der Kühnheit, zu sagen! das ist,
Sprache des Thuiskon, Göttin, dir,
Wie unseren Helden Eroberung, ein Spiel!

O Begeistrung! Sie erhebt sich! Feurigeres Blicks
Ergießet sich ihr Auge, die Seel' in der Glut!
Ströme! denn du schonest des umsonst,
Der, leer des Gefühls, den Gedanken nicht erreicht!

Wie sie herschwebt an des Quells Fall! Mächtiges Getön,
Wie Rauschen im Beginne des Walds ist ihr Schwung!
Draußen um die Felsen braust der Sturm!
Gern höret der Wandrer das Rauschen in dem Wald!

Wie sie schwebet an der Quelle! Sanfteres Getön,
Wie Wehen in dem tieferen Wald, ist ihr Schwung.
Draußen um die Felsen braust der Sturm!
Gern höret im Walde der Wanderer das Wehn.

Die der Fremdling nicht entweiht (Teutonien erlag
Nur Siegen, unerobert!), o Freiere, dich
Wagte der Geschreckten Fessel nicht
Zu fesseln! Die Adler entflogen, und du bliebst,

Die du warest! An dem Rhodan klirret sie noch laut
Die Kette des Eroberers! laut am Iber!
Also, o Britanne, schallt dir noch
Der Angel und Sachse mit herrschendem Geklirr!

So bezwang nicht an des Rheins Strom Romulus Geschlecht!
Entscheidungen, Vergeltungen sprachen wir aus,
Rache, mit des Deutschen Schwert, und Wort!
Die Kette verstummte mit Varus in dem Blut!

Die dich damals mit erhielten, Sprache, da im Forst
Der Weser die Erobererkette versank,
Schweigend in der Legionen Blut
Versank, sie umhüllt die Vergessenheit mit Nacht!

Ah, die Geister der Bardiete, welche sie zur Schlacht
Ertöneten dem zürnenden Vaterlandsheer,
Folgen mit der Todeswunde dir!
Ha Norne, dein Dolch! Wirst auch diesen, so sie klagt

Die vertilgten, du vertilgen? Bilder des Gesangs!
Ihr Geister! ich beschwör, euch, ihr Genien! lehrt,
Führet mich den steilen kühnen Gang
Des Haines, die Bahn der Unsterblichkeit hinauf!

Die Vergessenheit umhüllt', o Ossian, auch dich!
Dich huben sie hervor, und du stehest nun da!
Gleichest dich dem Griechen! trotzest ihm!
Und fragst, ob wie du er entflamme den Gesang?

Voll Gedanken auf der Stirne höret' ihn Apoll,
Und sprach nicht! und gelehnt auf die Harfe Walhalls
Stellt sich vor Apollo Bragor hin,
Und lächelt, und schweiget, und zürnet nicht auf ihn.

 

                           Unsre Sprache

                                   1775

An der Höhe, wo der Quell der Barden in das Tal
Sein fliegendes Getöne, mit Silber bewölkt,
Stürzet, da erblickt, ich, zeug' es, Hain!
Die Göttin! sie kam zu dem Sterblichen herab!

Und mit Hoheit in der Miene stand sie! und ich sah
Die Geister um sie her, die, den Liedern entlockt,
Täuschen' ihr Gebild. Die Wurdi's Dolch
Unschuldige traf, die begleiteten sie fern,

Wie in Dämmrung; und die Skulda's mächtigerer Stab
Errettete, die schwebten umher in Triumph,
Schimmernd, um die Göttin, hatten stolz
Mit Laube der Eiche die Schläfe sich bekränzt!

Den Gedanken, die Empfindung, treffend, und mit Kraft,
Mit Wendungen der Kühnheit, zu sagen! das ist,
Sprache des Thuiskon, Göttin, dir,
Wie unseren Helden Eroberung, ein Spiel!

O Begeistrung! Sie erhebt sich! Feurigeren Blicks
Ergießet sich ihr Auge, die Seel' in der Glut!
Ströme! denn du schonest des umsonst,
Der, leer des Gefühls, den Gedanken nicht erreicht!

Wie sie herschwebt an des Quells Fall! Mächtiges Getön,
Wie Rauschen in den Nächten des Walds ist ihr Schwung!
Draußen im Gefilde braust der Sturm!
Gern höret der Wandrer das Rauschen in dem Wald!

Wie sie schwebet an der Quelle! Sanfteres Getön,
Wie Wehen in dem tieferen Wald ist ihr Schwung.
Draußen im Gefilde braust der Sturm!
Gern höret im Walde der Wanderer das Wehn.

So erscholl mir's von der Telyn Saite, wie im Flug.
Mich dauchte, daß die Göttin mit Lächeln auf mich
Blickte: da durchströmt' es all mein Blut
Mit Feuer, und Röte, wie jugendlicher Tanz,

In dem Frühlinge getanzt glühte mir herauf
Die Wange! Ihr Begleiter! ihr Geister! so rief
Eiliger ich aus, ihr saht den Blick
Der Göttin, sie lächelt! Ihr Genien, ihr sahts!

O des Zaubers, den sie jetzo zaubert! Er gebeut;
Die Geister der Gesänge gesungen durch mich
Kommen, ihr Gebild, und haben stolz
Mit heiligem Laube die Schläfe sich bekränzt,

Mit dem jüngsten aus den Hainen! Hebe doch der Dolch
Der Norne sich! Er fehlt sie! Die Göttin hat sie
Schirmend, auf der Bahn des schweren Gangs
Des kühnen, hinauf zu Unsterblichkeit geführt!

 

                      Der Hügel, und der Hain

         Ein Poet, ein Dichter, und ein Barde singen.

P. Was horchest du unter dem weitverbreiteten Flügel der Nacht
Dem fernen sterbendem Wiederhalle des Bardengesangs?
Höre mich! Mich hörten die Welteroberer einst!
Und viel Olympiaden hörtet, ihr Celten, mich schon!

D. Laß mich weinen, Schatten!
Laß die goldene Leyer schweigen!
Auch meinem Vaterlande sangen Barden,
Und ach! ihr Gesang ist nicht mehr!

Laß mich weinen!
Lange Jahrhunderte schon
Hat ihn in ihre Nacht hinab
Gestürzt die Vergessenheit!

Und in öden dunkeln Trümmern
Der alten Celtensprache,
Seufzen nur einige seiner leisen Laute,
Wie um Gräber Todesstimmen seufzen.

P. Töne dem Klager, goldene Leyer!
Was weinest du in die öde Trümmer hinab?
War er der langen Jahrhunderte meines Gesanges werth;
Warum ging er unter?

D. Die Helden kämpften! Ihr nantet sie Götter und Titanen
Wenn jetzo die Aegis nicht klang, und die geworfenenFelsenlasten
Ruhten, und Jupiter der Gott, mit dem Titan Enzeladus sprach;
So scholl in den Kluften des Pelion die Sprache des Bardengesangs!

Ha du schwindelst vor Stolz
An deinem jüngeren Lorber;
Warf, und weißt du das nicht? auch ungerecht
Nicht oft die Vergessenheit ihr Todesloos?

Noch rauschest du stets mit Geniusfluge die Saiten herab!
Lang kenn' ich deine Silbertöne,
Schweig! Ich bilde mir ein Bild,
Jenes feurigen Naturgesangs!

Unumschränkter ist in deinem Herscherin,
Als in des Barden Gesange die Kunst!
Oft stammelst du nur die Stimme der Natur;
Er tönet sie laut ins erschütterte Herz!

O Bild, das jetzt mit den Fittigen der Morgenröthe schwebt!
Jetzt in Wolken gehüllt, mit des Meers hohen Woge steigt!
Jetzt den sanften Liedestanz
Tanzt in dem Schimmer der Sommermondnacht!

Wenn dich nicht gern, wer denket, und fühlt,
Zum Genossen seiner Einsamkeit wählt;
So erhebe sich aus der Trümmern Nacht der Barden einer,
Erschein', und vernichte dich!

Laß fliegen, o Schatten, deinen Zaubergesang
Den mächtigsten Flug,
Und rufe mir einen der Barden
Meines Vaterlands herauf!

Einen Herminoon,
Der unter den tausendjährige
Eichen einst wandelte,
Unter deren alterndem Sproß ich wandle.

P. Ich beschwöre dich, o Norne, Vertilgerin,
Bey dem Haingesange, vor dem in Winfeld die Adler sanken!
Bey dem liedergeführten Brautlenzreihn: O sende mir herauf
Einen der Barden Teutoniens, einen Herminoon!

Ich hör' es in den Tiefen der Ferne rauschen!
Lauter tönet Wurdi's Quell dem kommenden!
Und die Schwäne heben sich vor ihm
Mit schnellerem Flügelschlag!

D. Wer komt? wer komt? Kriegerisch ertönt
Ihm die thatenvolle Telyn!
Eichenlaub schattet auf seine glühende Stirn!
Er ist, ach er ist ein Barde meines Vaterlands!

B. Was zeigst du dem Uhrson meiner Enkel
Immer noch den stolzen Lorber am Ende deiner Bahn,
Grieche? Soll ihm umsonst von des Haines Höh
Der Eiche Wipfel winken?

Zwar aus Dämrung nur; denn ach! er sieht
In meiner Brust der wüthenden Wurdi Dolch!
Und mit der Eile des Sturms eilet vorüber der Augenblick,
Da ich ihm von der Barden Geheimnisse singen kann!

P. Töne, Leyer, von der Grazie,
Den leichten Tritt an der Hand der Kunst geführt,
Und laß die Stimme der rauhen Natur
Des Dichters Ohre verstummen!

B. Sing, Telyn, dem Dichter die schönere Grazie
Der seelenvollen Natur!
Gehorcht hat uns die Kunst! sie geschreckt,
Wollte sie herschen, mit hohem Blick die Natur!

Unter sparsamer Hand tönte Gemähld' herab,
Gestaltet mit kühnem Zug;
Tausendfältig, und wahr, und heiß! ein Taumel! ein Sturm!
Waren die Töne für das vielverlangende Herz!

P. Laß, o Dichter, in deinem Gesang vom Olympus
Zeus donnern! mit dem silbernen Bogen tönen aus derWolkennacht
Smintheus! Pan in dem Schilfe pfeifen, von Artemis
Schulter den vollen Köcher scheuchen das Reh.

B. Ist Achäa der Thuiskone Vaterland?
Unter des weissen Teppichs Hülle ruh auf dem Friedenswagen
Hertha! Im blumenbestreuten Hain walle der Wagen hin,
Und bringe die Göttin zum Bade des einsamen Sees.

Die Zwillingsbrüder Alzes graben
In Felsen euch das Gesetz der heiligen Freundschaft
Erst des hingehefteten Blickes lange Wahl,
Dann Bund auf ewig!

Es vereine Löbna voll Nossa's Reizen, und Wara
Wie Sait' und Gesang, die Lieb' und die Ehe! Braga töne
Von dem Schwert, gegen den Erobrer gezückt! und That
Des Friedens auch, und Gerechtigkeit lehr' euch Wodan!

Wenn nicht mehr in Walhalla die Helden Waffenspiel
Tanzen, nicht mehr von Braga's Lied' in der Freude
Süße Träume gesungen, halten Siegesmahl,
Dann richtet auch die Helden Wodan!

D. Des Hügels Quell ertönet von Zeus,
Von Wodan, der Quell des Hains.
Weck' ich aus dem alten Untergange Götter
Zu Gemählden des fabelhaften Liedes auf;

Sie haben die in Teutoniens Hain
Edlere Züge für mich!
Mich weilet dann der Achäer Hügel nicht:
Ich geh zu dem Quell des Hains!

P. Du wagst es, die Hörerin der Leyer,
Die in Lorberschatten herab
Von der Hölle fällt des Helikon,
Aganippe vorüber zu gehn?

D. Ich seh an den wehenden Lorber gelehnt,
Mit allen ihren goldenen Saiten,
O Grieche, deine Leyer stehn,
Und gehe vorüber!

Er hat sie gelehnt an den Eichensproß,
Des Weisen Sänger, und des Helden, Braga,
Die inhaltsvolle Telyn! Es weht
Um ihre Saiten, und sie tönt von sich selbst: Vaterland!

Ich höre des heiligen Namens Schall!
Durch alle Saiten rauschet es herab:
Vaterland! Wessen Lob singet nach der Wiederhall?
Komt Hermann dort in den Nächten des Hains?

B. Ach Wurdi, dein Dolch! Sie ruft, sie ruft
Mich in ihre Tiefe zurück, hinunter, wo unbeweinbar
Auch die Edlen schweben, die für das Vaterland.
Auf des Schildes blutige Blume sanken!

 

                        Mein Vaterland

So schweigt der Jüngling lang,
Dem wenige Lenze verwelkten,
Und der dem silberhaarigen tatenumgebenen Greise,
Wie sehr er ihn liebe! das Flammenwort hinströmen will.

Ungestüm fährt er auf um Mitternacht,
Glühend ist seine Seele!
Die Flügel der Morgenröte wehen, er eilt
Zu dem Greis, und saget es nicht.

So schwieg auch ich. Mit ihrem eisernen Arm
Winkte mir stets die strenge Bescheidenheit!
Die Flügel wehten, die Laute schimmerte,
Und begann von selber zu tönen, allein mir bebte die Hand.

Ich halt es länger nicht aus! Ich muß die Laute nehmen,
Fliegen den kühnen Flug!
Reden, kann es nicht mehr verschweigen,
Was in der Seele mir glüht.

O schone mein! dir ist dein Haupt umkränzt
Mit tausendjährigem Ruhm! du hebst den Tritt der Unsterblichen
Und gehest hoch vor vielen Landen her!
O schone mein! Ich liebe dich, mein Vaterland!

Ach sie sinkt mir, ich hab es gewagt!
Es bebt mir die Hand die Saiten herunter;
Schone, schone! Wie wehet dein heiliger Kranz,
Wie gehst du den Gang der Unsterblichen daher.

Ich seh ein sanftes Lächeln,
Das schnell das Herz mir entlastet;
Ich sing es mit dankendem Freuderuf dem Widerhall,
Daß dieses Lächeln mir ward!

Früh hab ich dir mich geweiht! Schon da mein Herz
Den ersten Schlag der Ehrbegierde schlug,
Erkor ich, unter den Lanzen und Harnischen
Heinrich, deinen Befreier, zu singen.

Allein ich sah die höhere Bahn,
Und entflammt von mehr, denn nur Ehrbegier,
Zog ich weit sie vor. Sie führet hinauf
Zu dem Vaterlande des Menschengeschlechts!

Noch geh ich sie, und wenn ich auf ihr
Des Sterblichen Bürden erliege;
So wend ich mich seitwärts, und nehme des Barden Telyn,
Und sing, o Vaterland, dich dir!

Du pflanzetest dem, der denket, und ihm, der handelt!
Weit schattet, und kühl dein Hain,
Steht, und spottet des Sturmes der Zeit,
Spottet der Büsch um sich her!

Wen scharfer Blick, und die tanzende glückliche Stunde führt,
Der bricht in deinem Schatten, kein Märchen sie,
Die Zauberrute, die, nach dem helleren Golde,
Dem neuen Gedanken, zuckt.

Oft nahm deiner jungen Bäume das Reich an der Rhône,
Oft das Land an der Thems' in die dünneren Wälder.
Warum sollten sie nicht? Es schießen ja bald
Andere Stämme dir auf!

Und dann so gehörten sie ja dir an. Du sandtest
Deiner Krieger hin. Da klangen die Waffen! da ertönte
Schnell ihr Ausspruch: Die Gallier heißen Franken!
Engelländer die Briten!

Lauter noch ließest du die Waffen klingen. Die hohe Rom
Ward zum kriegerischen Stolz schon von der Wölfin gesäugt;
Lange war sie Welttyrannin! Du stürzetest,
Mein Vaterland, die hohe Rom in ihr Blut!

Nie war, gegen das Ausland,
Ein anderes Land gerecht, wie du!
Sei nicht allzugerecht. Sie denken nicht edel genung,
Zu sehen, wie schön dein Fehler ist!

Einfältiger Sitte bist du, und weise,
Bist ernstes tieferes Geistes. Kraft ist dein Wort,
Entscheidung dein Schwert. Doch wandelst du gern es in die Sichel, und triefst,
Wohl dir! von dem Blute nicht der anderen Welten!

Mir winket ihr eiserner Arm! Ich schweige,
Bis etwa sie wieder schlummert;
Und sinne dem edlen schreckenden Gedanken nach,
Deiner wert zu sein, mein Vaterland.

 

           Vaterlandslied

Zum Singen für Johanna Elisabeth
                 von Winthem.

Ich bin ein deutsches Mädchen!
Mein Aug' ist blau, und sanft mein Blick,
Ich hab ein Herz
Das edel ist, und stolz, und gut.

Ich bin ein deutsches Mädchen!
Zorn blickt mein blaues Aug' auf den,
Es haßt mein Herz
Den, der sein Vaterland verkent!

Ich bin ein deutsches Mädchen!
Erköhre mir kein ander Land
Zum Vaterland,
Wär mir auch frey die große Wahl!

Ich bin ein deutsches Mädchen!
Mein hohes Auge blickt auch Spott,
Blickt Spott auf den,
Der Säumens macht bey dieser Wahl.

Du bist kein deutscher Jüngling!
Bist dieses lauen Säumens werth,
Des Vaterlands
Nicht werth, wenn du's nicht liebst, wie ich!

Du bist kein deutscher Jüngling!
Mein ganzes Herz verachtet dich,
Des Vaterland
Verkent, dich Fremdling! und dich Thor!

Ich bin ein deutsches Mädchen!
Mein gutes, edles, stolzes Herz
Schlägt laut empor
Beym süßen Namen: Vaterland!

So schlägt mirs einst beym Namen
Deß Jünglings nur, der stolz wie ich
Aufs Vaterland,
Gut, edel ist, ein Deutscher ist!

 

                              Weissagung

An die Grafen Christian und Friedrich Leopold zu Stolberg

An der Eiche Sprößling gelehnt, von hellen
Düften umhüllt, stand die Telyn, und schnell
Erscholl sie von selbst; doch ich ließ
Unerweckt sie mir erschallen.

Da entströmt' ihr rascher Verdruß, da zürnte
Wirbelnd ihr Ton. Eilend ging ich, und nahm
Die Drohende, daß sie dereinst
Zum Vergelt nicht mir verstummte.

Aus des Rosses Auge, des Hufs Erhebung,
Stampfen des Hufs, Schnauben, Wiehern und Sprung
Weissagten die Barden; auch mir
Ist der Blick hell in die Zukunft.

Ob's auf immer laste? Dein Joch, o Deutschland,
Sinket dereinst! Ein Jahrhundert nur noch;
So ist es geschehen, so herrscht
Der Vernunft Recht vor dem Schwertrecht.

Denn im Haine brauset' es her, gehobnes
Halses, und sprang, Flug die Mähne, dahin.
Das heilige Roß, und ein Spott
War der Sturm ihm, und der Strom ihm.

Auf der Wiese stand es, und stampft', und blickte
Wiehernd umher; sorglos weidet, es, sah
Voll Stolz nach dem Reiter nicht hin,
Der im Blut lag an dem Grenzstein.

Nicht auf immer lastet es. Frei, o Deutschland,
Wirst du dereinst! Ein Jahrhundert nur noch;
So ist es geschehen, so herrscht
Der Vernunft Recht vor dem Schwertrecht.

 

                                  Wink

Der Grieche sang in lyrischem Ton Bürgergesetz.
Verwandter sind die Gesetze der Kunst dem lyrischen Ton;
So dürfen wir ja auch wohl ein ernsteres Wort
In die Tafel graben. Wir dürfen nicht; aber wir tuns.

Der Dichter, dem es noch nicht da sich entschleierte,
Daß die Freude der Edlen öfter schweigt,
Als selbst ihr mächtigster Schmerz,
Der wanket schon an der Schwelle des Heiligtums.

Aber der unanstoßendes Schrittes
In den Tempel trat der Kunst, diesem muß,
Für jede Kenntnis, die dort zeiget, oder warnt,
Dennoch den Blick schärfen der Genius,

Bevor er lernt, was die Edlen dann,
Wenn in Stimme sich nun ihr Verstummen wandelt,
Dann sagen, und welche Worte der Wahl sie würdigen,
Wenn sich nun ihr Verstummen wandelt!

Bevor er geweiht, und, an der Hand
Der Entdeckung, so tiefer Erfinder wird,
Daß zu seiner Saite Klang mit der vollen
Harmonie das Herz der Hörenden klingt!

Wenn je die Stirn der Kunst mit Ernste gebot,
So war es hier; sie gebot: Wie Raphael bildete, Gluck
Mit dem Tone vereinte den Ton, so vollende der Dichter,
Mehr noch, treffender noch, wenn es Freude gilt!

Freude, Freude, du Himmelskind!
Danksagend küßt er den Zauberstab,
Von dem, als du damit ihn berührtest,
Ein heiliger Funken ihm in die Seele sprang.

 

                   Mein Wäldchen

      An den Grafen und die Gräfin Holck

Eure Beschattung kühlt schon lang, des lieben
Wäldchens Eichen, ich habe nicht die Wurzel
Dieser hohen Wipfel gesenkt, ihr wuchset
Früher als ich, seid

Jünglinge gleichwohl noch, erhebet höher
Einst die Häupter und streckt wenn sich der Tag neigt,
Längre Schatten. Grünet denn, überlebt; ich
Neid, euch nicht, Eichen!

Will mit Gespielen euch, mit Tränenweiden,
Rings umpflanzen, daß einst, wenn nun die Sonne
Sinkt, in eurer Kühle, durchhaucht von Abend-
Lüften, ihr Laub sich

Leise bewege, dann der Liebling sage
Zu dem Mädchen: »Sie weint ja nicht, sie säuselt,
Lallt Musik; wie fabelte von der schönen
Weide der Vorfahr!«

Wenn von dem Sturm nicht mehr die Eich' hier rauschet,
Keine Lispel mehr wehn von dieser Weide:
Dann sind Lieder noch, die vom Herzen kamen,
Gingen zu Herzen.

 

                          Der jetzige Krieg

O Krieg des schöneren Lorbeers wert,
Der unter dem schwellenden Segel, des Wimpels Fluge,
Jetzo geführt wird, du Krieg der edleren Helden!
Dich singe der Dithyrambe, der keine Kriege sang.

Ein hoher Genius der Menschlichkeit
Begeistert dich!
Du bist die Morgenröte
Eines nahenden großen Tags!

Europas Bildung erhebt sich
Mit Adlerschwunge, durch weise Zögerung
Des Blutvergusses, durch weisere Meidung,
Durch göttliche Schonung,

In Stunden, da den Bruder tötend,
Der erhabene Mensch zum Ungeheuer werden muß.
Denn die Flotten schweben umher auf dem Ozean,
Und suchen sich, und finden sich nicht.

Und wenn sie verweht, oder verströmt, sich endlich erblicken:
So kämpfen sie länger als je
Den leichtzertrennenden Kampf
Um des Windes Beistand.

Und muß es zuletzt denn doch auch beginnen
Das Treffen; so schlagen sie fern. Fürchterlich brüllet
Ihr Donner; aber er rollt
Seine Tod' in das Meer.

Kein Schiff wird erobert, und keins, zu belastet
Von der hineinrauschenden Woge, versenkt,
Keins flammt in die Höh, und treibet,
Scheiter, umher über sinkenden Leichen.

Der Flotten, und der Schiffe Gebieter
Schlagen so, ohne gegebenes Wort.
Was brauchen sie der Worte die tiefer denkenden
Männer? Sie handeln! verstehen sich durch ihr Handeln!

Erdekönigin, Europa! dich hebt, bis hinauf
Zu dem hohen Ziel, deiner Bildung Adlerschwung:
Wenn unter deinen edleren Kriegern
Diese heilige Schonung Sitte wird!

O dann ist, was jetzo beginnt, der Morgenröten schönste;
Denn sie verkündiget
Einen seligen, nie noch von Menschen erlebten Tag,
Der Jahrhunderte strahlt.

Auf uns, die noch nicht wußten, der Krieg
Sei das zischendste, tiefste Brandmal der Menschheit!
Mit welcher Hoheit Blick wird auf uns herabsehn,
Wen die Heitre labt des goldenen Tages!

Warest du, Saite, wirklicher Zukunft Weissagerin?
Sahe der Geist, welcher dich umschwebt,
Göttermenschen? oder hat er vernichtungsscheue
Gottesleugner gesehn?