Opitz

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Seite 2

Ach liebste laß uns eilen

Ach liebste laß uns eilen
Wir haben Zeit
Es schadet uns verweilen
Uns beyderseit.
Der Edlen Schönheit Gaben
Fliehen fuß für fuß:
Daß alles was wir haben
Verschwinden muß.
Der Wangen Ziehr verbleichet
Das Haar wird greiß
Der Augen Feuer weichet
Die Brunst wird Eiß.
Das Mündlein von Corallen
Wird umgestalt
Die Händ' als Schnee verfallen
Und du wirst alt.
Drumb laß uns jetzt geniessen
Der Jugend Frucht
Eh' wir folgen müssen
Der Jahre Flucht.
Wo du dich selber liebest
So liebe mich
Gieb mir das wann du giebest
Verlier auch ich.



                        An Asterien

ZWeymal ist jetzund gleich der schöne Früling kommen /
Vnd zweymal hat der Frost deß winters abgenommen
Der bäume grünes kleid / als Venus zu mir kam /
Vnd mich / Asterie / von Phebus Seiten nam /
Vnd dir zugab. vorhin entbrandten meine Sinnen /
Durch Durst der Ewigkeit / als ich mich zu gewinnen
Der Tugendt schloß befließ: jetzt bin ich / meine Ziehr /
So weit von jhnen ab / so nah' ich bin bey dir.
Wie offt' hab' ich bißher gehoffet frey zu werden /
Wie offtmals hatten mich geführet von der Erden
Die Flügel der Vernunfft / wann nicht das weite Meer
Der grossen Freundligkeit in dir gewesen wer?
Jedoch wird mich vnd dich Thalia nicht verschweigen /
Mein Augentrost ich geh' / ich geh' jetzt zuersteigen
Der Ehren hohes Schloß; ob gleich der schnöde Neid
Den Weg verwachen wird / den Weg der Ewigkeit.
Der schnellen Jahre Flucht / so alles sonst kan tödten /
Hat nicht Gewalt in vns; die trefflichen Poeten
Sind viel mehr als man meynt: jhr hoher Sinn vnd Geist
Ist von deß Himmels Sitz' in sie herab gereist.
Ein frey Gewissen auch ist gar nicht angebunden
An das Geschrey deß Volcks / das ähnlich ist den Hunden:
Sie bellen in die Lufft wo sie nicht können gehn /
Vnd bleiben doch allhier weit von dem Himmel stehn.
So bald vns Atropos den Faden abgeschnitten /
So balde haben wir auch vnser Recht erlitten:
Wann vnsre Seel' vnd Geist deß Leibes sind befreyt
Vnd lassen diese Welt / so lest vns auch der Neidt.
So ward auch Hercules / der Kern der Helden / inne /
Daß niemandt weil er lebt die Mißgunst zähmen könne.
Diß ist der alte Lauff. Ich / den du hier siehst stehn /
Vnd auch dein Lob mit mir / soll nimmer vntergehn:
Es sey daß mir hinfort für andern wird belieben
Was Aristoteles / was Xenophon geschrieben /
Was Plato reich von list / was Seneca gesagt /
Was Cato; oder auch es sey das mir gehagt
Ohn einigen Termin die Bücher aller Alten /
So durch deß Himmels Gunst bißher sind vorbehalten /
Zu schliessen in mein Hertz' / als wie ein muthig Pferdt /
Das sich an keinen Zaum vnd keine schrancken kehrt /
Vnd kan nicht stille stehn / begiehrig fort zu lauffen;
Es sey auch wie es will / so werd' ich von dem Hauffen
Deß Pöfels seyn getrennt; mein Lieb / mit dem bescheid'
Erwart' ich deiner Huldt vnd Gegenfreundligkeit.
Gleich wie ein Tigerthier der säuglinge beraubet /
Jetzt dort' / jetzt dahin laufft; es wütet / tobet / schnaubet /
Es heulet daß die Berg' vnd aller Wald erschallt;
So schrey ich auch nach dir mein bester Auffenthalt.
Ergib dich daß du nicht / wann ich dir bin genommen /
Dürffst sagen allererst: Ach möchstu wider kommen /
O Philomusus werth / O edeler Verstandt;
Wie hertzlich wolt' ich doch dir bieten meine Hand /
Dir bieten meine Lieb' vnd rechte wahre Trewe:
Dann wird vergeblich seyn / O Jungfraw deine Rewe /
Dann wird vergeblich seyn dein Weinen / Klag' vnd Leidt;
Das Korn wechst gar nicht mehr ists einmal abgemeyt.
Wer wird hernach / mein lieb / wer wird hernach dich preisen
Wann diß mein jrrdin Faß dann wird die Würme speisen?
Drumb komm / O Schöne / komm / eh' es zu langsam ist /
Komm / laß vns gehn den Weg / den ich mir außerkiest.
Schaw' / O Asterie / die Meisterinn der Zeiten
Das ewige Geschrey / die Hand nach dir außbreiten /
Vnd dir geneiget seyn: nimb sie von Hertzen an /
Die ewig deine Ziehr vnd dich erhalten kan.



An Herrn Johann Wessel /
Als derselbe / nach auffgehörter langwiriger Pest
zum Buntzlaw / eine Dancksagung-Predigt gehalten.

HIlff Gott! hat denn der Krieg nicht Volck genug gefressen
Von etzlich Jahren her / seyt daß wir gantz vergessen
Daß vnser Vatterland fellt in sein eygen Schwerd /
Vnd wird sein Mörder selbst? Wir werden auch verheert
Durch dich / du wilde Pest / vnd Fresserinn der Erden;
Inmassen Buntzlaw denn hat müssen innen werden
So eine lange Zeit / die zwar fast kleine Statt /
Doch die viel grosser Leut' in sich erzogen hat.
Was Jammer war nun da? Man sah' auff allen Gassen
In höchster Einsamkeit die Häuser gantz verlassen:
Der Vatter ließ sein Kind / das Kind den Vatter stehn /
Vnd dorffte sicherlich kein Mensch zusammen gehn.
Die Vögel machten selbst sich in die ferren Wüsten /
Vnd wolten auß Gefahr nunmehr bey vns nicht nisten.
Wer auß der Frembde kam sucht' eine newe Bahn /
Vnd sahe diß' Revier nicht ohne Grawsen an.
Ein jederman erschrack. Der wunderschöne Brunnen /
Der vns so reichlich tränckt / ist trawriger gerunnen /
Weil vmb sein reines Quell der gelben Leichen Heer
In solcher Menge war. Der Bober floß auch schwer /
Vnd war wie gantz verstarrt. Was muste der nun leyden
Der an der Kranckheit lag / eh' als er kundte scheyden /
Vnd ward deß Cörpers loß? das angesteckte Blut /
Trat in den gantzen Kopff als eine heisse Glut /
Vnd nam die Augen ein / die voller Fewers stunden.
Der sprachen weg der Schlund war jämmerlich gebunden /
Die Lunge werthe sich / der gantze Leib lag kranck /
Vnd ließ die Kräfften fort. Ein scheußlicher Gestanck /
Wie sonst ein faules Aaß auch von sich pflegt zu geben /
Roch auß dem Hals' herauß; das arme schwache Leben
Stund auff der Schwelle schon / vnd sahe hin vnd her /
Ob in der grossen Qual nicht etwan Labsal wer'?
Ach! aber fast vmbsonst. Was satzte nun dem Hertzen /
Das auch voll Flamme war / für Kümmernüß vnd Schmertzen /
Für Leyd vnd Wehmuth zu / da sämptlich Hand vnd Bein
Jhr Ampt nicht kondten thun? es schwand das Marck auß Pein /
Der heisse Magen sodt / der Mund blieb offen stehen /
Die Zunge litte Durst / der Pulß hub an zu gehen
Geschwinder als zuvor: Viel haben Tag vnd Nacht
Nie keinen Schlaff gehabt / vnd gäntzlich sich verwacht /
Der Schweiß war auff der Haut / das Prausen in den Ohren /
Das Klopffen vmb die Brust. Nicht wenig die verlohren
Verstand vnd allen Sinn. Die Kälte trat gemach
Den müden Schenckeln zu / biß sie so nach vnd nach
Die Glieder gantz vnd gar mit jhrer Gifft durchfahren /
Die jhnen allbereit nun nicht mehr ähnlich waren:
Der Schlaff" ward außgehölt / die Nase spitz gemacht /
Die Stirne wie gespannt / eh' als die lange Nacht
Den auch fast todten Geist ließ auß dem Kercker fliegen
In dem er harte lag. Wo war nun Trost zu kriegen?
Wo flohen wir doch hin? Wer nahm sich in der Noth
Deß armen Volckes an? Du / O du grosser GOtt.
Du hast dich / als wir sind mit hitzigen Gebeten
Vnd Andacht sonder falsch für deinen Thron getreten
Gantz Vätterlich erzeigt /den Eyffer deiner Hand /
Die sonst ergrimmet war / genädig abgewand /
Vnd deinen Zorn in Güt' vnd Freundlichkeit verkehret /
In Güt' vnd Freundligkeit / die nun vnd ewig wehret:
Wie sehr wir dich erregt / so hat ein gutes Wort
Das recht von Hertzen geht bey dir doch Platz vnd Ort.
Herr Wessel / diß habt jhr sampt andern wol verrichtet /
Gesäufftzet Tag vnd Nacht / den schnöden Leib vernichtet /
Die Seele GOtt vertrawt / der auff das schwere Leyd /
Mein werthes Vatterland nun widerumb erfrewt.
Hierumb erhebt jhr jetzt gar recht die ernsten Stimmen /
Vnd laßt sein hohes Lob biß durch die Wolcken klimmen.
Der Ruhm der ware Danck / der nach dem Himmel steht /
Macht daß man hier der Pest vnd dort der Höll entgeht.



An Jhr. Fürstl. Gnaden Georg Rudolffen / Hertzogen in Schlesien zur Lignitz / Briegk vnd Goldberg.

WEr das was für jhm ist auß dem was ist geschehen
Mit klugen Sinnen kennt / der läßt den Nortwind wehen
So lang er rasen will / vnd schawet trotzig an
Deß Glückes Wanckelmuth den niemand hemmen kan.
Er thut als wiß' er nicht das Wechsel seiner Zeiten
Daß nur von jhm nicht kompt / vnd steht auff allen Seiten
Gewissensfest' vnd steiff: er weiß daß dieses Spiel
Doch also fallen muß wie Gott es haben wil.
Was möglich ist zuseyn das meynt er stets zuwerden /
Jhm kompt nichts frembdes für auff dieser gantzen Erden /
Dann alles Glück vnd Leyd / worüber der hier lacht
Vnd jener trawrig ist / hat er vorhin bedacht.
O Königlicher Fürst / was kan ein Herr beginnen
Zugegen einer Macht die nur von Menschen Sinnen
Sich nicht beherrschen läßt? schaw' auff die Wolcken zu
Von da du kommen bist / daselbst ist Trost vnd Ruh.
Der grosse Himmelvogt / der diesem armen Leben
Euch Fürsten zum Behülff' vnd Rettung hat gegeben /
Der gibt euch auch die Krafft / im Fall jhr sie begehrt /
Durch die jhr gutes heißt / vnd bösen Sachen wehrt.
Er lait' vnd führe dich auff allen deinen Wegen /
Zu meiner Musen schutz; er schütte reichen Segen
Der Gnaden vber dich / vnd wende seine Hand
Auff dich vnd vnter dir auff vnser Vatterlandt.



                         An diß Buch

SO wiltu dennoch jetzt auß meinen Händen scheiden
Du kleines Buch vnnd auch mit andern seyn veracht?
Gewiß du weissest nicht wie hönisch man jetzt lacht /
Wie schwerlich sey der Welt Spitzfindigkeit zu meiden.
    Es muß ein jeglich Ding der Menschen Vrtheil leiden /
Vnd / ob es tauglich sey / steht nicht in seiner Macht;
Der meiste Theil ist doch auff schmähen nur bedacht /
Vnd denckt was er nicht kan / dasselbe muß' er neiden.
    Noch dennoch (daß du nicht so offt' vnd viel von mir
Auffs newe dulden dürffst daß ich dich nehme für)
Muß ich dir loß zu seyn vnd außzugehn erleuben.
    So ziehe nun nur hin / weils ja dir so gefellt /
Vnd nimb dein Vrtheil an / zieh' hin / zieh' in die Welt;
Du hettest aber wol zu Hause können bleiben.



                  Sonnet IIX.

An die Augen seiner Jungfrawen.
Fast auß dem Holländischen.

LEitsternen meines Haupts / vnd meiner jungen Zeit /
Die als Planeten sind gesetzet meinem Leben /
Jhr Augen / wann ich euch so freundlich sehe schweben /
So bin ich als entzückt / vnd kenne gantz kein Leid.
    Dann jhr beschliest in euch ein' hohe Liebligkeit /
Vnd lieblich' Hoheit; jhr / jhr könnt alleine geben
Genüge / rechte Lust: wornach wir Männer streben
Das habt jhr / O mein Liecht / vor allem weit vnd breit.
    Natura selber liegt im Tunckeln fast begraben /
Vnd mangelt ihres Liechts / von wegen jhrer Gaben /
Die gantz versamblet sind in solcher engen statt,
    Doch ist sie enge nicht / vnd kann sich weit ergiessen /
Ja were groß genung fast alles einzuschließen /
Weil sich mein' arme Seel' in ihr verirret hat.



                     Sonnet VII.

                   An die Bienen

JHr Honigvögelein / die jhr von den Violen
Vnd Rosen abgemeyt den wundersüssen Safft /
Die jhr dem grünen Klee entzogen seine Krafft /
Die jhr das schöne Feld so offt vnd viel bestohlen /
    Jhr Feldeinwohnerin / was wollet jhr doch holen
Daß so euch noch zur Zeit hat wenig Nutz geschafft /
Weil jhr mit Dienstbarkeit deß Menschen seyd behafft /
Vnd jhnen mehrenteils das Honig musset zohlen?
    Kompt / kompt zu meinem Lieb' auff jhren Rosenmund /
Der mir mein kranckes Hertz hat inniglich verwundt /
Da solt jhr Himmelspeis' auch vberflüssig brechen:
    Wann aber jemand sie wil setzen in Gefahr /
Vnd jhr ein Leyd anthun / dem solt du starcke schar
Für Honig Galle seyn / vnd jhn zu Todte stechen.



               An die Deutsche Nation.

DEr blinden Venus Werck / die süsse Gifft zu lieben /
Vnd schöne Zauberey / in dieses Buch geschrieben /
Nimb erstlich an von mir du werthes Vatterland;
Nimb an der Liebe Sach' / als meiner Liebe Pfand.
Mein Sinn floch vber hoch: ich wolte dir vermelden
Durch Kunst der Poesie den Lauff der grossen Helden /
Die sich vor dieser Zeit den Römern wiedersetzt /
Vnd in dem stoltzen Blut' jhr scharpffes Schwerd genetzt:
Apollo nahm mich an in seine Gunst vnd Holde /
Vulcanus hatte schon gemacht von gutem Golde
Die Feder meiner Faust: ich war nun gantz bereit
Mit meines Geistes Frucht zu brechen durch die Zeit.
Da kam der Venus Kind / bracht' einen Krantz von Myrten
Vor meine Lorbeerkron / vnd stieß mich zu den Hirten
In einen grünen Wald / wieß auff ein schönes Bildt /
Die edle Nymph' hat mir Gemüth' und Sinn erfüllt.
In ihren Augen hab ich alles dieses funden
Was ich mich in diß Buch zu schreiben vnterwunden:
Das jrrdische Gestirn' hat meinen hohen Geist
In dieses enge Meer der Eitelkeit geweist.
In dieses enge Meer / auff welchem meine Sinnen
Nicht als von Freundligkeit vnd Liebe dencken können /
Von Lieb' vnd Freundligkeit: die bittersüsse Pein
Die muste mir an statt der Heldenthaten seyn.
Ich thue / Asterie / nach deinem Wolbehagen /
Vnd will dein hohes Lob biß an die Sternen tragen:
So weit der Deutschen Red' vnd Tugend ist bekandt
Soll auch dein' Ehr' vnd Preiß durchdringen alles Landt.
O hohe werthe Seel' in Weißheit außerkohren /
Zum Spiegel weiblicher vollkommenheit gebohren /
Sey mir mit deiner Gunst vnd trewen Huld bereit;
Komm / komm / vnd laß vns gehn den Weg der Ewigkeit.
Du Deutsche Nation / voll Freyheit / Ehr' und Tugend
Nimb an diß kleine Buch / die Früchte meiner Jugend /
Biß daß ich höher steig' / vnd deiner Thaten Zahl
Werd' vnablässiglich verkünden vberall.
Diß Buch ist mein Beginn in Lieb vnd auch das Ende:
Ein nochgelehrter Werck / zu dem ich jetzt mich wende /
Daß soll mehr als diß Buch so viel mal besser seyn /
Je besser Weißheit ist als Venus süsse Pein.



                     An eine Jungfraw

VMb alles Gut vnd Geldt in diesem gantzen Lande
Erzehl' ich weder euch noch andern was zu Schande
Vnd weiß gewißlich auch / daß niemand sprechen kan /
Ich hab auß Feindschafft jhm was Leides angethan.
Jhr möget aber doch darneben kühnlich gleuben /
Daß ich ohn euch / Gott lob / wol werd' im Leben bleiben /
Wil derenthalben auch mich nimmer vnterstehn
Von wegen ewrer Gunst mit Lügen umb zu gehn.
Diß alles laß ich euch die Hofeleut' erzeigen /
Die prächtig Berg hinan mit Reden können steigen /
Vnd jedes Wort auffziehn nicht ohne grossen Schein /
Auff daß sie so bey euch in Gnaden mögen seyn.
Sie thun wol einen Eyd / nicht dennoch ohne lachen /
Daß ewer' Augen auch die Sternen finster machen /
Vnd daß sie heller sind denn alles Firmament /
Ja daß die Sonne selbst auch nicht so hefftig brent.
Sie schweren hoch vnd sehr / daß Gott euch außerlesen
Vor aller Zierligkeit vnd allem schönen Wesen /
Vnd sagen selig sey das Jahr vnd denn die Zeit /
In der jhr grosse Ziehr der Welt gebohren seydt.
Sie sprechen wol darbey / daß jhr mit ewren Blicken
Ein härter Hertz als Stein vermöget zu entzücken /
Daß auß America die beste Specerey
Mit ewrem Athem weit nicht zu vergleichen sey;
Daß solche Hände nicht gemahlet werden köndten /
Daß gegen jhnen Schnee zu gleichen sey der Tinten /
Daß jedes Zähnlein sey ein köstlicher Demant /
An welches die Natur all' jhre Kunst gewandt /
Vnd daß die Lippen auch / so mehr als Rosen blühen /
Weit seyn den edelsten Corallen vorzüziehen:
Daß Haar (ich glaube nicht daß es von Hertzen kömpt)
Ein jeglicher vor Gold vnd beste Perlen nimpt.
Sie setzen wohl hinzu / wenn sie euch reden hören /
Daß auch ein jedes Wort starck sey sie zu versehren /
Vnd daß der starcke Mars durch ewrer Zungen Schein
Die Waffen abzuthun bereitet würde seyn.
Geliebet euch hernach von Venus was zusingen /
Die Winde könnet jhr mit ewrer Stimme zwingen /
Vnd wenn jhr weiter auch euch zu der Lauten findt /
Ist Orpheus vngelehrt / vnd gegen euch ein Kindt.
Wann jhr zu Felde kompt / wohin man euch sieht gehen
Da sieht man alsobald die schönsten Blumen stehen;
In summa / die Natur hat diß an euch gethan /
Daß ewre Treffligkeit kein Mensch beschreiben kan.
Wie möcht' ich aber wol so falsch erdachte sagen /
Vnd groß' Auffschneyderey mit Langmut nur ertragen?
Ich glaube welcher sich nimpt solcher lügen an
Er Feder vnd Pappier auch schamroth machen kan.
Vnd was dann mich belangt / bin ich gar nicht der Sinnen
Daß ich also die Gunst verhoffe zu gewinnen /
So hat mein Hertze noch anjetzt ein solches Ziel /
Daß ich jhm ohne kunst kan wehren wann ich wil.
Ich sage freylich wol / vnd weiß es war zu machen /
Daß jhr gar rein' vnd steiff bewahret ewre Sachen /
Vnd daß auch sehr viel sindt voll Hoffart / stoltz vnd pracht
Die jhr gar weißlich doch nicht sonders habt in acht.
Daß ich euch aber auch für göttlich solt' erkennen /
Man möcht' es / fürcht ich nur / wol Träum' vnd Lügen nennen:
In ewrem Leichnam ist zwar alle Zierligkeit /
Doch auch nicht wenig steht vom Himmel trefflich weit.



                 An eine Jungfraw

VNd du wirst auch bey meiner Buhlschafft stehen /
O Delia / du Bildnuß aller Ziehr:
Ich wil auch dich durch meine Verß' erhöhen;
Ich wil dein Lob erweitern für vnd für.
Sey nicht erzürnt / Asterie / mein Leben /
Weil ich anjetzt so sehr weit von dir bin /
Daß ich mich hab' in andre Huld ergeben /
Vnd frembde Gunst mir kommen in den Sinn.
Ich habe dich in jhren Augen funden:
Dein Angesicht' und rosenrother Mund /
Dein schönes Haar ist so in jhr verbunden /
Daß ich sie nicht für dir erkennen kundt'.
Ich fandt in jhr was ich bey dir verlassen;
Ich fand in jhr dich so gebildet ein /
Daß ich vermeyn' ich könne sie nicht hassen
Ich müsse denn auch dir zu wider seyn.
O Delia / du Spiegel meiner Frewden /
Du Ebenbild der schönsten in der Welt /
Vergönne doch daß sich mein' Augen weiden /
Weil deine Ziehr mein Leben in sich helt;
Weil jhr Gesicht' ist so in dich geschrieben /
Daß sie jhr selbst nicht ähnlicher seyn kan /
Wie wolt' ich dich / mein' Augenlust / nicht lieben?
Ach nimb mich doch von jhrentwegen an.
So wil ich auch mit steten Versen ehren
Dein' hohe Ziehr / vnd edlen Augenschein.
So lange man von Liebe nur wird hören /
Wird man zügleich' auch deiner inndenck seyn.



Auff Herrn David Müllers Seeligen Abschied.

VNd bist du auch verblichen /
Mein mehr denn halbes Ich?
Bist du mir auch entwichen
Auff den mein Hertze sich
In allem so verlassen /
Daß ich ohn Furcht vnd Schew
Das Wetter herrschen lassen
In ansehn deiner Trew?
    Was jederman muß sehen /
Vnd doch nicht reden sol /
Was ist vnd wird geschehen /
Vervrsacht daß man wol
Von guter Zeit vnd Wesen
Jhm schlechte Rechnung macht:
Doch deinen Tod zu lesen
Hett' ich jetzt nie gedacht.
    Wo sind Herr Müllers Schreiben?
Fieng ich als Gestern an.
Wo solten sie verbleiben?
Mir ward nur kund gethan
In allen welche kamen
Der sey nun nicht mehr dar
Der mir ein Freund mit Namen /
Mit That ein Bruder war.
    Das Glück vnd keine Gaben /
Macht mich an Freunden reich
Die hoch sind vnd mehr haben:
An Trew sind wenig gleich.
O Fraw! O Kinder! weynet
Jhr nicht allein vmb jhn:
Den er gewiß gemeynet
Weiß ich daß ich es bin.
    Mir ist zu Ohren kommen
Wie sehr er meiner sich
Bißher hat angenommen /
Viel mehr als eben ich:
Darauß ich auch gespühret
Deß Hertzens Redligkeit:
Gold wird durch Glut probiret /
Die Freundschafft durch die Zeit.
    Jhr Mangel meiner Jugend /
Was meine Lust beginnt /
Jhr Bücher / meine Tugend /
Wo Bücher Tugend sind /
Wer wird euch nun verlegen
So fleissig als wie er?
Wer wird euch jetzund pregen
Zu gehn durch Land vnd Meer?
    Es wolte mir gehören,
Zu dencken auff ein Lied
Zu seines Schwehers Ehren /
Der Selig nechst verschied.
Er hat es auch begehret /
Vnd meinen Fleiß vermahnt;
Jtzt wird es jhm gewehret:
Das mir wol nicht geahnt.
    Er schrieb / viel zu ergetzen /
Zu thun was GOTT behagt /
Mocht' ich die Psalmen setzen
So wie ich zugesagt.
Ich wil es ja vollbringen /
Als freylich mir gehört:
Doch er kan besser singen
Worvon der König lehrt.
    Er stimpt zu allen Zeiten
Mit tausend Engeln ein /
Hört jhre schöne Seiten /
Vnd lobet den allein
Der nicht gelobt wil werden
Von dem in jener Welt /
Der jhm nicht singt auff Erden
Was seiner Macht gefellt.
    Mein Freund auch in dem Grabe
(Dann Liebe stirbet nicht)
Was schenck' ich dir für Gabe /
Dieweil dir nichts gebricht?
Gefellt dir Leyd vnd Schmertzen?
Die sind genugsamb hier.
Ein theil von meinem Hertzen?
Das hast du schon mit dir.
    Du hofftest mich zu sehen /
Vnd batest jederzeit:
Hier wird es nie geschehen;
Wil GOtt / ich bin nicht weit.
Doch sol ich ferner leben
(Den Tod rufft keiner nicht)
So wil ich dich erheben
Auß steter Liebespflicht.
    Jtzt kan ich nichts beginnen /
Mein Trawren macht mich schwach /
Das Leyd bezwingt die Sinnen /
Es leßt der Thränen Bach
Mein Tichten nicht bekleiben /
Weil sie die Reyme wäscht /
Vnd was ich gleich wil schreiben
Mir auß der Tafel lescht.



  Auff Herrn Doctor Johann Geißels Hochzeit

VNd jhr / Herr Bräutigam / vermeynet frey zu bleiben
Durchs Regiment der Lieb' / vnd laßt bey jhr euch schreiben /
In dem gantz Teutschland fast anjetzt zu Felde liegt /
Vnd vnser schönes Reich sich feindlich selbst bekriegt.
Nein; hier ist gleichfals Streit. ich will nicht viel vermelden
Wie die Amazonen gleich allen hohen Helden
Sich mit der Faust erzeigt / die Brüste weg gebrand /
Den Spieß daran gesetzt / vnd auff den Feind gerannt.
So auch erwehn' ich nichts von der Spartaner Frawen /
Wie sie jhr Hertze mehr dann Weiblich lassen schawen /
Als Pyrrhus in jhr Land die Elephanten bracht /
Vnd jhre Männer selbst verzagt dardurch gemacht.
Wil von der Böhmischen Valasca nichts nicht sagen /
Die sieben Männer hat in einem Streit' erschlagen /
Vnd vielen andern mehr / die mit gewehrter Hand
Nicht weniger behertzt / nur minder sind bekand.
Diß laß ich alles gehn; ich will nur bloß berühren /
Wie Venus Krieg auch pflegt gleich als jhr Mars zu führen.
Die Jugend zuvorauß taug vnter beyder Fahn:
Ein alter Knecht ist schwach: so auch ein alter Mann.
Sie halten beyde Wach. Hier dieser steht gemeine
Für seines Hertzen Haus / der für dem Capitayne:
Sie wenden jhr Gemüth vnd Augen für vnd für
Der auff des Feindes Thor; der auff der Liebsten Thür.
Ein Kriegesmann muß fort durch Wind / Schnee / Frost vnd Regen:
Ist dessen schönste weg / er leßt sich nichts bewegen /
Zeucht vber Land vnd See / fragt nach den Wellen nicht:
Sein Wind ist jhre Gunst / sein Nortstern jhr Gesicht.
Ein Landsknecht darff allzeit nach Weine sich nicht sehnen /
Lescht offtmals mit der Bach: ein Buhler mit den Threnen.
Der Krieg ist vngewiß: auch hier ist schlüpffrig Eiß;
Man weiß nicht was man will / vnd will nit was man weiß.
Diß Volck ist auch bewehrt: die Stirnen sind die Schantzen /
Die Oberwehr der Mund / die Augen jhre Lantzen /
Die Brüst' ein ander Schild. wer lieben Faulheit nennt /
Der gibt genung an Tag wie wenig er es kennt.
Achilles der ist nie so laß von Troja kommen /
Als wann Briseis jhm den starcken Sinn benommen:
So matt gieng Hercules von keiner Helden That /
Als wann jhn Omphale / er sie gefangen hat.
Den edlen grossen Mann hat noch deß Löwens Rachen /
Noch die Stymphalides / noch bleiche Gifft deß Drachen /
Vnd was deß Wesens mehr / nie vnter sich gebracht /
Doch ward sein hoher Sinn gelegt durch Weibermacht.
So köndte mancher nun wol diß vnd jenes sagen;
Mich aber meines Theils / Herr Bräutigam / zu fragen /
Ich halt' es gantz mit euch. Hier ist kein andrer Streit /
Als der erreget wird durch Lieb' vnd Freundligkeit /
Durch Freundligkeit vnd Lieb'. O wol / der weit von Kriegen /
Von Kämpffen / Haß vnnd Neyd hier schöpffet sein Genügen /
Hie findet seine Lust/ nimpt keines Feindes wahr /
Ist jnner Rast vnd Rhue / vnd ausser der Gefahr.
Hört nicht das Feldgeschrey vnd der Posaunen Krachen /
Darff von den donnernden Kartaunen nicht erwachen /
Sieht nicht die Lufft voll Staub / die Stätte voller Brand /
Die Felder ohne Feld / die Leichen in dem Sand'.
Er darff in Todesangst nicht Augenblicklich schweben /
Kan weit von falscher Lust mit seiner Freundin leben /
Legt aller Sorgen Last in ihren Armen hin /
Stellt nur auff Gott vnd sie sein Hertze / Muth vnd Sinn.
Nun diesen Port sollt ihr / O werther Freund erlangen:
Die schöne Zierligkeit / der Schnee der weissen Wangen /
Der hellen Augen Glantz / die freundliche Gestalt
So euch fieng zuvorhin / habt ihr jetzt in Gewalt.
Die Lippen. Aber seht das grosse Liecht der Erden /
Die Sonn' ist in das Meer mit ihren schnellen Pferden /
Der silberweisse Mond' hat sich herfür gemacht /
Streckt seine Strahlen auß / steht in der Lufft vnd wacht.
Viel tausend tausend par der wunderschönen Sternen
Sind vmb den Himmel her euch zu zusehn von fernen /
Vnd gantz bey sich bedacht so lange da zu stehn /
Biß sie euch sehn nicht so wie jetzt von sammen gehn.
Die schöne Venus kömpt mit ihren kleinen Knaben:
Der führt die Braut herzu / der will die Fackel haben /
Ein jeder ist bemüht: die Göttin selber lacht /
Sieht Braut vnd Bräutgam an / wündscht jnen gute Nacht /
Vnd singet vberlaut: Geht hin / ihr Kinder / gehet /
Vnd flieht dasselbe nicht / da manches Sinn nach stehet:
Geht hin / ihr liebes par / geht / geht das Streiten ein;
Dann sonst kan zwischen euch kein rechter Friede seyn.



                      Beschluß Elegie

Das blinde Liebeswerck / die süsse Gifft der Sinnen /
    Vnd rechte Zauberey hat letzlich hier ein End':
Es wird das lose Kind so mich verführen können /
    Gott lob / jetzt gantz vnd gar von mir hinweg gewendt.
Nun suche wo du wilt dir anderwerts Poeten;
    Hier / Venus / hab' ich mir gesteckt mein eignes Ziel;
Es ist mir deine Gunst jetzt weiter nicht von nöthen;
    Ich haß' all' Eitelkeit; es liebe wer da wil.
Was meine schwache Hand vor dieser Zeit geschrieben /
    Durch deinen Geist geführt / das ist der Jugend schuld;
Ich werde weiter nicht von solcher Lust getrieben;
    Was dir gehässig ist zu diesem trag' ich huld.
Wann Vrtheil vnd Verstand bey mir zu rathe sitzen /
    So hattest du mir zwar bethört den jungen Sinn:
Jetzt seh' ich daß dein Sohn sey ohne wahn vnd Witzen /
    Du aber / Venus / selbst ein' edle Kuplerinn.
Dein Wesen ist ein Marckt da Leid wird feil getragen /
    Ein Winckel da verdruß vnd Wehmuth jnnen steht /
Ein' Herberg' aller Noth / ein Siechhauß vieler Plagen /
    Ein Schiff der Pein / ein Meer da Tugend vntergeht.
Wo soll die Schönheit seyn / wann alles wird vergehen /
    Die Lippen von Corall / diß Alabaster Bild /
Die Augen so jhr seht gleich als zwo Sonnen stehen /
    Der rothe Rosenmund / der weissen Brüste Schild?
Sie sollen / vnd wir auch als Asch' vnd Staub entfliehen /
    Vnd allzugleiche gehn den Weg der Eitelkeit:
Pracht / Hoffart / Gut vnd Geld / vmb das wir vns so mühen /
    Wird Wind vnd Flügel noch bekommen mit der Zeit.
Ich laß' es alles stehn: das Ende meiner Jugend /
    Vnd Frucht der Liebeslust beschließ' ich gantz hierein:
Ein Werck das höher ist / der Anfang meiner Tugend /
    Ob dieses gleich verdirbt / soll nimmer sterblich seyn.



              Daß die Poeterey vnsterblich sey

WAs wirffstu / schnöder Neid / mir für die Lust zu schreiben
Von Venus / vnd mit jhr die Jugend zu vertreiben?
Ich achte deiner nicht / du liebest Eitelkeit:
Mein Lob vnd Name wird erklingen weit vnd breit.
Cupido führet mich in eine grüne Wüsten /
Da der Poeten Volck weit von Begier vnd Lüsten /
Vorzeiten hat gelebt wie noch die erste Welt
Nichts von den Städten wust' / vnd wohnet vmb das Feld.
Die Nymphen werden mir den Lorberkrantz auffsetzen /
Mit meinen Versen wird sich Erato ergetzen:
So weit die grüne Lust vnd hohen Wälder gehn /
So weit wird mein Gedicht' an allen Bäumen stehn.
Jhr örter voller Frewd' / jhr Auffenthalt der Hirten /
Jhr Bäch' / jhr Ahornbäum' / jhr Quell / jhr zarten Myrten /
Jhr Thäler / jhr Gebirg' / jhr Blumen vnd jhr Stein' /
Jhr Wohnhauß aller Rhu / bey euch wüntsch ich zu seyn;
Sonst nirgends als bey euch: von ewrer Lust besessen
Wil ich deß irrdischen / vnd meiner selbst / vergessen.
Wie Perseus als er erst Andromeden erblickt /
Ward mitten in der Lufft durch ihre Ziehr verzückt /
So daß er kaum das Roß vermochte zu regieren:
So soll auch mich von euch kein andre Liebe führen /
Biß mich der Letzte Todt hier vnversehens kriegt /
Vnd Venus mich begräbt wo jhr Adonis liegt.



          Echo oder Wiederschall

DIß Ort mit Bäumen gantz vmbgeben /
Da nichts als Furcht vnd Schatten schweben /
    Da Trawrigkeit sich hin verfügt /
    Da alles wüst' vnd öde liegt /
Da auch die Sonne nicht hinweichet /
Da gifftig Vngezieffer schleichet /
    Da gar kein Wasser sich ergeust /
    Als das auß meinen Augen fleust /
Da gar kein Liecht nicht wird erkennet /
Als daß auß meinem Hertzen brennet /
    Bedüncket mich bequeme seyn /
    Da ich mich klag' ab meiner Pein /
Ab meiner Pein vnd tieffstem Leiden /
Daß mich jetzund wird von mir scheiden;
    Doch ehe der gewüntschte Tod
    Mit Frewden abhilfft meiner Noth /
Will ich von meiner Liebe klagen /
Vnd / ob schon gantz vergeblich / fragen /
    Ist dann niemand der tröste mich /
    Weil ich so trawer' jnniglich? Ich.
O Echo / wirst nur du alleine
Hinfort mich trösten / vnd sonst keine? eine.
    Wie soll sie leschen meinen Brandt /
    Ist sie mir doch noch vnbekandt? bekandt.
Sie wil es aber nicht verstehen /
Lest mich in Angst ohn Ablaß gehen. laß gehen.
    Verleuret sich denn ja mein Leidt /
    Wem soll ichs dancken mit der Zeit? der Zeit.
So ist nun Noth daß ich verscharre
Das Fewer / vnd der Stund' erharre? harre.
    Wenn ich zu lange harren solt'
    Hülff etwas meiner Vngedult? Gedult.
Vielleichte möcht' ich sterben ehe /
Weil ich im höchsten Elend gehe? entgehe.
    So folg' ich deinem Rathe schlecht /
    Hoff' alles werde gut vnd recht. recht.
Nun bin ich vieler Noth entbunden /
Vnd habe guten Trost empfunden.
    Du vnbewohnte Trawrigkeit /
    Jhr Hecken voll von meinem Leid' /
Jhr schwartzen Hölen vnd jhr Wüsten /
Da Eulen / Natern / Schlangen nisten /
    Du ödes Ort / gehabt euch wol;
    Ich bin für Trawren Frewde voll /
Für Finsternüß such' ich die Sonnen /
Für Threnen einen kühlen Bronnen:
    Die so Vertröstung mir gethan /
    Ist so daß sie nicht lügen kan.



                          Sonnet X.

Einer Jungfrawen Klage vber nahendes Alter.

ACh wo ist nun die Zeit / in der man pflag zu gleichen
Der Rosen schöner Zier mein' edele Gestalt?
Ja freylich bin ich so / nun ich bin graw vnd alt.
Eh' als der Sonnen Glantz die Rose kan erreichen
    So muß sie durch die Lufft der Nacht zuvor verbleichen /
Vnd hat nur von dem Thaw ein wenig Vnterhalt:
So netzen mich jetzt auch die Threnen mannigfalt /
Weil ich die junge Zeit nun habe lassen schleichen.
    Geht dann der Morgen an / so wird die Rose roth;
Ich werde Schamroth auch gedenck ich an die Noth.
Doch hab ich diesen Trost daß gleich wie von den Winden
    Die Rose wann der Tag sich neigt / wird abgemeit /
So werd' auch ich / weil nun mein Abend nicht ist weit
Kan ja es hier nicht seyn / doch Ruh' im Grabe finden.



                              Elegie

IN dem die Sonne sich hat in das Meer begeben /
Vnd das gestirnte Haupt der Nacht herausser bricht /
Sind Menschen / Vieh vnd Wild wie gleichsam ohne Leben /
Der Monde scheinet auch gar kaum mit halbem Liecht.
Ich / ob schon alles schläfft / muß ohn Auffhören wachen
Von vielen Tagen her / vnd wallen ohne Ruh:
Ist schon die gantze Welt befreyt von jhren Sachen /
So bring' ich doch vor Lieb' vnd Angst kein Auge zu.
Auch dich / Asterie / hat gantz der Schlaff vmbringet /
Der Tagesarbeit furth / deß Todes Ebenbild;
Da mir der Zehren Bach auß beyden Augen dringet /
Bist du mit sanffter Rhu auff deinem Bett' erfüllt.
Wie wann sich Delia hat in den Walt verborgen /
Wird durch den Schlaff erwuscht / vnd fellt ins grüne Graß;
Vnd wie die Nymphen auch sich legen gegen morgen /
Nach dem der Nachttantz sie gemacht hat müd vnd laß.
Sie ruhen sicherlich bey einem frischen Bronnen /
Die Bäume halten auff der Morgenröthe Liecht;
Daß sie nicht alsobald erwachen von der Sonnen
Deckt sie der dicke Wald: Pan aber schläffet nicht.
Er geht / er rufft / er schreyt mit sehnlichem Verlangen /
Daß seine stimm erklingt durch pusche / Berg vnd Thal /
Vnd sie sind sänfftiglich mit süssem Traum vmbfangen /
Dem Pan antwortet nur der blosse Wiederschal.
Du auch / mein Leben / schläfst / ich muß in Nöthen wallen /
Du bist in guter Rhu / ich wache für vnd für /
Biß mich der letzte Tod wird endlich vberfallen /
Auff den ich sehnlich wart allhier bey deiner Thür.



                            Sonnet XXI.

                   Francisci Petrarchae.

ISt Liebe lauter nichts / wie daß sie mich entzündet?
Ist sie dann gleichwol was / wem ist ihr Thun bewust?
Ist sie auch gut vnd recht / wie bringt sie böse Lust?
Ist sie nicht gut / wie daß man Frewd' auß jhr empfindet?
    Lieb' ich ohn allen Zwang / wie kan ich schmertzen tragen?
Muß ich es thun / was hilfft's daß ich solch Trawren führ'?
Heb' ich es vngern an / wer dann befihlt es mir?
Thue ich es aber gern'/ vmb was hab' ich zu klagen?
    Ich wancke wie das Graß so von den kühlen Winden
Vmb Vesperzeit bald hin geneiget wird / bald her:
Ich walle wie ein Schiff das durch das wilde Meer
    Von Wellen vmbgejagt nicht kan zu Rande finden.
Ich weiß nicht was ich wil / ich wil nicht was ich weiß:
Im Sommer ist mir kalt / im Winter ist mir heiß.



           Ode I.

         Galathee

COridon der gieng betrübet
An der kalten Cimbersee /
Wegen seiner Galathee /
Die er vor so sehr geliebet /
Die jhm vor so sehr behagt
Eh' er ward von jhr verjagt.
    Seit daß ich hinweg bin kommen /
Seit daß wir geschieden seyn /
Sang er / hat deß Mondens schein
Viermal ab vnd zugenommen:
Galathee / so lange Zeit
Bin ich von dir allbereit.
    Nun du wirst dich noch besinnen
Daß ich bey dir gantz vnd gar
Fuß zu halten willens war /
Vnd auch kaum gesegnen können:
Rawe Heidelberg mich sehr /
Du viel tausend mal noch mehr.
    Galathee / ich were blieben /
Vngeschewt der Kriegesnoth;
Der verlacht Gefahr vnd Tod
Welcher trewlich pflegt zu lieben:
Aber es ist dir wol kundt
Daß es gar bey mir nicht stundt.
    Ich zoh hin von meinen Schaffen /
War auch schon biß an den Mayn;
Doch es wolte gantz nicht seyn /
Ich vermochte nicht zu schlaffen /
Biß ich wieder zu dir kam /
Vnd noch einmal Abschied nahm.
    Dann must' ich / was solt ich machen?
Wieder auff mein Franckfurt zu:
Tityrus der sprach: wie nu?
Wie stehts jetzund umb die Sachen?
Mich bedüncket gantz vnd gar /
Daß dir vor viel besser war.
    Tityrus ist recht gewesen;
Ich ward jmmer ärger kranck:
Thyrsis gab' mir einen Tranck /
Ob ich köndte so genesen;
Aber alle Kräuterkunst
War vergebens vnd vmbsunst.
    Keiner Müh' hab' ich geschonet /
Schifft' hin in das Niederlandt;
Leyden wird die Stadt genanndt /
Da der grosse Daphnis wohnet;
Daphnis der berümbte Mann /
Der so trefflich spielen kan.
    Ich kam zu jhm / wolte singen
Wie zu Heidelberg vorhin:
Nein / es schlieff mir Muth vnd Sinn;
Alle Worte must' ich zwingen.
Bloß mein Schatten gieng allhier /
Ich war nirgend als bey dir.
    Doch er ließ es jhm gefallen /
Sagte: wol mein Coridon /
Fahre fort; dein guter Thon
Kan noch weit vnd breit erschallen:
Es war aber nicht vor mich;
Ich gedachte nur an dich.
    Bin ich vnten oder oben /
Es gilt alles eben viel /
Vnd was hilfft es das mein Spiel
Alle die es hören loben /
Du hergegen / O mein Liecht /
Die ich lobe hörst es nicht?
    Nachmals kam ich zu den Friesen /
Sah' ihr schönes Vieh da stehn /
Vnd im feisten Grase gehn /
Vnd die Lämmer auff den Wiesen:
O wie wol ist doch daran /
Sprach ich / der so leben kan!
    Nun ich wil euch gar nicht neiden /
Ja ich wüntsche noch darzu
Daß jhr lange Zeit in Rhu /
Liebe Hirten / möget weiden.
Aber ich hier vnbekandt
Flieh' anjetzt mein Vatterlandt.
    Jhr köndt singen bey den Quellen /
Daß man höret weit vnd breit
Von der schönen Freundligkeit
Das gestade Wiederschellen:
Ich muß singen auff der See:
Wo ist meine Galathee?
    O wie bistu so verdrungen!
Wo ist jetzt die Herrligkeit /
Corydon / wie vor der Zeit?
Nun sing wie du vor gesungen:
Galathee / bey dir allein
Wil ich jetzt vnd jmmer seyn.
    Geh' jetzund hin zu dem Brunnen /
Da deß Wolffes strenge Macht
Mutter Jetten vmbgebracht /
Da sich offtes durch der Sonnen
Heisse Stralen angeregt
Galathee zu dir gelegt;
    Da sie dich mit vielen Küssen
In die weissen Armen schloß;
Da du in der zarten Schoß
Deine Lust recht kondtest büssen:
Aber jetzt / O Corydon /
Ach wie weit bistu darvon!
    Nun wir haben es erlebet /
Was du / Gott / verhangen hast /
Daß bey vns ein frembder Gast
Auff den schönen äckern gräbet:
Was wir haben außgestrewt /
Wird von andern abgemeyt.
    Wol dem der sein Feld kan bawen /
Lieben Schäffer / gleich wie jhr /
Darff sein Leben nicht mit mir
Nur dem blossen Winde trawen:
Jhr habt ewer Vattergut /
Ich muß auff die wüste Flut.
    Nach dem hin vnd wieder ziehen
Kam ich endlich doch hieher /
Galathee / weit vber Meer:
Weiter kan ich nun nicht fliehen;
Weiter fliehen kan ich nicht /
Weil mir Wind vnd See gebricht.
    Wo die Schiffe vor geflossen /
Da liegt scharffes Eiß vnd Schnee.
Dieses Vfer da ich geh
Hat der Winter gantz verschlossen;
Vor der grünen Felder Lust
Ist hier lauter Reiff vnd Frost.
    Nun ich wolte gerne leiden
Was ich immer leiden soll;
Ja / mir were gantz so wol /
Wann ich dich nicht dörffte meiden:
Alle Trawrigkeit vnd Pein
Fühl ich nur von wegen dein.
    Alle Nacht pflegt mir zu träumen
Wie ich bey dem Necker sey /
Wie ich aller Sorgen frey
Bey den rauchen Kestenbäumen
Mit dir / liebe Galathee /
Oepffel auff zu lesen geh.
    Dein Verstand vnd kluge Sinnen /
Die mir meine liessen nicht /
Deiner schönen Augen Liecht /
Die ich muste lieb gewinnen /
Deiner roten Lippen Ziehr
Sind ohn vnterlaß allhier.
    Gantz verstarret vnd erfroren
Durch den Schnee vnd strengen Nort
Jrr' ich offters vmb den Port /
Ruffe dir die ich verlohren.
O vergebens / Corydon /
Sie ist allzuweit hiervon.
    Täglich geht die Sonne nieder
Steht auch täglich wider auff /
Vnd helt jhren alten Lauff;
Aber wann seh' ich dich wieder?
Ach / wie weit ist doch der Tag /
Daß ich dich vmbfangen mag!
    Manches Land muß ich noch sehen /
Vnd mich lassen hin vnd her
Durch das weite wilde Meer
Manche rauhe Winde wehen /
Eh' ich / reicht mir Gott die Hand /
Schawen kan mein Vaterland.
    Vnterdessen meine Frewde /
Galathee gehab dich wol /
Biß ich / wo ich leben soll
Weit von Trawren vnd von Leide
Bey den meinen vnd bey dir
Bleiben werde für vnd für.
    Dieses Vfer wil ich haben;
Galathee in deiner Schoß
Kan ich werden frey vnd loß;
Hier wil ich mein Leyd vergraben:
Hier soll weit von Angst vnd Pein
Meiner Reise Ruhstadt seyn.
    Also sang er / daß die Wellen
Vnd das Vfer an der See
Galathee / O Galathee /
Sämptlich muste wiederschellen /
Biß die Abendröthe kam /
Vnd die Nacht den Tag weg nahm.



           Ode II.

Ist jrgend zu erfragen
Ein Schäffer vmb den Rein /
Der sehnlich sich beklagen
Muß vber Liebespein /
Der wird mir müssen weichen /
Ich weiß sie plagt mich mehr:
Niemand ist mir zu gleichen /
Vnd liebt er noch so sehr.
    Es ist vorbey gegangen
Faßt jetzt ein volles Jahr /
Daß Phyllis mich gefangen
Mit Liebe gantz vnd gar;
Daß sie mir hat genommen
Gedancken / Muth vnd Sinn:
Ein Jahr ists daß ich kommen
In jhre Liebe bin.
    Seit dem bin ich verwirret
Gewesen für vnd für /
Es haben auch geirret
Die Schaffe neben mir;
Das Feld hab' ich verlassen /
Gelebt in Einsambkeit /
Hab' alles müssen hassen
Worumb ein Mensch sich frewt.
    Nichts hab' ich können singen
Als nur jhr klares Liecht;
Von jhr hab' ich zu klingen
Die Lauten abgericht;
Wie sehr ich sie muß lieben /
Vnd jhre grosse Ziehr /
Das hab' ich fast geschrieben
An alle Bäwm' allhier.
    Kein Trincken vnd kein Essen /
Ja nichts hat mir behagt /
Ich bin nur stets gesessen /
Vnd habe mich beklagt:
In diesen schweren Orden
Verendert alles sich /
Die Herd' ist mager worden /
Vnd ich bin nicht mehr ich.
    Sie aber hat die Sinnen
Weit von mir abgekehrt /
Ist gar nicht zu gewinnen /
Als wer' ich jhr nicht werth;
Da doch was ich gesungen
Im Brittenland' erschallt /
Vnd auch mein Thon gedrungen
Biß durch den Böhmer Waldt.
    So hab' ich auch darneben /
Ich habe was bey mir /
Daß ich nicht wolte geben
Vmb alles Vieh allhier
Das an deß Neckers Rande
Im grünen Grase geht,
Mein Lob wird auff dem Lande
Vnd in der Stadt erhöht.
    Jedoch nach diesem allen
Frag' ich nicht sonders viel /
Der Phyllis zu gefallen
Ich einig singen wil /
Weil nichts ist das auff Erden
Mir ohne sie gefellt;
Kan jhre Gunst mir werden /
So hab' ich alle Welt.



                   Ode III.

Wol dem der weit von hohen dingen
Den Fuß stellt auff der Einfalt Bahn;
Wer seinen Muth zu hoch wil schwingen /
Der stöst gar leichtlich oben an.
    Ein jeder lobe seinen Sinn /
    Ich liebe meine Schäfferinn.
        Ein hohes Schloß wird von den Schlägen
Deß starcken Donners mehr berührt;
Wer weit wil fellt offt auß den Wegen /
Vnd wird durch seinen Stoltz verführt.
    Ein jeder lobe seinen Sinn /
    Ich libe meine Schäfferinn.
        Auff grosser See sind grosse Wellen /
Viel Klippen / Sturm vnd harter Wind:
Wer klug ist bleibet bey den Quellen /
Die in den grünen Wäldern sind.
    Ein jeder lobe seinen Sinn /
    Ich liebe meine Schäfferinn.
        Hat Phyllis gleich nicht Gold vnd Schätze /
So hat sie doch was mir gefellt:
Wormit ich mein Gemüt' ergetze /
Wird nicht erkaufft vmb Gut vnd Geldt.
    Ein jeder lobe seinen Sinn /
    Ich liebe meine Schäfferinn.
        Man steth bey reicher Leute Pforte
Sehr offt / vnd kömpt doch selten ein:
Bey jhr bedarff es nicht der Worte;
Was jhr ist / ist nicht minder mein.
    Ein jeder lobe seinen Sinn /
    Ich liebe meine Schäfferinn.
        Glentzt sie gleich nicht mit thewren Sachen /
So gläntzt doch jhrer Augen Liecht:
Gar viel muß Hoffart schöne machen /
Jhr schlechter Schein betreugt mich nicht.
    Ein jeder lobe seinen Sinn /
    Ich liebe meine Schäfferinn.
        Ist sie gleich nicht von hohem Stande /
So ist sie dennoch auß der Welt:
Hat sie gleich keinen Sitz im Lande /
Sie selbst ist mir ein weites Feldt.
    Ein jeder lobe seinen Sinn /
    Ich liebe meine Schäfferinn.
        Wer wil mag in die Lüfften fliegen /
Mein Ziel erstreckt sich nicht so weit:
Ich lasse mich an dem begnügen
Was nicht bemüht vnd doch erfrewt /
    Vnd lobe billich meinen Sinn /
    Vnd meine schöne Schäfferinn.